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Auf dem Weg zum größten Wohnungsverwalter in Deutschland

Jannes Fischer ist als Vermieter unter die Gründer gegangen. Er baute das Proptech vermietet.de auf, dessen CEO er heute ist. Im Mittelpunkt steht die einfache und intelligente Bewirtschaftung von Immobilien. 2018 will das Start-up einer der größten Verwalter von Wohnungen in Deutschland sein.

Jannes Fischer: „Am Ende werden sich maximal zwei oder drei Plattformanbieter durchsetzen, zu denen auch wir gehören werden
Jannes Fischer: „Am Ende werden sich maximal zwei oder drei Plattformanbieter durchsetzen, zu denen auch wir gehören werden" (Foto: Viktor Strasse)

Herr Fischer, wie sieht das Geschäftsmodell von vermietet.de aus? Womit verdient Ihr Start-up Geld?
Jannes Fischer: Wir wollen die Verwaltung und Bewirtschaftung von Immobilienbesitz so einfach und intelligent wie möglich gestalten. Dabei zielen wir vorrangig auf Wohngebäude ab, wobei in vielen Objekten auch einzelne Gewerbeeinheiten integriert sind. Für kleinere Verwaltungen und Privatpersonen bis 25 Einheiten ist unsere Software kostenfrei, größere Verwaltungen zahlen ab der 26. Einheit eine Monatspauschale von 1,50 Euro pro Einheit. Für jene, die über 100 Einheiten verwalten, erstellen wir maßgeschneiderte Angebote. Außerdem gibt es ab 2018 zusätzlich mehrere kostenpflichtige Dienstleistungen, die bei Bedarf gebucht werden können.

Welche Dienstleistungen können das sein?
Jannes Fischer: Das können zum Beispiel Briefe sein, die direkt aus dem System heraus verschickt werden oder Immobilieninserate, die auf Portalen veröffentlicht werden. Diese Funktionen sind für unsere Kunden nicht teurer als direkt beim Anbieter, da wir sie in großen Stückzahlen einkaufen.

Was ist die besondere Herausforderung bei der Weiterentwicklung von vermietet.de?
Jannes Fischer: Letztlich ist es die Funktionsweise der Software. Unsere Kunden haben sehr heterogene Anforderungen, denen wir gerecht werden müssen. Dem einen reicht es vielleicht, die Nebenkosten abzubilden, der andere benötigt hingegen detaillierte Angaben bis hin zur Mülltonnen-Nutzung. Diese unterschiedlichen Use Cases in ihrer Komplexität in einer einzigen Software unterzubringen und für den Kunden trotzdem eine einfache Nutzung zu garantieren, ist die Herausforderung.

In welchem Tempo können Sie auf die Anforderungen Ihrer Kunden reagieren?
Jannes Fischer: Wir arbeiten sehr agil und integrieren derzeit alle ein bis zwei Wochen neue Features in unsere Software. Jeden Tag haben wir Kontakt mit rund 100 Kunden, die uns Feedback geben und erklären, welche Anwendungen für sie noch hilfreich wären. Aktuell haben wir insgesamt 40.000 Wohneinheiten im Portfolio. 2018 wollen wir einer der größten Wohnungsverwalter in Deutschland sein.

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Der Großteil Ihrer Kunden sind kleine Verwalter oder Privatanleger. Wie stehen Ihre Chancen bei großen Wohnungsgesellschaften und Verwaltern?
Jannes Fischer: Unsere erste Priorität liegt auf kleineren Verwaltungen und Privateigentümern, weil sie rund 65 Prozent des gesamten Wohnimmobilienmarktes in Deutschland ausmachen. Diese Zielgruppe verwaltet Ihre Einheiten noch immer häufig mit Excel und Papier, weil es keine passende Software gibt. Auch große Marktteilnehmer können bislang nur in Teilbereichen auf passende Lösungen zurückgreifen, stehen aber insgesamt besser da als kleine. Deshalb konzentrieren wir uns zunächst auf diese Zielgruppe. Wir spüren aber mit der Zunahme der Features unserer Software auch von größeren Verwaltern ein immer stärkeres Interesse.

Den Plattform-Gedanken mit der Anbindung verschiedener Beteiligter haben Sie nicht exklusiv. Für wie viele Anbieter ist der Markt groß genug?
Jannes Fischer: Meines Wissens gibt es derzeit kein anderes Unternehmen, das ein vergleichbares Feature-Set für unsere Zielgruppe anbietet. Es gibt zwar viele Spezialisten, die einzelne Teile wie etwa die Finanzierung, Kaution oder Bewertung hochprofessionell abdecken. Aber vermietet.de punktet mit der Konnektivität der beteiligten Parteien vom Eigentümer über die Bank bis zum Handwerker. Ich denke, am Ende werden sich maximal zwei oder drei Plattformanbieter durchsetzen, zu denen auch wir gehören werden.

Wie schätzen Sie persönlich den Reifegrad der Proptech-Szene in Deutschland und der Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft ein?
Jannes Fischer: Das Thema hat in den vergangenen zwei Jahren enorm an Tempo aufgenommen. Derzeit werden vor allem Prozesse durch Digitalisierung effizienter gestaltet. Damit liegt die Branche aber immer noch vier oder fünf Jahre hinter manchen anderen Industrien zurück. Der nächste Schritt wird die Vernetzung sein, also genau der Punkt, an dem wir derzeit arbeiten. Zum Beispiel wird der Handwerker nicht nur ans System angebunden und seine Aufträge darüber abgewickelt, sondern zugleich auch die Abrechnungsdaten an den Steuerberater weitergeleitet. Für diese Vernetzung wäre es wichtig, dass ein einheitlicher Datenstandard die bisherigen Insellösungen ersetzt und für Transparenz am Markt sorgt.

Vermietet.de richtet sich mit seiner Software an Eigentümer und Verwalter von Wohnimmobilien (Foto: vermietet.de)
Vermietet.de richtet sich mit seiner Software an Eigentümer und Verwalter von Wohnimmobilien (Foto: vermietet.de)

Wie optimistisch sind Sie, dass sich das bald ändert?
Jannes Fischer: Für die Immobilienwirtschaft ist es ein echter Kulturwandel, ihre Daten zu öffnen und so mehr Transparenz für alle zu schaffen. Leider sind viele Unternehmen es lange gewohnt gewesen, ihre Daten unter Verschluss zu halten.

Niemand möchte etwas verschenken.
Jannes Fischer: Stimmt. Allerdings leben wir in Zeiten technologischer Errungenschaften, die etwas so Hochkomplexes wie selbstfahrende Autos ermöglichen. Gleichzeitig unterschreiben wir trotz dieser technischen Möglichkeiten Mietverträge noch mit Stift und Papier und können beim aktuellen Marktwert einer Immobilie bestenfalls schätzen anstatt wie bei anderen Wertanlagen Preise in Echtzeit zu bekommen. Diese Diskrepanz im Grad der Technologisierung ist eine direkte Folge der vorherrschenden Intransparenz, da die technische Umsetzung eigentlich gar nicht so kompliziert wäre.

Lassen sich für die deutsche Immobilienwirtschaft gut Ideen aus anderen Ländern übertragen?
Jannes Fischer: Das geht nur bedingt. Ich würde eher von Inspiration sprechen als davon, etwas 1:1 zu übertragen. Man kann sicher in Bereichen, wie etwa aus dem E-Commerce, Ideen aus den USA kopieren, die auch bei uns gut funktionieren. In der Immobilienwirtschaft gibt es allerdings stärkere regionale Unterschiede.

Zum Beispiel?
Jannes Fischer: Beispielsweise ist es für Verwalter in den USA üblich, dass die Miete per Scheck bezahlt wird. In Deutschland sind wiederum Nebenkostenabrechnungen ein großes Thema. Beides hat mit Zahlungsströmen zu tun, verlangt aber zwei komplett unterschiedliche Produkte.

Wird die Immobilienwirtschaft den erwähnten Gap von vier bis fünf Jahren auf andere Branchen jemals aufholen können?
Jannes Fischer: Das hängt von konkreten Umsetzungen und Anwendungen im Alltag ab. Wenn man die Beispiele Blockchain und selbstfahrende Autos nimmt, dann erfahren diese eine ungemeine mediale Aufmerksamkeit. Konkrete Anwendungsfälle im Massenmarkt gibt es allerdings für beide Technologien bislang noch nicht. Das ist meiner Meinung nach der große Vorteil der Immobilienwirtschaft. Hier schlagen Anwendungen, wenn sie einmal implementiert sind, gleich in großer Marktbreite durch und greifen rasch um sich. Es kann also durchaus sein, dass die Branche den Rückstand schneller wieder aufholt, als gedacht.

Das Interview führte Markus Gerharz.

11.12.2017