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„Die Bank brummt auf allen Zylindern“

Ein hoher Wettbewerbsdruck, extrem niedrige Zinsen, zugleich aber auch boomende Immobilienmärkte – deutsche Immobilienfinanzierer sehen sich widersprüchlichen Dynamiken ausgesetzt. Die Berlin Hyp fuhr in diesem Umfeld 2018 ein Rekordergebnis ein.

Sascha Klaus: „Die Finanzierungsmärkte sind aggressiver geworden, zugleich bleiben wir unserer konservativen Risikopolitik treu“ (Foto: Hoffotografen)
Sascha Klaus: „Die Finanzierungsmärkte sind aggressiver geworden, zugleich bleiben wir unserer konservativen Risikopolitik treu“ (Foto: Hoffotografen)

Das Institut meldet für das Geschäftsjahr 2018 ein um 18 Prozent gestiegenes Ergebnis: 116 der insgesamt erzielten 221 Millionen Euro wurden an die Eigentümer ausgeschüttet. die übrigen 105 Millionen Euro führte das Institut gemäß Paragraf 340 des Handelsgesetzbuches HGB als offene Vorsorgereserve an ihren Fonds für allgemeine Bankenrisiken ab. Diese Abführungen dienen der Stärkung der Eigenkapitalbasis, ihre Höhe liegt im Ermessen der Bank. Insgesamt hat die Berlin Hyp für diesen Sonderposten mittlerweile 328 Millionen Euro zurückgelegt.

2017 lag das Ergebnis bei 187 Millionen Euro, 2016 bei 123 Millionen Euro. Ein Grund für die Ergebnissteigerung ist der erhöhte Zinsüberschuss, ausgelöst durch den gewachsenen Bestand an Hypothekendarlehen, vor allem aber durch Sondereffekte und deutlich gesunkene Refinanzierungskosten.

Starke Wachstumssprünge verzeichnete das Verbundgeschäft mit den Sparkassen, die ja zugleich Eigentümerinnen der Berlin Hyp sind. Das gemeinsam realisierte Geschäft erreichte ein Volumen von 2,9 Milliarden Euro, was fast einer Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Insgesamt beteiligten sich 134 Sparkassen an gemeinsamen Geschäften. Den größten Anteil hatte das Konsortialgeschäft mit 1,5 Milliarden Euro Volumen, gefolgt von den Berlin-Hyp-Produkten „ImmoAval“ (1,1 Milliarden Euro) und dem „ImmoSchuldschein“ (346 Millionen Euro). Geplant ist zudem eine digitale Plattform, über die Sparkassen auch mit kleineren Investitionssummen an Transaktionen der Berlin Hyp partizipieren können.

Erfreut zeigte sich Klaus darüber, dass die von ihm geführte Bank mit diesem starken Ergebnis die Eigenkapitalbasis des von ihm geführten Instituts aus eigener Kraft weiter steigern konnte. Die harte Kernkapitalquote liegt nunmehr bei 13,5 Prozent (2017: 12,5 Prozent), die Gesamtquote beträgt 16,8 Prozent (2017: 15,5 Prozent).

Bezüglich des Neugeschäfts trat die Berlin Hyp planmäßig auf die Bremse. „Die Finanzierungsmärkte sind aggressiver geworden, zugleich bleiben wir unserer konservativen Risikopolitik treu“, begründete Klaus dieses Vorgehen. Das Volumen ging im Vergleich zu 2017 von 6,7 auf 4,9 Milliarden Euro zurück. Hinzu kamen Prolongationen mit einen Gesamtvolumen von 1,2 Milliarden Euro (2017: 1,4 Milliarden Euro). Drei Viertel aller Finanzierungen entfielen auf den deutschen Markt.

Die Entwicklung der Berlin Hyp in Zahlen (Quelle: Geschäftsbericht Berlin Hyp 2018)
Die Entwicklung der Berlin Hyp in Zahlen (Quelle: Geschäftsbericht Berlin Hyp 2018)

Die eigenen Digitalisierungsprojekte will Klaus weiter energisch vorantreiben, um die Berlin Hyp in dieser Hinsicht zum führenden Immobilienfinanzierer zu machen.. Zentral sei dafür das Projekt „Kreditprozessoptimierung 4.0“ mit dem die Bank ihren Kernprozess komplett digitalisiert und auf einen Rechenkern umstellt. Auch die Implementierung der Plattform SAP HANA schreite voran. „Wir wollen nicht nur Teile von Prozessen digitalisieren, sondern die gesamte Wertschöpfungskette“, so Klaus. Auch die externe Komponente der Digitalisierungsstrategie komme voran. Das von der Bank selbst initiierte Startup OnSite ImmoAgent verfügt über erste Kunden und Projekte. Zudem ist die Bank an einem weiteren Proptech beteiligt.

Großen Wert legt Klaus auf den Ausbau der Refinanzierung mit grünen Anleihen. Mittlerweile hat die Berlin Hyp ihren dritten grünen Pfandbrief und ihre dritte grüne Senior-Unsecured-Anleihe emittiert. Die Bank sieht sich diesbezüglich als Marktführer, Sascha Klaus freut sich aber auch über mehr Wettbewerb: „Das wird helfen, den Markt auszuweiten. Nötig wären Kriterien für Green Bonds auf europäischer Ebene. Der Verband Deutscher Pfandbriefbanken ist diesbezüglich bereits aktiv.“

Der Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr fällt eher verhalten aus. Zwar stehen Sascha Klaus zufolge keine größeren Auswirkungen des drohenden Brexit ins Haus, weil die Bank in Großbritannien kaum engagiert ist. Das Ergebnis werde 2019 aber deutlich unter dem von 2018 liegen. Sascha Klaus begründet das so: „Wir planen eine nennenswerte Dotierung zum Sonderposten für allgemeine Bankrisiken, um die Bank für das schwieriger werdende Marktumfeld und steigende regulatorische Anforderungen vorzubereiten. Weiterhin werden wir in die Digitalisierung unserer Prozesse investieren.“

28.03.2019