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10 goldene Regeln für gelungene Masterpläne

Masterpläne kosten viel Zeit und Geld. Allzu oft bringen sie dafür nicht nur Visionen, sondern auch jede Menge Ärger. Hier sind zehn Lehren, die sich aus den Masterplänen für Duisburg, Köln, Mönchengladbach und Bottrop ableiten lassen.

Masterplan-Aufmacher
Masterpläne (im Bild: Köln) werden oft mit vielen Hoffnungen und großem Interesse initiieren. An der Umsetzung hakt es allerdings allzuoft (Bild: Stadt Köln)

Als im Jahr 2013, fünf Jahre nach Vorlage des Kölner Masterplans für die Innenstadt, sein Verfasser Albert Speer von der Lokalpresse gefragt wurde, ob es ein Indiz für eine Chaosstadt sei, dass noch kein Vorschlag davon verwirklicht wurde, lautete die Antwort des Stadtplaners und Gründers des Büros AS&P: „Ich glaube schon.“

Und in Bezug auf Duisburg titelte der WDR-Hörfunk 2015, acht Jahre nach Vorlage von Norman Fosters Masterplan Innenstadt: „Ziele nicht umgesetzt.“

Wozu also Masterpläne aufstellen, wenn Jahre nach ihrer Präsentation nichts zu sehen ist? Oder fehlt es den Beobachtern (und Steuerzahlern) einfach nur an Geduld und Vertrauenin die Hartnäckigkeit der Akteure? Fakt ist, dass allerhand Hürden im Weg stehen, bis den Plänen Taten folgen.

10 Regeln für einen erfolgreichen Masterplan

  1. Fördergelder: Vom Land gibt es die nur auf Basis eines konkreten Handlungskonzepts. Aber Vorsicht: Gerät das Konzept zu kleinteilig, bleibt das Fördersäckel geschlossen.

  2. Nicht zu visionär: In Duisburg war der visionäre Charakter des Plans von Norman Foster wohl zu viel des Guten. Ein Erfolgsfaktor scheint zu sein, dass ein Masterplan nicht nur eine anspruchsvolle Vision formuliert, sondern auch durch Gutachten, Studien und vielfältige Expertenmeinungen abgesichert ist.

  3. Achtung „Feldarbeit“: Bis ein Masterplan vom Stadtrat angenommen wird, muss viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Das kann „mehr Arbeit sein als das Geldsammeln“ bei der örtlichen Unternehmerschaft im Vorfeld, musste Paul Bauwens-Adenauer, Mitinitiator des Kölner Masterplans feststellen.

  4. Komplexität beachten: Wirtschaftsstruktur und -wandel, Infrastruktur und nicht zuletzt mögliche Einschränkungen durch historische Bauten und Schätze im Untergrund können die Planungen erheblich in die Länge ziehen. Auch das hat das Beispiel Köln gelehrt.

  5. Politische Rückendeckung: Wenn die Stadtspitze einen Masterplan zu ihrer ureigensten Sache macht, ist viel gewonnen. Auch ein regelmäßiger enger Austausch von Initiativkreis und Politik hilft.

  6. Kleine Städte haben es leichter: Eine wichtige Rolle beim Erfolg eines Masterplans spielt die Größe der Stadt. In einer kleineren Stadt sind die Probleme griffiger und offensichtlicher.

  7. Klare Zielsetzung: In Bottrop stehen alle Maßnahmen unter der Überschrift: 50 Prozent CO2-Reduktion bis zum Jahr 2020 bei gleichzeitiger Verbesserung der Lebensqualität. Nach fünf Jahren Projektlaufzeit im Vorfeld des Masterplans wurden schon eine Reduktion um 38 Prozent erreicht und mehr als 200 Projekte angestoßen.

  8. Strukturen schaffen: Zur konsequenten Umsetzung eines Masterplans trägt eine eigens gegründete Projektmanagementgesellschaft bei. Außerdem sollten private Unterstützer und öffentliche Hand an einem Strang ziehen. Privates Engagement bringt den nötigen Umsetzungsdruck, die Planungshoheit bleibt aber originäre Aufgabe der Kommunen.

  9. Transparenz: Gerade bei privat finanzierten Plänen ist ein hoher Grad an Transparenz wichtig.

  10. Maßnahmen gliedern: Gliederung in kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen sowie den Blick nicht nur auf den Städtebau, sondern auch auf Architektur, Freiräume und Verkehr – und auf das Monetäre: die Finanzierung der Maßnahmen und die Verfügbarkeit von Grundstücken.

Autor: Roswitha Loibl

02.06.2016