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"Das Momentum im Markt nutzen"

Sascha Donner, Mitgründer und Head of Product bei Evana, erklärt im Interview welche Datenstandards er für sinnvoll hält und was sein Unternehmen 2019 vor hat.

Sascha Donner: „Einzelkämpfer haben keine Chance
Sascha Donner: „Einzelkämpfer haben keine Chance" (Foto: Reinhard Berg)

2018 war mit dem Einstieg mehrerer strategischer Investoren, darunter der Patrizia Immobilien AG, sicher ein besonders spannendes Jahr in der noch jungen Unternehmensgeschichte von Evana. Wie sehen Ihre Pläne für 2019 aus?

Sascha Donner: Das vergangene Jahr war für uns auf jeden Fall sehr arbeits- und ereignisreich, natürlich auch wegen der Finanzierungsrunde. Jetzt wollen wir europaweit expandieren und 2019 auch neue Produkte auf den Markt bringen.

Wie sehen die Pläne konkret aus?

Sascha Donner: Noch für das erste Halbjahr haben wir den Launch  einer neuen Version unserer intelligenten Plattform geplant, die die Immobilienwirtschaft noch ganzheitlicher abbilden soll. Danach wollen wir in jedem Quartal neue Features für einzelne Nutzergruppen anbieten.  Es wird auch eine neue Finanzierungsrunde geben, damit wir unsere Investorenbasis verbreitern. Das hat allerdings auch Zeit bis 2020.

Sie haben den ganzheitlichen Ansatz erwähnt. Wie weit geht der Gedanke?

Sascha Donner: Wir möchten nicht einzelne Use Cases, sondern die gesamte immobilienwirtschaftliche Wertschöpfung digital abbilden. Asset Management, Property Management oder Facility Management sind künstlich getrennte Bereiche. Auf unserer Plattform können sie alle zusammenarbeiten. Letztlich wie ein einheitliches Team, auch wenn sie vertraglich getrennt sind. Wir möchten Know-how aus allen Bereichen der Immobilienwirtschaft auf der Plattform integrieren und so Schnittstellen reduzieren.

Welche Arten von Daten erfassen sie dazu?

Sascha Donner: Es gibt drei grundlegende Arten von Daten. Erstens bereits verfügbare Daten etwa aus der Buchhaltung oder bestimmte Marktdaten. Zweitens natürlich neu anfallende Daten aus Dokumenten, die wir auslesen. Daraus können wiederrum neue Prozesse entstehen. Ein Kündigungsschreiben als Beispiel könnte, wenn es digital erfasst und strukturiert wird, automatisch einen Auftrag zur Neuvermietung an den Asset Manager initiieren. Und drittens gibt es sehr viele Daten, die durch bereits bestehende Prozesse entstehen, aber größtenteils noch gar nicht strukturiert erfasst und damit nutzbar gemacht werden. Das ist unsere Vision: Daten system- und medienübergreifend erfassen und strukturieren und damit leichter und schneller Entscheidungen ermöglichen.

Dazu sind Datenstandards wichtig, die es in Deutschland nicht gibt. Wo steht die Immobilienwirtschaft diesbezüglich.

Sascha Donner: Ich finde, es hat sich in den vergangenen zwei Jahren infolge des Digitalisierungs-Trends in der Branche viel bewegt. Hier gibt es ein gutes Momentum im Markt, das es zu nutzen gilt, um nun einen internationalen und unternehmensübergreifenden Datenstandard zu erarbeiten. Durch unabhängige Institutionen wie die gif zusammen mit dem ZIA und RICS ist die Branche bereits auf einem guten Weg und wir unterstützen diese sehr aktiv, damit sich ein entsprechender Standard für den Datenaustausch schnell durchsetzt.

D aten bringen automatisch Transparenz. Die ist allerdings noch immer kein ganz einfaches Thema in der Branche. Bremst sich die Immobilienwirtschaft ein Stück weit selbst aus?

Sascha Donner: Digitalisierung bringt immer Transparenz und führt zum Austausch von Wettbewerbern untereinander. Einzelkämpfer haben da keine Chance. Bei Juristen war es vor einigen Jahren übrigens auch nicht anders. Die Kanzleien mussten sich auch erst einmal einigen, welche Daten sie bei Transaktionen wirklich zur Prüfung benötigen. Jeder hatte da zuvor seine eigene Vorgabe. Dabei ist es in der Regel möglich, sich auf gemeinsame Standards und Datenmodelle zu einigen, ohne einen Wettbewerbsvorteil aufzugeben. Denn die Anforderungen sind im Grunde für alle gleich. Asset Manager und auch Immobilienberater sind diesbezüglich schon auf einem guten Weg.

Ihre Plattform nutzt Künstliche Intelligenz und lernt mit jeder neuen Information hinzu. Bieten Sie bald die Eierlegendewollmilchsau für Asset Manager?

Sascha Donner: Die wird es in der Form wohl niemals geben. Tatsächlich müssen wir in Gesprächen zunächst oft mit dem Irrtum aufräumen, Künstliche Intelligenz wäre ein Zauberwerkzeug, das alles alleine macht. Die KI steht noch relativ am Anfang. Sie kann uns die Arbeit nicht komplett abnehmen, Menschen müssen immer noch die Daten prüfen und Entscheidungen treffen. Das wird sich auch nicht ändern. Künstliche Intelligenz ist aber ein hervorragendes Hilfsmittel und kann Prozesse einfacher machen.

Das Interview führte Markus Gerharz.

28.01.2019