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Das Ringen um Worte

Die Investmentzahlen des ersten Quartals 2021 liegen deutlich unter dem Vorjahr. Wie lässt sich das sprachlich auffangen? Ein Blick in die Marktberichte.

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Und wenn es mal nicht bergauf geht? Dann beginnt das Ringen um die passenden Worte. (Bild: Fab Lentz/Unsplash)

Die Zahlen ähneln sich, aber die Formulierungen verdienen eine gesonderte Betrachtung. Die großen Maklerhäuser beziffern den Umsatz auf dem deutschen Immobilien-Investmentmarkt im ersten Quartal 2021 auf 16,5 Milliarden Euro inklusive Wohn-Investments (JLL) und 14,8 Milliarden (CBRE) beziehungsweise 8,8 Milliarden (Colliers), 9,4 Milliarden (Savills), rund zehn Milliarden (BNP Paribas Real Estate, Cushman & Wakefield), wenn man sich auf Gewerbeobjekte beschränkt.

Es gilt also, einen Rückgang bei den Transaktionen um rund die Hälfte im Vergleich zum ersten Quartal 2020 beziehungsweise um rund ein Drittel im Vergleich zu den Auftaktquartalen der vergangenen fünf Jahre zu vermelden. Wie lässt sich das in Worte fassen, ohne zu viel Dramatik an den Tag zu legen?

Weil der Einbruch nicht zu leugnen ist, wählt JLL die folgenden Adjektive für die Quartalszahlen: „Eher bescheiden, aber umständehalber noch respektabel.“ Auch bei Colliers ist von einem „respektablen“ Ergebnis die Rede und einem „ruhigen Jahresauftakt“, der „eher Atempause als Signal des Einbruchs“ sei. Ein „uneinheitliches Bild, aber durchaus solides Ergebnis“ konstatiert Cushman & Wakefield. Savills entscheidet sich für die Formulierungen „eher verhaltene Aktivität“ und „abwartende Haltung vieler Eigentümer“. „Transaktionsvolumen ausgebremst“ schreibt CBRE.

BNP Paribas Real Estate hat dagegen einen Weg gefunden, die Situation positiv zu interpretieren: Man erweitert den Vergleichszeitraum auf die vergangenen zehn Jahre. So heißt es dann: „Investmentmärkte starten lebhaft ins Jahr“ und von einer „stabil positiven Entwicklung“ ist die Rede.

Prognosen reichen von 50 bis 80 Milliarden Euro

Bei den Prognosen für den weiteren Verlauf des Investmentjahres 2021 liegt der Akzent auf einer möglichen Aufwärtsbewegung.

Für Marcus Zorn, CEO von BNP Paribas Real Estate Deutschland, „deutet alles darauf hin, dass die Investmentmärkte in den nächsten Quartalen vermutlich noch an Dynamik zulegen werden. Vor diesem Hintergrund zeichnet sich aus heutiger Sicht für das Gesamtjahr erneut ein Investmentumsatz von deutlich über 50 Milliarden Euro ab. Ob eventuell sogar die 60-Milliarden-Euro-Schwelle wieder in greifbare Nähe rückt, wird in erster Linie vom verfügbaren Angebot im Portfoliobereich sowie im Segment großvolumiger Premiumobjekte abhängen“.

Alexander Kropf, Head of Capital Markets Germany bei Cushman & Wakefield, bewegt sich in einem ähnlichen Bereich. „Als sicher kann gelten, dass Investoren einen hohen Anlagedruck haben, dass die Kapitalmarktzinsen unverändert niedrig bleiben werden und dass das Geschehen auf dem Investmentmarkt an Dynamik gewinnen wird, sobald die Entwicklungsperspektiven klarer sind. Vor diesem Hintergrund halten wir unverändert ein Transaktionsvolumen für das Gesamtjahr von über 50 Milliarden Euro, bis hin zu 55 Milliarden Euro für möglich.“

Matthias Leube, CEO von Colliers International, lässt mitteilen: „Mit Blick auf die bereits in Vorbereitung befindliche Dealpipeline erwarten wir auch für 2021 ein Ergebnis über der 50-Milliarden-Euro-Grenze.”

Auch Marcus Lemli, CEO Germany und Head of Investment Europe von Savills, erwartet mindestens 50 Milliarden Euro, und begründet dies so: „Mit einer Rückkehr vieler internationaler Investoren rechnen auch viele verkaufswillige Eigentümer. In Erwartung von dann noch intensiveren Bieterverfahren und somit höheren Preisen werden aktuell noch viele Produkte zurückgehalten. Ab voraussichtlich Mitte des Jahres wird die Produktverfügbarkeit deutlich zunehmen und zu mehr Transaktionen von Core- aber auch Non-Core-Objekten führen. Die wachsende Evidenz bei den Renditen wird dann weitere noch laufende Prozesse vereinfachen und beschleunigen.“

Fabian Klein, Head of Investment bei CBRE in Deutschland, wagt eine höhere Prognose: „Für 2021 zeichnet sich ein dynamischer Jahresverlauf am Investmentmarkt ab, wobei vor allem im Core- und Core-Plus-Bereich das Transaktionsvolumen weiterhin durch ein limitiertes Angebot begrenzt wird. Insgesamt erwarten wir bis zum Jahresende ein Investitionsvolumen von gut 70 Milliarden Euro, von denen 20 Milliarden Euro auf institutionelle Wohnimmobilieninvestitionen entfallen werden.“

Jan Eckert, Head of Capital Markets JLL Germany, Austria, Switzerland, übertrifft die Erwartungen seiner Kollegen dagegen deutlich: „2021 wird für alle Akteure des Investmentmarktes ein herausforderndes und spannendes Jahr werden. Investoren glauben an einen Re-Start der Vermietungsmärkte, das Anspringen der Nutzermärkte ist aber auch Voraussetzung für Finanzierung und die Preisfindung riskanterer Immobilieninvestments.“ Er rechnet „mit einem Transaktionsvolumen für das Gesamtjahr von rund 80 Milliarden Euro“.

08.04.2021