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Bitcoin, Blockchain und Immobilien

Keine Notare und Katasterämter mehr? Darum ist die digitale Währung Bitcoin die einzig echte Grundlage für disruptive Innovationen in der Immobilienbranche.

Währung der Zukunft? Erste Immobilien wurden bereits in der virtuellen Währung Bitcoin bezahlt (Foto: immobilienmanager/Barbara Eckholdt/Pixelio)
Währung der Zukunft? Erste Immobilien wurden bereits in der virtuellen Währung Bitcoin bezahlt (Foto: immobilienmanager/Barbara Eckholdt/Pixelio)

Der digitalen Währung Bitcoin wird nachgesagt, sie könnte als dezentrales Zahlungssystem ganze Teile des Bankensystems überflüssig machen. Das mag für Manchen utopisch klingen. Doch der Hochdruck, mit dem die Finanzinstitute selbst das Thema Bitcoin und Blockchain vorantreiben, spricht eine deutliche Sprache.

Möglich wird die virtuelle Währung Bitcoin durch die dahinterstehende Technologie der Blockchain. Mit Hilfe dieser Technologie können Informationen ohne die Notwendigkeit einer zentralen Institution gespeichert, validiert und übertragen werden.

Die Blockchain macht im Grunde jede Leistung überflüssig, die einen Wert oder Wertübergang dokumentiert und verifiziert. Dadurch hat sie das Potenzial, für die Immobilienbranche zum „Gamechanger“ zu werden. Ein Grundstückskauf könnte ohne Notar und ohne Grundbuch, innerhalb weniger Minuten abgewickelt werden. Die Regierung Schwedens untersucht bereits die Möglichkeit, ein Kataster auf Basis dieser Technologie einzuführen.

Blockchain: Was ist das?
Die Blockchain kann man sich am besten als ein Netzwerk aus unterschiedlichsten Nutzern vorstellen, die dem System autonom Informationen beisteuern. Im Vorfeld festgelegte Regeln definieren dabei die Informationsdistribution und -verifizierung. Wie in einem gut funktionierenden Staat schafft diese Technologie eine Infrastruktur, welche von Ihren Nutzern im Rahmen dieser Regeln genutzt werden kann.

Die Blockchain kann man sich dabei wie einen DNA- Strang vorstellen, der alle Informationen über jedwede bisher getätigte Transaktion und jeden Wert enthält. Wechselt zum Beispiel ein Grundstück von Partei A zu Partei B, wird dem Strang ein neuer Informationsblock hinzugefügt. Es wird also ein neuer Block der Chain hinzugefügt. Das Ergebnis ist ein neuer Strang, der gleichzeitig an alle Nutzer verteilt wird. Somit besitzen alle Teilnehmer zu jeder Zeit dieselben Informationen, wobei diese Informationen natürlich stets anonym sind.

Bitcoin: Das Wichtigste kurz & knapp

  • Weltweites dezentrales Zahlungssystem und Geldeinheit
  • 2008 veröffentlicht
  • Überweisungen durch Peer-to-Peer-Netzwerk
  • Keine zentrale Abwicklungsstelle mehr nötig
  • Dezentrale Datenbank mit allen jemals getätigten Transaktionen aufgezeichnet in der Blockchain
  • Bitcoin-Wallet als virtuelle Geldbörse, Funktion vergleichbar mit einer Kreditkarte
  • Erste Käufe von Autos, Häusern mit Bitcoin erfolgt
  • Behörden in der Schweiz akzeptieren Bitcoin
  • Als Zahlungsmittel bei einigen Online-Diensten und traditionellen Geschäften akzeptiert
  • volatiler Wechselkurs

Gleichzeitig kann immer nur ein Strang gültig sein, und zwar der längste. Dies verhindert Fehler oder Betrügereien bei der Verbreitung einer Wertübertragung innerhalb des Netzwerks. Dies funktioniert mit Hilfe sogenannter Blockchain Miner. Die Blockchain Miner – beziehungsweise ihre PCs – müssen zur Verarbeitung eines Wertübergangs einen Algorithmus lösen. Je größer das Netzwerk, desto aufwendiger der zu lösende Algorithmus und desto mehr Rechenleistung wird benötigt. Dem längsten existierenden Strang und den darin enthaltenen Informationen kann somit die Richtigkeit unterstellt werden, da ein Betrüger mehr Rechenleistung aufwenden müsste als die Mehrheit der ehrlichen Netzwerkteilnehmer. Dieser Fall kann im Rahmen der heutigen technischen Möglichkeiten ausgeschlossen werden.

Große Deals in wenigen Minuten
Dadurch schafft die Technologie der Blockchain eine enorme Sicherheit für die Speicherung, Validierung und Übertragung von Informationen und Werten. Im Gegensatz zu einer Bank oder einem Kataster funktioniert die Blockchain ohne zentrale Institution, die als Oberaufseher alle Transaktionen und Eigentumsverhältnisse überwacht. Dadurch könnte zum Beispiel der Betrug beim Verkauf von Immobilien reduziert oder gänzlich verhindert werden

Oft werden Kontoauszüge als Liquiditätsnachweis eines Interessenten genutzt. Diese Dokumente können leicht gefälscht werden und verlieren schnell ihre Aktualität. Die Blockchain ermöglicht einen zertifizierten und sofortigen Nachweis von Eigentums- und Liquiditätsverhältnissen. Selbst große Immobiliendeals könnten innerhalb weniger Minuten abgewickelt werden.

Notare würden für das operative Geschäft des Immobilienverkaufs überflüssig und müssten sich verstärkt auf die Beratung fokussieren. Auch zentrale Institutionen wie Kataster- beziehungsweise Grundbuchämter könnten durch eine Anwendung dieser Technologie vollkommen überflüssig werden.

Smart Contracts: Verträge handeln automatisiert
Zudem leistet die Technologie einen fundamentalen Beitrag zum Erfolg eines weiteren Megatrends in der Immobilienwirtschaft: Smart Contracts. Dabei handelt es sich um intelligente Verträge, die hoch standardisiert und voll autonom sind. Der Vertrag überprüft seine Bedingungen selbstständig und handelt automatisiert. Dadurch wird zum Beispiel ein Szenario denkbar, in dem man ein Appartement durch das reine Betreten der Wohnfläche mietet. Der Nutzer verwendet dafür einfach eine vorhandene Chipkarte um eine freie Wohnung zu betreten. Die Abwicklung der Buchung und Bezahlung geschieht vollkommen automatisiert. Sobald das Appartement wieder verlassen wird, endet der Mietvertrag.

Die Technologien dafür existieren bereits. Airbnb liefert die Plattform, Leverton die Technologie der Smart Contracts. Mit Hilfe der Blockchain kann die notwendige Infrastruktur geschaffen werden, um diese Fiktion in die Realität umzusetzen.

Wo sind die Geschäftsmodelle?
Dafür müssen jedoch zu allererst die notwendigen Strukturen geschaffen werden. Vor allem im Finanzsektor wird die Blockchain-Technologie derzeit unter Hochdruck vorangetrieben. Um diese in der Immobilienbranche einsetzen zu können, bedarf es vor allem einer politischen Initiative. Die Entwicklung einer Blockchain-basierten Technologie ist, wie die Entwicklung großer Infrastrukturprojekte, nicht durch den Markt abzubilden. Da sich durch den „offenen Charakter“ der Technologie nur indirekt Geschäftsmodelle ableiten lassen, würde der Markt ansonsten bei der Entwicklung versagen.

Wenn diese Innovation von der Branche gewollt ist, muss sie den ersten Schritt wagen und Initiativen starten. Vor dem Hintergrund der latenten Innovationsscheu und der fast ausschließlichen Prozessoptimierung bietet die Blockchain das einzig wahre Potenzial für disruptive Innovationen in der Immobilienbranche.

Autor: Sebastian Gustke ist Projektingenieur mit Erfahrung in der Bau- und Immobilienwirtschaft und beschäftigt sich stark mit dem Thema PropTech.

22.07.2016