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Building Information Modeling: So verändert BIM die Prozesse

Wer sein Bauprojekt mit Building Information Modeling (BIM) umsetzen will, muss liebgewonnene Geschäfts- und Projektabläufe anpassen. Was Sie dabei beachten müssen und wie es gelingt.

Neue Perspektiven: Building Information Modeling ist kein reines Digitalisierungs-Thema. Es ändert auch interne und externe Prozesse bei beteiligten Unternehmen (Foto: Fynn Lehnert/unsplash.com)
Neue Perspektiven: Building Information Modeling ist kein reines Digitalisierungs-Thema. Es ändert auch interne und externe Prozesse bei beteiligten Unternehmen (Foto: Fynn Lehnert/unsplash.com)
Kurz und knapp: Das ist Building Information Modeling

Beim Building Information Modeling baut man zweimal: zuerst digital und erst dann real. Bereits in der Planungsphase arbeiten alle am Projekt beteiligten Gewerke am selben dreidimensionalen Gebäudemodell, das alle relevanten Informationen beinhaltet. Durch Kollisionsprüfungen können so Fehler frühzeitig erkannt und bei der Umsetzung vermieden werden. Darüber hinaus beinhaltet das Modell wichtige Daten für einen effizienteren Betrieb nach Fertigstellung sowie für das Facility Management.

Seit einigen Jahren ist Building Information Modeling (BIM) in aller Munde. Vor allem bei Großprojekten gilt sie als neues Wundermittel gegen Kostenexplosionen und Terminverzug.

Der Bund hat Ende Juni 2019 die Einrichtung eines nationalen BIM-Kompetenzzentrums auf den Weg gebracht, um die Digitalisierung des Bauwesens zu optimieren. „Im Ausbau der digitalen Infrastruktur liegt großes Potenzial, um Planungs- und Bauprozesse zu beschleunigen. Eine digitale Bauakte etwa ermöglicht eine bessere Zusammenarbeit zwischen allen am Bauprozess beteiligten Akteuren von der Planung bis zur Bauabnahme", erklärte dazu Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, und Gründungsgesellschafter von planen-bauen 4.0. Die Gesellschaft soll das BIM-Kompetenzzentrum zukünftig betreiben.

„Durch die Weiterentwicklung des BIM werden Mehrfacheingaben durch die jeweils beteiligten Fachplaner vermieden, Arbeitsabläufe effizienter und Planungs- und Ausführungsqualitäten gesteigert. Das Potenzial, das sich hieraus für die Entlastung angespannter Großstädte und Ballungsregionen ergibt, muss entlang der gesamten Wertschöpfungskette – Planen, Bauen und Betreiben – gehoben werden“, so Mattner weiter.

BIM 2019: Ergebnisse einer aktuellen Studie
Eine aktuelle Befragung von Bauakteuren durch Bauinfoconsult zeigte Anfang Juli 2019, dass sich der deutsche Bau immer stärker digitalisiert und BIM (Building Information Modelling) als Akteur deutlicher ins Rampenlicht drängt. Die Studie zeigt, dass sich viele Bauakteure auf eine kleine Revolution am Bau einstellen. Im Vergleich zu vor zwei Jahren nutzen nicht nur immer mehr Player am Bau BIM, sondern auch die Hoffnung wird größer, dass sich durch BIM eine weitreichende Prozessoptimierung am Bau einstellen wird.

Allerdings deuten die Studienergebnisse darüber hinaus auch darauf hin, dass die Nachfrage auf Kundenseite nach BIM-Bauprojekten noch gering ist und die Bauprofis viele unterschiedliche Problemfelder rund um den Einsatz von BIM erkennen und erwarten. Zudem wird BIM noch nicht als merklich umsatzrelevant eingeschätzt. Auch der finanzielle und persönliche Investitionsaufwand einer BIM-Einführung wird von vielen gescheut. Die Amortisationsdauer einer Umstellung auf BIM wird von vielen Interviewten sehr hoch angesetzt (im Schnitt mehr als zwei Jahrzehnte). Nichtkompatible, konkurrierende Datenaustauschformate und der noch nicht vollzogene, aber notwendige Mentalitätswandel hin zum digitalen Bauen stehen der Technologie nach Meinung der Nutzer außerdem noch im Wege

Was ist eigentlich genau BIM?
Building Information Modeling basiert auf einem 3D-Modell und ist ein intelligenter Prozess, der allen Beteiligten eines Bauprojektes – vom Architekten über das Bauunternehmern, bis zum Eigentümer und späteren Dienstleistern – Informationen und Werkzeuge bereitstellt, die sie für eine effiziente Planung, Entwurf, Konstruktion und Verwaltung des Gebäudes benötigen.

Die durchgängige Digitalisierung aller relevanten Bauwerksinformationen als virtuelles Modell wird mit Building Information Modeling (BIM) umschrieben. Gegenüber herkömmlichen IT-Modellen nutzt BIM deutlich mehr Informationen und schafft eine synchronisierte Datenbasis, auf die alle am Bau Beteiligten zugreifen.

Denn die Digitalisierung von Planungs- und Bauprozessen bietet eine transparente Steuerung der Bauprojekte und kann dadurch Kosten und Risiken erheblich reduzieren. Mit Hilfe von BIM können Gebäude zunächst digital geplant und virtuell gebaut werden – dann erst real. Genau das ermöglicht den Bauherren und Planern noch vor dem eigentlichen Baustart die Fehlplanungen und Risiken eines Bauvorhabens zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern.

Welche Prozesse und Vorgänge dabei hinter den Kulissen stattfinden und welche Herausforderungen die Beteiligten bewältigen müssen, bevor sie überhaupt mit BIM arbeiten können, ist dagegen eher wenig bekannt. Unumstritten aber ist, dass Building Information Modeling die jahrzehntelang festgelegten Abläufe in Unternehmen verändert – und das nicht nur in technischer, sondern auch in organisatorischer und personeller Hinsicht.

Wer sich mit der Entwicklung von Planungstechniken über die Jahre beschäftigt, stellt fest: Bereits der Übergang vom Zeichenbrett zu den CAD-Programmen hat die Prozesse und Arbeitsweisen bei Bauvorhaben neu geordnet. Pläne wurden nicht mehr klassisch auf Papier gezeichnet, sondern zweidimensional und computergestützt. Mühselige Korrekturen der Zeichnungen und die manuelle Überprüfung blieben den Architekten und Planern erspart.

Building Information Modeling als integrierter Prozess auf sämtlichen Projektstufen (Quelle: Drees & Sommer)
Building Information Modeling als integrierter Prozess auf sämtlichen Projektstufen (Quelle: Drees & Sommer)

Was sich jedoch nicht änderte, waren die Kommunikationswege und der Austausch zwischen den Beteiligten sowie die Zahl der Abstimmungsrunden und Abläufe. Einzelne Planungsschritte fanden immer noch räumlich wie inhaltlich getrennt statt und wurden erst im weiteren Planungsprozess zusammengefügt. Building Information Modeling hat hier einen weitergehenden Anspruch und wird daher nicht umsonst als eine neue Methode der Zusammenarbeit bezeichnet. Denn sie wirkt sich nicht nur auf Planungsprozesse aus, sondern auch auf arbeitsorganisatorische Abläufe und macht damit Anpassungen notwendig.

Firmen benötigen BIM-Experten
Die Evolution, die Building Information Modeling für ein Unternehmen bringt, geht weit über den Kauf einer entsprechenden Software und den Ausbau einer relevanten IT-Infrastruktur hinaus. Vielmehr betrifft BIM die organisatorische und personelle Aufstellung im Unternehmen . Bauherren müssen sich also als erstes fragen: Welche Erwartungen habe ich? Was will ich mit dem Einsatz von Building Information Modeling erreichen?

Eine klare Strategie und Definition der Anforderungen sind hier zwingend erforderlich. Denn davon hängt die Effektivität und die Qualität sowohl eigener Prozesse, als auch die der anderen Beteiligten etwa der ausführenden Firmen ab. Ohne das Verständnis und die Akzeptanz für Building Information Modeling wird es schwierig, das Potenzial der Methode auszuschöpfen und die gewünschten Ergebnisse zu erreichen.

Virtueller Datenraum beim Building Information Modeling mit allen Beteiligten (Quelle: Drees & Sommer)
Virtueller Datenraum beim Building Information Modeling mit allen Beteiligten (Quelle: Drees & Sommer)

BIM-Herausforderungen: Rollen müssen neu definiert werden
Sind Ziele klar formuliert, können personelle Fragen geklärt werden. Dabei geht es nicht unbedingt nur darum, neue Mitarbeiter einzustellen oder zusätzliche einzubeziehen. Vielmehr ist es wichtig, das BIM-Know-how aufzubauen, Verantwortlichkeiten zu definieren und Rollen neu zu verteilen. Beteiligte – ob Bauherr, Architekt oder Planer – müssen finanzielle Mittel und vor allem Zeit investieren, um die Mitarbeiter zu schulen, ihnen Workshops anzubieten und das BIM-Wissen anhand von Pilotprojekten zu praktizieren. Diese Herausforderung ist für alle Beteiligten weit größer als die der technischen Ausrüstung.

Es fehlen Standards für Building Information Modeling
Trotz des rasanten Aufstiegs der Methode – oder vielleicht gerade deshalb – gibt es in Deutschland bisher noch keinen nationalen BIM-Standard. Es fehlt also eine Grundlage, die nicht nur eine einheitliche Definition der Methodik bietet, sondern auch die Verantwortlichkeiten und Funktionsweise von Building Information Modeling sowohl im Planungs- als auch im Geschäftsprozess genau beschreibt.

Ohne einen solchen BIM-Standard mangelt es an einer organisierten oder zertifizierten Ausbildung. Im deutschsprachigen Raum gibt es bisher wenige Anbieter wie TÜV Süd oder Studiengänge, die eine Aus- oder Weiterbildung in Building Information Modeling anbieten. Im Vergleich dazu ist in England die BIM-Entwicklung und Ausbildung bereits viel weiter fortgeschritten. Diese Tatsache erschwert die Regelung der durch die BIM-Anwendung entstandenen neuen Prozesse und Abläufe. Abhilfe schaffen an dieser Stelle Leitfäden oder Handbücher verschiedener Interessens- und Arbeitsgruppen, die zumindest die Begrifflichkeiten, ein einheitliches Rollenverständnis und die Hauptprinzipien der Methode festhalten.

BIM und HOAI passen nicht zusammen
Nahtlos ineinandergreifend? Bei HOAI und BIM passen die einzelnen Elemente eher schlecht zusammen (Foto: istock/MyImages_Micha)

Das Building Information Modeling revolutioniert die bekannten Planungs- und Bauprozesse. Die HOAI wirkt da wie ein anachronistisches Überbleibsel. Es braucht neue Verträge.

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Klare Anforderungen sind das A und O
Building Information Modeling gelingt, wenn die richtigen Informationen zur richtigen Zeit vorliegen. Das gilt bereits für den Ausschreibungsprozess, wenn ein Bauherr seine Anforderungen formuliert. Um die gewünschten BIM-Ziele zu erreichen, muss er diese von Anfang an präzise angeben. Schreibt der Bauherr bei einer Ausschreibung beispielsweise nur, dass das Projekt mit BIM umgesetzt werden soll, so wissen die Planer nicht, was genau von ihnen erwartet wird. Ein BIM-Modell zur Plausibilisierung der Kosten wäre ein Beispiel einer konkreten Anforderung.

Auch Fragen wie Urheberrechte des Architekten und Datenschutzbestimmungen gehören von Anfang an geregelt. Denn die Arbeit mit Building Information Modeling stellt ein großes Netzwerk mit vielen Beteiligten dar, in dem unvorstellbare Datenmengen im Umlauf sind. Unternehmen, die bisher nicht mit BIM gearbeitet haben, schrecken diese Aspekte oftmals ab. Denn es hört sich vielmehr nach einem Regelsammelsurium, als nach Vereinfachung und Beschleunigung der Arbeits- und Organisationsprozesse an. Doch wer das neue Planungstool einsetzen will, muss seine Komfortzone verlassen.

BIM: Neue Regeln, altes Spiel
Building Information Modeling ist für die Bau- und Immobilienbranche eine digitale Planungsmethode, die großen Mehrwert bietet. Sie verändert deutlich die Planungs- und Arbeitsprozesse, doch ein kompletter Wandel findet nicht unbedingt statt. Die Abläufe als solche bleiben in einigen Bereichen gleich: Die einzelnen Planer sind nach wie vor für die Inhalte ihrer Planung verantwortlich. Es gehört weiterhin zur führenden Aufgabe des Objektplaners andere Fachplaner zu koordinieren. Auch Leistungsphasen bleiben und es gilt immer noch die Zwischenschritte dieser Leistungsphasen einzuhalten.

Beim Building Information Modeling entsteht ein riesiges Netz aus unterschiedlichen Daten (Quelle: Drees & Sommer)
Beim Building Information Modeling entsteht ein riesiges Netz aus unterschiedlichen Daten (Quelle: Drees & Sommer)

Building Information Modeling entbindet auch niemandem von seiner Gewährleistungspflicht: Der Elektriker ist weiterhin für sein Gewerk verantwortlich und der Tragwerkplaner muss dafür sorgen, dass das Gebäudetragwerk sicher ist. Die Neuerungen betreffen vielmehr die Art und Weise wie die Beteiligten zusammenarbeiten und kooperieren.

Mit BIM sind alle Gewerke von der ersten Planungsphase an eingebunden, können sich über ein zentrales System austauschen und den Planungsfortschritt in Echtzeit verfolgen. Die Prozesse und Verantwortlichkeiten sind dadurch für alle transparent und nachvollziehbar, was wiederum zur wirtschaftlicheren und effizienteren Realisierung des Bauvorhabens beiträgt.

Autor: Peter Liebsch ist Leiter Digitale Werkzeuge bei Drees & Sommer.

03.07.2019