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Fehler, die Sie bei der Digitalisierung vermeiden sollten

Die Digitalisierung bei Immobilienunternehmen ist in vollem Gang – und das Risiko an dieser Herausforderung zu scheitern ist groß. Wir verraten, welche fünf Todsünden Sie unbedingt vermeiden sollten.

Unternehmen sollten bei der digitalen Transformation typische Fehler vermeiden (Foto: Neonbrand/unsplash.com)
Unternehmen sollten bei der digitalen Transformation typische Fehler vermeiden (Foto: Neonbrand/unsplash.com)

1. Nur die Technik im Blick haben
„Digitalisierung ist mehr als Software. Die Technologie ist nur Mittel zum Zweck", hat der Digital-Chef von Commerz Real, Florian Stadlbauer im Interview mit immobilienmanager gesagt. Diesen Leitspruch sollte man nicht außer acht lassen. Denn viel zu häufig führen Unternehmen neue leistungsstarke digitale Tools ein, ohne vorher genau zu überlegen, welchen Mehrwert diese eigentlich bringen sollen. Lassen Sie sich also nicht von den vielen tollen Features einer Software blenden. Unter Umständen arbeiten Ihre Mitarbeiter bereits so effektiv wie möglich – und das kann sogar einmal ganz oldschool und nicht-digital sein. Ein Ferrari mit 500 PS mag ein tolles Auto sein, für den täglichen Stadtverkehr ist aber manchmal ein Fahrrad passender.

2. Perfekt ist gerade gut genug
Digital geht anders, daran müssen sich auch Führungskräfte und Entscheider gewöhnen. Bei der Entwicklung von digitalen Lösungen ist das Trial-and-error-Prinzip fester Bestandteil. Es ist ein wesentlicher Charakterzug der Digitalisierung – und eine Art Kulturschock für traditionelle Unternehmen und Branchen. Schließlich hat man uns Jahrzehnte gepredigt, dass nur das Perfekte gut genug ist. Bevor ein Produkt oder ein neuer Service auf die Kunden losgelassen wurde, hieß es deshalb: testen und besser machen, bis alles sitzt. In der digitalen Welt wird natürlich auch getesten, geändert und verbessert. Allerdings geschieht das nicht unter Verschluss, sondern unter realen Bedingungen direkt am Nutzer. So können Fehler schon in einem frühen Stadium ausgemerzt werden. Das kostet meist weniger als wenn Fehler erst viel später und dann oft mit lautem Knall auffallen. Man kann ruhig den Gründer von LinkedIn als Vorbild nehmen. Der hat einmal gesagt: „Wenn dir die erste Version deines Produktes nicht peinlich ist, kommst du zu spät auf den Markt."

3. „Digitalisierung machen die IT-Nerds"
Ja, Digitalisierung hat mit IT zu tun. Nein, die IT sollte in Unternehmen nicht die Verantwortung dafür tragen. Die digitale Transformation muss auf Vorstands- und Geschäftsführer-Ebene höchste Priorität genießen und verantwortet werden. Denn sie kann Auswirkungen auf jeden Winkel des Unternehmens haben oder wie es Sandra Scholz, Vorstand der Commerz Real beim imFOKUS Gipfeltreffen HR gesagt hat: „Die Digitalisierung veärndert den Kern und die DNA unseres Unternehmens." Deshalb lässt sie sich auch nicht an die Nerds aus der IT-Abteilung delegieren. Wenn sie gelingen soll, muss es eine Strategie geben und eine Vision, wie das Unternehmen sich verändern soll. Dabei dürfen die Führungskräfte die Mitarbeiter nicht vergessen, denn für diese bringt die Digitalisierung jede Menge Veränderung und Verunsicherung mit sich.

4. Den Kunden nicht im Blick haben
Was haben erfolgreiche digitale Geschäftsmodelle gemeinsam? Ganz einfach: Sie machen es ihren Kunden einfach. Egal um welches Problem es geht, der Kunde und sein Nutzen stehen im Fokus. Das ist bei Airbnb so, bei Paypal, bei Car2go, bei Tripadvisor und auch bei Netflix. Wer seinen Kunden keine einfachen, sondern komplizierte Lösungen bietet, der hat keine Chance. Deshalb ist auch das Feedback der Kunden bereits im frühen Stadium der Entwicklung so wichtig. Nur wer weiß, was Kunden vermissen, womit sie Probleme haben und welches Feature ihnen noch weiterhelfen würde, kann ihnen sinnvolle Lösungen bieten. Wer diesen Ansatz hundertprozentig verfolgen möchte, der arbeitet nach der Methode des Design Thinking und richtet sich damit ganz an den Bedürfnissen und dem Verhalten der Kunden aus.

5. Sich abschirmen
Joint Ventures und Partnerschaften sind unumgänglich, wenn man die digitale Transformation meistern will. Denn wer alles alleine macht, ist schnell überfordert und liefert wahrscheinlich an Markt und Kunden vorbei. Für Immobilienunternehmen ist das ein Kulturwandel. „Leider sind viele Unternehmen es lange gewohnt gewesen, ihre Daten unter Verschluss zu halten", sagt Proptech-Gründer Jannes Fischer im Interview . Er sieht in der antrainierten Geheimniskrämerei einen Hauptgrund für die Diskrepanz zwischen dem Grad der Technologisierung in der Immobilienwirtschaft und dem, was technologisch eigentlich möglich wäre. Es gibt Unternehmen, die das scheinbar erkannt haben. Bei der Commerz Real öffnet man sich im Zuge des Wandels hin zum digitalen Asset Manager sowohl intern als auch über Unternehmensgrenzen hinweg und will so das Silodenken beenden. „Die größte Gefahr in Zeiten des Umbruchs ist nicht der Umbruch selbst, sondern ihm mit veralteter Logik zu begegnen", hat Management-Guru Peter Drucker gesagt. 

13.12.2017