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„Wir würden es wieder machen“

Nachdem das Berliner Unternehmen Gegenbauer 90 Prozent an der Dortmunder RGM übernommen hat, wachsen die beiden Unternehmen seit nunmehr sechs Monaten zusammen. immobilienmanager befragte die beiden Vorstandsvorsitzenden Fritz-Klaus Lange und Christian Lewandowski nach dem Stand der Integration und den Zielen für die Zukunft.

Christian Lewandowski und Fritz-Klaus Lange im Interview (Bilder: Jirka Jansch)
Christian Lewandowski und Fritz-Klaus Lange im Interview (Bilder: Jirka Jansch)

Warum haben Sie sich für die eher ungewöhnliche Doppelspitze mit zwei Vorstandsvorsitzenden entschieden?
Christian Lewandowski: Fritz-Klaus Lange hat die RGM über viele Jahre hinweg erfolgreich geführt. Ich bin seit nunmehr fast 25 Jahren bei Gegenbauer. So ergibt es durchaus Sinn, dass wir das Unternehmen gemeinsam führen. Außerdem ist es eine gute Voraussetzung, um die Integration von der Führungsspitze her vorzuleben, auch als Signal an unsere Mitarbeiter. Wir stimmen uns sehr eng ab – auch im Tagesgeschäft.
Fritz-Klaus Lange: Für die RGM haben sich bekanntlich mehrere Wettbewerber interessiert, aber Gegenbauer war unser Wunschpartner. Wir orientieren uns an langfristigen Zielen und weisen kulturell viele Verwandtschaften auf. Derzeit beobachten wir genau, wie diese Gemeinsamkeiten gelebt werden.
Christian Lewandowski: Wir stellen fest, dass die Integration noch besser läuft als anfangs erwartet. Die Zusammenarbeit der Teams intensiviert sich. In der nächsten Stufe steht die Arrondierung unserer Kapazitäten an – immer verbunden mit der klaren Botschaft an unsere Belegschaft, dass wir alle Mitarbeiter benötigen.
Fritz-Klaus Lange: Entlassungen sind nicht vorgesehen. Das schließt auch die Führungskräfte mit ein. Denn ein Standortleiter kann immer nur eine bestimmte Anzahl von Kunden gut betreuen.

Sie sprachen von kulturellen Gemeinsamkeiten. Tatsächlich lag der Umsatz pro Mitarbeiter bei RGM vor dem Zusammenschluss fast doppelt so hoch wie der Vergleichswert bei Gegenbauer. Wie passt das zusammen?
Fritz-Klaus Lange: Die RGM ist auf technisches Facility Management (TFM) fokussiert, Gegenbauer hat einen hohen Anteil an TFM, aber auch ein starkes Geschäftsfeld infrastrukturelles Management. Dort ist der Umsatz pro Kopf deutlich geringer. Wo gleiche Leistungen erbracht werden, sind selbstverständlich auch die Löhne gleich.
Christian Lewandowski: Unsere Unternehmenskulturen haben tiefe Wurzeln. Wir halten die Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern für ein hohes Gut und sind uns einig, dass wir unsere Betriebsräte wie auch die Gewerkschaften als Partner brauchen, um unser Unternehmen weiterzuentwickeln.

Abgesehen vom infrastrukturellen Facility Management (IFM) haben die Leistungsangebote von Gegenbauer und RGM viele Gemeinsamkeiten. Haben Sie nicht auch viele gemeinsame Kunden?
Fritz-Klaus Lange: Unser Kundenbestand überlappt sich zu kaum mehr als zehn Prozent. Auch daran zeigt sich, dass bei diesem Zusammenschluss eins plus eins tatsächlich zwei ergibt und nicht 1,5. Die RGM kann nun auch IFM anbieten, was sie vorher nicht konnte. Bei gleichem Leistungsangebot können wir nun je nach Standort entscheiden, mit welcher Marke wir nach vorn gehen. Das erweitert unsere Möglichkeiten natürlich deutlich.
Christian Lewandowski: Für uns schließen sich jetzt zudem regionale Lücken in Deutschland, vor allem in Nordrhein- Westfalen. Die regionalen Synergien werden voraussichtlich im Raum Frankfurt am Main und in Süddeutschland am höchsten sein.

Werden auch die Marken zusammengeführt?
Fritz-Klaus Lange: Nein, RGM ist eine starke Marke und bleibt erhalten. Gegenbauer als Muttermarke hilft uns allerdings enorm. Das beginnt schon im Wettbewerb um Auszubildende.

Gegenbauer belegt Platz 7 im aktuellen Umsatzranking von Lünendonk. Ist Größe ein Vorteil?
Christian Lewandowski: Größe ist nicht alles, hilft aber. Mit 700 Millionen Euro Jahresumsatz sind wir für Führungskräfte interessanter als zuvor. Internationale Kunden sprechen vorzugsweise Anbieter aus den Top Ten an, wenn sie Dienstleister in Deutschland suchen. Unsere neue Aufstellung ermöglicht uns zudem ein integriertes Leistungsangebot und eine höhere Leistungstiefe. Beides entspricht dem Nachfragetrend.
Fritz-Klaus Lange: Vor allem große Unternehmen tendieren dazu, Schnittstellen zu reduzieren, den Einkauf zu bündeln und Verwaltungskosten zu senken. Gemeinsam können wir aber auch mehr in die Digitalisierung unserer Angebote und Prozesse investieren. Und bei einem größeren Unternehmen ist der Hebel für Effizienzgewinne natürlich größer als bei einem kleineren.

Welche Ziele setzen Sie sich für die Zukunft?
Christian Lewandowski: Wir wollen bis zu unserem 100-jährigen Jubiläum 2025 die Marke von einer Milliarde Euro Umsatz erreichen. Wir wollen weiterhin wie bisher entlang der Bedürfnisse unserer Kunden wachsen. Wachstum erzielen wir dabei nicht durch die Expansion in bestimmte Sparten oder Regionen, sondern entlang der Fähigkeiten unserer Mitarbeiter. Uns ist es immer gelungen, gute Mitarbeiter zu finden und an uns zu binden. Auch auf dem akademischen Arbeitsmarkt sind wir erfolgreich. Künftig wollen wir Dienstleistungen auch direkt für Menschen erbringen, beispielsweise in der Betreuung von Senioren. Ein wichtiger Wachstumstreiber ist auch unser Heimatstandort Berlin. Viele Jahre lang war dies eher ein Nachteil, aber seit dem Fall der Mauer wächst die Stadt jährlich um rund 40.000 Menschen. Damit wächst auch der Bedarf an Infrastruktur und Bürgerversorgung – und wir wachsen mit.

Wie geht es personell weiter?
Christian Lewandowski: Ich werde in zwei bis drei Jahren in den Aufsichtsrat wechseln. Dann wird Christian Kloevekorn an der Seite von Fritz-Klaus Lange meine jetzige Position einnehmen.
Fritz-Klaus Lange: Unsere langfristige Planung zeigt, dass unser Unternehmen von hoher Kontinuität auf der Managementebene und auf der Gesellschafterebene geprägt ist. Das hilft uns auch im Wettbewerb.

Interview: Christof Hardebusch

21.07.2017

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