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Der Technologiesprung wird kommen

Überwindung von Schnittstellenproblemen durch Datenmanagement: Ein Standard ist nötig, um ihn in Zukunft überflüssig zu machen.

technologiesprung
Um in Sachen Digitalisierung voranzukommen, muss die Branche eng zusammenarbeiten. (Bild: Randy Fath/Unsplash)

Die neue Datenraum-Richtlinie der gif Gesellschaft für immobilienwirtschaftliche Forschung ist ein Meilenstein für unsere Branche. Sie wurde Mitte 2019 veröffentlicht und hat einen dringend benötigten Branchenstandard im Datenmanagement gesetzt. Gleichzeitigist sie ein Vorzeigebeispiel dafür, was erreicht werden kann, wenn Unternehmen und Institutionen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Immobilienwelt in Sachen Digitalisierung ein gemeinsames Ziel verfolgen.
Die neue gif-Richtlinie hat wichtige Grundlagenarbeit geleistet – in einem Kraftakt zwischen Verbänden, Universitäten, Asset Managern, Property und Facility Managern, Proptechs und einigen mehr. Die aktuellen Bedingungen im Datenmanagement haben sich dadurch verbessert, aber sie sind bei weitem noch nicht ideal. Die Branche steht noch immer am Anfang dessen, was sie langfristig anstrebt.

Standards schaffen – und dann überwinden
Meine These ist: Wir benötigen den neuen gif-Standard heute so dringend, damit wir ihn in Zukunft überwinden können. Das mag paradox klingen, folgt aber konsequent der Logik zur Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Denn damit die Algorithmen gut trainiert werden können und ihre „Intelligenz“ entwickeln, braucht es heute große Datenmengen, die standardisiert aufbereitet sind und damit als Trainingsmaterial dienen. Deswegen ist es auch so wichtig, dass sich möglichst viele Branchenteilnehmer mit ihren Daten an diesem Trainingsprozess beteiligen.
Perspektivisch werden die Systeme dann so intelligent sein, dass sie sämtliche immobilienwirtschaftlich relevanten Dokumente automatisch auslesen und auswerten können – unabhängig davon, wie ein Datenraum aufgebaut ist. Und es geht noch weiter. In ein paar Jahren werden wir uns hoffentlich mehr und mehr von digitalisierten Dokumenten verabschieden und von Anfang an unsere Zusammenarbeit datengetrieben gestalten. Warum etwas Strukturiertes in ein
unstrukturiertes Dokument überführen, um es im Anschluss wieder strukturiert auszulesen? Das hat keinen Sinn. Darüber hinaus baue ich darauf, dass wir im Jahr 2030 nicht mehr von Standardisierung sprechen, sondern die vorhandenen Technologien in der Lage sein werden, smart und intelligent die unterschiedlichsten Datenmodelle
miteinander zu kombinieren. Ein übergreifender Branchenstandard wäre dann nicht mehr zwangsläufig notwendig. Es ist gut möglich, dass die Branche diesen Idealzustand bereits bis zum Jahr 2030 erreicht, denn erste gute Ansätze Künstlicher Intelligenz sind heute schon zu erkennen – zum Beispiel in den Lösungen von Architrave.

Technologiepartner – auch aus anderen Branchen
Um das Ideal bis dahin nicht aus den Augen zu verlieren, sind zwei Dinge wichtig: Zum einen muss die Branche weiterhin eng zusammenarbeiten. Nicht zuletzt auch die Kooperationen mit Proptechs und der Wissenschaft können dabei wertvolle Impulse freisetzen. Zum anderen lohnt es sich, technologisch den Blick über den Tellerrand der Immobilienwirtschaft hinaus zu wagen. Wesentliche Schritte zur Digitalisierung müssen nicht zwingend aus der Immobilienbranche selbst kommen.

Dieser Artikel stammt aus der immobilienmanager Ausgabe 1/2-2020 (Autor: Lars Scheidecker, Leiter Datenmanagement, Reporting Services und Systeme bei der Union Investment Real Estate).

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14.02.2020