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„An BIM selbst ist der Kunde nicht interessiert“

Jan-Hendrik Goldbeck, Geschäftsführer der Goldbeck GmbH, über den Einsatz von BIM in seinem Unternehmen.

Jan-Hendrik Goldbeck: „Unser großer Vorteil ist, dass wir alle Disziplinen bei uns im Haus haben“ (Foto: Goldbeck GmbH)
Jan-Hendrik Goldbeck: „Unser großer Vorteil ist, dass wir alle Disziplinen bei uns im Haus haben“ (Foto: Goldbeck GmbH)

Ihr Unternehmen setzt auf BIM. Welche Vorteile ergeben sich daraus?
Jan-Hendrik Goldbeck: Der Erfolg bei Bauvorhaben definiert sich über die Optimierung des „magischen Dreiecks“ aus Kosten, Zeit und Qualität. Und alle drei Parameter lassen sich mit BIM verbessern. Die Zeit, da Arbeitsprozesse optimal aufeinander abgestimmt und parallelisiert werden können. Die Kosten, da Partnerunternehmen durch gesicherte Baufreiheit ihre Leistung wesentlich effizienter erbringen können. Und die Qualität, da Baustellenprobleme wie zum Beispiel Bauteilkollisionen schon während der Planungsphase vermieden beziehungsweise gelöst werden können. Wir sind also in der Lage, das gesamte Bauvorhaben vorwegzunehmen und auf der Baustelle jederzeit den realen Ist-Zustand mit dem virtuellen Soll-Zustand zu überprüfen. Darüber hinaus kann das energetische Konzept bereits in der Planungsphase simuliert, kalkuliert und optimiert werden.

In Deutschland stößt BIM auf Hindernisse   unterschiedlichster Art und findet deshalb nur selten Anwendung. Warum gelingt Ihnen, was anderen nicht gelingt?
Jan-Hendrik Goldbeck: Unser großer Vorteil ist, dass wir alle Disziplinen bei uns im Haus haben. Wir haben eine klare Kommunikation festgelegt und die integralen Prozesse sowie eine einheitlich „Projektsprache“ definiert. Wenn in einem Projekt die Beteiligten ständig neu zusammengewürfelt werden, muss diese Grundlagenarbeit immer wieder erneut geleistet werden. Man muss aber festhalten, dass noch niemand – auch wir nicht – in der Lage sind, den BIM-Ansatz in 5D beziehungsweise XD durchgängig und flächendeckend anzuwenden. Neben den drei Dimensionen Länge, Höhe, Breite – die wir bereits sehr stringent in den verschiedenen Fachmodellen mit BIM abbilden können – arbeiten wir an der Fähigkeit zur Abbildung weiterer Dimensionen, zum Beispiel Zeit und Kosten als vierte und fünfte Dimensionen. Beschaffenheit und Bauteilintelligenz könnte man als weitere Dimensionen ansehen. Die ganzheitliche Betrachtung eines Bauwerks ist überaus komplex und wird uns noch viele Jahre fordern.

Welche Voraussetzungen mussten Sie im Unternehmen und bei Ihren Auftragnehmern und Kooperationspartnern dafür schaffen?
Jan-Hendrik Goldbeck: Erstmal mussten wir uns für ein „Betriebssystem“ entscheiden und sind eine strategische Partnerschaft mit Autodesk, dem weltgrößten Bausoftwarehersteller, eingegangen. Dann haben wir alle planenden Fachdisziplinen, insgesamt über eintausend Mitarbeiter , in die Lage versetzt, direkt in Revit zu arbeiten oder mit Systemen zu arbeiten, die kompatibel mit Revit sind. Zeitgleich haben wir unsere Systembauteile und Systemdetails digital verfügbar gemacht. Das war die Grundlagenarbeit.

Welchen Stellenwert messen Ihre Auftraggeber dem Einsatz von BIM bei?
Jan-Hendrik Goldbeck: An BIM selbst ist der Kunde in der Regel nur bedingt interessiert, am Ergebnis aber umso mehr. Vor allem aber will er ein optimales Gebäude im Kontext von Preis, Zeit und Qualität – und diese Dimensionen werden ja durch BIM optimiert. Im Kontext von Innovation und Qualitätssicherung werden aber in naher Zukunft immer mehr Großkonzerne und auch die öffentliche Hand den Einsatz der BIM-Methodik einfordern.

Interview: Christof Hardebusch

21.03.2017