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Bestellerprinzip Makler: Alles halb so schlimm

Die Maklerwelt ist nicht untergegangen. Ein Jahr nach seiner Einführung hat sich die Branche mit dem Bestellerprinzip für Makler weitgehend arrangiert und kann ihm positive Seiten abgewinnen.

Bestellerprinzip
Mehr als Schlüsselübergabe: Ihre Arbeit lassen sich Makler weiterhin bezahlen – vom Besteller (Bild: Clker-Free-Vector-Images/ pixabay)

Ist es Not, die erfinderisch macht? 35 Euro verlangt eine Stuttgarter Maklerfirma von Mietinteressenten als Eintrittsgeld für eine Wohnungsbesichtigung. Einzelbesichtigungen kosten etwas mehr. Angesichts der großen Zahl von Wohnungssuchenden kassiere der Makler für das „Durchschleusen“ erhebliche Beträge und erschleiche sich auf Umwegen die Provision, kritisiert Rolf Gaßmann, Chef des Stuttgarter Mietervereins , diese aus seiner Sicht rechtswidrige Praxis. Trotz solcher Fälle ist Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes (DBM) , mit dem im Juni 2015 eingeführten Bestellerprinzip zufrieden. „Das Gesetz ist gut gemacht und wird grundsätzlich eingehalten“, meint Ropertz. Es entlaste Wohnungssuchende finanziell und erfülle damit seinen Zweck.

Bestellerprinzip: Meist zahlt der Vermieter die Maklergebühren, nur zum Teil deutlich weniger
Insgesamt habe die Zahl der Beschwerden über unlautere Methoden seit der Einführung des Bestellerprinzips für Makler nicht zugenommen, erklärt Ropertz. Es sei für einen Makler auch idiotisch, eine illegale Forderung zu stellen, die er nicht durchsetzen könne. Der Normalfall sei, dass nicht der Mieter, sondern der Vermieter die Maklerprovision zahle. Allerdings deutlich weniger als vor Einführung des Bestellerprinzips. Von den bis dato üblichen zwei Nettokaltmieten, die in der Regel der Mieter zahlte, bekommt Udo Multhauf, Makler aus dem brandenburgischen Cottbus, heute nur noch die Hälfte der Maklercourtage – vom Vermieter. Das Bestellerprinzip hat seine Umsätze aus der Wohnungsvermietung deutlich sinken lassen. „Kunden habe ich aber nicht verloren“, betont Multhauf.

Als klar war, dass das Bestellerprinzip kommen wird, hat Multhauf nicht auf die Reaktion seiner Kunden spekuliert, sondern selbst die Initiative ergriffen und die Preise um 50 Prozent gesenkt – ohne die Leistungen einzuschränken, wie er betont. Für eine Nettokaltmiete bekommen seine Kunden nicht nur einen Mieter. Multhauf überprüft auch die Bonität der Wohnungsbewerber und bereitet den Mietvertrag vor. Der Vermieter braucht nur noch zu unterschreiben. Preis und Leistung überzeugten offensichtlich seine Kunden – keiner ist abgesprungen oder hat die Vermietung in die eigenen Hände genommen. Dass er in diesem Jahr voraussichtlich nur 80 bis 90 Wohnungen – rund ein Viertel weniger als 2015 – vermitteln werde, liege weniger am Bestellerprinzip, als vielmehr am schwierigen Cottbuser Wohnungsmarkt, meint Multhauf.

Der Umsatz wächst wieder
Auch für die mehr als 235 Geschäftsstellen der von Poll Immobilien GmbH bedeutete die Einführung des Bestellerprinzips zunächst ein Umsatzminus im Mietgeschäft, das in der Regel aber unter zehn Prozent des Gesamtgeschäfts liegt. Mittlerweile hätten sich die Zahlen aber fast wieder auf dem Ausgangsniveau eingependelt und nähmen weiter zu, erklärt Geschäftsführer Daniel Ritter. Trotz der anfänglichen Einbußen hält Ritter das Bestellerprinzip für grundsätzlich richtig, es habe zu einer Professionalisierung des Geschäfts beigetragen. Seit die Vermieter zahlen müssten, schauten diese genauer hin, wen sie mit der Vermietung beauftragten, meint Ritter. Davon profitierten vor allem die qualifizierten, überregional aufgestellten Maklerhäuser. „Wir haben Kunden gewonnen“, erklärt er.

Anders als sein Kollege aus Cottbus hat Ritter dafür nicht die Preise gesenkt. In der Regel zahlen die Kunden nach wie vor die üblichen zwei Nettokaltmieten Provision. „Alles, was darunter liegt, geht zulasten der Leistung“, meint er. Auch die von vielen Kollegen neuerdings angebotenen Pauschalpakete wendet von Poll Immobilien nicht an. „Wir definieren uns über Qualität, und die ist zwei Nettokaltmieten wert“, betont Ritter. Aber jeder solle gern sein Modell ausprobieren.

Zitat-IVD-Kloth

Für Axel E. Kloth, persönlich haftender Gesellschafter des Hamburger Maklerunternehmens J.L. Völckers & Sohn KG, bedeutet das Bestellerprinzip das Ende des Vermietungsgeschäftes. Sein Unternehmen war in erster Linie für viel beschäftigte Wohnungssuchende aus dem Ausland oder anderen Städten als Suchmakler unterwegs. Dieses Geschäftsfeld sei durch das Bestellerprinzip zu riskant geworden, meint Kloth. Die Gefahr, am Ende für die Vermittlung einer Wohnung nicht bezahlt zu werden, sei einfach zu groß. Im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung sei die Beweisführung, eine Wohnung exklusiv für den Kunden gesucht zu haben, nicht zu bewerkstelligen.

Als Vizepräsident des Immobilienverbandes IVD schaut Kloth aber nicht nur auf das eigene Unternehmen. Für die große Masse der Makler seien die Veränderungen im täglichen Geschäft längst nicht so groß wie anfänglich befürchtet, erklärt Kloth. Nur eine kleine Minderheit von ausschließlich auf das Vermietungsgeschäft fokussierten Spezialisten hätte es gebeutelt. Auf konkrete Zahlen zu Umsatzeinbußen oder Geschäftsaufgaben mag Kloth sich nicht festlegen, dazu seien die Branche und das Geschäft zu heterogen.

Die Angebote verschiedener Internet-Start-ups, den gesamten Vermietungsprozess zu einem Festpreis von knapp 500 Euro abzuwickeln, hält Kloth für nicht realistisch. Eine wachsende Konkurrenz sieht Kloth vonseiten der Wohnungsverwalter. „Die haben in der Regel schlankere Prozesse und können deshalb die Vermietung günstiger anbieten.“ Insgesamt seien die Konkurrenz und der Preiswettbewerb um Vermietungsmandate größer geworden – dafür habe der Markt aber auch an Transparenz gewonnen.

11.07.2016