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Vorbild Autonomes Fahren: Startup erfasst Bestandsimmobilien mit 3D-Lasern

Mit Hilfe von 3D-Lasertechnik aus dem Autonomen Fahren können Bestandsimmobilien jetzt digital erfasst werden. Das geht extrem schnell, Innen wie Außen und kommt ohne jede Bezugsgröße zur Kalibrierung aus. Hier ein Feldversuch im Video.

Innerhalb weniger Minuten kann Dotscene mittels einer Drohne Bestandsimmobilien digital von außen erfassen (Foto: immobilienmanager)
Innerhalb weniger Minuten kann Dotscene mittels einer Drohne Bestandsimmobilien digital von außen erfassen (Foto: immobilienmanager)

Vor wenigen Minuten hat es noch gehagelt an diesem Januar-Nachmittag in Köln. Doch rechtzeitig reißt der Himmel über der Domstadt auf und es herrscht bestes Drohnen-Flugwetter. So können Nicolas Trusch und seine Mitstreiter vom Freiburger Startup Dotscene zeigen, was ihr „Dotcube 600k“ drauf hat.

Der Dotcube, das ist ein unscheinbarer dunkler Würfel mit zwei zylinderförmigen Ausbuchtungen. Was in ihm steckt und was er kann, ist jedoch alles andere als unscheinbar. Die Ausbuchtungen beherbergen 3D-Lasersensoren – einer in der vertikalen, einer in der horizontalen Achse. Vereinfacht gesagt, scannen diese Sensoren ihre Umgebung und erstellen daraus ein komplettes 3D-Modell, etwa von Bestandsimmobilien.

Unter der Drohne ist der Dotcube befestigt, der mit zwei 3D-Lasern die Umgebung erfasst (Foto: immobilienmanager)
Unter der Drohne ist der Dotcube befestigt, der mit zwei 3D-Lasern die Umgebung erfasst (Foto: immobilienmanager)

Die Drohne hebt ab, klappt ihre Beine ein und beginnt am Gebäude auf und ab zu fliegen. Mit im Gepäck hat sie den Dotcube, der in den nächsten 15 Minuten den kompletten Hauptsitz von Art-Invest Real Estate in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofes erfasst haben wird – mit jedem Fassadenversprung, jeder Kante und Ecke. Aus den erfassten Daten entstehen Punktwolken aus denen mit Hilfe eigens entwickelter SLAM-Algorithmen ein komplettes 3D-Modell des Gebäudes und seiner Umgebung wird.

Technik stammt aus dem Autonomen Fahren
Die 3D-Lasertechnik stammt aus der Robotik und dem Bereich des autonomen Fahrens. Der Clou ist, dass das System keinerlei Bezugsgröße benötigt, es muss also nicht erst kalibriert werden, benötigt kein GPS und ist auch für Laien nach kurzer Einführung zu bedienen. Der Würfel kann unter eine Drohne gehangen, in der Hand getragen oder auf einem Fahrzeug bewegt werden. Einfach Anschalten und loslegen. Fertig. Auf die gesamte Gebäudelänge sind die Punktwolken auf ein bis zwei Zentimeter genau.

Aus den 3D-Modellen kann Dotscene an jeder beliebigen Stelle Schnitte, Grundrisse oder Fassadenprojektionen erstellen. Die Kunden erhalten diese als CAD-Modelle und können direkt in ihren bewährten Systemen damit weiterarbeiten.

Bestände lassen sich schnell, günstig und genau erfassen
Lucille Bonnet, Senior Investment Manager des High-Tech Gründerfonds, der sich an Dotscene beteiligt hat sagt: „Es war noch nie so einfach, riesige Objekte und deren Umgebung vollständig zu digitalisieren.“ Auch Kai Panitzki von Bitstone Capital ist von der Lösung begeistert, weil sie schnell und unkompliziert Bestandsimmobilien erfassen kann und den Kunden Modelle liefert, die diese sofort weiterverarbeiten können. Die Art-Invest-Tochter Bitstone Capital gehört ebenfalls zu den Investoren, die in der aktuellen Finanzierungsrunde eingestiegen sind.

„Erst die stockwerksübergreifende Erfassung von Immobilien inklusive der Treppenhäuser sowie die Kombination dieser Datensätze mit den erfassten Außenhüllen der Gebäude ergeben wirklich vollständige 3D-Modelle“, sagt Michael Ruhnke, leitender Softwareentwickler bei Dotscene. Das Unternehmen hat aktuell elf Mitarbeiter und liefert mit seiner Lösung vollständige und genaue Planungsgrundlagen zu einem Bruchteil der bisher benötigten Ressourcen.

Fertiges 3D-Modell des Hauptsitzes von Art-Invest inklusive der Umgebung (Foto: Dotscene)
Fertiges 3D-Modell des Hauptsitzes von Art-Invest inklusive der Umgebung (Foto: Dotscene)

In der Technologie könnte großes Potential für die Immobilienwirtschaft stecken. „Das 3D-Mapping wird eine Basis für viele Zukunftstechnologien, die gerade entstehen und wir freuen uns darauf, diese Anwendungsfälle gemeinsam mit dem Team zu entdecken“, ist Manfred Heid, Partner bei BitStone Capital, optimistisch.

In der Wohnungswirtschaft haben die Freiburger bereits mit ihrer jetzigen Lösung offene Türen eingerannt. Seit Gründung im Oktober 2016 finanziert sich Dotscene durch getätigte Umsätze im Kerngeschäft selbst. „Zehn Tage Telefonakquise zu Beginn, danach haben wir nur noch Aufträge abgearbeitet“, erklärt Gründer Nicolas Trusch. Kein Wunder, ist die Bestandsdigitalisierung doch gerade für Wohnungsunternehmen eine Sisyphos-Aufgabe. Denn oft stimmt der tatsächlich gebaute Zustand, mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt, nicht mit den ursprünglichen Plänen überein – falls überhaupt digitale Daten vorliegen.

Autor: Markus Gerharz

23.01.2019