Online-Schwerpunkt Projektentwicklung
Unser Online-Themenschwerpunkt Projektentwicklung informiert ausführlich über aktuelle Trends, Projekte und Diskussionen aus dem Bereich Development. Besonderes Augenmerk widmen wir dabei der Nachhaltigkeit und Zertifizierung von Developments sowie der Bürgerbeteiligung und der Kommunikation mit dem Bürger.
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„QUALITATIVE ASPEKTE ENTSCHEIDEN“
BÜRGERBETEILIGUNG
Die Einwohner von 19 Städten haben sich intensiv an der Internationalen Bauausstellung (IBA) Sachsen-Anhalt beteiligt. Karl-Heinz Daehre, Minister a. D. für Landesentwicklung und Verkehr des Landes, berichtet über die Erfahrungen mit dieser „größten Bürgerbewegung seit der Wende“.
Die internationale Bauausstellung Sachsen-Anhalt ist in den Städten Sachsen-Anhalts Ende 2010 abgeschlossen worden. Nach achtjähriger Arbeit kann nun also Bilanz gezogen werden. Und ich muss feststellen, dass wir in den IBA-Städten eine neue Aufbruchsstimmung zu einem aktiven Umgang mit der Situation des Schrumpfens und des demografischen Wandels finden. Die IBA wirkt!
Seit der Gründung der IBA stehen die Stadt und damit ihre Bürgerinnen und Bürger im Mittelpunkt der Arbeit in den IBA-Städten. Stadtumbau ist dort nicht nur ein politisches Programm, sondern versteht sich als ein zentrales Projekt für die Bürger, dass auch von den Bürgern gestaltet werden soll. Dabei ging die IBA in ihrer Arbeit verschiedene Wege, um die Bevölkerung als integraler Bestandteil ihrer Arbeit zu gewinnen – getreu dem Motto:“ Stadtumbau geht jeden an.“
Im Kern geht es um die neuen Chancen für die Nutzung von Flächen, Räumen und der Landschaft, die sich vor allen durch den notwendigen Abriss von leer stehenden Wohnungen ergeben. Um diese Chance zu erkennen und gemeinsam mit den Nutzern zu gestalten setzte die IBA auf neue Formen intensiver Bürgerbeteiligung. Die Möglichkeiten aktiven Mitwirkens in den Planungsprozessen waren vielgestaltig. Über die acht Jahre ihrer Tätigkeit hinweg hat die IBA ein neues Panorama von Bürgerbeteiligungen ins Leben gerufen, auf das wir als Land Sachsen-Anhalt stolz sein können. Es hat sich ausgezahlt, dass wir den Bürgerinnen und Bürgern von Anfang an reinen Wein eingeschenkt haben. Wir haben ihnen versprochen, nicht nur Häuser abzureißen, sondern mit ihnen gemeinsam die Aufwertung der freigewordenen Flächen vorzunehmen.
19 Städte, 19 Konzepte
Auf vielen Reisen durch die IBA Städte konnte nicht nur ich mich davon überzeugen, wie unterschiedlich die Formen der Bürgerbeteiligung sind: Sei es in Dessau-Roßlau, wo sich Bürger dafür einsetzen die durch den Abriss leer stehender Gebäude entstandenen freien Flächen durch neue Gärten, sogenannte Claims, neu zu nutzen: Sei es in der Lutherstadt Wittenberg, wo zahlreiche Institutionen und private Akteure sich zusammenfanden, um den Campus der Stadt wieder aufleben zu lassen und für die Stadt so ein neues Markenzeichen zu schaffen; sei es in Naumburg, wo durch die Initiative von Bürgern der Stadt das IBA- Projekt unter dem Titel „ Stadtbildung-Bürgerschaft und Baukultur“ ins Leben gerufen wurde. Den Sachsen-anhaltischen Städten im Umbruch neue Perspektiven zu geben, das war im Jahre 2002, als die IBA Sachsen-Anhalt ins Leben gerufen wurde, das vielleicht wichtigste Ziel. Dabei wurde die IBA immer auch als Experiment verstanden. 19 Städte – 19 Konzepte. Die IBA versteht sich als „Labor“, in dem verschiedene „Werkzeuge“ des Stadtumbaus beispielhaft erprobt und angewendet werden. Das Ziel der IBA, auf staatlicher wie kommunaler Ebene in Sachsen-Anhalt eine besondere fachliche Kompetenz für die Praxis des Stadtumbaus zu bilden, haben wir erreicht. Modellhafte Projekte, die unter den Bedingungen des demografischen, ökonomischen und sozialen Wandels Zeichen für die internationale Stadtforschung und Stadtgestaltung setzten, wurden bis 2010 entwickelt. Dabei hat die IBA mit den Kommunen sowie den Bürgerinnen und Bürgern neue Qualitäten geschaffen, um die Städte lebenswerter zu machen.
Die innovativen Interventionen sind vielgestaltig. Die Entwicklung einer kommunalen Bildungskultur in Bernburg (Saale), die Entstehung eines Vernetzten urbanen Lebensraums zwischen der Hansestadt Stendal und ihrem Umland, die Fokussierung auf ein „Leben an und mit der Elbe“, verbunden mit einem neuartigen Flächenmanagement, die gemeinsame Arbeit der Wohnungsunternehmen im Kontext der Modernisierung des Wohnungsbestands – alle diese Maßnahmen beweisen die Vielfalt der IB-Projekte. Auch international werden diese städtischen Innovationen aus Sachsen-Anhalt bereits wahrgenommen, wie uns Besuche ausländischer Gruppen etwa aus Schweden, Österreich und den Niederlanden zeigen.
Von nationaler Bedeutung sind der Umzug der europäischen Bibliothek für Homöopathie von Hamburg nach Köthen im Jahre 2009 und die Einrichtung eines Studiengangs Homöopathie in der Heimatstadt des Gründers der Homöopathie Hahnemann. Im Übrigen ist dieser Studiengang der erste seiner Art überhaupt. Zudem wurde im Jahre 2009 der Lutherweg in Eisleben vom Bundesbauministerium mit einem Sonderpreis bedacht. Gewürdigt wurde damit vor allem der Umgang mit der historischen Bausubstanz gewürdigt. Ganz nebenbei ist anzumerken, dass seit Jahren am letzten Wochenende des August hunderte von Bürgern den Lutherweg entlang spazieren und neue Ideen in den Stadtumbau einbringen.
Vorbilder für Europa
2010 bedeutet für den IBA Prozess nur eine Zwischen Bilanz. Zwar haben wir dann die acht-jährige Arbeit präsentiert, die in den Städten von und mit den Bürgerinnen und Bürgern geleistet wurde; aber die Beschäftigung mit den Themen Stadtumbau und demografischer Wandel wird in den Städten weitergehen, ja sich verstärken. Und zwar nicht nur in Sachsen-Anhalt sondern auch in ganz Deutschland mit wenigen Ausnahmen und sogar in ganz Westeuropa. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand und sind vor allem in dem Rückgang der Geburtenzahlen zu suchen.
Die IBA hat einen Prozess in Gang gesetzt. Jetzt sind die Städte und das Land Sachsen-Anhalt aufgefordert, diesen Prozess weiter zu gestalten. Ich bin deshalb sehr froh darüber, dass auch die neue Landesregierung ebenfalls diese Auffassung vertritt und ein Kompetenzzentrum „Stadtumbau“ bei der Sachsen-anhaltinischen Entwicklungsgesellschaft (SALEG) einrichten will.
Ziel dieses Kompetenzzentrums muss es sein, nachhaltige ökologische Stadtentwicklung in der von der IBA vorgegeben Richtung zu betreiben. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Beteiligung der Bürger am Stadtumbau zwingend erforderlich ist, aber nicht ausreicht. Angefangen von der Landesregierung bis hin zu den Kommunalen Vertretungen müssen alle Politikbereiche mit einbezogen werden. Der Stadtumbau nicht allein das Thema des Bauministers, sondern des gesamten Kabinetts. Wir haben im Rahmen der IBA viele Expertisen gesammelt, von denen nicht allein die Städte in Sachsen-Anhalt profitieren können. Nicht zuletzt die Auszeichnung der IBA Sachsen-Anhalt mit dem „City to City Barcelona FAD Award 2010: Shrinking Cities“ in diesem Jahr ist für uns der Beweis, dass wir auch mit dem Stadtumbau über die Grenzen Sachsen-Anhalts hinaus internationale Anerkennung erfahren haben.
Mit der IBA hat sich das Land auf neues Terrain vorgewagt. Das ambitionierte Projekt stellt eine Zäsur dar es ist die Abkehr vom traditionellen Leitbild der Stadtentwicklung, das Bevölkerungswachstum und steigender Flächenverbrauch die Grundlage urbaner Lebensqualität und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit sind. Diese IBA hat das Verhältnis von Quantität und Qualität in einen neuen Betrachtungswinkel gerückt. Im Kern geht es dabei um eine eigentlich simple Frage: Wie lässt sich aus weniger Masse mehr Klasse gewinnen? Mit unseren Denkmodellen und Handlungsstrategien, die auf die Konzentration und Profilierung vorhandener Potenziale setzten, greifen wir ein Thema auf, das auch in anderen Regionen der Welt von Bedeutung ist. Doch es gibt keine Patentrezepte, die sich ohne Weiteres übertragen lassen. Das Nachdenken wird uns auch künftig nicht erspart bleiben, was ich nicht als Manko empfinde. In Zukunft wird es ein Europa der Regionen geben. Der Regionaldirektor für Regionalpolitik bei der europäischen Kommission Dr. Johannes Hahn formulierte auf der IBA Abschlussveranstaltung: „Ein intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum steht im Mittelpunkt der künftigen EU-Politik.“
Mit dem Projekt „Sachsen-Anhalt: polyzentrisch“ ist durch die IBA ein weiterer spannender Lösungsansatz gefunden wurden. Richtet die IBA ihr Augenmerk auf die Stadt, so lenkt der polyzentrische Ansatz seinen Fokus auf die Region. Er setzt auf eine Form von Urbanität, die in gewisser Weise kleinteiliger angelegt ist, sich dabei aber aus Vielfalt, Lebendigkeit und Individualität speist. Damit wird die Region als Ganzes gestärkt. Denn Lebensqualität entsteht nicht allein aus dem Meer an Masse. Vor allem qualitative Aspekte entscheiden über Zukunftsfähigkeit.
Karl-Heinz Daehre war von 2006 bis 2011 Minister für Landesentwicklung und Verkehr und von 2002 bis 2006 Minister für Bau und Verkehr sowie von 1991 bis 1994 Minister für Raumordnung, Städtebau und Wohnungswesen des Landes Sachsen-Anhalt. Am 18. März 2009 wurde Karl-Heinz Daehre mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet. Er erhielt diese Auszeichnung für seine Verdienste beim Aufbau demokratischer Strukturen in Sachsen-Anhalt.
Bürgerbeteiligung bei Großprojekten | Erfahrungen, Chancen und Grenzen
Erfahrungen, Chancen und Grenzen
BÜRGERBETEILIGUNG Shopping-Center und andere Großprojekte stoßen immer wieder auf den Widerstand von Bürgerinitiativen. Frühzeitige Kommunikation und Beteiligung sind unabdingbare Elemente für einvernehmliche Lösungen.
Von Dr. Jan Röttgers, Projektentwickler ECE Projektmanagement
Spätestens seit Stuttgart 21 ist das Thema Bürgerbeteiligung bei Bauprojekten, (fast) egal welcher Art, in aller Munde. Dabei ist Bürgerbeteiligung bei der Bauprojekten in Städten und Gemeinden bei weitem keine neue Thematik: seit über 50 Jahren sind Partizipationsverfahren fester Bestandteil des Bauplanungsrechts. Allerdings sind diese Verfahren nicht heute mehr ausreichend als Antwort auf angemessene Bürgerbeteiligung. In dem im Sommer 2011 veröffentlichten Weißbuch Innenstadt des Bundesbauministers wurde dieser Aspekt bewusst aufgegriffen: „Stadtentwicklung zu einer Gemeinschaftsaufgabe weiter zu entwickeln, neue Kooperati¬onsformen zu erproben und umzusetzen ist deswegen die zentrale Aufgabe der Nationalen Stadtentwicklungspolitik.“
Dennoch haben gerade die Ereignisse in Stuttgart gezeigt, dass in Ergänzung der gesetzlichen Abstimmungsverfahren und Publizitätspflichten bei der Projektentwicklung weitere und vor allem frühere Formen der Bürgerinformation und -beteiligung genutzt werden müssen.
Die ECE erlebt, wie wohl alle Projektentwickler von Shopping-Centern, in vielen Städten rege Diskussionen bis hin zu Protesten um ihre geplanten Projekte. Es entsteht häufig ein Spannungsverhältnis mit erheblichem Konfliktpotential zwischen den Interessen von Kommunen, direkten Anwohnern, einkaufenden Bürgern, dem bestehenden Handel, neuen Einzelhandelsbetrieben und Investoren.
Eine Frage des Timings
In dieser Gemengelage ist es verständlich und nachvollziehbar, dass die Bürger Informationen und Transparenz zu den Vorgängen in ihrer Stadt verlangen. Dabei gilt: je früher diese Diskussionen geführt werden, desto leichter lassen sich aufkommende Konflikte versachlichen und teilweise sogar einvernehmlich lösen. Je später diese Konflikte im Projektentwicklungsverlauf auftreten, desto schwieriger wird die Lösung nicht nur emotional, sondern aufgrund fortgeschrittener Planungsarbeiten auch rechtlich und wirtschaftlich. Die Frage des frühen Timings ist daher für Bürger und Projektentwicklung von entscheidender Bedeutung. Bürgerentscheide sind dabei oftmals ein Ausdruck einer letztlich gescheiterten Bürgerbeteiligung – wobei die Verantwortung für das Scheitern auf beiden Seiten liegen kann. Bürgerentscheide führen zu fehlender Planungssicherheit in einer Kommune, was Projektentwickler zögern lässt, dort größere Vorarbeiten zu entwickeln.
Die aktuellen Entwicklungen haben gezeigt, dass es mittlerweile nicht mehr nur die Aufgabe der Kommunalpolitik ist es, Akzeptanz für Projekte zu schaffen, die sie genehmigen wollen. Hierfür ist zunehmend auch eine aktive Kommunikationsrolle der Projektentwickler gefordert.
Erst Ziele klären
Bevor Städte und Entwickler jedoch diesen Informations- und Beteiligungsprozess beginnen, muss die Stadt zunächst einmal ihre Ziele und die sich daraus ergebenden Anforderungen an neue Projekte definieren. Wichtig ist dabei auch, die ‚Spielregeln’, sprich die Verfahrensschritte zur Entscheidungsfindung für alle Beteiligten des Planungsprozesses verbindlich und von Beginn an festzulegen. Im zweiten Schritt ist es die Aufgabe des Projektentwicklers, für sich zu entscheiden, ob und wie er diese Anforderungen erfüllen kann.
Die Stadt Ludwigshafen beispielsweise hatte vor einigen Jahren mit dem breit angelegten Moderationsprozess ‚Heute für morgen’ den größten Stadtumbauprozess ihrer Nachkriegsgeschichte angestoßen. Dazu gehörte auch die Entwicklung eines Shopping-Centers auf dem Gelände des alten Zollhofhafens am Rhein. In einem Pflichtenheft legte die Stadtverwaltung die entscheidenden Kriterien für das Investorenauswahlverfahren fest, das die ECE 2006 mit dem Konzept der Rhein-Galerie gewinnen konnte. Aus Delmenhorst dagegen zog sich die ECE noch vor der Ausschreibung zurück, da aus unserer Sicht mit den von der Stadtverwaltung vorgegeben Rahmenbedingungen ein Shopping-Center nicht erfolgreich für die Stadt funktioniert hätte. Auch diese konsequente Haltung braucht man in der Projektentwicklung.
Fachliche Grenzen der Beteiligung
In der notwendigen Funktionalität von Shopping-Centern liegen zugleich die Grenzen der Bürgerbeteiligung am Planungsprozess. Aufhänger vieler Diskussionen ist oftmals nicht die mangelnde Information, sondern die tatsächliche ‚Beteiligung’ und Entscheidungskompetenz der Bürger. Was nützt es einer Stadt und ihren Bürgern letztlich aber, wenn das selbst geplante Einkaufszentrum nicht funktioniert, weil es etwa zu klein ist, die falsche Flächenaufteilung hat, zu wenig Parkplätze oder durch Sortimentsbegrenzung keine Magnetmieter anbieten kann? Projektentwickler verfügen teilweise über jahrzehntelange Erfahrung und wissen um die Anforderungen des Einzelhandels und die bauliche Komplexität von Shopping-Centern. Ihre Aufgabe ist es, im Entwicklungsprozess vor Ort diese Rahmenbedingungen klar zu vermitteln. Beliebige Offenheit zur völlig freien Gestaltung ist für alle Beteiligten nicht zielführend. Erfahrene und langfristig denkende Entwicklung und Investoren werden und können deshalb nicht zu jedem Kompromiss bereit sein und nicht jeden artikulierten Wunsch von Bürgern aufgreifen.
Eine besondere Herausforderung für die Verantwortlichen in den Städten und die Projektentwickler ist der Umgang mit Bürgerbegehren und Bürgerentscheiden in den Städten gegen einzelne Projekte. Fast jeder Entwickler wurde in den letzten Jahren damit konfrontiert. Die ECE konnte Bürgerentscheide in Bautzen, Plauen, Passau, Schweinfurt und zuletzt in Kaiserslautern für sich entscheiden – dort sogar mit einer Zustimmung von zwei Dritteln der sich beteiligenden Bürger. In Siegburg dagegen ging im letzten Jahr ein Bürgerentscheid verloren.
Wer laut ist, hat noch nicht die Mehrheit
Die Schwierigkeit bei Diskussionen rund um die formelle Abstimmung eines Bürgerentscheides ist, dass Debatten schnell sehr emotional geführt werden und die sachliche Auseinandersetzung deutlich leidet. Und nicht jedes angebliche Gemeinwohlinteresse ist altruistisch, sondern verbirgt oftmals auch ein wirtschaftliches Eigeninteresse. Die Interessen sollten hier von allen Seiten offen kommuniziert. Bei Stuttgart 21, bei der Stadtgalerie Kaiserslautern oder der Ansiedlung von Ikea in Hamburg-Altona hat sich gezeigt, dass laute und emotional aufgeladene Kritik aus der Bevölkerung aber nicht unbedingt die Meinung der Mehrheit wieder spiegelt. Bei allen drei Volks- bzw. Bürgerentscheiden stimmten die betroffenen Bürgerinnen und Bürger mit großer Mehrheit für die die Realisierung der Projekte. Die veröffentlichte Meinung deckte sich in allen Fällen zum großen Teil nicht mit der Meinung der schweigenden Mehrheit.
Gerade am Beispiel Kaiserslautern lässt sich darstellen, dass kontinuierliche und sachliche Information vor Ort zu einem klaren Votum für den Bau eines Shopping-Centers führen kann, auch wenn die Stimmen der Kritiker zumindest zu Beginn in der öffentlichen Wahrnehmung vermeintlich stärker waren. Fast zwei Monate lang war das politisch wie gesellschaftlich breit aufgestellten Bündnis ‚Für Lautern’ aus Projektbefürworten gemeinsam mit der ECE täglich vor Ort in der Fußgängerzone mit einem Infopavillon präsent und erläuterte die Planungen für die Stadtgalerie und die Kaiserslauterer Innenstadt. Die ECE war dabei stets mit mehreren verantwortlichen Vertretern vor Ort und ‚greifbar’ für Gespräche - natürlich auch mit Kritikern. Das Verteilen von Flyern oder Erstellen einer Homepage reicht in einem solchen Stadium bei Weitem nicht mehr aus.
Kein Patentrezept und teilweise Ernüchterung
Fakt ist, dass es kein Patenrezept für vermeintlich richtige oder falsche Bürgerbeteiligung bei der Entwicklung eines neuen Shopping-Centers in einer Stadt gibt. Und Fakt ist auch, dass viele Städte bereits seit längerer Zeit eigenständige und breit aufgestellte Beteiligungsprozesse lange vor den formellen Verfahren der Bauleitplanung initiieren, um ihre Bürger konkret zu informieren und beteiligen, wie zum Beispiel zuletzt auch in Mainz.
Bei genauerem Hinsehen müssen alle Akteure jedoch auch konstatieren, dass die zuvor teils vehement geforderte Bürgerbeteiligung nicht immer auf die erhoffte und erwünschte große Resonanz stößt. Für die Entwicklung der neuen Mitte Altona, dem gegenwärtig größten Wohnungsbauprojekt in Hamburg mit mehreren tausend Wohnungen, entwickelte die Hamburger Stadtentwicklungsbehörde den bis dahin wohl umfangreichsten Diskussions- und Beteilungsprozess. Das tatsächliche Interesse an den Bürgerforen und diversen Beteiligungsmöglichkeiten beläuft sich jedoch durchgehend auf nur rund 60 Akteure. An einer Online-Abstimmung über wichtige Kriterien für den neuen Stadtteil nahmen sogar gerade einmal 40 Bürger teil. Im Verhältnis zur Zahl der geplanten Wohneinheiten, der Bedeutung des Projekts für die Stadtentwicklung und auch der eingesetzten finanziellen und personellen Ressourcen ist diese Beteiligung leider verschwindend gering.
Im Zuge dessen sollte auch die Frage nach der Legitimation und der allgemeinen Gültigkeit von Bürgerforderungen gestellt werden dürfen. „Die“ Bürger und „die“ eine Bürgermeinung gibt es meist nicht, sondern meist sind es sehr unterschiedliche und (auch völlig zu Recht) interessengeleitete Partikularmeinungen.
Fazit
Die rechtliche Verankerung von Bürgerentscheiden in den Kommunen ist in vielen Bundesländern noch recht jung, die konkrete Ausgestaltung noch sehr unterschiedlich und einem steten Wandel unterworfen. Entsprechend unsicher agieren alle Seiten noch zwischen den gelernten Beteiligungsformen im Rahmen der Bauleitplanung und den erforderlichen neuen Instrumenten.
Grundsätzlich haben Städte, Politik und Entwickler inzwischen die Notwendigkeit von frühzeitiger und offener(er) Kommunikation ihrer Projekte erkannt und handeln entsprechend. Unser Eindruck ist, dass gerade die Projektentwickler bezüglich der direkten Kommunikation mit den Bürgern vor Ort in den letzten Jahren viel dazu gelernt haben. Sinnvoll ist es, den inhaltlichen Diskussionsprozess in den Städten an den Anfang der Entwicklung zu stellen um ein gemeinsames Ziel zu definieren, welches am Ende durch die Politik konkretisiert und durch Projektentwickler ausgefüllt werden muss. Verantwortung für das so gemeinsam erarbeitete Konzept tragen letztendlich jedoch nicht nur die Politik und der Entwickler oder Investor, sondern vor allem auch die Bürger.
Dr. Jan Röttgers ist Projektentwickler ECE Projektmanagement, Hamburg.
Bilder vom Real Estate Forum Stuttgart
Immobilienwirtschaftslehre Band I

Vergleich der Labels.
Der Vergleich der der Zertifizierungssysteme ist dem folgenden Werk entnommen: Immobilienwirtschaftslehre, Band 1: Management, herausgegeben von Prof. Dr. Nico B. Rottke und Prof. Dr. Matthias Thomas, Seiten 491 bis 493.
Hier geht es zum Auszug.

































