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Beteiligung versus DIY

Wie gehen etablierte Unternehmen mit Start-ups und digitalen Ideen um? Kaufen Sie sich ein oder machen sie lieber selbst? Ein Erfahrungsbericht und Kommentar von Gerald Kremer, Senior Manager bei EY Real Estate.

Die Abwägung zwischen Beteiligen oder Do-it-yourself wird sicherlich auch durch den Fachkräftemangel beeinflusst (Bild: rawpixel-769367-unsplash)
Die Abwägung zwischen Beteiligen oder Do-it-yourself wird sicherlich auch durch den Fachkräftemangel beeinflusst (Bild: rawpixel-769367-unsplash)

Der Daumenabdruck anstelle des Türschlüssels oder virtuelle Wohnungsbesichtigungen: Proptechs, junge Unternehmen der Immobilienwirtschaft mit Technologie- und Digitalfokus, sind längst keine Fremdkörper mehr in der Branche. Ein Indikator dafür ist, dass sich die klassischen Vertreter der Immobilienwirtschaft immer häufiger an Proptechs beteiligen.

Wohlgemerkt beteiligen, seltener erwerben und integrieren. Denn es ist wichtig, dass die jungen innovativen Gründer an Bord bleiben: Viele von ihnen schätzen und brauchen die Freiheit ihres eigenen Start-ups. Die Abwägung zwischen Beteiligen oder Do-it-yourself wird hier sicherlich auch durch den Fachkräftemangel beeinflusst. Spezialisten sind überall äußerst gefragt.

Ungewöhnlicher Vorreiter Wohnungswirtschaft
Die Offenheit für Proptechs ist grundsätzlich in allen Nutzungsarten zu spüren. Vorreiter scheint dabei das Wohnimmobiliensegment zu sein. Das mag überraschen – denn die großen Wohnimmobilienbestandshalter gelten in der öffentlichen Diskussion oft noch als eher verstaubt. Aber: In der Wohnungswirtschaft bieten sich mehr als in anderen Segmenten die Möglichkeit, neue Lösungen schnell und vergleichsweise einfach zu skalieren. Denn die Rahmenbedingungen rund um den einzelnen Kunden sind im Gegensatz zu anderen Nutzungsarten ähnlich bis identisch, ob nun die Parameter im Wohnungsmietvertrag, die Kommunikation mit den Mietern oder die Prozesse bei Reparaturen und Instandhaltung.

Außerdem gilt: Die großen Wohnimmobilienbestandshalter erbringen weite Teile der Wertschöpfungskette selbst. Asset und Property Management sind selten ausgelagert. Die finanzielle Beteiligung an Proptechs wird als Teil des Innovationsmanagements gesehen, um entlang besagter Wertschöpfungskette Effizienzen zu heben oder auch gänzlich neue Geschäftsfelder zu erschließen.  

Beteiligungen wie die Lemminge
Neben dem Wunsch nach Innovation ist aber nach unserer Beobachtung auch das Vermeiden von Risiken ein Treiber für die aktuelle Beteiligungsfreude. Vermieden werden soll vor allem, dass sich neue Unternehmen zwischen den Eigentümer und den Nutzer drängen, wie es zum Beispiel bei Vermittlungsplattformen droht.

Wobei es aber auch im Beteiligungsprozess selbst Risiken zu vermeiden gilt: So jung der Trend ist, so zeigen sich vereinzelt bereits Lemming-Effekte - es wird ohne ausreichende Prüfung in Start-ups investiert, man vertraut auf die übrigen Investoren, die sich bereits entschieden haben. Die kritische Auswahl geeigneter Kandidaten sollte zudem im Einklang mit einer langfristigen Digitalisierungsstrategie erfolgen.

Autor: Gerald Kremer ist Senior Manager bei EY Real Estate

08.01.2019