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Auf Hausbesuch im Edge Olympic

Edge Technologies will die modernsten und nachhaltigsten Bürogebäude der Welt bauen. Aktuelles Vorzeigeobjekt ist das Edge Olympic. Wir haben uns auf gemacht zum Hausbesuch in Amsterdam.

Von außen wenig spektakulär: das Edge Olympic in Amsterdam (Foto: Edge Technologies/Ossip)
Von außen wenig spektakulär: das Edge Olympic in Amsterdam (Foto: Edge Technologies/Ossip)

Von Amsterdam Centraal gute 20 Minuten mit der Tram Richtung Süden. Raus aus der Bahn – und erstmal am Gebäude vorbei gelaufen. Das soll es tatsächlich sein? Von außen mutet das Edge Olympic eher unscheinbar an. Nach einem der modernsten Bürogebäude der Welt, sieht es von außen jedenfalls nicht aus. Da kam der nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt liegende Vorgänger The Edge schon einiges auffälliger daher. Aber Aussehen ist ja bekanntlich nicht alles.

Auf die inneren Werte kommt es schließlich an – in diesem Fall auf die verbaute Technik. Kam im Vorgängergebäude The Edge im Wesentlichen noch fertige Technologie aus den Produktkatalogen verschiedener Hersteller zum Einsatz, gibt es im Edge Olympic etliche Eigenentwicklungen. Die Erfahrungen vom ersten Gebäude flossen ein, wie etwa bei den Sensoreinheiten und den Deckenkassetten (siehe hierzu „Gut zu wissen…“).

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Vom ersten Tag an, fand die Planung des Edge Olympic in einer BIM-Cloud statt. Alle Beteiligten vom Architekten bis zu den ausführenden Baufirmen arbeiteten in dieser Cloud. So konnten auch sämtliche Betonteile vorgefertigt angeliefert und eingebaut werden. Und: In einem 3D-Modell sind alle Materialien und deren Herkunft im Materialpass erfasst. Gibt es bauliche Änderungen werden diese eingepflegt, so dass ein späterer Käufer stets den aktuellen virtuellen Zwilling erhält.

Learnings aus dem Vorgängergebäude
Das Vorgängergebäude The Edge galt bei Eröffnung als digitalstes Bürogebäude der Welt. Die dort gesammelten Erfahrungen flossen auch in das Edge Olympic ein zum Beispiel bei folgenden Punkten:

  • Die Sensor-Einheiten in den Decken des Edge Olympic kommen ohne Verschraubung und ohne Batterien aus. Durch einfaches Drücken lassen sie sich ein- und ausbauen. Das erleichtert in Zukunft auch das Einsetzen weiterer Sensoren. Zur Stromversorgung sind sie einfach an die Kabel für die Lampen angedockt.
  • Die Deckenkassetten im Innern sind Eigenentwicklungen. Sie wurden komplett vorgefertigt und später im Gebäude montiert. Das vereinfachte nicht nur die Montage, sondern minimierte auch den Raumbedarf von 40 Zentimeter auf 18 Zentimeter. Die Folge: höhere Räume, mehr natürliches Licht und weniger Energiebedarf für Kunstlicht.
  • The Edge kommt über seinen Lebenszyklus bereits mit der Hälfte der Energie eines herkömmlichen Gebäudes aus. Im Edge Olympic soll die Einsparung bei 70 Prozent liegen.

Gut zu wissen

# Das Edge Olympic ist das Refurbishment eines ehemaligen Post-Gebäudes aus den 1980er Jahren. Durch einen Anbau und eine zerlegbare zweigeschossige Aufstockung aus Holz konnte seine Fläche von rund 7.000 Quadratmetern auf 11.800 Quadratmeter erhöht werden. 

# Die Fenster der alten Betonfassade ließen für heutige Ansprüche zu wenig Licht ins Innere des Gebäudes. Deshalb wurde die Fassade komplett entfernt und durch eine Glasfassade ersetzt, die Cradle-to-Cradle zertifiziert ist.

# Ein mobiler Roboter lässt sich über die App ansteuern. Er kann Pakete in Empfang nehmen und im Gebäude zum Empfänger bringen. Auf Wunsch bringt er auch frisches Obst. Bei Kaffee-Bestellung muss er allerdings passen - da ist das Schlabber-Risiko wohl noch zu hoch.

# Überall im Gebäude finden sich echte Pflanzen. Sie haben Einfluss auf das Raumklima und bauen laut Studien Stress ab, in dem sie die Herzfrequenz positiv beeinflussen.

# Im Edge Olympic werden Innovationen getestet, wie zum Beispiel ein Besprechungsraum mit Möbeln und Akustikwand aus dem 3D-Drucker.

# Im kompletten Edge Olympic sind 7.000 Sensor-Einheiten verbaut. Die rechteckigen Kästchen enthalten bis zu acht Sensoren, die zum Beispiel die Raumbelegung, Lautstärke oder den CO2-Gehalt messen.

# 60 bis 70 Prozent der Materialien des Bestandsgebäudes wurden wiederverwendet. Entweder im Edge Olympic selbst, wie etwa der Marmor-Fußboden im Erdgeschoss, oder in anderen Gebäuden. Betonteile der alten Fassade wurden zum Beispiel gemahlen und zu Bestandteilen in neuem Beton.

Autor: Markus Gerharz

20.05.2019