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BIM aus Sicht von Juristen

BIM hat nicht nur Auswirkungen auf Planung, Bau und Betrieb von Immobilien. Auch für die Versicherungswirtschaft ist Building Information Modelling ein äußerst spannendes Thema. Wer ist schuld, wenn es zu Problemen mit den Daten kommt?

Am Thema BIM kommt keiner vorbei – auch nicht die Versicherungswirtschaft (Foto: Dr. Schiller & Partner GmbH)
Am Thema BIM kommt keiner vorbei – auch nicht die Versicherungswirtschaft (Foto: Dr. Schiller & Partner GmbH)

Ein bislang in Deutschland kaum beleuchteter Aspekt beim Building Information Modelling (BIM)  ist die Frage der Versicherbarkeit der mit der vernetzten Planung verbundenen Risiken eines Datenverlustes oder bei Fehlfunktionen der BIM-Software. Wegen der vernetzten Planung und durch die damit verbundene Ansammlung riesiger Datenmengen muss dafür Sorge getragen werden, was passiert, wenn es zu zeitlichen Verzögerungen oder inhaltlichen Fehlern aufgrund einer Fehlfunktion der Planungstools kommt.

Was BIM bremst

Building Information Modeling wird den Bau und den Betrieb von Immobilien revolutionieren – darin waren sich die Experten des ZIA Innovationskongresses einig. Warum aber kommt BIM in  Deutschland nicht voran? Eine Arbeitsgruppe des Innovation Lab identifizierte folgende Bremsklötze:
  • die hohe Komplexität des Themas
  • Partikularinteressen
  • Gleichzeitigkeit von überregulierten und
  • unterstandardisierten Prozessen
  • mangelnder wirtschaftlicher Mehrwert
  • das Investitionsrisiko
  • mangelnde Qualifikation auf Seiten der Auftragnehmer

Cyber-Versicherungen für BIM-Projekte
So dürfte zukünftig der Abschluss von sogenannten Cyber-Versicherungen zum Schutz der gesammelten Daten auch im Zusammenhang mit großen Bauvorhaben an Bedeutung gewinnen. Es existieren bereits erste Ansätze der Versicherungswirtschaft, im Falle eines Einsatzes von BIM und speziell geprüfter Software auch Bauzeitverzögerungen oder gar Kostenüberschreitungen versicherbar zu machen. In jedem Fall wird BIM die Versicherungswirtschaft in den nächsten Jahren intensiv beschäftigen.

Selten wird bei BIM bislang an die Zeit nach Fertigstellung des Gebäudes gedacht: Weder der Facility- oder Immobilienmanager noch der Betriebshaftpflichtversicherer scheinen sich bewusst zu sein, dass eine aus der Bauphase exakt gewonnene Bestandsanalyse des neu erstellten Gebäudes einen unschätzbaren Wert für die Betriebsphase hat.

Wir sind das I in BIM

Unter dem Motto „Wir sind das I in BIM“ präsentiert sich die Rudolf Müller Mediengruppe, zu der auch immobilienmanager gehört, vom 16. bis 21. Januar auf der BAU 2017 in München in Halle Eingang West, EWE.02 als Teil von „BIM.together“. Die Gemeinschaftsaktion stellt den Nutzen von Building Information Modeling haptisch dar.

Anhand eines 3D-Druck-Modells des Laasenhofs können Messebesucher konkret erleben, wie vielfältig der Nutzen von BIM für ihre Arbeit sein kann und welche Informationen sie bereits auf der Basis von digitalen Gebäudemodellen erhalten können.

„BIM.together“ ist eine Kooperation von f:data, DBD Dr. Schiller und Partner, Rudolf Müller Mediengruppe, DIN Deutsches Institut für Normung e.V. / Beuth Verlag und VDI Verein Deutscher Ingenieure.

Durch die Schaffung eines digitalen Gebäudemodells, das neben sämtlichen Materialangaben auch deren örtlichen Bezug, technische Dokumentation, Kosten- und Verkaufsdaten enthält, wird sichergestellt, dass bei Übergabe des Projekts vom Entwurfs- und Bauteam an den Gebäudeeigentümer oder -verwalter keine Daten verloren gehen. Betriebshaftpflichtversicherer können zudem bei Auftreten eines Versicherungsfalles unter Umständen genauer ermitteln, was die eigentliche Ursache eines Schadensfalles war.

Autor: Professor Dr. Antje Boldt ist Partnerin bei Arnecke Sibeth und Vorstand des Deutschen Baugerichtstages.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Artikel „BIM – aber sicher“, der erstmals in der Dezember-Ausgabe von immobilienmanager erschienen ist.

16.12.2016