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Blockchain ermöglicht Echtzeit-Energiewirtschaft

Berlin - Die Blockchain-Technologie kann im Energiemarkt völlig neue Flexibilitäten auslösen. Davon ist Jens Strüker, Süwag-Stiftungsprofessor für Energiemanagement an der Hochschule Fresenius und Autor einer demnächst erscheinenden Blockchain-Studie des BDEW überzeugt...

Berlin (energate) - Die Blockchain-Technologie kann im Energiemarkt völlig neue Flexibilitäten auslösen. Davon ist Jens Strüker, Süwag-Stiftungsprofessor für Energiemanagement an der Hochschule Fresenius und Autor einer demnächst erscheinenden Blockchain-Studie des BDEW, überzeugt. "Spontane Flexibilitäten werden eine viel größere Rolle spielen", sagte Strüker im Interview mit energate. Er denkt dabei an die heute schon rund 1,5 Mio. Solaranlagen im Markt, an die wachsende Zahl an Speichern sowie perspektivisch an zig Millionen strombetriebener Geräte. Wenn man diese über Blockchain in den Flexibilitätsmarkt einbindet, führe das zu einer enormen Veränderung. "Dann stehen nicht mehr Menschen als Kunden im Fokus, sondern Maschinen", erklärte Strüker.

Künstliche Intelligenz als Gamechanger

Insbesondere in Kombination mit künstlicher Intelligenz könnten sich völlig neue Freiheitsgrade für das Management von Geschäftsprozesslogiken ergeben. Neue Energieerzeugungsanlagen sowie energieverbrauchende Geräte jeder Art und Größe erhalten heute eine Internetadresse, wodurch die Weichen für eine Echtzeit-Energiewirtschaft gestellt sind, betonte Strüker. In einer solchen Welt könnten Geräte kurzfristige Entscheidungen treffen: Geht die verfügbare Flexibilität an die Börse, an einen Aggregator oder vielleicht an den Nachbar. "Das ist aus meiner Sicht keine ferne Zukunftsvision, sondern eine Notwendigkeit, um das System möglichst kosteneffizient zu steuern und unterausgelastete Ressourcen aktiv einzubinden", so Strüker.

Passive Versorger verlieren den Anschluss

Klassischen Energieversorgern bereiten solche Gedankenspiele heute Kopfzerbrechen. Unternehmen wie GE, Siemens oder Bosch sind der Energiewirtschaft hier einiges voraus. Wenn ein Anlagenbauer bei einem Unternehmen eine mehrere tausend Euro teure Maschine installiere, sei es weder monetär noch technisch eine größere Herausforderung, den Messstellenbetrieb gleich mitzumachen. "Ein passiver Versorger würde dann seine heutige Schnittstelle zum Kunden verlieren und hat wenig Aussicht diese zurückzuerobern", warnte Strüker. Allerdings könnten auch Verteilnetzbetreiber über eine eigene Blockchain aktiv die Authentifizierung von Geräten durchführen und damit eine wesentliche Stelle in der Echtzeit-Energiewirtschaft besetzen, erklärte er. /cs

Lesen Sie das ausführliche Interview mit Prof. Jens Strüker im Add-on Neue Märkte .

In Kooperation mit www.energate-immo.de .

11.08.2017