In im.extra finden Sie zusätzliche Informationen und Artikel zu den Themen der jeweils aktuellen Ausgabe von immobilienmanager.
Extra-Informationen zur Ausgabe 5-2012
1) Refinanzierung: Wie die LWB Leipzig eine Anschlussfinanzierung stemmte. Ein Praxisbericht des Kreditvermittlers und Finanzierungsmanagers Dr. Klein & Co. Aktiengesellschaft
2) Immobilien-Aktiengesellschaften: Was die Aufsichtsräte 2011 verdienten
Refinanzierung | Paxisbericht Dr. Klein & Co. Aktiengesellschaft
Wie die LWB Leipzig 323 Millionen Euro refinanzierte
Praxisbericht: Mit der vorzeitigen Refinanzierung wurde eine Zinsaufwandsersparnis von sechs Millionen Euro im Jahr erzielt.
Von Hans Peter Trampe
Die Sicherung der im Jahr 2014 anstehenden Anschlussfinanzierungen der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH (LWB Leipzig) in Höhe von 323 Millionen Euro sollte vorfristig sichergestellt werden. Bei einem Finanzierungsbedarf dieser Größenordnung werden die Entwicklung eines Finanzierungskonzeptes sowie eine strukturierte und gesamtheitlich gesteuerte Ausschreibung der Finanzierung notwendig. Zunächst wurde die anstehende Finanzierung analysiert, um darauf aufsetzend ein in die Gesamtfremdfinanzierungsstruktur der LWB passendes Finanzierungskonzept zu entwickeln. Darauf folgte eine strukturierte und für alle Beteiligten transparente Ausschreibung. Nachfolgend werden die entsprechenden Prozessschritte dargestellt. Die Ausschreibung fand in zwei Phasen statt und mündete im Abschluss der Kreditverträge.
Die Analyse
Die Analyse diente der Vorbereitung der Ausschreibung, insbesondere der Ableitung der Rahmenbedingungen der zu finanzierenden Portfolios. Sie umfasste die Struktur der Fremdfinanzierung mit Zinsbindungsauslauf im Jahr 2014 in Verbindung mit der Gesamtfremdfinanzierung der LWB Leipzig zur Erkennung von Risiken. Dies beinhaltete konkret:
- die Struktur der Darlehensgeber
- der Zinsbindungsausläufe
- die grundpfandrechtlichen Sicherheiten im Sinne der Beleihbarkeit und der Beleihungshöhe von Pfandobjekten (Besicherungskonzept)
- die Vertragsbedingungen (zum Beispiel Sicherungszweck, Kündigungsmöglichkeiten)
Weiterhin wurden in dieser Projektphase die Bonität und die Bonitätsunterlagen zur Unterstützung der Platzierung der Finanzierung am Kapitalmarkt und des Pricings analysiert.
Ergebnis: Aus den Ergebnissen der Analyse wurden die Parameter der Finanzierung (Ausschreibungsbedingungen) abgeleitet und die Kommunikationsstrategie zu den Bestandsgläubigern sowie potenziellen Bietern abgestimmt.
Das Konzept
Das Finanzierungskonzept erforderte die Bildung von zehn Portfolios, das heißt Darlehenstranchen in der marktgängigen Größenordnung von zehn bis 60 Millionen Euro und die Zuordnung gleichwertiger Pfandobjekte je Portfolio. Ergänzend wurden die Zinsbindungen unter Einbindung der Gesamtfinanzierung der LWB und unter Berücksichtigung der Verteilung der Zinsänderungsrisiken definiert. Ferner wurde der Rahmen der Vertragsbedingungen zum Ausschluss von nicht gewünschten Vertragsrisiken (K.O.-Bedingungen) identifiziert.
Weiterhin beinhaltete das Konzept die Erstellung des Ausschreibungsprozesses und der Ausschreibungsunterlagen sowie die Auswahl der geeigneten Bieter für Phase 1.
Ergebnis: Als Grundlage der Ausschreibung wurden das Konzept, der Ablauf der Ausschreibung und die anzusprechenden Bieter abgestimmt.
Die Ausschreibungsphasen
Phase 1
Die Ausschreibung der Gesamtfinanzierung wurde an 21 Bieter versendet. Davon haben 14 Bieter Angebote unter Gremienvorbehalt abgegeben. Die anderen Anbieter konnten den Forward in ihrem Produktangebot nicht abbilden beziehungsweise die Ausschreibungsbedingungen nicht umsetzen. Der Klärungsbedarf hinsichtlich der Sicherheiten eines Bestandsgläubigers führte zu einer Teilung des Ausschreibungsverfahrens in zwei Abschlussphasen (2a und 2b). Ein Portfolio wurde aus dem Ausschreibungsverfahren aufgrund einer alternativen Refinanzierung herausgenommen.
Ergebnis: Es wurden die Bieter für die Phase 2a unter Berücksichtigung der Bedingung von mindestens drei Angeboten pro Portfolio ausgewählt.
Phase 2a (fünf Teilportfolios über 176 Millionen Euro)
Im Anschluss wurde ein zweites Angebot ohne Gremienvorbehalt und ohne Bewertungsrisiko zu Lasten der LWB, das heißt unter Ausschluss des Nachbesicherungsrechtes der Bank bei Vertragsabschluss, eingeholt. Nach Auswertung der indikativen Angebote wurden schlussendlich von sieben Bietern verbindliche Angebote abgefordert und eingereicht.
Ergebnis: Es wurden mit drei Bietern, davon zwei neue Gläubiger, Verträge für die Ablösung abgeschlossen.
Phase 2b (vier Portfolios über 147 Millionen Euro)
In Phase 2b wurde die Neuordnung der Sicherheiten bei zwei Portfolios und die Aufteilung eines Portfolios mit unterschiedlichen Qualitäten zur Erweiterung des Anbieterkreises auf Versicherungsgesellschaften beschlossen.
Die Versendung der Ausschreibung erfolgte an 21 Bieter – von 14 Bietern sind Angebote unter Gremienvorbehalt eingegangen. Im Ergebnis wurden sieben Bieter zur Abgabe von verbindlichen Angeboten ausgewählt. Auch hier wurde dann wie beim ersten Teilportfolio ein zweites, verbindliches Angebot eingeholt und wurden von sieben Bietern verbindliche Angebote eingereicht. Die LWB Leipzig entschied sich, ein Portfolio in Höhe von 50 Millionen Euro nicht abzuschließen beziehungsweise zu sichern, um damit Flexibilität bei der Verwendung von Liquiditätsüberschüssen zu behalten.
Ergebnis: Mit drei Bietern - ein neuer Gläubiger und zwei Bestandsgläubiger - wurden Verträge für die Ablösung abgeschlossen.
Fazit: Verfahrenslenker statt Bittsteller
Vom Projektbeginn bis zum ersten Abschluss vergingen volle neun Monate. Doch diese Vorgehensweise birgt Vorteile (nicht nur bei Finanzierungen dieser Größenordnung): Ein Besicherungskonzept beispielsweise ermöglicht dem Unternehmen, das einen Refinanzierungsbedarf hat, eine Spiegelung der Bankensicht auf die vorhandene Situation. Mögliche Optimierungen können somit in das Finanzierungskonzept einfließen. Ein ganz gravierender Vorteil bei strukturierten und transparenten Ausschreibungen ist außerdem, dass sich das Standing des Unternehmens schlagartig ändert: Die transparente Darstellung des Verfahrens, der angestrebten Bedingungen und die genaue Abbildung der Kreditsicherheiten ermöglicht Wettbewerb und vergleichbare Angebote. Das Unternehmen wird vom Bittsteller zum Verfahrenslenker.
Im Fall der LWB Leipzig wurden die Zinsbindungsausläufe, die Darlehensgeber und das Sicherheitenportfolio strukturiert sowie die Tilgungsstruktur optimiert. Das Zinsänderungsrisiko wurde ausgeschaltet aufgrund der gleichmäßigen Verteilung der Zinsbindungsausläufe. Es wurden freie Sicherheiten für einen Finanzierungsbedarf im Jahr 2016 geschaffen. Der bestehende weite Sicherungszweck wurde aufgelöst und in einen engen Sicherungszweck gewandelt. Schlussendlich konnten über das Ausschreibungsverfahren und die gleichwertige und solide Sicherheitenstruktur breites Marktinteresse und dadurch sehr günstige Konditionen erreicht werden. Der Zinsaufwand reduziert sich ab dem Jahr 2014 um rund sechs Millionen Euro pro Jahr. Im Falle der LWB Leipzig hat sich der ganze Projektaufwand also mehr als ausgezahlt.
Hans Peter Trampe ist Vorstand der Dr. Klein & Co. Aktiengesellschaft und verantwortet dort unter anderem den Bereich Institutionelle Kunden.
Immobilien-Aktiengesellschaften | Vergütungstabelle Aufsichtsräte 2011
Immobilien-Aktiengesellschaften:
Was die Aufsichtsräte 2011 verdienten (in TEUR)
Funktion | Feste Vergütung | Variable Vergütung | |
Alstria | |||
Alexander Stuhlmann | Vorsitzender | 60 (60) | 0 |
Dr. Johannes Conradi | Stellv. Vorsitz. | 60,67 (55) | 0 |
Roger Lee | Mitglied | 50 (50) | 0 |
Richard Mully | Mitglied | 40 (40) | 0 |
Daniel Quai | Mitglied | 50 (50) | 0 |
Marianne Voigt | Mitglied | 7,56 (0) | 0 |
Bilfinger Berger | |||
Bernhard Walter | Vorsitzender | 180 (139) | 0 |
Stephan Brückner | Stellv. Vorsitz. | 145 (105) | 0 |
Volker Böhme | Mitglied | 111 (70) | 0 |
Dr. John Feldmann | Mitglied | 110 (94) | 0 |
Lone Fønss Schrøder | Mitglied | 43 (0) | 0 |
Thomas Kern | Mitglied | 110 (0) | 0 |
Rainer Knerler | Mitglied | 111 (94) | 0 |
Thomas Pleines | Mitglied | 73 (70) | 0 |
Udo Stark | Mitglied | 146 (122) | 0 |
Holger Timmer | Mitglied | 43 (0) | 0 |
Dr. Klaus Trützschler | Mitglied | 111 (94) | 0 |
Marek Wróbel | Mitglied | 43 (0) | 0 |
Deutsche Euroshop | |||
Manfred Zaß | Vorsitzender | 59,9 (59,5) | 0 |
Dr. Michael Gellen | Stellv. Vorsitz. | 44,62 (44,62) | 0 |
Thomas Armbrust | Mitglied | 29,75 (29,75) | 0 |
Dr. Jörn Kreke | Mitglied | 29,75 (29,75) | 0 |
Alexander Otto | Mitglied | 29,75 (29,75) | 0 |
Dr. Bernd Thiemann | Mitglied | 29,75 (29,75) | 0 |
Deutsche Immobilien | |||
Dr. Gerhard Schmidt | Vorsitzender | 32,5 (32,5) | 25,56 (25,56) |
Klaus-Jürgen Sontowski | Stellv. Vorsitz. | 15 (15) | 12,78 (12,78) |
Michael Bock | Mitglied | 20 (20) | 12,78 (12,78) |
Russel C. Platt | Mitglied | 15 (15) | 12,78 (12,78) |
Bernd Wegener | Mitglied | 15 (15) | 12,78 (12,78) |
Dr. Michael Peter Solf | Mitglied | 8,55 (0) | 6,25 (0) |
Deutsche Wohnen | |||
Uwe E. Flach | Vorsitzender | 40 (20) | 0 |
Dr. Andreas Kretschmer | Stellv. Vorsitz. | 30 (30) | 0 |
Dr. Michael Leinwand | Mitglied | 20 (20) | 0 |
Matthias Hünlein | Mitglied | 20 (20) | 0 |
Dr. Florian Stetter | Mitglied | 20 (20) | 0 |
Wolfgang Clement | Mitglied | 20 (0) | 0 |
Gagfah S.A. ³ | |||
Dr. Jürgen Allerkamp | Mitglied | 25 (25) | ³ |
Dieter H. Ristau | Mitglied | 25 (25) | ³ |
Yves Wagner | Mitglied | 25 (25) | ³ |
GSW AG | |||
Dr. Eckart John | Vorsitzender | 65 (k.A.) | 0 |
Dr. Jochen Scharpe | Stellv. Vorsitz. | 52,2 (k.A.) | 0 |
Claus Wisser | Mitglied | 30 (k.A.) | 0 |
Dr. Reinhard Baumgarten | Mitglied | 30 (k.A.) | 0 |
Veronique Frede | Mitglied | 30 (k.A.) | 0 |
Thomas Wiegand | Mitglied | 0 ° (k.A.) | 0 |
Geert-Jan Schipper | Mitglied | 0 ° (k.A.) | 0 |
Hamborner REIT AG | |||
Dr. Eckart John | Vorsitzender | 38 (38) | 8 (1) |
Dr. Bernd Kottmann | Stellv. Vorsitz. | 19,1 (0) | 3,8 (0) |
Dr. David Mbonimana | Mitglied | 22,1 (11,5) | 4,7 (0,3) |
Robert Schmidt | Mitglied | 19 (19,9) | (4) 0,5 |
Volker Lütgen | Mitglied | 6,4 (17,9) | 1,5 (0,5) |
Christel Kaufmann-Hocker | Mitglied | 17 (8,9) | 4 (0,3) |
Edith Dützer | Mitglied | 15 (15,9) | 4 (0,5) |
Mechthilde Dordel | Mitglied | 15 (7,8) | 4 (0,3) |
Hans Bernd Prior | Mitglied | 17 (16,1) | 4 (0,5) |
Bärbel Schomberg | Mitglied | 11,9 (0) | 2,5 (0) |
Hochtief Konzern | |||
Manfred Wennemer | Vorsitzender | 45 (15) | 0 (91) |
Ulrich Best | Stellv. Vorsitz. | 23 (0) | 0 (0) |
Abdullah Abdulaziz Turki Al-Subaie | Mitglied | 14 (0) | 0 (0) |
Ángel García Altozano | Mitglied | 40 (30) | 0 (173) |
Gregor Asshoff | Mitglied | 34 (26) | 0 (125) |
Alois Binder | Mitglied | 17 (28) | 0 (143) |
Detlev Bremkamp | Mitglied | 23 (41) | 0 (251) |
José Luis del Valle Pérez | Mitglied | 19 (0) | 0 (0) |
Thomas Eichelmann | Mitglied | 19 (0) | 0 (0) |
Marcelino FernándezVerdes | Mitglied | 34 (22) | 0 (125) |
Johannes Howorka | Mitglied | 19 (0) | 0 (0) |
Lutz Kalkofen | Mitglied | 14 (22) | 0 (95) |
Dr. Hans-Peter Keitel | Mitglied | 13 (26) | 0 (143) |
Pedro López Jiménez | Mitglied | 19 (0) | 0 (0) |
Nikolaus Graf von Matuschka | Mitglied | 6 (0) | 0 (0) |
Siegfried Müller | Mitglied | 19 (0) | 0 (0) |
Raimund Neubauer | Mitglied | 17 (28) | 0 (143) |
Udo Paech | Mitglied | 17 (26) | 0 (125) |
Gerrit Pennings | Mitglied | 34 (26) | 0 (125) |
Gerhard Peters | Mitglied | 27 (0) | 0 (0) |
Dr. Heinrich von Pierer | Mitglied | 15 (26) | 0 (125) |
Dr. Wilhelm Simson | Mitglied | 10 (22) | 0 (112) |
Tilman Todenhöfer | Mitglied | 17 (26) | 0 (125) |
Eggert Voscherau | Mitglied | 15 (0) | 0 (0) |
Olaf Wendler | Mitglied | 19 (0) | 0 (0) |
Klaus Wiesehügel | Mitglied | 32 (26) | 0 (143) |
IVG | |||
Detlef Bierbaum | Vorsitzender | 60 (51) | 12,77 (19,54) |
Frank F. Beelitz | Stellv. Vorsitz. | 54 (43,69) | 9,58 (14,65) |
Dr. Hans Michael Gaul | Mitglied | 15,07 (30,35) | 0 (9,77) |
David C. Günther | Mitglied | 34,5 (26,55) | 6,39 (9,77) |
Wolfgang Herr | Mitglied | 40 (21,78) | 6,39 (8,1) |
Klaus-Joachim Krauth | Mitglied | 20,49 (0) | 5,46 (0) |
Rudolf Lutz | Mitglied | 40 (30,35) | 6,39 (9,77) |
Klaus R. Müller | Mitglied | 34,5 (18,93) | 6,39 (8,1) |
Thomas Neusser-Eckhoff | Mitglied | 32 (17,38) | 6,39 (8,1) |
Dr. Bernd Thiemann | Mitglied | 29 (16,38) | 6,39 (8,1) |
Patrizia | |||
Dr. Theodor Seitz | Vorsitzender | 25 (25) | 0 |
Harald Boberg | Mitglied | 18,75 (18,75) | 0 |
Manfred J. Gottschaller | Mitglied | 18,75 (18,75) | 0 |
TAG | |||
Dr. Lutz Ristow | Vorsitzender | 72,29 (30) | 0 |
Dr. Ronald Frohne | Stellv. Vorsitz. | 24,69 (22,5) | 0 |
Rolf Hauschildt | Mitglied | 16,46 (15) | 0 |
Andrés Cramer | Mitglied | 16,46 (15) | 0 |
Andrea Mäckler | Mitglied | 16,46 (10) | 0 |
Wencke Röckendorf | Mitglied | 16,46 (10) | 0 |
Quelle: Geschäftsberichte/immobilienmanager | |||
¹: Vergütung und Sitzungsgeld; | |||
²: Zeitwert der Aktien | |||
³: Verwaltungsrat, zusätzlich erhält jedes Mitglied 5.000 Aktien | |||
°: Verzicht auf Vergütung | |||
Extra-Informationen zur Ausgabe 4-2012
1.) Titelstory offene Fonds: IREBS-Studie „Vor- und Nachteile von direkten und indirekten Immobilienanlagen“
2.) Mipim: weitere Fotos aus dem Oldtimer Citroën DS in Cannes.
3.) Hochschule: weitere Fotos vom 13. EBS Immobilienkongress
4.) Stuttgart: Tabelle zu Wohnprojekten in der Stadt
5.) Stuttgart: Langfassung des Artikels zur Airportcity
6.) Spanien: ausführliche Einschätzung des Standortes durch die DekaBank
IREBS-Studie | pdf-Download
IREBS-Studie: "Vor- und Nachteile von direkten und indirekten Immobilienanlagen"
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|---|
MIPIM 2012 | Fotostrecke Cannes
Hochschule | Fotostrecke 13. EBS Immobilienkongress
Stuttgart | Tabelle Wohnprojekte Stuttgart pdf-Download
Tabelle zu aktuellen Wohnprojekten in Stuttgart
|
|---|
Stuttgart | Artikel Airportcity Langfassung
Ready for take off!
AIRPORT CITY
Ernst & Young macht den Anfang, weitere Nutzer sollen folgen: Die Stuttgarter Flughafengesellschaft rührt die Trommel für die geplante Bürostadt. Und sucht für die Realisierung der Pläne auch nach Projektentwicklern und Investoren.
Von Harald Thomeczek
„Die Entscheidung von Ernst & Young, an den Flughafen zu ziehen, war für Stuttgart ein Schlag ins Kontor. Schließlich hatte das Unternehmen gleich mehrere Flächen in der Innenstadt und peripheren Lagen angeboten bekommen, auf denen Neubauten und/oder Anmietungen mit 40.000 oder 50.000 Quadratmetern möglich sind“, sagt Bernd Unterberger, Vorstand der Angermann Real Estate Advisory AG Stuttgart. Sogar die Stadt Stuttgart habe Grundstücke in der Innenstadt und am Hauptbahnhof zur Verfügung gestellt, um das Unternehmen zu halten.
Und dann das: Die Wirtschaftsprüfer, bislang im Stuttgarter Bürosatelliten Weilimdorf ansässig, mieten von der Flughafen Stuttgart GmbH einen noch zu errichtenden Neubau mit 37.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche auf der Gemarkung der Nachbarstadt Leinfelden-Echterdingen. Die Bombe platzt Ende 2010.
Alternativlos war die Entscheidung von E&Y nicht, meint auch Ulrich Nestel, Leiter Bürovermietung Stuttgart beim Bankhaus Ellwanger & Geiger: „E&Y war lange auf Flächensuche in der Innenstadt. Dabei wurden mindestens zwei Projekteentwicklungen in der Innenstadt intensiv geprüft: ein reiner Neubau und die Revitalisierung eines Bestandsgebäudes inklusive eines Neubaus.“
Eine andere Sichtweise vertritt Sandro Camilli, Leiter des Stuttgarter Büros von Jones Lang LaSalle:„Der Mietpreis dürfte für die Entscheidung von Ernst & Young nicht den Ausschlag gegeben haben. Schließlich kosten Büros in der Stuttgarter nur 18 Euro pro Quadratmeter in der Spitze, und am Flughafen werden wohl auch nicht weniger als 15 Euro für Neubauten aufgerufen. Wichtiger war der Mangel an Alternativen: Mehr als ein oder zwei wird E&Y in Stuttgart nicht gehabt haben."
Und was sagt der Mieter selbst dazu?
Ernst & Young mit Hauptsitz in Stuttgart betreut eine Vielzahl von Mandanten aus dem Mittelstand im Südwesten. Wir bedienen den Flächenstaat, unsere Mitarbeiter sind sehr viel unterwegs und müssen darum mobil sein“, erklärt Prof. Christoph Ehrhardt, Partner bei Ernst & Young Real Estate. Einzige Alternative wäre Stuttgart21 gewesen – aber dort gebe es kein Baufeld für einen so großen Neubau mit sofortiger Verfügbarkeit, so Ehrhardt.
Für das geplante Bürogebäude weicht ein Parkhaus auf dem Flughafengelände. Ende 2012 sollen die Abrissarbeiten starten, 2013 soll der Neubau auf einem 16.500 Quadratmeter großen Grundstück beginnen. Anfang 2015 sollen dann rund 1.500 E&Y-Mitarbeiter einziehen können. Einen Teil der Flächen, knapp 2.000 Quadratmeter, vermietet E&Y unter: So sollen für die Mitarbeiter zusätzlich zu der hauseigenen Kantine eine internationale Kindertagesstätte und ein Fitnesscenter entstehen. Ebensowenig wie bei der Anmietung ein Makler im Spiel war, ist bei der Projektrealisierung ein Developer vonnöten: „Das machen der Flughafen und wir selbst“, sagt Ehrhardt. Die Flughafengesellschaft investiert über 100 Millionen Euro in den Neubau.
Der E&Y-Neubau soll das Pilotprojekt für eine „Airport City“ mit insgesamt 250.000 Quadratmetern Büro- und Serviceflächen sein. Für circa 150.000 Quadratmeter BGF sind dabei Nutzungen durch Dritte vorgesehen, etwa 100.000 Quadratmeter BGF hat die Flughafengesellschaft für sich reserviert.
Die Planungen sind noch nicht abgeschlossen, wesentliche Eckdaten stehen aber schon. Die Flughafengesellschaft will bei dem Großprojekt ein moderates Tempo anschlagen: „Die Entwicklung der Airport City mit 150.000 Quadratmetern für Drittnutzer ist auf einen längeren Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren angelegt. Sie wird stufenweise in mehreren Bauabschnitten realisiert“, sagt Ralf Laßau, Bereichsleiter Immobilien der FSG.
Die Vermarktung eines zweiten Bürogebäudes mit 8.000 bis 10.000 Quadratmetern soll noch dieses Jahr in Angriff genommen werden: „Die Projektentwicklung wird auf der Expo Real im Herbst Endinvestoren und potenziellen Mietern präsentiert“, kündigt Laßau an. Während der Flughafen den E&Y-Neubau selbst errichtet, sind für die anderen geplanten Bürogebäude sowie für ein Vier-Sterne-Konferenzhotel auch Partnerschaften mit anderen Projektentwicklern und Investoren oder die komplette Realisierung durch einen Dritten vorstellbar. „Verkaufen werden wir die Grundstücke aber nicht, sondern nur in Erbpacht abgeben. So wollen wir eine hohe Bauqualität sichern und einen Einfluss auf den Nutzermix und die städtebauliche Entwicklung in der Airport City insgesamt behalten“, erklärt Laßau.
Gespräche mit möglichen Nutzern für die zusätzlichen Büros laufen schon, unter anderem liegen Anfragen von Unternehmen vor, die schon am Flughafen sitzen. „Generell sehen wir einen großen Bedarf nach Büros am Flughafen, etwa bei Kanzleien oder produzierenden Unternehmen, zum Beispiel aus der Luftfahrt- und Automobilbranche. Für das geplante Hotelgibt es ebenfalls schon Gespräche mit Investoren und Betreibern“, so Laßau. Auch die Makler erwarten eine Erfolgsstory: „Die Vermarktungschancen für die geplanten Büros in der Airport City sind sehr aussichtsreich. Schließlich bietet der Standort eine gut funktionierende Infrastruktur: eine Autobahnanbindung mit guter Sichtbarkeit, die Anbindung ans öffentliche Nahverkehrsnetz, Läden und nicht zuletzt der künftige ICE-Anschluss, der Teil der Pläne für Stuttgart 21“, listet Nestel die Vorteile des Standorts auf.
Konkret könnte die Airport City nach Einschätzung von Nestel vor allem für Unternehmen interessant sein, „die die Anbindung an den Flughafen brauchen, weil ihre Mitarbeiter viel unterwegs sind: IT-ler, Ingenieurdienstleister, vertriebsorientierte Unternehmen oder etwa Ableger internationaler Unternehmen.“ Hochwertige Dienstleister wie Anwälte hingegen bevorzugten weiterhin, nicht zuletzt aus Prestigesgründen, das urbane Umfeld mit einem gewachsenen Central Business District bevorzugen.
Spanien | Standorteinschätzung DekaBank
Unter Druck
Aktuelle Einschätzung zu den spanischen Gewerbeimmobilienmärkten 2011/2012.
Von Yvonne McCartney
Die spanische Wirtschaft muss nach der Immobilienkrise einer Generalüberholung unterzogen werden. Spanien gehört zu den Ländern mit der geringsten Exportquote Eurolands. Zu lange hat man auf den Immobiliensektor und die Binnennachfrage vertraut. Nun gilt es den Exportsektor zu stärken. Angesichts der schwachen Wettbewerbsfähigkeit und mangelnder Spezialisierungsvorteile im High-Tech-Sektor ist das eine langwierige Herausforderung. Dies bedeutet unter anderem, dass für Lohnzuwächse nur noch geringe Spielräume vorliegen. Da zudem der Staat seine Defizite in den Griff bekommen muss, wirkt auch die Fiskalpolitik dämpfend.
Die Rezession hat deutliche Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen und zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf über 21 Prozent geführt. Auch der mittelfristige Ausblick hat sich durch die eskalierende Schuldenkrise verschlechtert. Für 2012 rechnen wir mit einem Rückgang des BIP um 1,1 Prozent, 2013 dürfte die Wirtschaft lediglich um 0,3 Prozent wachsen.
Aufgrund der angespannten Finanzierungssituation wird Spanien auch in den Folgejahren nicht an das stark kreditgetriebene Wachstum der Boomjahre anschließen können. Diese Entwicklung hat auch an den Immobilienmärkten ihre Spuren hinterlassen und wird diese auch in den nächsten Jahren beeinflussen.
Am Madrider Büromarkt keimte 2010 zumindest ein kurzer Hoffnungsschimmer auf, als der Flächenumsatz nach einem deutlichen Rückgang in den Vorjahren eine Nachfragebelebung signalisierte. Diese setzte sich im abgelaufenen Jahr aber nicht fort: Der Flächenumsatz ging 2011 um 24 Prozent auf 250.000 Quadratmeter zurück.
In Barcelona bietet sich ein etwas besseres Bild. Hier konnte in den letzten beiden Jahren ein leichter Anstieg der Vermietungsleistung realisiert werden. Der Flächenumsatz von 186.000 Quadratmeter in 2011 liegt aber immer noch unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre (222.000 Quadratmeter).
Für beide Standorte gilt, dass die Flächennachfrage vorwiegend durch Umzüge aus Gründen der Kostenreduzierung generiert wird. Incentives und mietfreie Zeiten spielen dabei auch weiterhin eine große Rolle.
Kostenkonsolidierung und die hohe Arbeitslosigkeit, die auch Madrid und Barcelona betrifft, dürften auch auf Sicht die Nachfrageseite beeinflussen und den Flächenumsatz auf unterdurchschnittlichem Niveau halten.
Die hohen Fertigstellungsvolumina der vergangenen Jahre haben den Angebotsüberhang sowohl in Madrid als auch in Barcelona stark ansteigen lassen. 2010 kletterte die Leerstandsquote in Madrid erstmals über die zehn Prozent-Marke und liegt aktuell bei 10,7 Prozent. In Barcelona stehen sogar 14,6 Prozent aller Büroflächen leer.
Als Reaktion auf die Finanz- und Immobilienkrise wurde seit 2009 die Bautätigkeit allerdings deutlich zurückgefahren, so dass in den kommenden Jahren kaum noch neue Büroobjekte auf den Markt kommen. In Barcelona werden im laufenden Jahr nur eigen genutzte Objekte fertig gestellt. In Madrid sind noch rund ein Drittel der errichteten Objekte spekulativ. 2013 kommen keine spekulativen Flächen auf den Markt; es handelt sich dann um entweder bereits vorvermietete oder eigen genutzte Büroflächen. Wir gehen daher davon aus, dass die Leerstandsquoten – vor allem in Barcelona - nur noch moderat steigen werden.
Nachfrageeinbruch und steigendes Angebot lösten bereits Mitte 2008 einen Abwärtstrend bei den Mieten aus. Mittlerweile liegen die Spitzenmieten in Madrid mit 300 Euro pro Quadratmeter und Jahr 36 Prozent unter ihrem Höchstwert aus dem Jahr 2007. In Barcelona werden nur noch 213 Euro pro Quadratmeter und Jahr erzielt, ein Drittel weniger als noch vor vier Jahren. Da auf Sicht keine spürbare Marktbelebung zu erwarten ist, bleiben die Mieten weiter unter Abwärtsdruck.
Trotz rückläufiger Konsumausgaben, Umsatzeinbußen bei den Einzelhändlern und anhaltend eingetrübter Zukunftsperspektiven für den Konsum ist die Nachfrage nach Einzelhandelsflächen in Shoppingcentern und 1a-Innenstadtlagen im Topsegment sowohl in Madrid als auch Barcelona ungebrochen hoch. Die Spitzenmieten werden hier zudem gestützt durch ein geringes Angebot. Verlierer sind hingegen die Nebenlagen, wo steigende Leerstände zu Mietpreisrückgängen geführt haben.
Insgesamt gehen wir davon aus, dass sich die seit 2007 zu beobachtende Seitwärtsentwicklung bei den Spitzenmieten in den 1a-Lagen fortsetzt. In den Shoppingcentern könnten hingegen marginal sinkende Mieten beobachtet werden. Nebenlagen dürften weiter unter schwierigen Marktbedingungen leiden.
Das Transaktionsvolumen für Büroimmobilien in Madrid und Barcelona erreichte 2011 einen neuen Tiefststand. Dies liegt zum einen an der zurückhaltenden Finanzierungsbereitschaft der Banken. Zum anderen entsprechen nur wenige Objekte den Anforderungen der Investoren, welche nicht nur auf Objektqualität und Lage sondern vor allem auf lang laufende Mietverträge achten. Das erklärt auch das Interesse an Sale-and-lease-back Transaktionen in den letzten Jahren.
Spanische Akteure dominieren den einheimischen Investmentmarkt – sowohl als Käufer als auch Verkäufer. Aber auch von Seiten der internationalen Investoren besteht weiterhin Interesse. Neben langen Mietlaufzeiten bevorzugen diese größere Objekte, da hier der Wettbewerb aufgrund der schwierigen Finanzierungsbedingungen in Spanien vergleichsweise gering ist.
Angebotsseitig dürften 2012 einige neue Objekte auf den Markt kommen, da sowohl private als auch öffentliche Eigentümer beabsichtigen ihre Immobilien zur Liquiditätsbeschaffung zu veräußern.
Im Anlegerfokus stehen vor allem Büroimmobilien, gefolgt von Einzelhandelsobjekten.
Investitionen in Einzelhandelsobjekte gingen ebenfalls spürbar zurück und summierten sich mit rd. 800 Millionen Euro auf weniger als die Hälfte des Vorjahreswertes.
Die Spitzenrenditen für Büroimmobilien in Barcelona liegen seit zwei Jahren stabil bei sechs Prozent brutto (entspricht einer Nettoanfangsrendite von 5,4 Prozent). In Madrid gingen die Renditen in den letzten Jahren hingegen sukzessive auf 5,75 Prozent (brutto) zurück, bevor sie im letzten Quartal 2011 wieder leicht auf ebenfalls sechs Prozent gestiegen sind. Für Einzelhandelsflächen in den Innenstadtlagen können in Madrid und Barcelona Bruttorenditen von 4,75 Prozent (4,56 Prozent netto) erzielt werden. Spanische Shoppingcenter werfen derzeit Nettoanfangsrenditen von 6,1 Prozent ab.
Die verhaltenen Mietprognosen gepaart mit steigenden Finanzierungskosten sprechen mittelfristig für steigende Renditeniveaus sowohl bei Büro- als auch Einzelhandelsimmobilien in beiden Standorten.
Yvonne McCartney ist tätig im Real Estate Research der Deka Bank.
Extra-Informationen zur Ausgabe 3-2012
1.) Internationale Investoren: Übersicht der Immobilienanlagen internationaler Investoren 2012
2.) Versicherungen als Immobilienfinanzierer: ihre Aktivitäten und Interessen
Internationale Investoren: Übersicht der Immobilienanlagen internationaler Investoren 2012
Versicherungen als Immobilienfinanzierer: ihre Aktivitäten und Interessen
Im Findungsprozess
SOLVENCY II | Versicherer zählen zu den wichtigsten Immobilieninvestoren. Dass Solvency II darum auch in der Immobilienwelt für Umwälzungen sorgen wird, steht außer Frage. Die Frage ist nur, wie groß diese ausfallen.
Von Harald Thomeczek
Die Solvency-II-Richtlinie mit ihren höheren Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung bei der Kapitalanlage hat die Alarmglocken der Asset-Manager bislang offenbar nicht schrillen lassen. Eine deutliche Verringerung des Immobilienenga-gements der Versicherungen oder gar deren vollständigen Rückzug erwarten die 24 großen deutschen Immobi-lien-Asset-Manager, die die Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers kürzlich befragt hat, jedenfalls nicht.
So rechnet jeweils die Hälfte der Befragten mit sinkenden beziehungsweise steigenden Immobilienquoten bei den Versicherern. Starke Ausschläge werden jedoch nicht gesehen. Eindeutiger ist schon das Urteil jener Handvoll Asset-Manager, die sich nach eigenem Bekunden bereits intensiv mit Solvency II auseinandergesetzt haben: Von diesen fünfen gehen vier von einer Zunahme der Immobilienquote aus.
Gelassen sieht die Meag dem neuen Regelwerks, das nach Expertenmeinung nicht vor 2014 eingeführt werden dürfte, entgegen: „Solvency II wird wenig bis keine Auswirkungen auf unsere Asset-Allokation haben“, sagt Günter Manuel Giehr, Geschäftsführer Meag Munich Ergo Asset Management und Meag Munich Ergo Kapitalanlagegesellschaft. Bei der Munich Re werde schließlich schon mit internen Steuerungsmodellen gearbeitet, die die künftige Solvency II-Entwicklung berücksichtigten.
Auch andere Versicherer sehen sich mit individuellen Risikomodellen gut gewappnet: „Einige Branchenriesen sind zuversichtlich, dass sie mit der Implentierung eines Risikomodells weniger als 25 Prozent Eigenkapital für Core-Investments werden unterlegen müssen“, erklärt Dietmar Fischer, Partner der Ernst & Young Real Estate GmbH. Nicht jede Versicherung kann sich aber ein solches internes Modell auch leisten: „Für mittelgroße und kleine Versicherer wird ein solches Modell in vielen Fällen wegen des damit verbundenen Aufwands jedoch nicht rentabel sein“, so Fischer, der Versicherer bei ihren Immobilienanlagen berät.
Ein größeres Gewicht werden vor dem Hintergrund von Solvency Finanzierungen bekommen, schätzen 42 Prozent der von PwC Befragten. Da rein eigenkapitalfinanzierte Investitionen in Bestandsimmobilien nach dem derzeitigen Stand künftig mit 25 Prozent Eigenkapital als Puffer für die Immobilienrisiken unterlegt werden müssen, verschiebe sich der Fokus auf die Immobilienfinanzierung und -anleihen, so der Gedanke.
Meag baut Finanzierungsstrukturen auf
Auch die Meag überzeugt dieses Argument offenbar: „Gewerbeimmobilienfinanzierungen halten wir für sehr zukunftsträchtig. Gemeinsam mit unserem Mandanten Ergo sind wir bereits im Aufbau entsprechender Strukturen und Portfolios“, verrät Giehr. „Finanziert werden nur hochwertige Objekte in Deutschland“, so Giehr. Der Schwerpunkt liege auf hochwertigen Bestandsimmobilien in den Bereichen Büro, Einzelhandel und Wohnen. Laut Fischer erwägen derzeit auch einige mittelgroße Versicherer, Gewerbeimmobilien zu finanzieren.
Mit einem Paukenschlag ins Finanzierungsgeschäft eingestiegen ist 2011 die Allianz, als sie den Erwerb der Deut-sche-Bank-Türme durch den Fondsinitiator DWS mit 300 Millionen Euro finanzierte. Die Entscheidung pro Gewerbeimmobilienfinanzierung sei aber nicht durch die geplanten neuen Eigenkapitalvorschriften motiviert gewesen: „Die Immobilienfinanzierung ist für uns ein zusätzliches, eigenständiges Standbein“, betont Helmut Mühlhofer, Leiter Immobilienfinanzierung bei der Allianz Real Estate Germany. Ausschlaggebend seien vielmehr die niedrigen Zinsen für festverzinsliche Anlagen gewesen.
Grundsätzlich finanziert die Allianz nur Immobilien, die sie auch kaufen würde. Allerdings ist der Fokus bei Finanzierungen etwas weiter gefasst als bei Investments: „Bei Shopping-Centern zum Beispiel, in die wir aufgrund eines zu hohen Kaufpreises nicht selbst investieren würden, ist die Finanzierung mit einem LTV von 50 bis 60 Prozent noch denkbar.“
Nach oben hin hat die Allianz bei der Finanzierung „grundsätzlich kein Limit“.„Andererseits können wir auch eine Zeit lang auf Finanzierungen verzichten“, erklärt Mühlhofer. Zur Orientierung dient – auch im Verhältnis zu anderen Immobilienanlagen – eine ungefähre Zielgröße von bis zu einer Milliarde jährlich in den kommenden fünf Jahren. Eine sklavische Vorgabe seien diese Zahlen jedoch nicht. Projektentwicklungen finanziert die Allianz nicht. Einige Assekuranzen sind daran nach Beobachtung Fischer aber durchaus interessiert. „Dies erfolgt zum Teil auf direktem Wege, aber auch indirekt über Fondskonstruktionen, zum Beispiel über sogenannte Real Estate Debt Funds.“
Gothaer öffnet sich für Real Estate Debt Funds
Als eine der ersten Assekuranzen in Deutschland hat die Gothaer, die ausschließlich auf indirekte Immobilienanlagen setzt, bereits 2010 begonnen, Real Estate Debt beziehungsweise Mezzanine Funds zu zeichnen. Investitionen in Projektentwicklungsfonds spielen laut Ingo Bofinger, Leiter Real Estate bei der Gothaer Asset Management, bei der Neuanlage allerdings eine deutlich untergeordnete Rolle. Vielmehr investiert die Gothaer in Fonds, die Investments in Bestandsimmobilien finanzieren.
Die Motivation, als Fremdkapitalgeber aufzutreten, speist sich Bofinger zufolge zum einen daraus, angesichts von Solvency II die Risikokapitalkosten zu senken. Das ist aber nur einer von mehreren Gründen: Zum zweiten erwiesen sich die Cash-flow Profile oftmals vorteilhafter als die von vergleichbaren Eigenkapitalinvestments,, und zum Dritten werde so ein gewisser Risikopuffer eingezogen. Mittlerweile beträgt der Finanzierungsanteil am Immobilienportfolio der Gothaer über 5 Prozent bezogen auf das gesamte Anlagevolumen von rund 2,6 Milliarden mit einem Investitionsgrad von über 80 Prozent.
Bei Immobilieninvestments sieht Fischer die Risikobereitschaft durch Solvency II wachsen: „Aufgrund der geplanten Eigenkapitalvorschriften sind Assekuranzen tendenziell bereit, ein höheres Risiko einzugehen, um so die mit der künftigen Eigenkapitalhinterlegung verbundene sinkende Rendite für Immobilieninvestments wieder steigen zu lassen“. So hätten einige Assekuranzen ihrer Ankündigung bei der E&Y-Umfrage im vergangenen Frühjahr, zum Teil wieder auf Value-Add-Immobilien zu setzen, bereits umgesetzt. Unter den Teilnehmern der aktuellen PwC-Umfrage erwarten dagegen nur 17 Prozent, dass die Versicherer zum Ausgleich für die künftigen Kapitalkosten mehr auf die Immobilienperformance achten beziehungsweise eine höhere Rendite anpeilen werden.
Auch bei der Gothaer Asset Management regt Solvency II den Risikoappetit nur bedingt an: Die geforderte höhere Eigenkapitalunterlegung bei Immobilieninvestments lege zwar den Schluss nahe, eine höhere Rendite bei zugegebenermaßen auch höherem Risiko zu suchen und zu akzeptieren. „Neben dieser rein quantitativen Betrachtungsweise sehen wir es jedoch als evident an, ein zwischen den verschiedenen Risikostilen ausbalanciertes Immobilienportfolio mit einem klaren Schwerpunkt im Bereich Core-Core plus zu managen“, erklärt Ingo Bofinger, Leiter Real Estate.
Projektentwicklungen sind umstritten
Investments in gewerbliche Projektentwicklungen fassen viele Versicherer, die einen sofortigen und stetigen Cashflow suchen, schon von Haus aus eher mit spitzen Fingern an. Mit Solvency II dürfte deren Attraktivität weiter sinken, weil die Versicherer künftig beim Projekterwerb mehr Eigenkapital als bei rein eigenkapitalfinanzierten Bestandsinvestments unterlegen müssten, nämlich voraussichtlich 49 Prozent statt 25 Prozent, prognostiziert ein Branchenvertreter. Viele Versicherer hätten Investitionen in Projektentwicklungen deshalb vorerst auf Eis gelegt und überdächten ihre Strategie in diesem Bereich.
Andererseits könnten Projektentwicklungen für Versicherer genau deshalb interessanter werden, weil sie höhere Renditeaussichten versprechen: „Aufgrund der aktuellen Situation an den Kapitalmärkten bieten sich für Versicherungen gerade im jetzigen positiven makroökonomischen Umfeld in Deutschland hervorragende Möglichkeiten, in Projektentwicklungen zu investieren und ihre Eigenkapitalstärke auszuspielen“, ist sich Achim Tillmann sicher, Gründer des Projekt- und Bestandsentwicklers Finch Properties. Grundvoraussetzung sei aber, den opportunistischen Charakter des Investments in eine Projektentwicklung zu akzeptieren und das Ganze mit entsprechenden risikoadjustierten Returns zu unterlegen.
Direktanlagen in Bestandsimmobilien bevorzugt die Alte Leipziger Lebensversicherung. Der Fokus richtet sich auf Einzelhandel in 1a-Lagen in den Big Seven und auf Wohnen. Die angestrebte Gewichtung liegt bei etwa 70 zu 30. Mittel- bis langfristig sind Investitionen im europäischen Ausland geplant. Letztes Jahr flossen knapp 100 Millionen Euro in Immobilien. 2012 soll das Portfolio ähnlich stark wachsen. Mit Solvency II werde sich nichts an der bisherigen Strategie ändern.
Extra-Informationen zur Ausgabe 1/2-2012
1.) EBS Kongress: Die Berichte aus immobilienmanager über die Veranstaltungen 2011 und 2010
2.) Real Estate Summit: weitere Fotos des Treffens
3.) Facility Management: Grafiken zu den aktuellen Trends
4.) Edition Frankfurt/Rhein-Main: Tabelle aktueller Projekte
5.) Real Estate Forum Frankfurt am Main: weitere Bildern der Veranstaltung
EBS Immobilienkongress | Berichte 2010 und 2011
Die Berichte aus immobilienmanager über die Veranstaltungen 2011 und 2010
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EBS Immobilienkongress 2010
EBS Immobilienkongress 2011
Real Estate Summit | Bildergalerie
Facility Management | Grafiken zu den aktuellen Trends
Edition Frankfurt/Rhein-Main | Tabelle aktueller Projekte
Real Estate Forum Frankfurt | Bilder der Veranstaltung
Extra-Informationen zur Ausgabe 12-2011
1.) Titelstory Städteranking: die kompletten Tabellen
2.) Streitthema Mindestlohn: das ausführliche Interview mit Michael C. Wisser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wisag Facility Service Holding
Titelstory Städteranking | die kompletten Tabellen
Das Städteranking von DekaBank und immobilienmanager: Das Gesamt-Ranking und die kompletten Tabellen der Bereiche Wohnungsmarkt, Lebensqualität, Stabilität, Zentralität, Arbeitsmarkt, Wohlstand und Demografie.
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Die Tabellen des Städterankings von DekaBank und immobilienmanager als pdf-Download
Das gesamte Immobilien Research Special der DekaBank als pdf-Download
Interview mit Michael C. Wisser | Streitthema Mindestlohn
"Zeichen der Wertschätzung"
TARIFPOLITIK
Die Gebäudereiniger haben ihn schon lange, und nun hat ihn auch die Sicherheitswirtschaft - den Mindestlohn. Dies deshalb, weil auch Arbeitgeber sich für die Einführung von Lohnuntergrenzen eingesetzt haben. Einer davon ist Michael C. Wisser. Mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Wisag Facility Service Holding sprach Christof Hardebusch.
immobilienmanager: Warum hat sich die Wisag für die Einführung von Mindestlöhnen in den Branchen Gebäudereinigung und Sicherheit eingesetzt?
Michael C. Wisser: Als Familienunternehmen legen wir großen Wert darauf, dass die Menschen, die mit hohem persönlichen Einsatz und Engagement für das Unternehmen beim Kunden einstehen, eine Wertschätzung erfahren. Wir übernehmen Verantwortung für unsere Mitarbeiter - und dies schließt eine angemessene Entlohnung mit ein. Deshalb engagieren wir uns seit Langem für tarifliche Mindestlöhne in Branchen, in denen heute Löhne gezahlt werden, die für den Lebensunterhalt einer Familie nicht ausreichen. Das ist für uns ein Zeichen der Wertschätzung auch Berufen mit einer einfachen Qualifikation gegenüber, die für unsere Branche und für ein reibungslos funktionierendes Wirtschaftsleben wichtig sind.
immobilienmanager: Welche Rolle spielt dabei der Schutz vor osteuropäischen Wettbewerbern?
Michael C. Wisser: Wir begrüßen den europäischen Integrationsprozess - und es ist ganz sicher im Sinne der wirtschaftlichen Entwicklung Europas, wenn Dienstleistungen europaweit ohne große bürokratische Hürden erbracht werden können. Dennoch dürfen darunter nicht nationale Marktteilnehmer leiden. Die seit Mai 2011 geltende Arbeitnehmer- und Dienstleistungsfreiheit birgt die Gefahr vor billiger Konkurrenz aus Osteuropa. Mit einer Lohnuntergrenze werden gleiche Bedingungen für alle in Deutschland tätigen Unternehmen geschaffen. Die meisten Länder der EU haben bereits gesetzliche Mindestlöhne eingeführt.
immobilienmanager: Im Bereich Gebäudemanagement sind Mindestlöhne seit wann vorgeschrieben?
Michael C. Wisser: Für die unterschiedlichen Dienstleistungen, die im Rahmen des Gebäudemanagements erbracht werden, gibt es keinen einheitlichen Mindestlohn. Es gibt Mindestlöhne für einzelne Gewerke. Zum Beispiel gibt es seit 2004 einen tariflichen Mindestlohn für die Gebäudereinigungsbranche, seit Juni 2011 gibt es für die Sicherheitsbranche allgemeinverbindliche Mindestlöhne.
immobilienmanager: Welche Auswirkungen hatte die Einführung von Mindestlöhnen auf die Zahl der Arbeitsplätze?
Michael C. Wisser: Eine allgemeingültige Aussage können wir dazu nicht treffen. Bezogen auf unser Unternehmen können wir ganz klar sagen, dass weder bei der Wisag Gebäudereinigung noch bei der Wisag Sicherheit & Service aufgrund der Einführung von Mindestlöhnen Arbeitsplätze verloren gegangen sind. Die Anzahl der Mitarbeiter bei der WISAG Gebäudereinigung ist nach der Allgemeinverbindlichkeitserklärung des Tariflohns im März 2010 im Vergleich zu 2009 gestiegen (2009: 13.394/2010: 14.012). Auch die Zahl der Ausbildungsplätze als Gebäudereiniger ist im Vergleich von 2009 zu 2011 angestiegen.
immobilienmanager: Haben Ihre Auftraggeber die Einführung der Mindestlöhne akzeptiert?
Michael C. Wisser: Die Wisag versteht sich seit Jahrzehnten gleichermaßen als Partner der Kunden wie auch der Mitarbeiter. Insbesondere beim Thema Mindestlohn haben wir uns frühzeitig für eine einvernehmliche Lösung im Interesse aller Beteiligten eingesetzt. Die Mehrheit der Kunden zeigte für das Thema Mindestlohn Verständnis. Dennoch bleibt es - nicht zuletzt aufgrund des weiterhin hohen Preisdrucks am Markt - weiterhin eine Herausforderung, den Wert der Arbeit unserer Fachkräfte zu vermitteln. Dabei gilt es auch, herauszustellen, dass von den erforderlichen Preiserhöhungen die Mitarbeiter profitieren und wir als Unternehmen daran nicht partizipieren.
immobilienmanager: Waren Ihre Auftraggeber bereit, bereits bestehende Verträge entsprechend anzupassen?
Michael C. Wisser: Unsere Verträge sind in der Regel so ausgestattet, dass wir (über eine Preisgleitklausel) berechtigt sind, die Preise für unsere Dienstleistungen bei Tarifänderungen anzupassen. Insofern ist den meisten unserer Auftraggeber bekannt, dass Tariferhöhungen Preisanpassungen notwendig machen.
immobilienmanager: Wie verhielten und verhalten sich Auftraggeber der öffentlichen Hand?
Michael C. Wisser: Wie es Unternehmen gibt, gibt es auch öffentliche Einrichtungen, die bei Ausschreibungen oft ausschließlich nach dem niedrigsten Preis entscheiden. Die Plausibilität im Hinblick auf die Mindestlöhne und Machbarkeit gerät dabei in den Hintergrund. Die Ursache hierfür liegt in den Rahmenbedingungen, denen die öffentliche Hand bei Auftragsvergaben unterliegt. Um weniger nur den Preis, sondern auch die Qualität sowie die Machbarkeit einer Dienstleistung stärker in den Fokus zu rücken, müssten diese Rahmenbedingungen geändert werden.
immobilienmanager: Wie häufig verstoßen von Ihnen beauftragte Subunternehmen gegen die Mindestlohnregelungen?
Michael C. Wisser: Der Anteil von Subunternehmern ist bei der Wisag äußerst gering. Im Bereich des infrastrukturellen Gebäudemanagements ist die Eigenleistungsquote bei deutlich über 90 Prozent. Der Bedarf an Subunternehmern ist entsprechend gering. Für den Fall, das wir dennoch Subunternehmer benötigen, hat die Wisag vor dem Hintergrund des Mindestlohnes einen verbindlichen und einheitlichen Auswahlprozess definiert und festgelegt. Die Einhaltung dieses Prozesses ist verpflichtend, zu ihr gehört auch eine Compliance-Regelung. Überprüft wird die Einhaltung durch die Revisionsabteilung sowie durch unabhängige Qualitätsbeauftragte.
immobilienmanager: Der Einführung von Mindestlöhnen im Sicherheitsgewerbe geht ein vierjähriges Bemühen darum voraus. Warum hat es in dieser Branche so lange gedauert?
Michael C. Wisser: Dazu haben verschiedene, im Vorfeld notwendige Schritte beigetragen: Es war erforderlich, einen Mindestlohntarifvertrag abzuschließen, bevor dieser dann vom Kabinett als Branchenmindestlohn verabschiedet werden konnte. Da die jeweiligen Ländergruppen sowohl auf Arbeitgeber- als auch auf Arbeitnehmerseite die Tarifhoheit haben, mussten im ersten Schritt die Löhne der 16 Ländergruppen harmonisiert werden. Zeitlich niedergeschlagen hat sich zudem der Regierungswechsel im September 2009 - die neue Regierung vertrat zum Thema Branchenmindestlohn zunächst eine andere Meinung als die Vorgängerregierung.
Extra-Informationen zur Ausgabe 11-2011
1.) Fotostrecke Expo Real: Veranstaltungen von immobilienmanager und die das Partyereigniss der Messe im P1.
2.) Öffentlichkeitsarbeit: "Sechs Regeln für eine gedeihliche Zusammenarbeit von Unternehmen und Journalisten" von Steffen Uttich, FAZ".
3.) Der Link zur Studie: Die soziale Dimension des Klimaschutzes und der Energieeffizienz im Kontext von Bau- und Wohnungswirtschaft"
Bilder EXPO REAL 2011
6 Regeln für die Zusammenarbeit von Unternehmen und Journalisten
Sechs Regeln für eine gedeihliche Zusammenarbeit von Unternehmen und Journalisten
von Steffen Uttich
1. Niemals lügen
Eine gute Zusammenarbeit basiert auf Vertrauen. Nichts ist für einen Journalisten peinlicher als falsche Informationen weiterzuleiten, die dann wieder eingefangen werden müssen. Eine gezielte Desinformation bringt kurzfristigen Erfolg, ist langfristig jedoch irreparabel. Es gilt das alte Sprichwort: "Wer einmal lügt, den glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht." Sollte sich wirklich eine Situation ergeben, in der eine Information oder die Bestätigung einer Information unabsehbare Folgen haben könnte, ist es besser, entweder ausschließlich bei den Fakten zu bleiben und Interpretationen zu vermeiden - oder notfalls gar keine Stellung zu nehmen und auf einen späteren Zeitpunkt zu verweisen. Gute Journalisten sind nicht nachtragend; sie vergessen aber auch nicht. So geht man miteinander nicht um - lügen ist ein Zeichen fehlenden gegenseitigen Respekts.
2. Nachrichtenwert schaffen
Der direkte Weg in die Zeitung geht über den Nachrichtenwert. In überregionalen Tageszeitungen ist der zur Verfügung stehende Raum begrenzt. Deswegen müssen die Nachrichten, die übernommen werden, einen besonderen Stellenwert für ein breites Publikum besitzen. Marktführer haben vor diesem Hintergrund einen natürlichen Vorteil in der Berücksichtigung. Größere Umstrukturierungen, Personalien und Trendwenden finden ebenfalls Gehör. In diese Kategorie fällt auch der Hinweis auf mögliche unlautere Geschäftspraktiken im Wettbewerb. Die Medien sind eine Plattform, auf der solche Praktiken dargestellt und im Idealfall auch ausgeräumt werden können. Generell lautet der Spruch: das Erste, das Letzte, das Größte und das Kleinste hat immer Platz in der Zeitung. Allerdings sollte der Rahmen nicht zu weit gedehnt werden. Der Grat zwischen Relevanz und Lächerlichkeit kann schmal sein. In der Aufbereitung gilt die klassische Regel der fünf "W"s: Was, wann, wer, wo, warum?
3. Originelle Ideen entwickeln
Bei Artikeln über originelle Ansätze und Konzepte spielt die Aktualität eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist hier der Überraschungseffekt, der entweder in der Leserschaft zuweilen polarisierende Reaktionen hervorruft oder eine ungewöhnliche Sichtweise einnimmt beziehungsweise bestätigt.
4. Vorbereitet in Gespräche gehen
Kaum etwas anderes ist für einen Journalisten ärgerlicher als ein Gesprächspartner, der permanent Wissenslücken offenbart und nicht sicher auf dem verabredeten Themengebiet agiert. Fehlende Vorbereitung hat ebenfalls etwas mit fehlendem Respekt zu tun. Das betrifft auch die erste Kontaktaufnahme. Unternehmen sollten dabei auf die Frage vorbereitet sein, warum sich ein Treffen überhaupt lohnen könnte. Das ist nicht unhöflich gemeint, sondern hat etwas mit dem immer knapperen Zeitkontingent in den Redaktionen zu tun. Schon in diesem frühen Stadium trennt sich die Spreu vom Weizen. Die wichtigsten geschäftlichen Kennziffern müssen im Gespräch abrufbar sein. Übrigens dürfen auch Unternehmen erwarten, dass gute Journalisten vorbereitet in ein Gespräch kommen.
5. Kontakte pflegen durch regelmäßigen Austausch
Für Journalisten ist es sehr hilfreich, immer wieder die Meinung zu Themen einzuholen, welche gerade auf der Agenda stehen - ohne dass gleich ein Zitat für einen konkreten Artikel oder einen Immobilienbrief herausspringt. Die Enttäuschung darüber sollte auf Unternehmensseite im Zaum gehalten werden. Es gibt immer wieder Gelegenheiten, in denen sich ein guter Kontakt auszahlen kann. Die verbreitete Ansicht, man geht mit einem Journalisten mal gut essen und hat dann einen guten Kontakt, ist korrekturbedürftig. Ein guter Journalist lässt sich durch eine gute Geschichte mehr beeindrucken als durch ein gutes Essen. Ein entscheidendes Kriterium ist die Erreichbarkeit. Wer auf Unternehmensseite nur erreichbar ist, wenn er selbst eine Botschaft hat, ansonsten aber kein Interesse an einem zwischenzeitlichen Austausch zeigt, ist kein guter Kontakt.
6. Niemals Anzeigenabteilung und Redaktion verwechseln
Veröffentlichungsdruck über die Anzeigenabteilung zu erzeugen, wird in der Medienbranche zwar immer üblicher, ist in Qualitätszeitungen trotz verschärfter Printmedienkrise aber kein praktikables Modell. Dies ist vor allem eine Frage der Glaubwürdigkeit, ohne die das Geschäftsmodell einer Qualitätszeitung unmittelbar ins Wanken geraten würde. Zudem sollten Unternehmen in ihren Beiträgen nicht allzu offensichtlich auf ihr Geschäftsmodell beziehungsweise den Verkauf eines bestimmten Produkts abzielen. Es lohnt sich die Mühe, ein Gesamtbild zu stricken und den eigenen Ansatz darin einzubetten. Das gibt Journalisten den notwendigen Raum, um über das ungeliebte Ein-Quellen-Stück hinauszukommen.
Link zur Studie
Die Studie "Die soziale Dimension des Klimaschutzesund der Energieeffizienzim Kontext von Bau- und Wohnungswirtschaft" kann unter folgendem Download-Link aus dem Internet geladen werden:
Studie als pdf-Download
Extra-Informationen zur Ausgabe 10-2011
1.) Titelstory Finanzierung: Was sagen die Vertreter der wichtigsten deutschen Immobilienfinanzierer?
Interviews mit Peter Axmann, Jan Bettink, Maria Teresa Dreo, Francesco Fedele, Anni Hönicke, Michael Kohl, Dr. Wulf Meinel, Helmut Mühlhofer, Andreas Pohl und Dr. Georg Reutter.
2.) Immobilienanalyse: Ein Auszug aus dem Grundlagenwerk "Immobilienwirtschaftslehre".
3.) Studentenappartements: Die komplette Studie aus dem Hause Savills.
4.) Walk of Fame: Die wichtigsten Köpfe der deutschen Immobilienbranche im Überblick.
5.) Ostdeutsche Städte: Daten und Fakten aus dem TLG-Marktbericht.
6.) Wohnungsmärkte in Europa: Der komplette Kommentar von Deutsche Bank Research.
7.) Techniktest Fitness: Fotos vom Event in Berlin.
8.) München: Eine Tabelle zu den aktuellen Wohnimmobilienprojekten.
Interview Peter Axmann | Leiter Immobilienkunden HSH Nordbank
„Professionelle Aufstellung für den Kapitalmarkt“
FINANZIERUNG Peter Axmann, Leiter Immobilienkunden der HSH Nordbank, fordert von Immobilienunternehmen eine stärkere Orientierung am Kapitalmarkt. Mit ihm sprach Christof Hardebusch.
immobilienmanager: Welche Auswirkungen hat die Staatsschuldenkrise auf die Immobilienfinanzierung?
Peter Axmann: Ungedeckte Anleihen sind wieder sehr teuer geworden und werden kurzfristiger vergeben, oft nur für einen Tag. In der Tendenz erinnert das an die Situation nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers. Insgesamt leidet der Interbankenhandel. Die Institute deponieren freie Liquidität lieber zu 0,75 Prozent Zinsen bei der EZB, als damit für höhere Renditen andere Banken zu beliefern. Das Bild differiert allerdings stark von Bank zu Bank.
immobilienmanager: Warum sind die Märkte so nervös?
Peter Axmann: Die Politik löst die Probleme nicht, sondern verschiebt sie nur. Die Märkte durchschauen das natürlich.
immobilienmanager: Falls sich die Situation wieder beruhigt – erleben wir dann eine Rückkehr zu den Sorglos-Konditionen vor Lehman?
Peter Axmann: Ich glaube, dass die Finanzierung von Immobilien nicht mehr zu den Konditionen zurückkehren wird, die wir vor der globalen Finanzmarktkrise erlebt haben. Erstens haben die Banken in ihrer großen Mehrzahl tatsächlich aus der Krise gelernt. Zweitens wird die Refinanzierung im ungedeckten Bereich problematisch bleiben, weil große Kapitalanleger Banken als risikoreicher einschätzen, als es vor Lehman der Fall war. Drittens wird die Implementierung von Basel 3 zu einem weiter erhöhten Bedarf an Eigenkapital führen. Dem lässt sich nicht beliebig mit Kapitalerhöhungen entsprechen. Öffentliche Eigentümer werden wahrscheinlich überhaupt kein Eigenkapital nachschießen wollen.
immobilienmanager: Welcher Ausweg bleibt öffentlichen Banken dann noch?
Peter Axmann: Entweder sie thesaurieren Gewinne, oder sie kürzen ihre Bilanz, oder beides. Das ist ja der Grund dafür, dass zahlreiche Banken das Volumen ihres Neugeschäfts unter die Tilgungsquote drücken.
immobilienmanager: Was bedeutet das für die Immobilienwirtschaft?
:Peter Axmann: Einige sehr große Banken halten sich derzeit extrem zurück. Ausländische Banken sind vollständig vom deutschen Markt verschwunden. Diese großen Player müssen substituiert werden. Die Gesamtsituation lässt einige Rückschlüsse zu. LTVs von 90 Prozent oder mehr werden wir nicht mehr sehen. Kommt es zu der prognostizierten wirtschaftlichen Eintrübung, wird es für Projektentwicklungen noch schwieriger, Fremdkapital zu bekommen. Denn dann werden die Ansprüche der Banken an die Vorvermietung steigen und das Vermietungsgeschäft zur gleichen Zeit schwieriger.
immobilienmanager: Wie können sich Projektentwickler auf diese Situation vorbereiten?
Peter Axmann: Sie wie alle mittelständischen Investoren benötigen mehr Eigenkapital. Es entsteht also eine Lücke, die sich nur mit alternativen Finanzierungsformen schließen lässt – beispielsweise mit Anleihen oder Fonds für Projektentwicklungen.
immobilienmanager: Was sollten Investoren tun?
Peter Axmann: Sie sollten sich dem Kapitalmarkt gegenüber professioneller aufstellen. Dazu gehören eine transparente Strategie und eine dazu passende Performance, nach dem Motto „promise and deliver“. Die Geschäftsmodelle müssen entsprechend angepasst werden.
immobilienmanager: Müssen nicht auch die Immobilienfinanzierer ihre Geschäftsmodelle überdenken?
Peter Axmann: In der Vergangenheit haben die Banken Fremdkapital zu günstig zur Verfügung gestellt. Immobilienbanken haben früher auf lange Sicht gerechnet vermutlich kaum Geld verdient. Das muss auf jeden Fall anders werden.
immobilienmanager: Wo sehen Sie die größten Engpässe?
Peter Axmann: Für Kreditnehmer wird es auf jeden Fall bei Volumina ab 100 Millionen Euro eng. Gleichzeitig wird der Bedarf für Finanzierungen in solcher Größenordnung steigen, weil entsprechende CMBS auslaufen. Eine reelle Chance haben eigentlich nur gute, transparente Bestände, und selbst die tun sich mit der Refinanzierung schwer.
Eng werden kann es auch für diejenigen Banken, die Basel III und die daraus resultierenden Mehrkosten nicht ausreichend eingepreist haben. Denn dann kann ein Kreditvertrag mit zehn Jahren Laufzeit plötzlich richtig teuer werden. Insbesondere im hart umkämpften Segment bis 20 Millionen Euro Kreditvolumen scheint mir der eine oder andere Anbieter dieser Gefahr zu erliegen.
Internview J. Bettink | Vorstand Landesbank Berlin
„Drei Baustellen“
FINANZIERUNG Die Banken stehen weiterhin vor großen Aufgaben. Christof Hardebusch sprach darüber mit Jan Bettink. Im Vorstand der Landesbank Berlin ist er für das Geschäftsfeld Immobilienfinanzierung zuständig. Zu seinem Verantwortungsbereich gehört damit auch die Berlin Hyp.
immobilienmanager: Einige deutsche Institute haben sich weitgehend aus dem Ausland zurückgezogen. Die BerlinHyp gehört nicht dazu. Warum nicht?
Jan Bettink: Der Rückzug der erwähnten Institute erfolgte bekanntlich oftmals nicht freiwillig. Sie wurden entweder durch die Europäische Union oder durch ihre Gesellschafter dazu veranlasst. Wir betreiben unsere Auslandsvertretungen weiter, bauen unser Netzwerk allerdings nicht mehr weiter aus. Paris war die letzte Station. Dabei engagieren wir uns nur in stabilen Regionen. Der Auslandsanteil an unserem Kreditportfolio soll maximal 20 Prozent betragen, als Beimischung, um Zyklen auszugleichen, das Risiko besser zu streuen und höhere Margen zu generieren.
immobilienmanager: Warum begrenzen Sie den Auslandsanteil?
Jan Bettink: Weil wir die Risiken im Inland am besten managen können. Die Risikobetrachtung ist der Ausgangspunkt unserer Geschäftspolitik.
immobilienmanager: Welche Risiken gehen für Institut von der europäischen Schuldenkrise aus?
Jan Bettink: Keine, weil wir in den davon stark betroffenen Märkten wie Spanien nicht engagiert sind.
immobilienmanager: Was finanzieren Sie in Deutschland, was nicht?
Jan Bettink: Prinzipiell finanzieren wir nur kapitaldienstfähige Kunden und Objekte. Hotels finanzieren wir nur in Ausnahmefällen, Freizeit- und Gesundheitsimmobilien gar nicht und Sozialimmobilien eher selten. Ein geringer Anteil unserer Aktivitäten entfällt auf Logistikimmobilien. In Deutschland finanzieren wir zunehmend Wohnimmobilien, ein Segment, dass von risiko-aversen Investoren derzeit stark nachgefragt wird. Im Ausland sind wir nicht in den Wohnimmobilienmärkten engagiert, weil dort in der Regel die institutionellen Player nicht vorhanden sind.
immobilienmanager: Führt der aktuelle Run auf Wohnimmobilien nicht zu Überhitzungen, beispielsweise in Berlin?
Jan Bettink: Die Preissteigerungen, die wir derzeit in Berlin erleben, sind wahrscheinlich nicht immer nachhaltig. Da die Investoren in Regel aber mit hohen Eigenkapital-Einsätzen arbeiten, sind solche Entwicklungen für die finanzierenden Banken nicht gefährlich.
immobilienmanager: Gerät durch die Schuldenkrise auch der Immobilienpfandbrief indirekt unter Druck?
Jan Bettink: Nein. Unter Druck geraten allerdings ungedeckte Anleihen. Wegen der latenten Bankenkrise sind ungedeckte Anleihen eine der drei großen Baustellen im Bankensektor. Die Landesbank Berlin hatte allerdings nie Liquiditätsprobleme, weil sie einerseits über Sparkassen-Einlagen und andererseits mit der Berlin Hyp über den Pfandbrief verfügt.
immobilienmanager: Welche anderen beiden Baustellen haben die Banken?
Jan Bettink: Die zweite Baustelle ist das Eigenkapital. Hier müssen alle Banken ihre Positionen verbessern. Die dritte Baustelle ist die Ertragsseite. Banken müssen ihre Bilanz verkürzen. Deshalb müssen sie ihre Aktiva zurückfahren, gleichzeitig aber ihr Eigenkapital mit zehn bis zwölf Prozent verzinsen, um ihre Investoren zufrieden zu stellen. Das geht nur über die Kosten und über Personalabbau. Unsere Eigenkapitalquote ist allerdings auskömmlich, auch, weil wir Gewinne thesaurieren.
immobilienmanager: In der globalen Finanzmarktkrise haben die Ratingagenturen schicht versagt. Ist die Macht der Agenturen noch zu rechtfertigen?
Jan Bettink: Alle regulatorischen Anforderungen nehmen auf das Rating Bezug. Insofern ist die Position der Ratingagenturen politisch gewollt. Vor der Krise stellten viele Investoren ihre eigenen Prüfprozesse ein und verließen sich voll und ganz auf die Ratings. Das hat sich als Fehler herausgestellt. Wie wir jetzt erkennen, bedürfen die Finanzsysteme einer grundlegenden Neuerung. Leider hat Europa versäumt, Alternativen aufzubauen.
Interview Maria Teresa Dreo | Immobilienchefin Hypo Vereinsbank
Interview Maria Teresa Dreo, Head of Real Estate Germany, Hypo Vereinsbank
„Versicherer sind willkommene Partner“
FINANZIERUNG Die Hypo Vereinsbank bemüht sich verstärkt um Neukunden. Die dazu notwendige Substanz hat sie – mit nach eigenen Angaben 17 Prozent Eigenkapital und Liquidität. immobilienmanager sprach mit Maria Theresa Dreo, Immobilienchefin der deutschen Unicredit-Tochter.
immobilienmanager: Die Hypo Vereinsbank ist deutlich aktiver im Markt unterwegs als andere Immobilienfinanzierer. Setzen Sie auf Expansion?
Maria Teresa Dreo: Das kommerzielle Immobiliengeschäft der HypoVereinsbank ist auf ein nachhaltiges und organisches Wachstum ausgerichtet. Für uns steht die strategische Partnerschaft mit unseren Kunden im Fokus. Denn als Universalbank können wir mehr bieten als die reine Projektfinanzierung. Wir trauen uns jederzeit zu, auch größere Investitionsvolumina allein zu bewältigen – unter der logischen Voraussetzung, dass diese Transaktionen sinnvoll und rentabel sind. Profitabilität steht für uns dabei eindeutig vor der bloßen Steigerung des Volumens. Mit unserem aktuellen Portfolio sind wir äußerst zufrieden, bemühen uns aber auch verstärkt um Neukunden. Hier liegt unser regionaler Fokus auf Hamburg, Frankfurt und Nordrhein-Westfalen.
immobilienmanager: Wie schlägt sich diese Geschäftspolitik auf Ihr Neugeschäft nieder?
Maria Teresa Dreo: Im ersten Halbjahr 2011 hat die HypoVereinsbank im Bereich Kommerzielles Immobiliengeschäft rund 1,7 Milliarden Euro „echtes“ Neugeschäft erzielt. Die Prolongationen beliefen sich zur Jahresmitte 2011 auf knapp 850 Millionen Euro. Im Jahr 2010 ist es uns gelungen das Neugeschäft um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr und absolut auf 2,6 Milliarden Euro zu steigern. Für 2011 rechnen wir mit einem Neugeschäft in Höhe von drei Milliarden Euro.
immobilienmanager :2010 haben Sie immobilienmanager gegenüber von der teilweisen Lockerung der Kreditvergabe-Parameter durch Ihr Institut gesprochen. Gilt dies weiterhin?
Maria Teresa Dreo: Die von uns angesetzten Parameter der Kreditvergabe sind dem Markt angemessen. Eine Lockerung ist nicht erforderlich. Risikoadjustierte Strukturierung und Pricing und damit letztlich auch die Profitabilität eines Deals stehen für uns nach wie vor an erster Stelle.
immobilienmanager: Ausläufe jenseits der „Pfandbriefgrenze“ sind im Zuge der aktuellen Turbulenzen am Finanzmarkt schwieriger geworden. Ist auch Ihr Institut betroffen?
Maria Teresa Dreo: Die Hypo Vereinsbank ist bis dato hervorragend durch die Krise gekommen und hat zu keiner Zeit Staatshilfe in Anspruch nehmen müssen. Wir verfügen über ausreichend Liquidität und Eigenkapital – aktuell mehr als 17 Prozent – um sinnvolle Transaktionen begleiten zu können. Und tun dies auch. Wir sind auch in der Lage, über die „Pfandbriefgrenze“ hinaus zu finanzieren. Unser Geschäft ist nach wie vor sehr rentabel. Es ist jedoch generell davon auszugehen, dass sich die Refinanzierungskosten für Banken und damit die Immobilienfinanzierungen verteuern werden.
immobilienmanager: Auf welche Segmente, Standorte und Volumina-Größen konzentrieren Sie sich?
Maria Teresa Dreo: Die HypoVereinsbank konzentriert sich im kommerziellen Immobiliengeschäft auf Kundenverbindungen mit einem Finanzierungspotenzial von mehr als zehn Millionen Euro. Bei Portfoliofinanzierungen können wir Tranchen bis zu 200 Millionen Euro übernehmen; dies gilt insbesondere im Wohnungssegment. Rund 40 Prozent unseres Neugeschäfts entfällt aktuell auf Investorenfinanzierungen, knapp 35 Prozent auf Bauträgerfinanzierungen, der Rest auf Wohnungsbaugesellschaften und Developments. Deutschlandweit sind wir mit Standorten in sechs großen deutschen Städten vertreten, historisch stark in den Regionen München und Berlin. Weiter wachsen und verstärkt Flagge zeigen möchten wir in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Hessen sowie im Raum Hamburg. Und wir sind grundsätzlich auch bereit, uns in sehr guten Lagen in so genannten B-Städten zu engagieren – und machen das auch, etwa in Nürnberg, Regensburg und Leipzig.
immobilienmanager: Finanzieren Sie Projektentwicklungen?
Maria Teresa Dreo: Ja, wir haben Developments im Portfolio und finanzieren auch aktuell Projektentwicklungen, sofern Risikostruktur, Marktgängigkeit und Profitatbilität passen. Ausreichend Eigenkapital und eine marktgerechte Vorvermietung sind Standard. Von besonderer Bedeutung sind hier auch die Erfahrung und der Track record des Projektentwicklers.
immobilienmanager: Erwarten Sie einen Verdrängungswettbewerb unter den Immobilienfinanzierern?
Maria Teresa Dreo: Einen Verdrängungswettbewerb spüren wir derzeit nicht. Vielmehr gehen wir davon aus, dass sich die Wettbewerbslandschaft aus anderen Gründen weiter verändern wird, etwa im Zuge der voranschreitenden Regulierung, insbesondere beim Thema Eigenkapital-Anforderungen. Auch das Thema Restrukturierung wird die Bankenlandschaft wohl noch ein, zwei Jahre beschäftigen.
immobilienmanager: Werden Immobilienkredite in Zukunft teurer?
Maria Teresa Dreo: Wir rechnen damit, dass sich die Refinanzierungskosten für Banken aufgrund des unsicheren Kapitalmarktumfelds verteuern. Ein zweiter, ganz wesentlicher Faktor sind die mit Basel III zu erwartenden höheren Eigenkapitalanforderungen, die insbesondere Auswirkungen auf langfristige Finanzierungen haben werden.
immobilienmanager: Basel III wird die Kosten jetzt vergebener Kredite verteuern. Wie lohnend ist die Kreditvergabe in diesem Bereich?
Maria Teresa Dreo: Viele neue Regulatorien werden noch diskutiert. Deshalb kann man die Mehrbelastung noch nicht konkret fassen. Allein aus den höheren Eigenkapitalunterlegungsvorschriften lassen sich aber deutliche Mehrkosten ableiten. Diese sind abhängig von der Portfoliogüte und der Eigenkapitalstärke der jeweiligen Bank und werden sich daher unterschiedlich zeigen.In der Neukreditvergabe von mittel- bis langfristigem Geschäft berücksichtigen wir dies durch einen Mindestverdienstanspruch, sodass ein gewisser Puffer für die Mehrkostenbelastung gegeben ist.
immobilienmanager: Versicherungsunternehmen treten zunehmend auch als Finanzierer für Gewerbeimmobilien und Portfolios auf. Wie stark ist dieser Wettbewerb? Ist er, was die Rahmenbedingungen von Immobilienbanken und Versicherern betrifft, als fair zu bezeichnen?
Maria Teresa Dreo: Die Versicherungsunternehmen nehmen wir bisher nur im Bereich sehr großer Transaktionen wahr. Aus unserer Sicht tut es dem Markt gut, dass hier weitere Wettbewerber aktiv werden, die vor allem große Volumina finanzieren können. Angesichts der anstehenden Refinanzierungen und insbesondere die Fälligkeiten der CMBS-Papiere in Deutschland benötigen wir in den kommenden Jahren weitere starke Partner für die Refinanzierung. Wir sehen die Versicherungsunternehmen daher auch als willkommene Partner.
Das Gespräch führte Christof Hardebusch.
Interview Francesco Fedele | Vorstandsvorsitzender BF direkt
„Schweizer und Israelis“
FINANZIERUNG Das Beratungsunternehmen BF Direkt betreut institutionelle Investoren bei der Finanzierung ihrer Vorhaben und Transaktionen. Christof Hardebusch sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden Francesco Fedele über die aktuelle Marktlage.
immobilienmanager: Welchen Einfluss hat die Staatsschuldenkrise auf die Immobilienfinanzierung in Deutschland?
Francesco Fedele: Bis vor einigen Wochen war der Markt noch vollkommen intakt, auch wenn Kreditkunden nur relativ wenige Banken zurückgreifen können. Besonders aktiv im Markt sind einige Landesbanken unterwegs, dazu die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken. Die Margen sind in einem Rahmen von 0,2 bis 0,3 Prozent verhandelbar. Die Refinanzierung war ein untergeordnetes Thema, das jetzt allerdings eine neue Zuspitzung erfährt. Das Vertrauen unter den Banken schwindet erneut, keiner will mehr mit anderen ins Boot. Die Grundnervosität steigt.
immobilienmanager: Was geht immer?
Francesco Fedele: Die Banken suchen das sichere Geschäft. Wohnungsbestände sind daher beliebt, weil sie wegen der damit verbundenen Vielzahl an kleinteiligen Mietverträgen ein hohes Maß an Sicherheit bieten. Bei Gewerbeimmobilien prüfen die Banken die Bonität der Mieter sehr genau. Am liebsten wäre ihnen Mietverträge mit Triple-A-Mietern und einer Laufzeit von 15 Jahren. Das kommt natürlich selten vor.
immobilienmanager: Wird die Refinanzierung verbriefter Portfolios zum Problem?
Francesco Fedele: Die große Welle steht erst 2013 an, wenn das Gros der Verbriefungen ausläuft. Einige Mortgage Backed Securities kommen allerdings schon jetzt auf den Markt. Vor allem große Unternehmen decken sich derzeit ein. Da wie gesagt Wohnimmobilien derzeit sehr attraktiv sind, gilt eine einfache Faustregel – verbriefte Wohnungsbestände haben es bei der Refinanzierung leichter als Gewerbeportfolios.
immobilienmanager: Derzeit ruft alles nach Core-Objekten. Wie ist es um die Finanzierung und Refinanzierung von Non-Core-Immobilien bestellt?
Francesco Fedele: Das ist nicht einfach, aber mit einem ordentlichen Produkt lässt sich auch ein ordentlicher Auslauf verhandeln. Auf 60 bis 65 Prozent LTV sollte sich der Kreditnehmer allerdings einstellen. Höhere Ausläufe sind nur schwer zu bekommen.
immobilienmanager: Auf welche Bedingungen stoßen Projektentwickler?
Francesco Fedele: Grundsätzliches Interesse seitens der Finanzierer ist vorhanden. Phantasie sucht allerdings niemand. Bei klassischen Projektentwicklungen mit einem Volumen von zehn bis 15 Millionen Euro machen wir mit der DG Hyp, der Hypovereinsbank, den Volksbanken und Sparkassen gute Erfahrungen. Ab einem Volumen von 50 Millionen Euro wird es allerdings richtig schwer, einen Finanzierer zu finden.
immobilienmanager: Welche Alternativen zur klassischen Immobilienfinanzierung hat die Branche?
Francesco Fedele: Interessant ist vor allem die Anleihe. Die zunehmende Nervosität im Kapitalmarkt macht die Platzierung allerdings nicht einfacher. Wir gehen davon aus, dass die Bereitschaft, in ungedeckte Anleihen zu investieren, wieder zunehmen wird.
immobilienmanager: Welche Investorengruppen sind derzeit besonders interessant?
Francesco Fedele: Anleger aus Nicht-Euro-Ländern schauen sehr interessiert auf die Euro-Märkte – wegen des niedrigen Zinsniveaus, der guten Produkte und der erzielbaren Währungsgewinne. Investoren aus der Schweiz und aus Israel sind besonders aktiv. Sie kaufen auch Gewerbebestände, wenn diese denn international verständlich sind. Möglicherweise sind Ausländer wieder einmal schneller als ihre deutschen Wettbewerber, wenn es um die Ausnutzung von Opportunitäten geht.
immobilienmanager: Die Opportunisten, die 2004 bis 2007 angebliche Chancen in Deutschland genutzt haben, gelten mittlerweile als Kapitalvernichter. Greift erneut die große Unvorsicht um sich?
Francesco Fedele: Die Investoren, die sich jetzt engagieren, setzen deutlich mehr Eigenkapital ein. Deshalb halte ich diese Sorge für unbegründet.
immobilienmanager: Freut sich der Markt über die Versicherer als neuem Spieler auf dem Finanzierungsfeld?
Francesco Fedele: Leider spielen die Versicherer nicht die erhoffte Rolle. Besonders aktiv ist derzeit die Allianz. Auch die Ergo wird agiler. Bei Ausläufen jenseits der 60 Prozent fühlen sich die Versicherer allerdings nicht sehr wohl.
Interview Anni Hönicke | Leiterin Real Estate Lending Deka Bank
"Immobilien werden immer dabei sein"
FINANZIERUNG immobilienmanager sprach mit Anni Hönicke, Leiterin Real Estate Lending der Deka Bank, über Margen im Ausland, die Refinanzierung von CMBS und andere aktuelle Themen.
immobilienmanager: Die gewerbliche Immobilienfinanzierung der Deka Bank findet vorwiegend im Ausland statt. Was sind die Vorteile?
Anni Hönicke: In den für uns wichtigen Märkten wie UK und USA sind die Margen nach wie vor hoch. Das liegt daran, dass die Krise der Finanzmärkte nie wirklich vorüber war. Frankreich fällt da schon deutlich ab. In Deutschland sind die Margen nicht wirklich risiko-adäquat. Das liegt natürlich vor allem am hiesigen Wettbewerb. Verstärkt wurde dieser dadurch, dass einige Banken aufgrund von Auflagen aus Brüssel nun ihr Neugeschäft in Deutschland machen müssen. Das bringt natürlich auch eine gewisse Verzerrung des Wettbewerbs mit sich. Aber die Kunden profitieren davon.
immobilienmanager: Wie entwickelt sich das Neugeschäft bei der gewerblichen Immobilienfinanzierung der Deka Bank?
Anni Hönicke: Zum 31. Juli hatte es einen Stand von 1,7 Milliarden Euro erreicht, wovon 300 Millionen auf Prolongationen entfallen. Für das Gesamtjahr erwarten wir ein Neugeschäftsvolumen von 2,5 bis drei Milliarden Euro.
immobilienmanager: Spüren Sie schon die ersten Ausläufer der angekündigten Welle an CMBS-Refinanierungen?
Anni Hönicke: Ja. Die Kunden haben das ruhigere Fahrwasser der vergangenen 12 bis 18 Monate genutzt, um Verbriefungen abzulösen. Auf den Markt kommen allerdings vor allem die Top-Objekte. In Europa ist die Qualität der verbrieften Objekte in der Regel ohnehin gut. Die große Welle kommt erst noch, vor allem in den USA. Dort sind die Risiken wesentlich höher.
immobilienmanager: Wie verhalten Sie sich in den USA?
Anni Hönicke: Wir sind dort nur in ausgewählten Märkten aktiv, in New York, Washington, San Francisco und Los Angeles. New York schneidet derzeit am besten ab. Die Sparbeschlüsse der Regierung könnten sich eventuell auf Washington auswirken, aber das halte ich für wenig wahrscheinlich. Wenn an der Verwaltung gespart wird, dann wohl eher in der Peripherie und nicht im Regierungszentrum. Und die Lobbyisten werden auch in Washington bleiben.
immobilienmanager: Welche Auswirkungen hat die Staatsschuldenkrise auf Ihr Geschäft?
Anni Hönicke: Bislang keine. Unser Geschäftsmodell ist - wie das der Nutzer und Kunden auch - langfristig angelegt. Und die Qualitäten der Standorte und Objekte bleiben ja erhalten.
immobilienmanager: Aber hat die Krise nicht sehr negative Auswirkungen auf die Refinanzierung im ungedeckten Bereich?
Anni Hönicke: Das ist richtig. Wer sich bislang für das Jahr noch nicht ausreichend mit Liquidität eingedeckt hat, den trifft diese Entwicklung auf dem falschen Fuß. Die Spreads für ungedeckte Anleihen steigen, Dollarfinanzierungen werden problematisch. Banken müssen daraus resultierende Preiserhöhungen an die Kunden weitergeben.
immobilienmanager: Wie bedrohlich ist der Katalog der vorgesehenen Regulierungsmaßnahmen für Finanzierer? Anni Hönicke: Der regulatorische Rahmen ist nicht bedrohlich. Er bleibt beherrschbar. Die Regulierung trifft zudem ja auch die Kunden. Daraus resultierende Herausforderungen lassen sich in einem partnerschaftlichen Dialog lösen. Und eines ist gewiss: Kredite sind eine dringend benötigte Commodity, und der Markt hat für Investments und Absicherungen nur eine begrenzte Zahl an Möglichkeiten. Die Immobilie wird immer dabei sein. Die Summe der Regulierungen, die anhaltende Marktstörung und die Refinanzierungswelle werden allerdings dafür sorgen, dass Fremdkapital auf keinen Fall günstiger wird.
immobilienmanager: Spüren Sie den Wettbewerb der Versicherer?
Anni Hönicke: Sehr deutlich. Versicherer suchen allerdings nur nach sehr sicheren Geschäften. Dann allerdings sind sie bezüglich der Laufzeiten und der Covenants relativ schmerzfrei. In den USA ist übrigens auch der Wettbewerb durch chinesische Banken zu spüren, die große Summen ohne Covenants finanzieren.
immobilienmanager: Inwieweit stehen Ihnen Mittel aus dem Einlagengeschäft der Sparkassen zur Verfügung?
Anni Hönicke: Die Mittel aus dem Einlagengeschäft der Sparkassen stehen uns indirekt zur Verfügung in der Form, dass die Sparkassen hohe Einlagen bei der DekaBank haben.
Statement Michael Kohl | Leiter „Real Estate Finance“ PB Firmenkunden AG
Statement Michael Kohl zur Gewerblichen Immobilienfinanzierung der Postbank
„Unverändert zum Kerngeschäft“
FINANZIERUNG Die Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank hat einige Spekulationen ausgelöst. Unter anderem wurde vermutet, die Postbank werde die gewerbliche Immobilienfinanzierung einstellen.
Dem tritt Michael Kohl, Leiter des Bereich „Real Estate Finance“ bei der PB Firmenkunden AG, entgegen:
„Die Gewerbliche Immobilienfinanzierung wird auch künftig unverändert zum Kerngeschäft der Postbank gehören. Die Gremien der Postbank haben dazu ein klares Bekenntnis abgelegt. Sie sind von der Qualität und Rentabiltät des Portfolios und der Zukunftsfähigkeit dieses Geschäftsfeldes innerhalb der Postbank überzeugt.
Im Übrigen hat die Postbank mit Hanns-Peter Storr (Chief Risk Office) und Frank Strauß (Vertrieb) zwei neue Vorstände, die unter anderem für die Gewerbliche Immobilienfinanzierung verantwortlich zeichnen und von der Deutsche Bank kommen.
Die Postbank hat die vergangenen Monate genutzt, im Bereich Gewerbliche Immobilienfinanzierung ihr Profil zu schärfen, die Portfoliotransparenz zu verbessern und ihre Strategie zu überprüfen. Sie hat in diesem Zusammenhang erstmals eine einheitliche Portfoliosteuerung für die Standorte Bonn, London und New York installiert - sowohl auf Markt- als auch auf Marktfolgeseite.
Für die Bestandskunden im Bereich Gewerbliche Immobilienfinanzierung wird es im Regelfall keine spürbaren Veränderungen geben.
Insgesamt sind folgende Schritte einer Neuausrichtung im Detail geplant:
- die Kundenbasis soll verbreitert werden
- stärkere Konzentration auf Kernmärkte (regional, nach Nutzungsarten und sektoral)
- breitere Diversifizierung des Portfolios
- weitere Verbesserung der bereits guten Portfolioqualität und -rentabilität
- Intensivierung des cross selling
- stärkere Focussierung auf Investmentloans
- Developments nur bei angemessener Vorvermietung/-vermarktung
- stärkere Zusammenarbeit mit offenen und Spezialfonds und Geschlossenen Fonds
Auf der Expo Real präsentiert die Postbank sich unter dem Motto „Perspektiven“ mit einem neuem Messestand. Damit dokumentiert sie, dass sie auch in Zukunft aktiv am Markt sein wird.
Die Strategie zur weiteren Verbesserung der Portfolioqualität bringt neben planmäßigen Tilgungen auch die Verringerung von Engagements im Einzelfall mit sich. Als Folge daraus erwarten wir kurzfristig keine Wachstumsstory. Es gibt aber umgekehrt auch keinerlei quantitative Restriktionen beim Neugeschäft.
Im ersten Halbjahr 2011 war insbesondere der inländische Markt geprägt durch starken Wettbewerb um gute Risiken. Dies führte zu erheblichem Margendruck. Die Höhe der Finanzierungsausläufe/LTVs ist – vor allem geprägt durch die Refinanzierungsthematik – derzeit (noch) kein nennenswerter Wettbewerbsfaktor.
Im zweiten Halbjahr spüren wir bislang eine Belebung - wir nehmen wieder Fahrt auf, bleiben aber unserer Linie treu: Die Postbank wird auch künftig nur Geschäfte mit auskömmlichem Risiko-Renditeprofil machen. Wir dürfen und können finanzieren, aber wir müssen und werden es nicht um jeden Preis tun.“
Interview Dr. Wulf Meinel | Managing Director Carlyle Group
„Stärkung der Bestände“
FINANZIERUNG Große Investoren spüren sehr genau, wo die Kreditvergabe sprudelt und wo es zu Engpässen kommt. Immobilienmanager sprach darüber mit Dr. Wulf Meinel, Managing Director bei der Carlyle Group und für die Akquise von Immobilien im deutschsprachigen Raum, in der Türkei sowie in Zentral- und Osteuropa zuständig.
immobilienmanager: Alle reden über die Banken. Von Private-Equity-Investoren ist derzeit hingegen kaum etwas zu hören. Warum nicht?
Dr. Wulf Meinel: Angesichts des turbulenten Umfelds ist die Angst vor irrationalen Marktübertreibungen sehr ausgeprägt. Die Entwicklung wird immer weniger von individuellen Entscheidungen beeinflusst. Ausschlaggebend sind elektronisch ausgelöste Wellenbewegungen, gegen die man sich als einzelner nicht stellen kann. Das führt zu einer gewissen Zurückhaltung.
immobilienmanager: Aber Immobilien gelten doch als stabile Assetklasse?
Dr. Wulf Meinel: Ich bin nicht sicher, ob das wirklich der Fall ist. Die Immobilienmärkte enthalten einen hohen Anteil an Fremdkapital. Die damit verbundenen Risiken sind kaum kalkulierbar.
immobilienmanager: Wie präsentieren sich die Immobilienmärkte aktuell?
Dr. Wulf Meinel: Unverändert gut, soweit sich die Aktivitäten im vom Pfandbrief gesteckten Rahmen bewegen. Der Pfandbrief ist liquide und wird auch in kleineren Volumina ohne Abschläge gehandelt. Alle anderen – Grundstücksankäufe, Pflege-Portfolios, Projektentwicklungen – sind kaum zu finanzieren. Nur in sehr guten Lagen sind Ankäufe und Entwicklungen möglich.
immobilienmanager: Welche Auswirkungen hat das?
Dr. Wulf Meinel: Die Situation führt zu einer Stärkung der Bestände, die einen stabilen Cashflow aufweisen. Denn der Engpass entsteht ja in der Erstellung neuer Produkte. Banken agieren vorwiegend pro-zyklisch. Das ist sehr schön für Bestandshalter. Wohnungsbestände in guten Lagen werden teurer, Büromieten in A-Lagen steigen, in B-Lagen bleiben sie zumindest stabil.
immobilienmanager: Welche Banken sind derzeit aktiv?
Dr. Wulf Meinel: Generell die Hypothekenbanken. Auf Sparkassen und Volksbanken kann man ebenfalls zählen, wenn das Risiko gering ist.
immobilienmanager: Nach wie vor vermuten Experten eine große Zahl von „Leichen des letzten Booms“ in den Kellern der Banken. Warum kommt so wenig ans Tageslicht?
Dr. Wulf Meinel: Im Prinzip ist schon vieles sichtbar. Die Sockelleerstände in den Büromärkten liegen je nach Standort bei fünf bis 15 Prozent. Das wirtschaftliche Eigentum an diesen Gebäuden liegt oft längst bei den Banken. Solange diese sich aber bei der EZB ungehindert refinanzieren können, ist die Not nicht groß genug. Die ab 2012 einsetzende Refinanzierungswelle bei den CMBS wird den Druck allerdings erhöhen. Außerdem kann die EZB nicht dauerhaft umsonst und ungedeckt refinanzieren, denn ihr fehlt das wirtschaftliche Korrelat für die auf diese Weise angesammelte Liquidität.
Interview Helmut Mühlhofer | Head of Debt & Capital Markets Allianz Real Estate
„Zwischen 100 und 200 Millionen Euro“
FINANZIERUNG Versicherungskonzerne betätigen sich zunehmend als Immobilienfinanzierer – allen voran die Allianz Real Estate. Christof Hardebusch sprach darüber mit Helmut Mühlhofer, Head of Debt & Capital Markets des Unternehmens.
immobilienmanager: Wie fühlt man sich als neuer großer Player am Finanzierungsmarkt?
Helmut Mühlhofer: Wir haben gerade erst damit begonnen, Immobilien zu finanzieren, und es geht uns auch nicht um Größe. Wir finanzieren nur bei guten Gelegenheiten und haben kein festes Ziel für unser Neugeschäftsvolumen.
immobilienmanager: Welches Geschäft suchen Sie?
Helmut Mühlhofer: Wir vergeben nur langfristige Kredite mit sieben bis zehn Jahren Laufzeit. Die Ausläufe liegen zwischen 50 und 70 Prozent und ähneln damit denen der Pfandbriefbanken. Die Banken arbeiten mit variablen Zinssätzen in Kombination mit Swaps. Wir verwenden den klassischen Festsatz:
immobilienmanager: Den Erwerb der Greentowers durch die DWS hat die Allianz Real Estate mit mehr als 300 Millionen Euro finanziert. Entspricht das den Größenordnungen, die Sie bevorzugen?
Helmut Mühlhofer: Unser Zielkorridor liegt zwischen 100 und 200 Millionen Euro. In diesem Segment sind in Deutschland nur noch zwei bis drei Banken unterwegs.
immobilienmanager: Die Allianz Real Estate investiert international in Immobilien. Gilt das auch für das Finanzierungsgeschäft?
Helmut Mühlhofer: Wir beschränken uns vorerst auf Deutschland und arbeiten bislang auch nur für die deutschen Allianz-Gesellschaften. Deutschland bietet derzeit genügend Möglichkeiten.
immobilienmanager: Solvency 2 stellt für Versicherer die Finanzierung von Immobilien günstiger als ein direktes Investment. Gibt es weitere Motive?
Helmut Mühlhofer: Ein wichtiges Motiv sind die niedrigen Zinsen, die Versicherer vor einige Probleme stellen. Pfandbriefe mit zehnjähriger Laufzeit beispielsweise rentieren nur noch zwischen 2,7 und 2,8 Prozent. Zudem ist die Emission von Pfandbriefen seit Jahren rückläufig. Die Pfandbriefbanken – und das ist die Ironie dabei - haben diese Lücke selbst geschaffen. Um unsere Versicherungsprodukte attraktiv zu halten, wollen wir unser Fixed-Income-Portfolio diversifizieren. Immobilienkredite bringen vier bis 4,3 Prozent Verzinsung und sind deshalb für uns eine sinnvolle Portfoliobeimischung.
immobilienmanager: In welchen Größenordnungen bewegt sich das Fixed-Income-Portfolio der Allianz?
Helmut Mühlhofer: Das Portfolio macht rund 90 Prozent unseres gesamten Anlagebestandes aus. Dieser lag zum Stichtag 30. Juni 2011 bei 450 Milliarden Euro.
immobilienmanager: Einige Wettbewerber argwöhnen, dass die Allianz sich aus dem Finanzierungsgeschäft zurückziehen werde, sobald die Zinsen steigen.
Helmut Mühlhofer: Richtig ist, dass die Niedrigzinsphase wie gesagt eines unserer Motive für den Einstieg in das Finanzierungsgeschäft war. Es ist aber nicht das einzige. Sehr wichtig ist uns die genannte Diversifikation unseres Fixed-Income-Portfolios. Wenn die Zinsen steigen, können wir unsere Konditionen anpassen. Das fällt uns vielleicht sogar leichter als den Wettbewerbern.
immobilienmanager: Warum?
Helmut Mühlhofer: Die Refinanzierung ist für uns kein Thema, weil wir die Gelder der Versicherten anlegen. Banken, die sich am Kapitalmarkt refinanzieren, müssen dafür 25 bis 50 Basispunkte aufwenden, und das bei einer Nettomarge von 125 bis 150 Basispunkten. Wir nicht.
immobilienmanager: Geben Sie diesen Vorteil an die Kreditnehmer weiter?
Helmut Mühlhofer: In der Regel nicht. Bei für uns sehr attraktiven Geschäften sind Ausnahmen möglich.
Interview Andreas Pohl | Vorstand Deutsche Hypo
IV Andreas Pohl
„Hohe Vorvermietungsquoten verhindern schlechte Geschäfte“
2008 hat die Nord LB die Deutschen Hypo als strategisches Investment erworben. Andreas Pohl leitete zuvor die gewerbliche Finanzierung der Nord LB und ist nun Vorstand der Deutschen Hypothekenbank. Das Kreditportfolio der Bank ist 20 Milliarden Euro groß. Zwölf Milliarden Euro davon stammen aus der gewerblichen Immobilienfinanzierung der Deutschen Hypo. Christof Hardebusch sprach mit Andreas Pohl.
immobilienmanager: Wie hat sich das Geschäftsmodell der Deutschen Hypo durch die Übernahme verändert?
Andreas Pohl: Die Positionierung im Markt hat sich vom reinen Participant zur direkt den Kunden finanzierenden Bank gewandelt. Bestehende Kundenbeziehungen der Nord LB wurden übernommen. Für die betroffenen Kunden änderte sich nichts – auch die Betreuer blieben dieselben. Für gewerbliche Immobilienfinanzierer ist es essentiell, die Kunden zu kennen.
immobilienmanager: Eine Reihe deutscher Immobilienfinanzierer hat das Auslandsgeschäft stark reduziert. Wo macht die Deutsche Hypo ihr Geschäft?
Andreas Pohl: Auch unser Fokus liegt im Inland. Aber wir sind weiterhin in Großbritannien und über die New Yorker Niederlassung der Nord LB auch in den USA vertreten. Präsent sind wir in Frankreich und den Benelux-Staaten sowie in Spanien, einem Markt, der der positiven Entwicklung anderer Teilmärkte hinter her läuft. Dort wie überall ist auf jeden Fall lokales Know-how erforderlich, um erfolgreich zu arbeiten. Von außen ist eine Bewertung von Teilmärkten kaum möglich.
immobilienmanager: Wird es neue Auslandsstandorte geben?
Andreas Pohl: Abgesehen von Polen kommen zurzeit keine weiteren Märkte hinzu.
immobilienmanager: Wie verteilt sich Ihr Neugeschäft?
Andreas Pohl: Wir möchten in diesem Jahr drei Milliarden Euro Neugeschäft machen. Etwa 60 Prozent davon sollen auf das Inland entfallen. Dabei handelt es sich um einen Richtwert.
immobilienmanager: Finanzieren Sie auch Projektentwicklungen?
Andreas Pohl: Das ist sicherlich das schwierigste aller Geschäftsfelder. Wir engagieren uns selektiv – entscheidend sind die „richtige“ Lage des Projekts und seine wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Beispielsweise haben wir den Tower 185 in Frankfurt am Main und die Tanzenden Türme in Hamburg mit anderen Bankpartnern finanziert.
immobilienmanager: Ist auch die Finanzierung von spekulativen Projekten denkbar?
Andreas Pohl: Bei kleineren Entwicklungen ist das nicht ausgeschlossen. Generell erwarten wir aber eine Vorvermietung von 50 bis 60 Prozent der geplanten Fläche, die einen Mindest-Cashflow sicherstellt und die Stellung von angemessenem Eigenkapital (25 bis 30 Prozent) durch den Entwickler. Das Eigenkapital und die damit verbundene Haftung sind ja die entscheidenden Hürden für die Developer. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, lässt sich durch die Strukturierung der Finanzierung eine gewisse Entlastung erreichen. Finanziert wird nach Baufortschritt und nach Erreichen vorab vereinbarter Vermietungsziele, kann der Entwickler dann schrittweise eingelegtes Eigenkapital wieder entnehmen.
immobilienmanager: Andere Finanzierer verfahren ähnlich. Werden so nicht zu viele Projekte unmöglich?
Andreas Pohl: Eigenkapital ist für alle Beteiligten ein knappes Gut, nicht nur für die Projektentwickler. Und die geforderte hohe Vorvermietungsquote sichert das Investment zusätzlich ab und kann schlechte Projekte verhindern.
immobilienmanager: Ein weiterer Engpass im Markt entsteht bei der Finanzierung großer Volumina. In welchen Größenordnungen finanziert die Deutsche Hypo?
Andreas Pohl: Bei Portfolio-Transaktionen gewähren wir langfristige Finanzierungen auch im Bereich von 50 bis 100 Millionen Euro. Beim Underwriting liegt unsere Obergrenze bei 150bis 200 Millionen Euro. Generell ist die Zeit der großen Deals mit Volumina von einer Milliarde Euro und mehr vorbei. Die wenigen, die wir noch sehen, spielen sich eher im Bereich um 500 Millionen Euro ab. Die Immobilienmärkte zeigen sich zwar in guter Verfassung, und wir erwarten, dass sich der positive Trend bis 2014 fortsetzt. Aber über allem schwebt das Damokles-Schwert einer neuen Finanzkrise. Deshalb ist die Risikoneigung der Banken gering.
immobilienmanager: Mit den Versicherern tauchen am Horizont neue Wettbewerber auf. Hat das Auswirkungen auf Ihr Geschäft?
Andreas Pohl: Wir sind seit 1872 in der Immobilienwirtschaft aktiv, denken langfristig und begleiten unsere Kunden dauerhaft, was diese – gerade aufgrund der Volatilität der Märkte – sehr zu schätzen wissen. Ob die Versicherer bei besseren und attraktiveren Bedingungen auf dem Kapitalmarkt noch als Finanzierer zur Verfügung stehen, ist offen und damit für die Kunden weniger planbar.
Interview Dr. Georg Reutter | Vorstandssprecher DG Hyp
Kredite werden wahrscheinlich teurer
FINANZIERUNG Die DG Hyp gehört zu den derzeitig aktivsten Immobilienfinanzierern. Zugute kommt dem Institut dabei das stabile Einlagengeschäft der angeschlossenen Volks- und Raiffeisenbanken. Im Verbund kann die Bank zudem große Kreditvolumina syndizieren und so ihr Eigenkapital schonen.
Mit Dr. Georg Reutter, dem Vorstandssprecher der DG Hyp, sprach Christof Hardebusch.
immobilienmanager: Die DG Hyp expandiert, so der allgemeine Eindruck. Korrespondiert das mit Ihrer Strategie?
Dr. Georg Reutter: Die DG HYP ist der Spezialist für gewerbliche Immobilienfinanzierungen der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Unsere spezifischen Stärken bestehen in der flächendeckenden Marktdurchdringung, der engen Zusammenarbeit mit den Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie einer starken Refinanzierungsbasis. Die daraus resultierenden Chancen nutzen wir konsequent.
immobilienmanager: Die Finanzierung von Spezialimmobilien und großen Volumina fällt der Immobilienwirtschaft derzeit besonders schwer. Wie sieht Ihre Geschäftspolitik in diesen Bereichen aus?
Dr. Georg Reutter: Im Fokus der gewerblichen Immobilienfinanzierung stehen bei uns die Kernsegmente Büro, Wohnungsbau und Handel. Darüber hinaus decken wir die Spezialsegmente Hotel, Logistik und Sozialimmobilien im Rahmen der Kreditrisikostrategie ab. Durch unsere sechs Immobilienzentren in den deutschen Wirtschaftszentren sind wir bundesweit präsent und finanzieren auch in der Fläche geeignete Objekte unserer gewerblichen Immobilienkunden. Die Finanzierungsvolumina liegen bei Einzeltransaktionen zwischen einer Million Euro und 100 Millionen Euro. Unser Kerngeschäft bewegt sich dabei in den mittleren Volumenklassen.
immobilienmanager: Welche Rolle spielt dabei die Refinanzierungsbasis Ihres Instituts?
Dr. Georg Reutter: Als Tochterunternehmen der DZ BANK profitieren wir von der guten Stellung der genossenschaftlichen Finanzgruppe, die über eine hohe Sicherheit und Bonität verfügt. Die Liquidität der genossenschaftlichen Finanzgruppe in Verbindung mit der Emission von Pfandbriefen bildet für uns eine starke Refinanzierungsbasis. So waren wir zu jedem Zeitpunkt der Finanzmarktkrise handlungsfähig, um ausgewogenes, gutes Geschäft finanzieren zu können.
immobilienmanager: Finanzieren Sie auch Projekte?
Dr. Georg Reutter: Ja, wir begleiten unsere Kunden sowohl bei Bestandsfinanzierungen als auch bei Projektentwicklungen. Dabei beraten wir sie auf der Basis unserer Marktkenntnis und einer individuellen Expertise bei der Abschätzung der Marktchancen und -risiken ihres Investments.
immobilienmanager: Erwarten Sie einen Verdrängungswettbewerb unter den Immobilienfinanzierern?
Dr. Georg Reutter: Nein, auch wenn sich die Wettbewerbssituation bei Core Immobilien wieder verschärft hat. Generell ist es wichtig, im Verhältnis zu unseren Kunden eine starke und verlässliche Basis aufzubauen, die auch in schwierigen oder unsicheren Zeiten trägt.
immobilienmanager: Werden Immobilienkredite in Zukunft teurer?
Dr. Georg Reutter: Das halte ich für wahrscheinlich, da sich die Zinsen derzeit auf einem niedrigen Niveau befinden. Eine weitere Entwicklung nach unten ist kaum möglich, da die Liquiditätskosten nicht geringer werden dürften. Wichtig ist, dass die Finanzierungskosten im Rahmen eines Investments konservativ kalkuliert sind, getragen werden können und durch Festsatzvereinbarungen oder Swaps in geeigneter Form gesichert werden.
immobilienmanager: In Deutschland sind die erzielbaren Margen geringer als an anderen Standorten. Speziell der Londoner Markt ist mit Margen größer zwei Prozent attraktiv für Finanzierer. Bedauern Sie den Rückzug Ihres Instituts aus UK?
Dr. Georg Reutter: Nein, wir haben uns bewusst dazu entschieden, unsere Geschäftsaktivitäten auf den deutschen Markt zu konzentrieren, auch vor dem Hintergrund der regulatorischen Anforderungen von Basel III. Damit bündeln wir unsere Kräfte und stellen sicher, dass die Mittel der Bank optimal eingesetzt werden. Mit der klaren Fokussierung auf den Kernmarkt Deutschland stärken wir die Marktstellung der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Wir haben unsere Auslandsaktivitäten aber nicht gänzlich eingestellt, sondern begleiten deutsche Kunden weiterhin bei gewerblichen Immobilienfinanzierungen in ausgewählte Auslandsmärkte.
immobilienmanager: Versicherungsunternehmen treten zunehmend auch als Finanzierer für Gewerbeimmobilien und Portfolios auf. Wie stark ist dieser Wettbewerb? Ist er, was die Rahmenbedingungen von Immobilienbanken und Versicherern betrifft, als fair zu bezeichnen?
Dr. Georg Reutter: Ja es stimmt, Versicherungen nutzen gelegentlich Immobilienfinanzierungen. Allerdings wird dabei nicht die breite und beratungsintensive Palette der gewerblichen Immobilienfinanzierung angeboten. Dafür braucht der Markt unverändert spezialisierte Immobilienbanken.
Immobilienanalyse | Auszug Grundlagenwerk "Immobilienwirtschaftslehre"
Chancen und Risiken bei Immobilieninvestments
Die Immobilienanalyse zählt zu den Kernfunktionen im Immobilienmanagement und insbesondere dem Immobilien-Investmentmanagement, die richtig erfasst und umgesetzt auch für weiter gehende, strategische Aufgaben befähigt.
Von Björn-Martin Kurzrock
Markt- und Standortanalysen bilden die bekanntesten Formen der Immobilienanalyse, die mit der Marktdimension und dem Objektumfeld faktisch zwei wichtige, doch begrenzte, Teilbereiche hiervon abbilden. Die beiden umfassen den Makrostandort (Stadt oder Region) und den Mikrostandort (Stadtteil, Quartier, Lage) eines Gebäudes. Darüber hinaus ist die allgemeine überregionale Wirtschaftsentwicklung von systematischer Bedeutung. Da die Marktdimension und das Objektumfeld den äußeren, am wenigsten beeinflussbaren Bezugsrahmen darstellen, beginnt die Immobilienanalyse sinnvoll auf dieser Ebene.
Die zweite wesentliche Dimension im Bereich der Immobilienanalyse ist die der Grundstücks- und Gebäudeanalysen, die ausschließlich die Objektdimension betrachtet. Bezieht sich die Marktdimension auf die Marktattraktivität, so umfasst die Objektdimension die relative Wettbewerbsstärke eines Gebäudes innerhalb des jeweiligen Marktumfeldes. Die Objektdimension schließt in der Regel auch den Mikrostandort ein. Jedes Objekt ist ein Portfolio von Mietverträgen. Die Flächennutzer beziehungsweise Mieter bereiten die Basis für die Erträge aus dem Objekt.
Auf strategischer und taktischer Ebene sind die wesentlichen Formen der Immobilienanalyse die Portfolioanalyse und die Risikoanalyse. Die Qualität und der Erfolg des Immobilienmanagements beziehungsweise des Immobilien-Investmentmanagements lassen sich an der insgesamt erzielten Performance (Anlageerfolg) eines Portfolios von Einzelanlagen messen. Im übertragenen Sinne gilt dies selbst für betriebsnotwendige Immobilien im Corporate oder Public Real Estate Management, die nur nachrangig Anlagezwecken dienen.
Weitere zweckgebundene Formen der Immobilienanalyse betreffen die Immobilienfinanzierung, die Immobilienbewertung, die Immobilieninvestition und in Form von Machbarkeitsstudien die Immobilien-Projektentwicklung. Eine wichtige Unterscheidung im Hinblick auf Immobilienanalysen betrifft dabei die Anschauung der unterschiedlichen Immobilientypen. Im Folgenden stehen die drei dominierenden Immobiliennutzungsarten Büro, Handel und Wohnen im Mittelpunkt. Darüber hinaus sind Immobilienanalysen selbstverständlich eingebunden in den Lebenszyklus von Immobilien.
Immobilienanalyse strukturiert angehen
Die Markt- und Standortanalyse bildet den ersten wichtigen äußeren Bezugsrahmen der Immobilienanalyse. Die Bedeutung der Marktdimension für den Erfolg einer Immobilienanlage ist offensichtlich. Je nach Nutzungsart sind unterschiedliche Kriterien maßgeblich, auch wenn einige wichtige Merkmale für alle Immobilientypen gelten können. Die Markt- und Standortanalyse gliedert sich in die Analyse des Makrostandortes (Stadt oder Gemeinde, eingebunden in eine Region) und des Mikrostandortes (Stadtteil, Quartier; Umgebung beziehungsweise. Lage des Grundstückes).
Ein funktionierender Makrostandort ist von vitaler Bedeutung für jeden enthaltenen Mikrostandort und jedes Grundstück oder Gebäude, die als Organ und Zellen des Makrostandortes gesehen werden können. Der Analyse des Makrostandortes kommt dadurch im Rahmen der Immobilienanalyse besondere Bedeutung zu. Die Ausführungen zur Analyse von Makrostandorten erstrecken sich auf die ökonomische Basis und Flächennachfrage sowie auf Politik, Produktionsfaktoren und weiche Standortfaktoren. Sie schließen mit der Betrachtung des Flächen- und des Immobilien-Investmentmarktes, auf denen aus Angebot und Nachfrage die Preisfindung erfolgt.
Mikrostandorte können als Vielzahl von Organen im Flächenorganismus Makrostandort gesehen werden. Es ist klar, dass die Mikrostandorte von der Entwicklung des Makrostandortes abhängen und gleichzeitig die Summe ihrer Qualitäten das Wohlergehen des Makrostandortes bestimmt. Immobilienmärkte sind nutzungsbezogen und kleinräumig. Die Attraktivität von Mikrostandorten ist deshalb maßgeblich für die Art und den Umfang der intraregionalen Flächennachfrage.
Die Herausforderung besteht besonders auf dieser Ebene in der Komplexität und dem ständigen Wandel von Realitäten. In der Praxis wird die manuelle Erfassung und Aktualisierung von Einzelobjektdaten in der Regel sehr aufwendig sein. Die sprichwörtliche Heterogenität von Immobilien führt zu einer Vielzahl von Faktoren, die ein Gebäude schließlich ausmachen. Dies betrifft zunächst die Eignung von Mikrostandorten für eine bestimmte Nutzungsart, die Qualität der Nahversorgung und die Verkehrsanbindung an benachbarte Räume. Für die Analyse von Mikrostandorten sind außerdem das Image von Quartier und Adresse sowie Umfeld- und Umweltrisiken bedeutsam.
Die einzelnen Immobilien sind wie Organzellen im Flächenorganismus. Auch hier ist die Wirkung eine wechselseitige, das heißt, ein Einzelobjekt kann seinerseits einen Mikrostandort positiv oder negativ beeinflussen. Mieter beziehungsweise. Nutzer eines Gebäudes können wiederum als Zellbestandteile gesehen werden, die ein Grundstück "beleben". Vom Flächenorganismus (Makrostandort) bis zum Zellorganismus (Gebäude) ergibt sich in diesem Bild eine konsistente Ordnung, in der die vielfältigen Interdependenzen zwischen den Ebenen deutlich werden. Die relative Wettbewerbsstärke auf Objektebene wird neben den Eigenschaften des Mikrostandortes hauptsächlich durch die Grundstücks- und Gebäudeeigenschaften bestimmt. Auch hier können quantitative und qualitative Daten in Scoring-Modellen zusammengeführt werden. Als wichtige Ergänzung zur technischen und wirtschaftlichen Gebäudeanalyse wird auch auf die Mieteranalyse eingegangen, die als Teil der Gebäudeanalyse gesehen werden kann.
Die Grundstücksanalyse beinhaltet insbesondere Lage und Art der baulichen Nutzung einschließlich Altlasten aus vorheriger Nutzung und rechtlicher Beschränkungen, die Effizienz der Flächennutzung und die Übereinstimmung von Nutzungskonzept und Grundstück. Die technische Gebäudeanalyse umfasst grundsätzlich die Primärstruktur mit dem Aufbau des Gebäudes und der äußeren Gebäudehülle, die Sekundärstruktur mit dem inneren Ausbau, Decken- und Bodenaufbau sowie die Tertiärstruktur mit der technischen Gebäudeausstattung.
Wettbewerbsstärke von Gebäuden
Bestandteile der technischen Gebäudeanalyse sind zunächst die Besichtigung der sichtbaren Bauteile mit der Erfassung von Mängeln und Bauschäden. Dabei werden überschlägig die Sanierungskosten festgehalten, sofern Mängel oder Schäden vorliegen. Entsprechendes gilt bei zu erbringenden Leistungen für Umbau oder Renovierung. Auf dieser Basis werden nach dem erforderlichen Ortstermin die Kosten für Sanierung, Umbau oder Renovierung detailliert ermittelt und, wo angezeigt, Ausführungspläne erarbeitet. Im hier verstandenen Sinne werden der technischen Gebäudeanalyse auch weiterführende Aspekte zugeordnet, die mit der Gebäudestruktur zusammenhängen und am besten bei einer Begehung festgestellt werden.
Wesentliche Faktoren für die Wettbewerbsstärke eines Gebäudes sind dessen Größe, Erhaltungszustand, Architektur und Ausstattung. Architektur lässt sich als Design (Außenbild) und Funktionalität beschreiben und schließt so auch die Gebäudekonfiguration (Flächenaufteilung, Flächeneffizienz, Drittverwendbarkeit) und Begleitaspekte, wie zum Beispiel. Raumklima und Bauökologie, mit ein. Ähnlich wie eine hohe Lagequalität kann eine überdurchschnittliche Gebäudequalität besonders in fallenden Märkten die relative Miethöhe beziehungsweise Gebäudeauslastung begünstigen, weil Mieter dann teilweise ein niedrigeres Mietniveau für die Umsiedlung in höherwertige Flächen oder eine Flächenexpansion nutzen.
Im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Gebäudeanalyse hingegen stehen das Bewirtschaftungsergebnis und das Wertentwicklungspotenzial. Einige Erkenntnisse der technischen Analyse, besonders im Hinblick auf Erhaltungszustand, Flächenaufteilung, Flächeneffizienz und Energieeffizienz, fließen selbstverständlich in die wirtschaftliche Gebäudeanalyse ein.
Mieter als Basis für Objekterträge
Miethöhe und Nebenkosten beeinflussen die Nutzungskosten einer Immobilie und damit auch die Flächennachfrage durch mögliche Nutzer. Als eine Folge der größeren Kostentransparenz, etwa durch den Energiepass oder Umweltzertifizierungen, wandelt sich das Nachfrageverhalten von Mietern, die Betriebskosten und übrige Bewirtschaftungskosten mehr und mehr in die Kalkulation der tatsächlichen Mietbelastung (Effektivmiete) einbeziehen. Soweit die Höhe der umgelegten Bewirtschaftungskosten das marktübliche Maß übersteigt, entsteht daraus ein Wettbewerbsnachteil für ein Objekt. Der von IPD herausgegebene International Total Occupancy Cost Code (ITOCC) definiert umfassend Nutzungskosten von Immobilien unter Einbeziehung von Mieten, Steuern, Umbauten, Möbeln, Gebäudebetrieb, Geschäftsbetrieb und Managementkosten.
Gegenstand der Mieteranalyse sind hauptsächlich die Zusammensetzung des Mieterportfolios nach Art und Bonität der Mieter und die Analyse von Mietvertragseigenschaften. Jede Immobilie mit mehreren Mietern stellt ein Portfolio von Mietverträgen dar. Das unsystematische Mietausfallrisiko von Einzelmietern, insbesondere solchen mit schwächerer Bonität, kann daher im Wege der Mieterselektion durch das Mieterportfolio ausgeglichen werden. Eine solche Diversifikation auf Objektebene (Mieterdiversifikation) kann beispielsweise über die Kombination von Mietern unterschiedlicher Branchen erfolgen. Im Einzelfall sind hiergegen gewünschte Cluster- beziehungsweise Agglomerationseffekte durch gleichartige Mitmieter abzuwägen. Hohe Mieterfluktuation ist generell mit zusätzlichem Vermietungsaufwand (Neuverhandlungen, Mietersuche) und Leerstandskosten verbunden und kann ein negatives Signal für bestehende und potenzielle Mieter sein.
Besonderes Augenmerk bei der Mieteranalyse verdient die Mieterbonität, die für die Stabilität der Mieteinnahmen mitverantwortlich ist. Entsprechende Daten werden auf Basis von Bilanzanalysen und Auswertungen von Erfahrungen Dritter mit dem fraglichen Mieter zum Beispiel durch Creditreform, Bürgel, Dun & Bradstreet und Experian erhoben. Zum Umfang der Daten über Unternehmen gehören regelmäßig die Branche, Unternehmensverflechtungen, ein Bonitäts-Score über das Insolvenzrisiko (zum Beispiel. auf einer Skala von 1 bis 100), eine Kennzahl für das Zahlungsverhalten (zum Beispiel Einhaltung von Zahlungszielen) und besondere Vorkommnisse (zum Beispiel Klage gegen Geschäftsführer, Insolvenzantrag). Es empfiehlt sich, diese Informationen bei Bestandsmietern regelmäßig zu aktualisieren, gegebenenfalls ab einem bestimmten Mindestmietvolumen. Dabei ist im Falle größerer Portfolios auch zu prüfen, ob eine Organisation in mehreren Gebäuden als Mieter auftritt. Gerade hierfür sind neben reinen Bonitätsdaten auch Informationen über mögliche Unternehmensverflechtungen notwendig.
Eine zweite Dimension der Mietdiversifikation besteht im Hinblick auf Mietvertragslaufzeiten mit dem Ziel, das vertragsmäßige Auslaufen von Mietverträgen zeitlich zu streuen. Dies dient hauptsächlich dem Ausgleichen zyklischer Nachfrageschwankungen, da gleichzeitig endende Mietverträge in Phasen schwacher Flächennachfrage ein überproportionales Leerstandsrisiko bedeuten. Umgekehrt besteht in Phasen hoher Nachfrage ohne auslaufende Mietverträge kein Spielraum für Mieterhöhungen durch Neuabschlüsse. Die Auswirkungen der Mietvertragslaufzeiten sind abhängig von der Marktentwicklung und vereinbarten Mietanpassungen wie Index-, Staffel- oder Umsatzmieten. In Städten mit starkem Beschäftigungswachstum werden tendenziell Mietverträge mit kürzeren Laufzeiten abgeschlossen, da Vermieter auf steigende Mieten spekulieren. Wird hingegen keine Änderung des Mietniveaus erwartet, präferieren Vermieter längere Mietvertragslaufzeiten, um Transaktions- und Leerstandskosten zu minimieren.
Datenquellen genau prüfen
Im Wege der Mieteranalyse müssen die implizit in Mietverträgen abgebildeten Erwartungen erfasst und geprüft werden. Über die Aussagekraft und Belastbarkeit der Daten von Ämtern, Institutionen, Datenanbietern und Beratungshäusern muss sich jeder Analyst im Einzelfall sein eigenes Bild machen und dies in seinem Bericht und den Schlussfolgerungen entsprechend kommentieren. Dies muss immer vor dem Hintergrund der getroffenen grundlegenden und weiterführenden Annahmen (zum Beispiel eines Rechenmodells) gesehen werden. Amtliche Statistiken stehen in einigen Bereichen noch am Anfang, wobei aus Sicht der Immobilienanalyse die Aktualität und regionale Differenzierung der Daten entscheidend sind. Insbesondere Bautätigkeitsstatistiken sind in Deutschland inzwischen sehr umfassend bis auf Kreisebene verfügbar. Die Regionaldatenbank Deutschland der Statistikämter von Bund und Ländern kann nunmehr kostenfrei genutzt werden.
Einen Großteil der sozioökonomischen Daten und der Immobilienmarktdaten aus amtlichen Statistiken in Deutschland enthält das Regionale Immobilien-Wirtschaftliche Informationssystem (RIWIS) von BulwienGesa, angereichert um eigens erhobene Immobilienmarktdaten. Daneben existieren weitere Pool- Anbieter, die mehrere Datenquellen vereinen, wie GSD Geographic Systems Dataservice, Feri Rating & Research, Thomas Daily oder IMMO-DATA. Eine gute Informationsquelle sind oft auch Marktberichte von Makler- und Beratungshäusern, Immobilienverbänden wie dem IVD sowie Hypotheken- und Investmentbanken. Darüber hinaus können Daten von Immobilienportalen wie www.immobilienscout24.de, www.immonet.de oder www.immowelt.de nützliche Anhaltspunkte bieten, die allerdings als Angebotsdaten nicht den realen Transaktionsdaten entsprechen müssen.
Weitere Quellen sind Publikationen von Gutachterausschüssen (insbesondere Grundstücksmarktberichte), regionalen Wirtschaftsförderungseinrichtungen sowie örtlichen Industrie- und Handelskammern. Schließlich sind auch ÖPNV-Träger und Teile der kommunalen Verwaltung (Stadtplanung, Stadtentwicklung) Herausgeber und Ansprechpartner für Informationen im Zusammenhang mit Immobilienanalysen.
Performance, Betriebskosten, Instandhaltungskosten, Nutzungskosten und Umwelteigenschaften von Immobilien können im Wege von Benchmarkings mit denen von Referenzgebäuden verglichen werden. In Abbildung 12 sind einige Anbieter für Gebäudedaten aufgeführt. Dabei werden in der Regel keine Einzelobjektdaten, sondern aggregierte Benchmarks für bestimmte Standorte oder Gebäudetypen bereitgestellt. Großes Interesse besteht generell an (transaktionsbasierten) Bewertungsdaten, die für einige angelsächsische Bewertungsansätze als Comparables von Einzelobjekten gebraucht werden. In der Regel sind solche Einzeldaten allerdings vertraulich und neben den Eigentümern nur Bewertern, Beratern und Benchmarking-Dienstleistern vorbehalten. Vereinzelt sind Informationen dieser Art in Meldungen enthalten, wobei in den meisten Fällen allerdings wichtige ergänzende Aspekte (bewusst) fehlen. Es ist fraglich, inwieweit eine höhere Transparenz, wie sie in den USA viel mehr verbreitet ist, auch in anderen Märkten nicht nur gefordert, sondern von Beteiligten auch jemals praktiziert werden wird.
Erst im richtigen Kontext werden aus bloßen Daten relevante Informationen. Ein guter Immobilienanalyst wird daher immer eine Gesamtschau von Makrostandort, Mikrostandort, Grundstück, Gebäude und Mietern vornehmen, Bezüge zwischen Daten herstellen und dadurch Chancen und Risiken von Immobilien ausgewogen einschätzen.
Dr. Björn-Martin Kurzrock ist seit April 2008 als Juniorprofessor für Immobilienökonomie an der Technischen Universität Kaiserslautern tätig.
Dieser Artikel ist eine gekürzte Fassung des Beitrags "Immobilienanalyse" aus dem Fachbuch Immobilienwirtschaftslehre Band I Management
Nico B. Rottke (Hrsg.), Matthias Thomas (Hrsg.)
Immobilien Manager Verlag 2011
Hier erhältlich über den Online-Shop der Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH & Co. KG.
Studentenappartements | Studie aus dem Hause Savills
Walk of Fame | Die wichtigsten Köpfe der Immobilienbranche
WALK OF FAME
DIE WICHTIGSTEN KÖPFE DER DEUTSCHEN IMMOBILIENWIRTSCHAFT
Die Immobilienbranche ist ein „People´s Business“. Menschen stehen im Mittelpunkt, Menschen, die Unternehmen, Märkte und Immobilien prägen. Wie sehr es auf die Köpfe an der Spitze von Unternehmen ankommt, hat uns zuletzt die Finanzkrise gezeigt.
Dieser scharfe Einbruch machte deutlich, wer in den Zeiten des Booms einen kühlen Kopf bewahrt hat und wer nicht, wer die Märkte und sein Handwerkszeug beherrscht und beherzigt. Oder wer dies alles aus kurzfristigen Gewinnerwartungen oder im festen Glauben an Zahlen
aus Excel-Sheets beiseite schob.
Jedes Unternehmen, jeder Akteur ist ein Leistungszentrum für sich. Das Spektrum der Tätigkeiten, die in der Branche unverzichtbare Rollen spielen, ist groß. Einige Köpfe ragen allerdings kontinuierlich heraus, durch Leistung, durch Konstanz, durch Innovationen.
Wir von immobilienmanager haben Ihnen in fünf Folgen von Mai bis Oktober 2011 die für uns wichtigsten Köpfe der Branche vorgestellt. Das sind die Entscheider und Berater, die wir für prägend halten. Hier finden Sie nun die komplette Serie in alphabetischer Reihenfolge der Persönlichkeiten.
Dr. Patrick Adenauer, Bauwens Unternehmensgruppe
Er bewegt sich souverän zwischen Politik und Wirtschaft: Dr. Patrick Adenauer (50) ist nicht nur – zusammen mit seinem Bruder Paul Bauwens-Adenauer – geschäftsführender Gesellschafter der Kölner Bauwens Unternehmensgruppe, sondern auch Präsident des Verbands Die Familienunternehmer – ASU. In dieser Funktion betreibt der Enkel Konrad Adenauers, der seit 30 Jahren CDU-Mitglied ist, seit sechs Jahren Lobbyarbeit für den deutschen Mittelstand in Berlin. Als Mitglied des Mittelstandsbeirates im Bundeswirtschaftsministerium und – während der Großen Koalition – als Mitglied des Innovationsrates der Bundesregierung hat er Zugang zu allen relevanten Ministerien und zum Kanzleramt.
Ab sofort kann er seine Kraft wieder stärker seinem Kölner Familienunternehmen widmen. Denn er gibt satzungsgemäß das Präsidentenamt des ASU ab, von dem er einräumt, dass es zu Lasten des Unternehmens ging. Die Bauwens Gruppe betreut zurzeit ein Projektentwicklungsvolumen von 350 bis 400 Millionen Euro. Die Finanzkrise bekam sie besonders in ihrem Construction-Bereich zu spüren, aber natürlich auch im Entwicklergeschäft. Dennoch stieg das betreute Projektentwicklungsvolumen in den Jahren 2007 bis 2010 pro Jahr im Durchschnitt um zehn Prozent.
Dr. Manfred Alflen, Aareon AG
Er schafft harte Fakten im soften Business: Die Aareon AG hat unter seiner Leitung inzwischen mehr als 2.500 Kunden mit über 50.000 Anwendern für ihre Softwareprodukte in Europa gewonnen. Die Nutzer verwalten mit den Systemen aus Alflens Haus rund 9,5 Millionen Mieteinheiten. Damit steht er Europas führendem Beratungs- und Systemhaus für die Immobilienwirtschaft vor. Wodis Sigma, Blue Eagle, GES und Wohndata heißen die Programme auf die sich sein Erfolg und der seines Unternehmens gründet. Auch jenseits des eigenen Tellers engagiert sich der Aareon-Vorstandsvorsitzende: So wurde er für seine besonderen Verdienste in der Nachwuchsförderung im Studiengang Immobilienwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, Nürtingen-Geislingen zum Ehrensenator ernannt.
Dr. Markus Bell, Bell Management Consultants
„Dieser Arbeitskreis ist unglaublich wichtig”, beschreibt der Geschäftsführer eines der größten deutschen Investoren Bambi. Das ist kein Rehkitz, sondern ein exklusiver, geschlossener Kreis von Geschäftsführern und Vorständen führender Immobilien-Investmenthäuser und Asset- und Property-Management-Unternehmen. An einen Tisch gebracht hat diese Teilnehmer Dr. Markus Bell. Seither geht es mit voller Fahrt in Richtung Transparenz und Benchmarking – für Asset und Property Management in den Bereichen Commercial und Residential. Zum Programm gehört der Facility Management Index und der Tenant Risk Monitor. 2010 gewann Bell den immobilienmanager.Award in der Kategorie Consulting. Seine Karriere startete Markus Bell übrigens im Bankensektor:
Johann Berger, Helaba Landesbank Hessen-Thüringen
Fast hätte man ja bei all dem Banken-Bashing im Gefolge der Finanzkrise vergessen, wie wichtig gute Banken und Bankiers gerade für die Immobilienbranche sind. Johann Berger hingegen hat die Immobilienwirtschaft nicht vergessen. Als stellvertretender Vorsitzender der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen dokumentiert er mit seinem Zuständigkeitsbereich Immobilienfinanzierung die Bedeutung dieses Geschäftsfeldes für die Bank. Im mittel- und langfristigen Neugeschäft 2010 der Helaba entfielen 4,5 von insgesamt 10,5 Milliarden Euro auf Immobilienkredite! Das ist zwar deutlich weniger als in den Boomjahren 2004 bis 2008, macht Bergers Institut in Sachen Neugeschäft aber dennoch zu den wichtigsten Finanzierern der Immobilienwirtschaft in Deutschland. Was Berger tut, macht er mit ruhiger Hand. Durch die Finanzkrise steuerte er seinen Verantwortungsbereich relativ geräuschlos, was bekanntlich nicht jeder Landesbank gelungen ist. Diese Gelassenheit ist sicher auch seiner großen Erfahrung geschuldet: Johann Berger steht seit zweieinhalb Jahrzehnten in führenden Positionen des Firmenkunden- und Immobilienkreditgeschäfts.
Peter Berner, Astoc Architects and Planners
In der Kölner Immobilienszene kennt wohl jeder den quirligen und meinungsfreudigen Architekten. Auf nationaler Ebene ist dies erstaunlicherweise noch nicht der Fall. Dabei räumt das von ihm und drei Mitstreitern 1990 ins Leben gerufene Büro Astoc Architects and Planners seit 2009 bei Wettbewerben regelrecht ab. Der Masterplan der Gateway Gardens entstand ebenso auf den Computern von Berners Team wie der für die Europa City am neuen Berliner Hauptbahnhof. Auch im laufenden Jahr konnte sich sein Büro bereits bei zwei Mega-Projekten durchsetzen. Das städtebauliche Konzept für die Messecity in Köln stammt von Astoc. Außerdem bauen Berner und seine Leute die neue Hochschule Ruhr West in Mülheim an der Ruhr. Astoc steht aber nicht nur für großvolumige Planungen und Bauten, sondern auch für architektonische Kleinode. Das von den Kölnern geplante Pumpwerk in Köln-Niehl wird im Rahmen des deutschen Beitrags auf der IX. Internationalen Architekturbiennale in Sao Paulo gezeigt.
Manuela Better, Hypo Real Estate
Sie beweist Mut und Durchhaltevermögen: Manuela Better hat die undankbare Aufgabe übernommen, die verstaatlichte Krisenbank Hypo Real Estate als Vorstandsvorsitzende in eine bessere Zukunft zu lenken. Sie soll das Geldhaus so restrukturieren, dass es an private Investoren verkauft werden kann. Als Beweis dafür, dass der Umbau greift, nimmt die HRE in diesem Jahr freiwillig am Banken-Stresstest der EU teil. Andererseits hat ein Expertengutachten unlängst der Bundesregierung empfohlen, die Bank aufzulösen.
Als einziges Vorstandsmitglied aus der Zeit vor der drohenden Insolvenz ist Manuela Better noch im Amt. In der kritischen Phase 2007/2008 weilte sie als Head of Commercial Real Estate Origination Asien in Hongkong und galt daher als unbelastet von den Skandalen. Vor und nach dieser Zeit war sie Risikochefin der Bank und kennt daher alle Baustellen und Stellschrauben. Offenbar kam ihr bei der Berufung auch zugute, dass sie in den Jahren bis zu seinem Ausscheiden eine kritische Haltung zu Bankchef Georg Funke eingenommen hatte.
Jan Bettink, Verband Deutscher Pfandbriefbanken
Das Jahr 2011 startete für Jan Bettink mit großen Veränderungen: Nachdem er acht Jahre lang erfolgreich als Vorsitzender des Vorstands der Berlin Hyp agierte, wechselte er zum 1. Januar dieses Jahres in den Vorstand der Landesbank Berlin AG. Auch hier betreut er das Geschäftsfeld Immobilienfinanzierung, das gemeinsam mit der Berlin Hyp betrieben wird. Der Berlin Hyp selbst ist er weiterhin treu. Hier sitzt er als Vorsitzender im Aufsichtsrat. Der Jobwechsel tat seinem Engagement als Präsident beim Verband Deutscher Pfandbriefbanken keinen Abbruch. Diese Position hat er bereits seit Juni 2010 inne. Vorstandmitglied ist er hier sogar bereits seit 2003.
Thomas Beyerle, IVG Immobilien
„Bekannt aus Film, Funk und Fernsehen“ – so titulieren Neider Deutschlands bekanntesten Immobilien-Reseaercher gern. Dabei sitzt Thomas Beyerle eher selten vor einer TV-Kamera, sondern befördert aus den Tiefen seiner Datenbanken schon seit Jahren erstaunliche Erkenntnisse zutage. Etwa, dass Gefängnisse eine unterschätzte Asset-Klasse sind und die deutschen Kirchen ihren tatsächlichen Immobilienbesitz nicht kennen. Büroimmobilien, Hotels, Sozialbauten, Logistikobjekte und Shoppingcenter – kaum eine Spielart gebauter Wirklichkeit kann vor Beyerles Analysen sicher sein. Ganz gleich, ob sein Arbeitgeber Dresdner Bank, Aberdeen oder, wie aktuell, IVG Immobilien AG heißt. Messbarkeit, Vergleichbarkeit und Transparenz, darauf kommt es dem promovierten Diplom-Geografen an. Das hören eben nicht alle gern.
Dr. Thomas Birtel, Strabag SE
Dr. Thomas Birtel ist im Vorstand des Konzerns zuständig für den Bereich Hoch- und Ingenieurbau und ist Vorstand der Strabag AG Deutschland. Er kann mit seinem Unternehmen recht zufrieden sein. Das Ergebnis des Jahres 2010 kann sich sehen lassen: EBT und EBIT wiesen zum zweiten Mal in Folge zweistellige Wachstumsraten auf, auch das Konzernergebnis wurde erneut erheblich gesteigert, Auftragseingang und Leistung waren jedoch rückläufig. Kopfschmerzen macht Birtel allerdings eines der Hauptgeschäftsfelder: der Verkehrswegebau. Hier gibt es immer weniger Aufträge der öffentlichen Hand.
Claus-Matthias Böge, Deutsche Euroshop AG
Erfolgreich, ohne es an die große Glocke zu hängen: Die Deutsche Euroshop AG unter Claus-Matthias Böge hat es geschafft, der aktuellen Krise entgegenzutreten und auch in schwierigen Zeiten gute Geschäfte zu machen. Belohnt wird das mit einer konstanten Kursentwicklung. Mit Geld umzugehen hat er allerdings auch von der Pike auf gelernt: Er hat eine Banklehre absolviert und danach Betriebswirtschaft studiert. Seit fast zehn Jahren ist Böge nun im Vorstand der Deutschen Euroshop. Davor war der 52-Jährige von 1993 an bei der ECE in verschiedenen Positionen tätig. Böge investiert mit der Deutschen Euroshop in Shoppingcenter in Innenstadtlagen und an etablierten Standorten. Mit bis zu zehn Prozent des Eigenkapitals beteiligt sich Böges AG an Shoppingcenter-Projektentwicklungen im Frühstadium.
Matthias Böning, MFI Management für Immobilien AG
Der Arcaden-Shopper: Der Vorstandsvorsitzende betreibt und entwickelt mit seinem Unternehmen neuerdings nicht nur Shoppingcenter. Durch den jüngsten Einstieg von Perella Weinberg Real Estate wird die MFI nun auch den Portfolio-Aufbau aus eigenen Projektentwicklungen und Zukäufen angehen. Dabei hat das Unternehmen unter Bönings Führung schon so einiges erreicht: Die MFI betreibt mit 600 Mitarbeitern derzeit 24 Arcaden und Center für institutionelle Investoren und entwickelt im eigenen Bestand bis 2014 sechs weitere Projekte mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 1,2 Milliarden Euro. Gut dass es der geborene Kieler trotz der Arbeitslast hin und wieder doch noch schafft, selbst shoppen zu gehen und beim Zwischenstopp ein Matjesbrötchen zu genießen:
Dr. Stephan Bone-Winkel, Beos
Ein Revitalisierer auf Wachstumskurs: Dr. Stephan Bone-Winkel hat mit der Beos bewiesen, dass sich Investitionen in ehemalige Industrieareale lohnen, wenn man einen langen Atem hat. Schritt für Schritt eröffnen er und Mitgründer Dr. Ingo-Hans Holz ihrem Unternehmen nun den Weg zu neuen Finanzierungsquellen. Zunächst legte Beos im August 2010 den ersten Spezialfonds mit hauseigenen Objekten und einem Zielvolumen von 400 Millionen Euro auf, der allerdings zur Vollplatzierung rund ein halbes Jahr länger brauchen wird als bei der Präsentation des Fonds erwartet. Ein zweiter, ebenso großer Fonds ist in Vorbereitung. Ende April 2011 nun firmierte das Unternehmen um in eine Aktiengesellschaft. Sein Wissen gibt Bone-Winkel seit mehr als 20 Jahren als Autor und Hochschullehrer weiter: Zuerst lehrte er an der EBS, nun ist er Honorarprofessor für Projektentwicklung an der IREBS.
Martina Borgmann, Kienbaum Executive Search
Als Partnerin und Head of Competence Center Real Estate besetzt Martina Borgmann Fach- und Führungspositionen der ersten und zweiten Führungsebene bei nationalen und internationalen Immobilienunternehmen, Kapitalanlagegesellschaften, Banken und Versicherungen. Sie engagiert sich besonders für den Wissensaustausch zwischen den Hochschulen und Instituten sowie den Immobilienunternehmen und Verbänden. Martina Borgmann ist seit Anfang dieses Jahres eine von zwei Vorsitzenden des Ausschusses Bildung und Forschung beim ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss. Dass ihr der weibliche Nachwuchs in der Männer-Branche Immobilienwirtschaft am Herzen liegt, hat sie im Jahr 2007 gezeigt, als sie gemeinsam mit immobilienmanager ein spezielles Mentoring-Programm für engagierte und aufstiegswillige weibliche Immobilien-Professionals ins Leben rief. Eine Frauen-Quote hält sie übrigens für genauso wenig sinnvoll wie eine Männer-Quote.
Stefan Brendgen, Allianz Real Estate
Er schichtet um und baut aus: Die Leistungsbilanz von Stefan Brendgen für das Jahr 2010 fällt deutlich aus. 650 Millionen Euro gab der Deutschland-Chef von Allianz Real Estate für neue Immobilien aus, 100 Millionen Euro nahm er auf der anderen Seite durch Verkäufe wieder ein. Und weil der Immobilienarm der Versicherung sein Immobilienportfolio deutlich umkrempeln will, geht die Umschichtung weiter. In diesem Jahr will Brendgen für weitere 800 Millionen Euro Immobilien erwerben. Dabei will er überwiegend größere Objekte zukaufen und sich im Gegenzug von kleineren trennen. Bis 2013, so sein Plan, sollen Immobilien für 750 Millionen Euro aus dem Allianz-Portfolio veräußert werden. Rund ein Drittel dieser Summe hat der 47-Jährige bereits realisiert, seit das Restrukturierungsprogramm Anfang 2009, als auch Brendgen zur Allianz wechselte, gestartet wurde. Anfang des Jahres sorgte die Allianz zudem für Aufsehen in der Branche, als sie ankündigte, auch in Deutschland als Finanzierer gewerblicher Immobilien aufzutreten. Bis zu einer Milliarde Euro sollen für Kredite bereitgestellt werden.
Dirk Brouwers, Dussmann Gruppe
Mit 20.745 Mitarbeitern setzte die Dussmann Gruppe 2010 knapp 1,3 Milliarden Euro um. Ein stattliches Ergebnis, das dem Vorstandsvorsitzenden Dirk Brouwers Platz fünf in der diesjährigen Auswertung des Marktforschungsinstituts Lünendonk einbrachte. Seit März 2005 ist der Diplom-Maschinenbauer beim Berliner Konzern als Geschäftsführer unter Vertrag, schon im Juli des gleichen Jahres wurde der frühere Thyssen Krupp-Mann zum Mitglied des Vorstandes berufen. Eine Blitzkarriere in einem Unternehmen, das seit Jahren unaufhaltsam wächst und mit Gebäudedienstleistungen sowie Altenpflege gutes Geld verdient. Und das bei Berlinern vor allem für sein Kulturkaufhaus geschätzt wird: Auch, weil es montags bis freitags bis 24 Uhr geöffnet hat.
Martin Brühl, Cushman & Wakefield
Der Geschäftsführer von Cushman & Wakefield Deutschland hat eine neue Mission: Gemeinsam mit dem in Malaysia geborenen See Lian Ong FRICS wechselte Martin Brühl FRICS diesen August ins Präsidium des weltweit engagierten Berufsverbandes der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS). Für den Immobilienverband stellen die Neuzugänge im Präsidium auch ein Paradigmenwechsel. Bislang stand der RICS immer ein britischer Immobilienprofi vor. Auch einen Deutschen hatte es dort bisher nicht gegeben. Bereits zwischen 1997 und 2002 wirkte der 43-Jährige als Vorstand in der deutschen Sektion von RICS mit. In seiner Amtszeit will Brühl vor allem das Element der „professionellen Selbstregulierung“ der Immobilienwirtschaft stärken.
Dr. Jürgen Büllesbach, Bayerische Hausbau
Er hat die Bayerische Hausbau wieder in ruhigeres Fahrwasser gelenkt. Dr. Jürgen Büllesbach übernahm den Vorsitz der Geschäftsführung der damaligen Bayerischen Bau- und Immobilien-Gruppe in einer Zeit der Orientierung Anfang 2009, wenige Monate nach dem überraschenden Tod von Stefan Schörghuber, dem Chef der früheren Schörghuber-Unternehmensgruppe. Es folgte eine Zeit der grundlegenden Umstrukturierung des Konzerns, der unter seinem Dach die Sparten Bau, Brauerei, Hotel und Flugzeugleasing vereinte. Nun stemmt der Baubereich der Schörghuber-Gruppe, der heute unter Bayerische Hausbau firmiert, wieder erfolgreich Großprojekte wie The m.pire in München oder Bikini Berlin.
Ira von Cölln, BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen
Sie ist eine echte Frontfrau: Als erste Frau steht Ira von Cölln als Geschäftsführerin dem BFW vor und vertritt die insgesamt 1.600 vorwiegend mittelständischen Mitgliedsunternehmen. Die Steuerrechtsexpertin trat Anfang 2010 die Nachfolge des sehr engagierten Alexander Rychter an, der nach elf Jahren zum Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland-Westfalen wechselte. Als einer der aktivsten Immobilienverbände macht sich der BFW unter der Führung der 37-Jährigen weiter für den Dialog mit der Politik stark. Themen der energetischen Sanierung von Wohngebäuden oder des Stadtumbaus stehen dabei ebenso auf ihrer Agenda wie das Wohnen im Alter und die Folgen der demografischen Entwicklung. Vor ihrem Wechsel an die Spitze des Verbandes befasste sich Ira von Cölln als Finanz- und Steuerreferentin „mit Leidenschaft“ mit der Zinsschranke und der Erbschaftsteuerreform.
Matthias Danne, Deka Immobilien
Er ist ein Freund offener Worte: Für die Krise der offenen Immobilienfonds machte der Immobilienvorstand der Deka Bank in einem Zeitungsinterview die „Zweckentfremdung durch institutionelle Investoren“, eine „unkritische Mittelaufnahme“ durch die Gesellschaften sowie eine „mutige Fremdfinanzierung“ verantwortlich. Der Branchenprimus mit einem verwalteten Immobilienvermögen von 19,8 Milliarden Euro musste jedenfalls keinen seiner Fonds schließen. Vielleicht auch deshalb verlängerte der zuständige Verwaltungsrat des genossenschaftlichen Kreditinstituts Anfang des Jahres Dannes Vertrag um weitere fünf Jahre. Innerhalb des Vorstandes ist er für das Geschäftsfeld Asset Management zuständig.
Barbara Deisenrieder, Generali Deutschland Immobilien
Die Powerfrau hat sich ihre Karriere hart erarbeitet: Nach der kaufmännischen Ausbildung hat sie die Grundlagen des Jobs zum Beispiel in der Objektbuchhaltung kennengelernt. Nach dem Studium wurde sie Vorstandsassistentin des Finanzvorstands der Generali Lloyd AG. Bei AMB Generali Immobilien GmbH wird sie schließlich Geschäftsführerin. Doch damit nicht genug: Sie ist außerdem Vorsitzende des Vorstandes der R.E.S.A. Real Estate & Shopping Association und Mitglied im Verein Frauen in der Immobilienwirtschaft e.V., wo sie ihre Erfahrungen weitergibt, wie sie sich in der männerdominierten Immobilienbranche täglich durchsetzt.
Wijnand Donkers, Deutsche Annington
Er führt Deutschlands größte private Wohnungsgesellschaft in Richtung Börse: Wijnand Donkers hat die Deutsche Annington in den vergangenen vier Jahren so umgebaut, dass sie allmählich reif ist für den Gang an den Kapitalmarkt. Der Vorsitzende der Geschäftsführung konnte für das Jahr 2010 gute Geschäftszahlen präsentieren und auf erste Erfolge bei der Umschuldung verweisen. Damit könnte dem Private-Equity-Investor Terra Firma, dem das Unternehmen gehört, der Exit gelingen, der in Finanzinvestoren-Logik eigentlich schon wesentlich früher beabsichtigt war. Donkers ist zwar nicht der Liebling der Mietervereine, aber die Instandhaltungsausgaben der Deutschen Annington bewegen sich mit 14 Euro pro Quadratmeter durchaus im vertretbaren Bereich. Nach einem deutlichen Personalabbau in den vergangenen Jahren besinnt man sich jetzt darauf, dass Wohnquartiere auch direkte Ansprechpartner brauchen. In einem Pilotprojekt sollen sechs Annington-Anlagen wieder Hausmeister bekommen – mit technischen ebenso wie mit sozialen Aufgaben.
Maria-Teresa Dreo, Hypovereinsbank
Seit 2009 ist der Bereich Kommerzielle Immobilienkunden in der Hand der Österreicherin. Als studierte Betriebswirtin führte sie ihr Karriereweg erst zu einigen Wiener Kreditinstituten bevor sie nach München zur Hypovereinsbank wechselte. Ihr Tätigkeitsfeld fällt ins Segment Corporate & Investment Banking, dass sich laut aktuellen Finanzberichten gut entwickelt. Zudem steht Dreo für eine nachhaltige Finanzierungsstrategie: „Wir als Hypovereinsbank sehen uns als Partner nachhaltigen Bauens. Für uns ist Green Building kein Trend mehr, sondern ein zunehmend wichtiger Bestandteil unseres Geschäftsmodells.“
Wolfgang Egger, Patrizia Immobilien
In der Menge der Immobilienmanager fällt der hoch gewachsene Mann aus Augsburg mit seinen langen Haaren und der fehlenden Krawatte sofort als Nonkonformist auf. Zugleich ist Wolfgang Egger ein Musterbeispiel für Kontinuität. 1984, im zarten Alter von 19, gründete er sein inzwischen zur stattlichen Patrizia Immobilien AG angewachsenes Unternehmen. In einer Welt, in der Manager häufig nach drei, vier Jahren den Arbeitgeber wechseln, steht er seit nunmehr 27 Jahren ununterbrochen an der Spitze. Und stand dabei nie still. Egger machte die Patrizia zu einem der führenden Wohnungsprivatisierer in Deutschland. Dann führte er das Unternehmen 2007 pünktlich zum Immobilien-Hype an die Börse. Und gerade ist die Patrizia Immobilien AG mit dem Erwerb und der Integration der LB Immo Invest zu einem der größten Anbieter von Spezialfonds geworden. Aber auch auf dem Feld der Corporate Social Responsibility sticht Egger hervor. Seine Patrizia Kinderhaus-Stiftung engagiert sich weltweit für notleidende und hilfsbedürftige Kinder. Nicht einfach „nur“ mit Geld, sondern indem Wolfgang Egger und seine Mitstreiter ihre Kompetenz für neue Gebäude einbringen – für Krankenstationen, Schulen, Wohnheime, in Nepal, in Afrika, in Hamburg oder in München.
Rainer Eichholz, Hochtief Solutions AG
Er lenkt mit der Hochtief Projektentwicklung eine Abteilung des großen Kahns Hochtief, das durch die Übernahmebestrebungen der ACS Actividades de Construcción y Servicios S.A. in unruhige Fahrwasser getrieben ist. Kapitän Eichholz hält das Ruder jedoch ruhig und hat die Ladeluken weiterhin gut mit aktuellen Projekten gefüllt. So ist er mit seinem Unternehmen zum Beispiel derzeit im Frankfurter Europaviertel aktiv. Und auch im Ausland ist er mit den dortigen Tochterfirmen erfolgreich: Gleich zwei Tochtergesellschaften von Hochtief Projektentwicklung rangieren unter den zehn erfolgreichsten Entwicklern in Mittel- und Osteuropa. Hochtief Development Poland und Hochtief Development Czech Republic erreichen in ihren Ländern jeweils Rang vier, gemessen an der realisierten Gesamtmietfläche der Jahre 2000 bis 2010.
Olivier Elamine, Alstria Office REIT AG
Er hält die Fahne des G-REIT hoch: Olivier Elamine (38), Vorstandsvorsitzender der Hamburger Alstria Office REIT AG, ist Chef und Gallionsfigur des ersten Real Estate Investment Trusts deutscher Prägung. Nur wenige sind bislang nachgefolgt. Im Frühjahr konnte Elamine eine Kapitalerhöhung durchziehen, die rund 97 Millionen Euro in die Alstria-Kassen spülte. Damit darf er in 2011 wieder auf Einkaufstour gehen. Das tat er zwar auch im Jahr 2010, doch in der Summe wurde mehr verkauft als erworben. Nicht, dass die Alstria unbedingt Bestände los werden wollte. Aber das Unternehmen musste die bei REITs gesetzlich geforderte Eigenkapitalquote von 45 Prozent wieder erreichen. Nach einem verlustreichen Jahr 2009 hat es Alstria in 2010 wieder zu einem – wenn auch sehr kleinen – Gewinn geschafft. Seit März 2011 wird Alstria auch als Kandidat für den MDax gehandelt. Gleichzeitig mit der jüngsten Kapitalerhöhung kündigte nämlich der größte Aktionär, der französische Private-Equity-Fonds Captiva, an, dass er seinen Aktienanteil von rund 56 Prozent auf 20 Prozent reduzieren wolle. Damit wären dann fast 80 Prozent der Aktien in Streubesitz und eine wichtige Hürde zur Aufnahme in den MDax überwunden.
Rolf Elgeti, TAG Immobilien AG
Der Vorstandsvorsitzender der TAG Immobilien AG ist seit Februar auch Vorstand der Colonia Real Estate AG (CRE) – zu dem Zeitpunkt hatte die TAG mehr als 50 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte der CRE erworben und übernahm die Kontrolle des Kölner Wettbewerbers. Elgetis gezieltes Vorgehen kommt nicht von ungefähr. Schließlich war er viele Jahre als Analyst und Aktienstratege tätig und weiß, wie die Börse tickt. Durch eine Zusammenführung beider Unternehmen beläuft sich das Immobilienvolumen im Asset und Property Management auf über 4,3 Milliarden Euro und mehr als 26.000 Einheiten. Das Pendeln zwischen TAG und CRE sollte ihm nicht zu schwer fallen, schließlich ist Pendeln für Elgeti tägliche Routine, da er in Berlin wohnt und in Hamburg sein Büro hat.
Dr. Jürgen Erbach, Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst
Ideengeber, Netzwerker, Kommentator – der umtriebige Ingenieur und Universitätsprofessor hasst alles Langweilige und liebt die Provokation. Auf seiner Webseite wirbt er für eine „facettenreiche“ Lehre und Forschung. Und in seinen regelmäßigen immobilienmanager-Kolumnen fordert er als „Streitbarer Professor“ eine Fülle von gesellschaftlichen Verbesserungen: eine geistig aktive Jugend, weniger innerstädtische Einkaufszentren, umweltfreundliche und sozialverantwortliche Immobilienmanager. Auch in seiner Funktion als Jurymitglied beim immobilienmanager.AWARD für die Rubrik „Student/in des Jahres“ kann man sich auf seine kreative Querdenkerei verlassen.
Paul Jörg Feldhoff, FMS Feldhoff Management Services
Wer Networking in der Immobilienwirtschaft für wichtig hält, kommt an ihm kaum vorbei. Da sind zum einen die Real Estate Foren und Summits, die Paul Jörg Feldhoff seit Jahren gemeinsam mit dem Immobilien Manager Verlag für geladene Entscheider initiiert. Zum anderen berät er mit seinen Firmen seit mittlerweile acht Jahren Marktteilnehmer bei deren Client Relationship Management, Unternehmensentwicklung und Marktpositionierung, ist Vorsitzender des Real Estate Clubs sowie sitzt in einigen Bei- und Aufsichtsräten. Neben den Verbindungen in die Branche sind es aber seine engen Kontakte in die gesamte Wirtschaft und in die Politik sowie sein Engagement im CDU-Wirtschaftsrat, die den 35-Jährigen zum einflussreichen Netzwerker machen. Nur wenige stehen so dicht an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und politischen Entscheidern. Das jemand ihn nicht kennt, kommt in der Branche eigentlich nur selten vor.
Thomas Flohr, Bernd Heuer & Partner Human Resources
Wenn es für Immobilienunternehmen um die Suche neuer Fach- und Führungskräfte geht, führt kein Weg an Thomas Flohr vorbei. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler und Arbeits- und Betriebspsychologe gilt als umtriebiger Netzwerker mit besten Kontakten. Als geschäftsführender Gesellschafter der Bernd Heuer & Partner Human Resources GmbH hat er sich auf die Suche von Führungskräften der ersten Unternehmensebene sowie Aufsichts- und Beiräten und die Personalentwicklung in der Immobilienwirtschaft spezialisiert. Seinen guten Riecher für den personellen Bedarf der Real Estate Industry bewies er auch, als er nach dem Ausbruch der Finanzmarktkrise die Heuer Interim, einen Vermittler von Interimsmanagern in der Immobilienwirtschaft, gründete.
Axel Funke, Multi Development
Er hat den Deutschlandsitz seines Unternehmens von Düsseldorf nach Duisburg verlegt und damals verstand keiner, warum. Doch der Geschäftsführer der niederländischen Multi Development GmbH verfolgte von Anfang an ein klares Ziel: Aus dem mausgrauen und kommerziell unterentwickelten Duisburg möchte er eine pulsierende Einkaufsstadt machen. Drei Großprojekte mit Handelsflächen, eines davon läuft bereits erfolgreich, sollen der Schlüssel dazu sein. Er baue keine Shoppingcenter, sondern sinnvolle Stadterweiterungen, betont der geborene Mülheimer gern. Osnabrück, Wiesbaden, Berlin, Bamberg, Hildesheim, Dresden – die aktuelle Projektliste beweist, dass Funke auch anderen deutschen Städten „Erweiterungsbedarf“ attestiert.
Thomas Glatte, BASF Real Estate & Facility Management
Wenn er sich einsetzt, dann richtig. Als Präsident des Chapters Central Europe führt er die hiesige Welt des Corporate Real Estate Managements an. Das kann er, weil er sich in vielen Welten zuhause fühlt. Denn Thomas Glatte ist ein Grenzgänger: In der Property-Welt und in der Corporate-Welt, in Europa und in Asien. Für seinen Beruf ist das von großem Nutzen. Denn als Leiter Real Estate & Facility Management BASF SE muss der studierte Bauingenieur und Immobilienwirt zwischen mehreren Kulturen und Immobilienauffassungen moderieren. Ein Nicht-Immobilien-Unternehmen wie BASF blickt anders auf Immobiliengeschäfte als ein Fondsprofi, ein chinesischer Entwickler agiert anders als sein deutsches Pendant. Asien hat es dem Lehrbeauftragten an der Technischen Universität Dresden schon recht früh angetan. Bereits als Bauleiter beim Philipp-Holzmann-Konzern betreute Glatte Projekte in Thailand und Indien. Seit 1998 steht der beim Chemieriesen BASF unter Vertrag, heute zuständig für alle Immobilienaktivitäten des Konzerns sowie für das europäische Facility-Management-Geschäft. Von Deutschland und Hongkong managte er sieben Jahre lang alle Standortsuchen und Immobilienprojekte in der Region Asien-Pazifik, insbesondere in Korea, China und Japan.
Dr. Alexander Goepfert, Freshfields Bruckhaus Deringer (seit Juli 2011 bei Noerr)
Immobilienanwälte werden bei großen Kanzleien rarer. Das Ausbleiben großer Transaktionen seit der Wirtschafts- und Finanzkrise hat jedenfalls einige Kanzleien dazu bewogen, ihr entsprechendes Engagement zurückzufahren. Dr. Alexander Goepfert hingegen vertritt diese Gattung sozusagen in der Vollblut-Version. Kaum ein großer Deal, an dem er nicht beteiligt war. Seine Tätigkeit geht dabei weit über die Juristerei hinaus, sucht er doch immer wieder kreative Lösungen, um beispielsweise im Private-Equity- oder Kapitalmarktbereich seinen Mandanten neue Wege aufzuzeigen. Als Mit- und Vordenker der Branche ist er zudem gesuchter Ratgeber an der Nahtstelle zwischen Wirtschaft, Recht, Politik und Wissenschaft, wie sein Engagement beim Iddiw Institut der deutschen Immobilienwirtschaft, der European Business School und als Herausgeber und Autor von immobilienwirtschaftlichen Fachbüchern zeigt. Dass sein Interesse über das reine Immobilienrecht hinausgeht, bewies er durch seine mehrjährige Tätigkeit als Verfahrensbevollmächtigter des Fürstentums Liechtenstein vor dem internationalen Gerichtshof.
Jörg-Uwe Goldbeck, Goldbeck
Drei Söhne des Firmengründers Ortwin Goldbeck sind bis heute mit dem Unternehmen verbunden, Sprecher der Geschäftsführung ist Jörg-Uwe Goldbeck. Mit Stahlgerüsten und Betonfertigteilen hat das mittelständische Unternehmen aus Bielefeld 1969 begonnen, heute liefert das Haus, das 2010 mit 2.400 Mitarbeitern rund eine Milliarde Euro erwirtschaftet hat, ganzheitliche Immobilienlösungen und -dienstleistungen. Vor allem als erfolgreicher Gebäudemanager machte Goldbeck zuletzt von sich reden. Im Property Management Report 2010 überraschte das mittelständische Unternehmen mit Bestnoten. Und bietet damit Konzernriesen wie Strabag und Hochtief die Stirn. An ihrem Bekanntheitsgrad sollten Goldbeck und der medienscheue Firmenchef aber noch etwas feilen.
Ralph Günter, Corpus Sireo Holding
Auf eher leisen Sohlen führt Ralph Günter seit 2009 die Geschäfte des Corpus-Firmengründers Michael Zimmer fort. Der Konzern managt europaweit Immobilien im Wert von 17,8 Milliarden Euro und ist an elf Standorten mit über 500 Mitarbeitern vertreten. Zu Günthers Kunden zählen unter anderem die Deutsche Telekom, Morgan Stanley und die Deutsche Pfandbriefbank. Doch das Geschäft ist nicht einfacher geworden. Geld verdienen können mit Asset Management nur die Großen, meint der Sprecher der Geschäftsführung bei Corpus Sireo. Damit meint Günther diejenigen, die mindestens zehn Milliarden Euro Assets under Management haben. Das sind nicht eben viele.
Bernhard H. Hansen, CA Immobilien Deutschland
Der neue Namen hat sich in der Branche noch nicht wirklich durchgesetzt. Doch Bernhard H. Hansen ist zuversichtlich, dass bald alle statt an Vivico sofort an CA Immo denken. Hansen ist Vorstandsmitglied der CA Immobilien Anlagen AG und Vorsitzender der bisherigen Vivico nun CA Immo Deutschland Geschäftsführung. Der Namenswechsel stand schon lange im Raum, denn bereits 2007 hatte die CA Immobilien Anlagen AG die damalige Vivico in einem Bieterverfahren für rund eine Milliarde Euro erworben. Aktuell hat Hansen mit seinem umgetauften Unternehmen in Deutschland alle Hände voll zu tun: Die CA Immo entwickelt zum Beispiel die Europacity in Berlin, den Arnulfpark in München oder das Europaviertel in Frankfurt am Main.
Manfred Hegger, HHR Planer + Architekten
Er zählt zu den Pionieren des energieeffizienten Bauens in Deutschland. Professor Manfred Hegger hat mit seinen Studenten von der Technischen Universität Darmstadt schon zwei Mal den internationalen Wettbewerb Solar Decathlon gewonnen, bei dem es um Entwurf und Bau besonders energieeffizienter Gebäude geht. Als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) treibt der Architekt mit Büro in Kassel die Etablierung des deutschen Gütesiegels voran. Auf internationalem Parkett hat er schon vor Jahren die Grundlagen für dieses Engagement gelegt: Von 1998 bis 2007 war er Director of the UIA International Work Programme „Sustainable Architecture of the Future“ und ist seit 2008 Mitglied des World Economic Forums.
Norbert Heinrich, IFP Institut für Managementdiagnostik
Der Personalbeschaffer: Um Unternehmen in Krisen durch stürmische Zeiten zu führen und sicher in den Hafen zu bringen, braucht es die richtigen Männer oder Frauen am Ruder. Norbert Heinrich findet diese für die Immobilienwirtschaft. Er spürt pro Jahr die für rund 50 Schlüsselpositionen in den Bereichen Investment, Development, Bauträgergeschäft, Vertrieb, Objekt- und Portfoliomanagement sowie Finanzen/Controlling und IT die passenden Experten auf. Bei etwa zehn Positionen pro Jahr handelt es sich um Spitzenfunktionen der Branche. Damit Arbeitgeber und potenzieller Arbeitnehmer wirklich zu einander passen, hinterfragt Heinrich individuelle Führungseigenschaften, soziale Kompetenz, Kreativität, unternehmerischen Weitblick und persönliche Belastbarkeit. Derzeit sucht er die passenden Leute für knapp 20 Stellen vom Technikleiter bis zum Asset Manager.
Claus Hermuth, Prime Office REIT AG
Elf Jahre lang segelte Claus Hermuth unter der Flagge des Münchener Fondsanbieters DCM. Am 31. Juli 2011 legte er dann sein Mandat als Vorstandsvorsitzender der DCM Deutsche Capital Management AG nieder, um sich ganz seiner Aufgabe als Vorstandsvorsitzender der mittlerweile an der Börse notierten Prime Office REIT-AG zu widmen. Und auf die blickt derzeit die versammelte deutsche Immobilienwelt. Denn Prime Office ist der vierte deutsche REIT und tritt nun neben Alstria Office, Fair Value und Hamborner. Außerdem nimmt die Börsendebütantin für sich in Anspruch, der erste echte REIT-Börsengang in Deutschland zu sein. Die anderen drei Gesellschaften hatten den Status angenommen, nachdem sie bereits einige Zeit an der Börse gelistet waren. Ob das der Prime Office in Anbetracht des weitaus schlechteren Börsenumfeldes nützt, wird sich erst zeigen müssen. Claus Hermuth, der das Gesamtinvestitionsvolumen der DCM AG in den elf Jahren seines Wirkens von 600 Millionen Euro auf rund 4,6 Milliarden Euro hochgeschraubt hat, muss wohl erst einmal den Umgang mit kleineren Zahlen lernen.
Ulrich Höller, DIC Asset AG
Er hat einen langen Atem: Ulrich Höller (45) bleibt dran an seinem Großprojekt Main Tor in Frankfurt. In diesem Jahr soll der Bau beginnen. Um auch extern wachsen zu können, ist die DIC Asset AG unter die Spezialfonds-Anbieter gegangen und hat ihr erstes Produkt bereits komplett platziert. Auch opportunistische Investments schließt Höller nicht aus, obwohl er überzeugt ist, dass die Krise noch nicht vorbei ist. Dass er den richtigen Weg eingeschlagen hat, bestätigten Aktienkäufer Anfang April 2011: Die Kapitalerhöhung war mehrfach überzeichnet. Auch für die Belange der Branche setzt sich Ulrich Höller als Vizepräsident des Verbandes ZIA ein.
Anni Hönicke, Deka Bank
Die Immobilienfinanzierung ist nicht mehr unbedingt Everybody´s Darling. Bei der Deka Bank in Frankfurt hingegen schaut man fröhlich auf das hauseigene Real Estate Lending – und auf die Leiterin dieses Bereichs. Anni Hönicke wurde 2007 von der Eurohypo geholt, um die Finanzierungsaktivitäten auszubauen. Und das macht sie mit Bravour. 2010 erreichte das arrangierte „echte“ Neugeschäft ein Volumen von 2,3 Milliarden Euro. Damit stößt das im Branchenvergleich recht kleine Institut in die erste Reihe der deutschen Immobilienfinanzierer vor. Ein Punkt, der für die Branche von großer Bedeutung ist – schließlich ist sie auf Fremdkapital angewiesen wie das Weizenfeld auf Wasser. Als Finanzier ist Hönicke global unterwegs, bestens verdrahtet im Netzwerk des Deka-Fondsgeschäfts. Dampf macht sie vor allem im margenträchtigen UK-Geschäft. Diese Strategie poliert auch die Gesamtbilanz der Deka Bank auf. Deren Zinsergebnis war zwar 2010 im Vergleich zum Vorjahr rückläufig. Die höheren Margen in der Immobilienfinanzierung konnten diesen Effekt aber abfedern, was zu einer sehr lobenden Erwähnung von Hönickes Department im Geschäftsbericht der Bank führte.
Thilo Junkes, Deutsche Telekom
Er lenkt eines der größten deutschen Immobilienportfolios. Thilo Junkes ist Head Corporate Real Estate Management bei der Deutschen Telekom und damit Herr über 29.000 Gebäude mit elf Millionen Quadratmetern Mietfläche. Wer ein derartig großes Paket steuert, muss seine Kreativität beweisen, um die Kosten in einem eng umrissenen Rahmen zu halten. Er zentralisierte alle Immobilienbudgets und gründete ein Group Facility Management. Ein weiteres Beispiel ist die Einführung eines Warmmietenmodells auf Raumebene nach dem Prinzip „Pay as you use“. So haben die Nutzer einen Anreiz zur Kostensenkung.
Dr. Tobias Just, Deutsche Bank Research
Ein ambitionierter Nachwuchsforscher tritt in ein sehr großes Paar Schuhe: Dr. Tobias Just, Buchautor und Leiter der Abteilung Branchen- und Immobilienresearch bei der Deutsche Bank AG, übernimmt zum 1. November 2011 die Nachfolge von Professor Dr. Karl-Werner Schulte an der IREBS Immobilienakadamie. Der 40-Jährige wird die Geschicke der IREBS-Akademie gemeinsam mit Markus Amon verantworten. Im Zuge des Generationenwechsels an der privaten Fortbildungseinrichtung wird Just zugleich auch wissenschaftlicher Leiter der Akademie. Dabei erhält der Immobilienökonom einen Professorentitel und übernimmt den neu geschaffenen Lehrstuhl für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg.
Aydin Karaduman, EPM Assetis
Er managt sie alle: Büros, Wohnungen, Shoppingcenter, Gewerbeparks oder Logikzentren. Die EPM unter der Leitung ihres Vorstandsvorsitzenden Aydin Karaduman hat sich breit aufgestellt und ist einer der erfolgreichsten Marktteilnehmer auf dem Feld des Asset- und Property Managements und ist damit ein wichtiges Standbein des Mutterkonzerns Bilfinger Berger. Dies bewies das Unternehmen auch mit den Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres: So konnte EPM deutschlandweit mehr als 410.000 Quadratmeter neu vermieten und das Vorjahresergebnis um über 30 Prozent steigern. Mehr als 1.100 Mitarbeiter arbeiten mit Karaduman daran die rund 20 Millionen Quadratmeter betreuter Fläche in Schuss zu halten – das sind 26 Milliarden Euro Assets under Management.
Johannes Kister, Kister Scheithauer Gross Architekten
Woran viele Immobilienprofis verzweifeln, begreift der Architekt und Stadtplaner Johannes Kister als Chance: den demografischen Wandel. Dieser könne unter bestimmten Voraussetzungen sogar zu einer neuen Qualität nachhaltiger Stadtplanung führen, urteilte Kister kürzlich in einem Kommentar in immobilienmanager. Auch an anderer Stelle mischt sich der geschäftsführende Gesellschafter des 1992 gegründeten Architekturbüros Kister Scheithauer Gross regelmäßig in Stadtentwicklungsdebatten ein. Sein umsichtiger Blick auf die Schnittstellen Architektur, Stadtentwicklung und Generalplanung machen den in Stuttgart geborenen und an der Hochschule Anhalt (FH) am Bauhaus Dessau lehrenden Universitätsprofessor zu einer gefragten Adresse – nicht nur für demografische Problemregionen.
Henning Klöppelt, Warburg Henderson
Während die großen (noch) offenen Publikumsfonds dabei sind, sich neu zu erfinden, machen Spezialfonds mit Anlageprodukten für institutionelle Investoren derzeit eine recht gute Figur. Zu den besonders erfolgreichen Akteuren zählt die 2001 gegründete Warburg - Henderson Kapitalanlagegesellschaft für Immobilien mbH (WH). Rund 100 Investoren sind in 17 WH-Fonds mit Immobilien in zehn Ländern und einem Wert von rund vier Milliarden Euro investiert. Der promovierte Diplom-Kaufmann Klöppelt, der 2003 von der Degi in die WH-Geschäftsführung wechselte, trägt an dieser Erfolgsgeschichte einen maßgeblichen Anteil. Beim Bundesverband BVI ist der gebürtige Düsseldorfer stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses Immobilien und setzt sich dort mit großem Engagement für die Internationalisierung des Spezialfonds ein. Sein Credo: Auch für ausländische Anleger wären Spezialfonds eine rentable Sache.
Werner Knips, Heidrick & Struggles
Er hält das Personalkarussell in den Führungsetagen in Bewegung. Werner Knips befasst sich als Senior Partner bei der Personalberatung Heidrick & Struggles seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema Executive Search. Dabei bewegt ihn schon lange die Frage, wie sich nachhaltiger und auf Werten basierter Führungsstil in Unternehmen etablieren lässt. Er lebt dieses Engagement vor und gehört sowohl zu den Gründern der Initiative Corporate Governance der deutschen Immobilienwirtschaft als auch des Zentralen Immobilien Ausschusses ZIA. Um den Kundenkreis zu erweitern, nimmt Heidrick & Struggles seit einigen Monaten nicht nur die Top-Entscheider ins Visier, sondern baut auch sein Kompetenzzentrum für mittlere Führungskräfte aus.
Barbara Knoflach, SEB Asset Management
Sie verwaltet als Vorstand der SEB Asset Management ein Vermögen von rund 20 Milliarden Euro in Fonds und kundenspezifischen Anlagelösungen. Die schwierige Marktlage macht ihre Aufgabe an der Spitze des Unternehmens nicht gerade einfach. Seit dem 6. Mai 2010 hat das Fondsmanagement des SEB Immo Invest die Rücknahme von Anteilscheinen ausgesetzt. Verkäufe sollen hier wieder Liquiditätsspielraum schaffen. Zudem reduzieren derzeit Knoflach und ihr Team auch risikoreiche Assetklassen in ihren gemischten Portfolios deutlich.
Dr. Peter Knopp, Westdeutsche Immobilienbank
Seit 2008 steht Dr. Peter Knopp am Ruder der Westimmo. Schwere Stürme musste er als Kapitän mit seinem Kahn ertragen. Der von der Europäischen Kommission geforderte Verkauf der Bank ist dabei ständig in Sichtweite. Derzeit führt die Westdeutsche Landesbank AG, Düsseldorf, Gespräche zur Veräußerung ihrer Tochtergesellschaft auf exklusiver Basis mit Gesellschaften der Apollo Global Management. Trotz der widrigen Umstände konnten Schlecht-Wetter-Kapitän Knopp und die Westimmo für das vergangene Geschäftsjahr gute Zahlen vorlegen: Das Ergebnis vor Steuern stieg im Vergleich zum Vorjahr um rund 17 Prozent auf 99,2 Millionen Euro. Lediglich das Neugeschäft litt erheblich unter dem Verkaufsprozess und der damit einhergehenden erschwerten Refinanzierungssituation der Westimmo.
Hubertus Kobe, Corio Deutschland
2002 wurde Kobe Chef der Grundstücksgesellschaft der Baumarktkette Max Bahr. 2004 wechselte er zu Donaldson, einem Beratungshaus für Einzelhandelsimmobilien. Nach der Übernahme durch DTZ 2008 führte sein Weg dort nach oben. Kobe wurde Geschäftsführer des Bereichs Professional Services. Und nun Corio. Der europäische Shoppingcenter-Riese übernahm 2010 mit Kobe als CEO an der Spitze von Multi ein Portfolio aus zwei bestehenden und fünf im Bau befindlichen Shoppingcentern. Darunter ist mit dem Vorhaben in der Berliner Schlossstraße eines, das sich im starken lokalen Wettbewerb nur durch Verdrängung der Wettbewerber etablieren kann. Kobe trat sein Amt im Juli an: Eine große Herausforderung, aber auch eine riesige Chance.
Renate Kölbel, Colliers Trombello Kölbel
Sie versteht es, die Wünsche und Ansprüche der Mieter und die der Vermieter in beiderseitig befriedigende Ergebnisse zu übersetzen. Kein Wunder, denn sie ist gelernte Dolmetscherin. Düsseldorf und die Region sind das Revier der Maklerin. Bevor sie sich selbstständig machte, arbeitete sie sich im Düsseldorfer Büro von Jones Lang Wootton nach oben. 1978 fing sie dort an. Als das Unternehmen 1997 mit LaSalle zusammenging, verließ die begeisterte Seglerin diesen Kahn und bestieg ihr eigenes Schiff, die Colliers Trombello Kölbel Immobilienconsulting.
Thomas Köntgen, Eurohypo AG
Er hat eine schwere Last übernommen. Als Nachfolger des bisherigen Vorstandssprechers Dr. Frank Pörschke tickt die Uhr für den neuen Eurohypo-Chef Thomas Köntgen gleich von Anfang an. Er muss das Institut aus den roten Zahlen führen, damit die Commerzbank ihre Tochter Eurohypo tatsächlich verkaufen kann. Das muss bis Ende 2014 über die Bühne gegangen sein – so will es die EU-Kommission. Die Rückkehr in die Gewinnzone soll eigentlich schon im Jahr 2012 gelingen, doch im ersten Quartal 2011 war dies noch nicht absehbar. Die Hälfte der Risikovorsorge, die die Commerzbank-Konzernsparte Asset Based Finance verbuchte, entfiel auf gewerbliche Immobilienkredite. Köntgen war bisher im Vorstand für das Deutschlandgeschäft zuständig, deckte in seiner beruflichen Laufbahn aber auch den Bereich Risikomanagement ab. Diese Erfahrung wird ihm jetzt sicher noch mehr nützen als bisher schon.
Hans-Joachim Kühl, Commerz Real
1998 kam Hans-Joachim Kühl zur Commerz Grundbesitz Gruppe, seit 2007 ist er in geschäftsführender Position. Leichter ist das Geschäft seither nicht geworden. Eingefrorene Fonds schädigten das Image der Vehikel, die nach Scope-Recherchen 2010 kaum Renditen von mehr als 3,3 Prozent erwirtschafteten. Die Commerz Real und ihre Fonds halten sich bislang wacker. Kühl ist für die Akquisition zuständig: Mehrere Ankäufe in Frankreich und den Niederlanden meldete seine Presseabteilung jüngst. Kurz vor Weihnachten wickelte sein Haus in Schweden den größten Einzel-deal aller Zeiten ab. Für 485 Millionen Euro verkaufte Commerz Real ein Büro- und Geschäftsensemble mit 70.000 Quadratmetern Fläche an einen führenden schwedischen Immobilienkonzern.
Angelika Kunath, Fondshaus Hamburg
Sie weiß, was sie tut und sie sagt, was sie denkt: Angelika Kunath gehört zu den wenigen Spitzenmanagerinnen der deutschen Immobilienszene, für die Transparenz keine Worthülle, sondern Teil des Geschäftsmodells ist. Seit 2006 lenkt die Diplom-Juristin die Geschicke des Fondshauses Hamburg in geschäftsführender Funktion und verantwortet den Bereich Immobilien, der im Jahr ihres Unternehmenseintritts als zweite Säule neben dem bestehenden Geschäftsfeld Schiffsfonds etabliert wurde. Zu ihren Aufgaben gehören die Akquisition und Konzeption sowie der Vertrieb und das Management geschlossener Immobilienfonds in Deutschland und dem Ausland. Mit ihren Fondsentscheidungen beweist die aus Chemnitz stammende Managerin, dass sie nicht nur Single-Tenant-Immobilien mit solventen Mietern in den fünf bis sieben deutschen A-Städte für aussichtsreiche Fondsinvestments hält, Bei ihr umfasst die Fondspalette auch Projektentwicklungs-, Regional- oder Stadtquartiersfonds.
Reinhard Kutscher, Union Investment Real Estate
Er hat die Union Investment Real Estate sauber durch die Krise geführt. Im Gegensatz zu vielen anderen Fondsinitiatoren musste das Haus unter Leitung von Reinhard Kutscher, Vorsitzender der Geschäftsführung, keines seiner Anlageprodukte schließen. Keines? Eine Einschränkung gibt es: Der Uni Immo global machte für drei Monate dicht, bis das japanischen Portfolio neu bewertet war, was zu Wertkorrekturen führte. Bei den Neuinvestments 2010 stand Union an der Spitze der offenen Immobilienfonds. Knapp eine Milliarde Euro wurde 2010 in zehn Objekte investiert. Liquiditätsprobleme gab es nicht. Weitblick beweist Kutscher schon seit Längerem. So war sein Fondshaus das erste, das strenge Nachhaltigkeitskriterien an Neuerwerbungen anlegte und seine Bestände sukzessive in Green Buildings verwandelt.
Fritz-Klaus Lange, RGM Holding
Fritz-Klaus Lange hat den ursprünglich konzerngebundenen Dienstleister erfolgreich auf den Markt geführt. Nun betätigt er sich einmal mehr als Neuordner: Seit Ende vergangenen Jahres ist er geschäftsführender Gesellschafter der jungen RGM Holding GmbH. Unter diesem Dach hat der rührige Manager drei zuvor unter seiner Leitung, aber im Prinzip unabhängig am Markt operierende Gesellschaften, die RGM Facility Management GmbH, Property First GmbH und RGM Industrial Services GmbH, zusammengefasst. Mit dieser neuen Aufstellung will er besser auf Marktchancen reagieren können und in weiteren innovativen Geschäftsfeldern wachsen. Auch die Integration übernommener Firmen wie etwa in jüngster Zeit der HRW Gebäudetechnik oder der Thyssen Krupp Expersite GmbH soll mit der neuen Struktur besser funktionieren. Die bisherige Performance der RGM-Gruppe lässt erwarten, dass dies auch gelingt.
Mario Leißner, King & Spalding
Er hat sich rasch an die Spitze vorgekämpft. Erst vor vier Jahren gründete der Rechtsanwalt Mario Leißner zusammen mit Partnern das deutsche Büro der US-amerikanischen Sozietät King & Spalding, das er seit 2010 als Managing Partner leitet. Mittlerweile ist er zum Spezialisten für die Beratung von Immobilien-Kapitalanlagegesellschaften avanciert und hat mit seinem Team in den vergangenen zwei Jahren Transaktionen in Deutschland im Gesamtvolumen von fast zwei Milliarden Euro betreut. Leißner zählt zu den deutschen Immobilienanwälten, die auch in internationalen Rankings als „Leader in his Field“ geführt werden.
Matthias Leube, Axa Investment Managers
Erst im Juni dieses Jahres wechselte Matthias Leube auf ein anderes Pferd. Der 44-Jährige, der zuletzt als Managing Director bei der Deutschen Bank zuständig für das Europa-Immobilienportfolio des Unternehmens war, ging zum Axa-Konzern und besetzt dort die neu geschaffene Position des Deutschlandchefs von Axa Real Estate. Leube ist somit für sämtliche An- und Verkäufe der Gruppe in Deutschland sowie alle Asset-Management- und Development-Aktivitäten verantwortlich. Eine seiner dringlichsten Aufgaben wird aber sein, das umfangreiche Verkaufsprogramms beim offenen Immobilienfonds Axa Immoselect in Gang zu bringen. Damit der Fonds im November wieder öffnen kann, müssen Immobilien im Wert von einer Milliarde Euro verkauft werden. Für Leube läuft ein Rennen gegen die Zeit.
Erik Marienfeldt, HIH Hamburgische Immobilien Handlung
Er beweist ein gutes Händchen für die Immobilienbetreuung. In Erik Marienfeldts Zuständigkeitsbereich fällt das Property Management der Hamburgischen Immobilien Handlung (HIH), deren Co-Geschäftsführer er ist. Auf der Bell-Rangliste der Property Manager im Bereich Büro, die von ihren Kunden die besten Noten bekommen haben, errang die HIH Platz 1. Dabei kommt dem Diplom-Volkswirt Marienfeldt zugute, dass er das Verwaltergeschäft schon vor seinem Studium von der Pike auf gelernt hat. Da macht ihm kein Dienstleister etwas vor.
Dr. Andreas Mattner, ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss
Mit Shoppingcentern bringt man Dr. Andreas Mattner eigentlich nur noch peripher in Verbindung. Dabei ist er seit 1993 Mitglied der Geschäftsführung der ECE. Aber nicht nur Einkaufszentren beeinflussen den öffentlichen Raum erheblich. Auch Mattner tut das, seit 2009 für die Immobilienwirtschaft an vorderster Stelle. Denn in diesem Jahr wurde er Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss. Seither schreitet der Ausschuss in Sieben-Meilen-Stiefeln voran, hat mittlerweile mehr als 150 Mitgliedsunternehmen und vertritt mit immer lauter werdender Stimme die Branche in Berlin und in Brüssel. Wie das geht, hat Mattner unter anderem als Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft gelernt. Seit 2001 ist er Mitglied des Landesvorstands des Wirtschaftsrats der CDU. Mattner sitzt übrigens zudem in mehreren Aufsichtsräten und ist Vorstand der Stiftung Lebendige Stadt. Aber ein Rätsel wird wohl immer bleiben: Wann macht der Mann das alles?
Dr. Wulf Meinel, The Carlyle Group
Er hat an Einfluss gewonnen. Dr. Wulf Meinel ist bei The Carlyle Group nicht mehr nur für das deutsche Immobiliengeschäft zuständig, sondern auch noch für Österreich, Schweiz, Zentral- und Osteuropa und die Türkei. Das Private-Equity-Unternehmen setzt neue Schwerpunkte, denn gerade in der Türkei und in Polen sieht Meinel große Chancen. In Deutschland machte Carlyle zuletzt durch den Verkauf einer großen Büroimmobilie in Hamburg auf sich aufmerksam. Die deutschen Projektentwicklungen aus den Jahren 2008 und 2009 haben sich für das Unternehmen gelohnt. Nun gilt es, bei Mezzanine-Beteiligungen – vor allem im Wohnungssektor, aber auch bei Büros – ein ähnlich gutes Händchen zu beweisen.
Stefan H. Mühling, Die Developer Projektentwicklung
Er packt an und geht vor: Während andere Immobilienprofis inmitten der Finanzkrise 2008 in Deckung gingen, preschte Stefan H. Mühling vor. Er verließ die sichere Konzernstruktur bei Strabag, wo er von 2001 bis Anfang 2008 die Projektentwicklungsaktivitäten in Deutschland leitete, und gründete seine eigene Projektentwicklungsgesellschaft Die Developer. Als finanzkräftigen Partner konnte er die Bremer Zech Group gewinnen, was es ihm gleich zu Beginn ermöglichte, Aufsehen erregende und großvolumige Projekte zu starten. So sicherte er sich im Frühjahr 2009 eines der prestigeträchtigsten Immobilienprojekte des Landes, den Düsseldorfer Kö-Bogen. Bis zuletzt blieben viele Marktkenner skeptisch, ob Mühling die Finanzierung für das 300-Millionen-Euro-Projekt tatsächlich gestemmt bekommen würde. Doch Mühling, der bei Strabag ein Developmentvolumen von 1,5 Milliarden Euro realisiert hatte, schaffte es – und legte gleich nach: Auch den neuen Vodafone-Campus mit einem ähnlichen Investitionsvolumen bauen Die Developer. Soviel Entwickler-Power blieb auch außerhalb Deutschlands nicht unbemerkt. Das internationale Finanzmagazin Euromoney zeichnete das Unternehmen im Herbst 2010 als besten Bürogebäudeentwickler in Deutschland aus.
Alexander Otto, ECE Projektmanagement
Auf dem Feld der innerstädtischen Einkaufscenter ist die ECE Marktführer in Europa, und am Vorsitzenden der Geschäftsführung Alexander Otto, dem jüngsten Sohn des Unternehmensgründers Werner Otto, ist kaum vorbeizukommen. Unter seiner Ägide hat die ECE derzeit 132 Shoppingcenter mit 4,2 Millionen Quadratmetern Verkaufsfläche im Management, 20 in Bau und Planung, arbeitet mit 14.000 Mieterpartnern zusammen und macht 15,3 Milliarden Euro Umsatz. Auch als Entwickler großer Büroprojekte hat sich das Unternehmen einen Namen gemacht. Ottos Engagement mit seinem Unternehmen reicht bis in 15 weitere Länder. Und nach Shoppingcentern, Büro- und Spezialimmobilien wagt er sich nun auf ein weiteres neues Feld: Im April kaufte Otto mit seiner ECE 60.000 Quadratmeter des Geländes des ehemaligen Güterbahnhofs Altona in Hamburg. In diesem Plangebiet für einen neuen Stadtteil „Mitte Altona“ will der Manager erstmals Wohnungen entwickeln. Der regelmäßig auftauchenden und mitunter heftigen Kritik am Bau von Shoppingcentern trat er mit der Gründung der Stiftung Lebendige Stadt entgegen. Sein Engagement für die Branche lebt er als Chairman des ULI Urban Land Institute Europe.
Dr. Andreas Otto, CMS Hasche Sigle
Er leitet ein höchst erfolgreiches Anwaltsteam: Dr. Andreas Otto ist Koordinator des Fachbereichs Immobilien Bauen Umwelt bei der Kanzlei CMS Hasche Sigle. Seine rund 80 Anwälte starke Truppe hat 2010 den Juve-Award als Kanzlei des Jahres für Immobilienwirtschaftsrecht erhalten. Die Jury begründete die Wahl mit der „starken Entwicklung“ des Teams. Otto arbeitet bereits seit 1995 für CMS und steht seit zwei Jahren an der Spitze des Immobilienbereichs. In diesen Jahren bewährte sich die Strategie, im Boom nicht ausschließlich auf die Transaktionsberatung zu setzen, sondern auch die anderen Bereiche wie Gwerbemietrecht, Projektentwicklung oder Baurecht weiter zu pflegen. So kam die Immobilienabteilung von CMS kam ohne Personalreduzierung durch die Krise – was sich jetzt auszahlt. Eines der wichtigsten Mandate des Teams war die Beratung der Allianz Real Estate und von MGPA beim Kauf von insgesamt 220 Märkten aus dem Aldi-Portfolio.
Friedrich Wilhelm Patt, Hannover Leasing
Er ist die Konstante: Friedrich Wilhelm Patt ist seit 2003 geschäftsführender Gesellschafter bei Hannover Leasing und seit 2007 Sprecher der Geschäftsführung. Ursprünglich war er so etwas wie der Aufpasser für die Hessische Landesbank, die sich 1997 beim Emissionshaus einkaufte. Mit Dierk Ernst und Klaus-Werner Sebbel bildete der gebürtige Sauerländer schnell ein eingespieltes Führungsduo, das Hannover Leasing zu einem der erfolgreichsten Emissionshäuser für geschlossene Fonds machte. Zum Steckenpferd wurde für Patt das Geschäft mit Public-Private-Partnerships, in dem Hannover Leasing zu den größten Finanzierern und Strukturierern in Deutschland zählt. Hier kommen ihm seine langjährige Erfahrung in der deutschen Sparkassenlandschaft und seine Kontakte in die Politik zugute. Als unermüdliche „graue Eminenz“ wirkt Patt zudem als Vizepräsident und Schatzmeister des Verbands ZIA.
Karl-Heinz Petzinka, Evonik Immobilien und THS Wohnen
Das Düsseldorfer Stadttor, die CDU-Geschäftsstelle und die Landesvertretung NRW in Berlin, das Gelbe Haus und die Rote Halle in Düsseldorf – fast jeder kennt zumindest ein Gebäude, dass der Architekt und Stadtplaner Karl-Heinz Petzinka entworfen hat. Als einer von vier Direktoren begleitete der begeisterte Ausdauerläufer die Ruhrgebietsstädte ins Kulturhauptstadtjahr 2010. Ein spannungsreiches und spannendes Großprojekt. Mit Spannung darf nun die Aufklärung der Frage erwartet werden, weshalb Evonik/THS ihren Geschäftsführer Petzinka vorläufig beurlaubt hat. Ob dies mit einem der Vorzeigeprojekte des Professors zusammenhängen könnte, der Herkules-Statue im Nordsternpark Gelsenkirchen, ist bisher unklar.
Dr. Andreas Pfnür, TU Darmstadt
Als Professor an der Technischen Universität Darmstadt lehrt Dr. Pfnür Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre. Vor allem zu den Themen betriebliche Immobilienökonomie, umweltorientierte Betriebswirtschaft und Projektmanagement hat er für seine Studenten ein offenes Ohr. Bevor er den akademischen Karriereweg einschlug, machte der geborene Husumer erstmal eine Lehre als Bankkaufmann. Danach zog es ihn allerdings an die Universität: erst als Student, dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Assistent und letztlich Professor. Zudem schreibt er in jeder Ausgabe immobilienmanager seine Kolumne „Zur Sache“.
Dr. Daniel Piazolo, IPD Investment Property Databank
Sein Name klingt italienisch, doch sein blasser Teint verrät vor allem nordeuropäische Wurzeln. Viel Zeit an der frischen Luft verbringt der promovierte Wirtschaftswissenschaftler mit Ausbildungsstationen in Kiel, London und Yale ohnehin nicht, denn er ist ein leidenschaftlicher Zahlenmensch. Seit 2005 leitet Piazolo in geschäftsführender Position die Geschicke der in London gegründeten IPD Investment Property Databank GmbH, die Investoren und Immobilien-Bestandshaltern die Grundlagen zu objektiven Analysen der eigenen Immobilien-Portfolios liefert. Ein erst kürzlich veröffentlichtes IPD-Gutachten schlug hohe Wellen: Piazolo und seine Kollegen fanden heraus, dass die Immobilienrisiken in Solvency II durch die European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA), dem europäischen Aufseher für Versicherungen, viel zu hoch angesetzt waren.
Thomas Porten, Immobilien Zeitung
Mut und eine angenehme Portion Selbstironie – der Chefredakteur der Immobilien Zeitung wirkt nie so bierernst, wie man in Anbetracht seines Aufgabenspektrums vermuten könnte. Schließlich muss man sich als Zeitungsmann mit schwankendem Anzeigenaufkommen und regelmäßigen Leserbeschwerden auseinandersetzen. Doch der studierte Germanist und Volkswirt, der die Zeitung 1993 zusammen mit Partnern aus der Taufe hob und bis heute Anteile hält, steuerte den Kahn bisher sicher durch jede Immobilien- und Anzeigenkrise. Er baute die IZ Immobilien Zeitung Verlagsgesellschaft mbH mit ihren rund 50 Mitarbeitern zu einem der wichtigsten Fachorgane der deutschen Immobilienwirtschaft aus. Über eine Beteiligung an der Veranstaltungsagentur Heuer Dialog sicherten sich Winzersohn Porten und seine Partner 2008 auch den Zugang zum kontaktreichen Tagungsgeschäft.
Peter Rösler, BNP Paribas Real Estate Deutschland
Dass Manager alle paar Jahre das Unternehmen wechseln, ist normal. Dass Manager bleiben, obwohl das Unternehmen ständig den Mehrheitsgesellschafter wechselt, eher nicht. Peter Rösler ist so ein Fall: 1996 wurde er Holding-Geschäftsführer der Müller-Gruppe – wie unsere Makler-Rankings aus dieser Zeit zeigen, bereits damals ein führender Marktteilnehmer. 1998 spielte er dann bei der Integration der Müller-Gruppe in die neue Atisreal Gruppe eine entscheidende Rolle. 2003 erwarb die französische Bank BNP Atisreal Deutschland, Rösler übernahm den Vorsitz der Geschäftsführung der „neuen“ BNP Paribas Real Estate Deutschland. Erst inhaber-, dann investoren- dann bankengeführt – diese zahlreichen Marken- und Kulturwechsel hätten andere Firmen rasch ruiniert. Hier ist dies nicht der Fall, auch dank Peter Rösler. „Sein“ Unternehmen ist nach wie vor eines der tonangebenden Häuser für Immobilienberatung und -vermittlung in Deutschland.
Werner Rohmert, Research Medien AG
Er ist ein Branchenschwergewicht: Werner Rohmert ist Wirtschaftsjournalist und Unternehmensberater in Personalunion und fühlt sich damit in zwei Welten zuhause, die nach Vorstellungen des deutschen Presserechts streng voneinander zu trennen sind. Doch die Immobilienbranche profitiert von seinem kenntnisreichen Blick. Über die Research Medien AG gibt Rohmert regelmäßig Online-Titel wie „Der Immobilienbrief”, „Der Fondsbrief”, sowie die „Zeitschrift für immobilienwirtschaftliche Forschung und Praxis” heraus. 2004 übernahm Rohmert den Vorsitz des immpresseclub e.V., der Arbeitsgemeinschaft deutscher Immobilienjournalisten. Sein Auftrag: Die Unternehmenswelt und die Welt der Journalisten zu versöhnen.
Eric Romba, Verband Geschlossene Fonds
Als Sprecher des Verbandes ist der Rechtsanwalt Romba ein Sprachrohr der Branche in die Öffentlichkeit und in die Politik. Die Kontakte in Berlin knüpfte er unter anderem während seiner Zeit als Mitarbeiter im Deutschen Bundestag zuletzt als Pressereferent der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der damaligen CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Neben seiner Tätigkeit für den VGF ist er zudem Dozent beim Deutschen Institut für Public Affairs sowie an der IREBS Immobilienakademie International Real Estate Business School Universität Regensburg. Aktuell begleitet Romba mit dem VGF unter anderem die Umsetzung der AIFM-Richtlinie und die Entwicklung weiterer Gesetzentwürfe.
Dr. Nico Rottke, Real Estate Management Institut an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht
2006 war für Dr. Nico Rottke das entscheidende Jahr seiner Karriere. Nachdem sein wissenschaftlicher Ziehvater Professor Karl-Werner Schulte mit einem Großteil seiner Mannschaft die EBS in Richtung Regensburg verlassen hatte, gründete Rottke im Juli das Real Estate Management Institute (REMI), dessen Leiter er seither ist. Mittlerweile ist Rottke Lehrstuhlinhaber des Aareal Stiftungslehrstuhls für Immobilieninvestition und -finanzierung an der EBS und einer der renommiertesten deutschen Immobilienwissenschaftler, der auch auf internationalen Forschungskonferenzen anzutreffen ist. Zudem ist er Autor und Herausgeber zahlreicher Fachveröffentlichungen und Handbücher. Neben seinem Engagement an der EBS ist Rottke als Vice Chair Education and Research im Executive Committee des Urban Land Institute Deutschland aktiv sowie als Präsidiumsmitglied des Instituts der deutschen Immobilienwirtschaft tätig. Dabei arbeitet er fast rund um die Uhr. Emails von Nico Rottke landen nicht selten erst gegen zwei oder drei Uhr morgens im Posteingang.
Hans-Lothar Schäfer, Techem AG
Sein Erfolg ist messbar: Im März 2009 wurde Hans-Lothar Schäfer im Rahmen der Umfirmierung der Techem AG in eine GmbH zum Geschäftsführer berufen. Seit Mitte 2009 hat er zusätzlich den Vorsitz der Geschäftsführung (CEO) übernommen. Damit steht der Diplom-Physiker an der Spitze des deutschen Marktführers im Geschäftsfeld Energy Services, also der Verbrauchserfassung und Abrechnung von Wasser und Wärme. Schäfer steht als Chef rund 3.000 Mitarbeitern vor, die einen Umsatz von 687,5 Millionen Euro erwirtschaften. Insgesamt haben Schäfers Mitarbeiter 44 Millionen Messgeräte im Einsatz, mehr als jedes andere Unternehmen weltweit. In der Zukunft will der Geschäftsführer mit Techem vor allem auch auf dem Gebiet Contracting und im Ausland weiterhin stark wachsen.
Dr. Wolfgang Schäfers, IVG Immobilien
Er muss den Kurs halten. Dr. Wolfgang Schäfers übernimmt den nicht ganz einfachen Job des IVG-Vorstandssprechers, den Dr. Gerhard Niesslein aufgibt. Immerhin hat Schäfers schon seit 2009 als Vorstandsmitglied dafür gesorgt, dass sich erste Sanierungserfolge einstellten. Die noch laufenden Projektentwicklungen werden fertiggestellt, aber keine neuen angepackt. Auch sollen keine neuen Immobilien für den eigenen Bestand erworben werden, sondern nur noch für die Fonds. Darin sieht der IVG-Vorstand die Zukunft: Das Fondsgeschäft soll das Unternehmen wieder nach vorne bringen.
Robert Schmidt, Evonik Immobilien und THS Wohnen
Ins Rampenlicht hat er sich nie gedrängt. Dabei ist Robert Schmidt Schritt für Schritt zum Dirigenten für die Zusammenführung von zwei der größten Wohnungsunternehmen Deutschlands avanciert. Die Evonik Immobilien verwaltet 60.000 Wohnungen, die THS 70.000 Einheiten. Schmidts Weg in diese Pole Position ist lang. Seit 17 Jahren leitet er Wohnungsunternehmen. 1998 wurde er Mitglied der Geschäftsführung der RAG Immobilien AG, Vorläuferin der Evonik Immobilien. Und setzte sich mit den Qualitäten durch, mit denen er auch die Wohnungswirtschaft betreibt – mit Kompetenz und langfristigen Perspektiven. Dass er letztere trotz unruhiger Kapitalmärkte und deren recht kurzfristiger Interessen verteidigen kann, hat vielleicht auch mit seiner Ausbildung zu tun. Studiert hat er unter anderem in den USA, und seine Karriere begann er als Konzernkundenbetreuer bei der Deutschen Bank. Er kennt also beide Seiten – inklusive ihrer Stärken und Schwächen.
Walter Schmidt, Ista International
Walter Schmidt hat die Techem AG mit an die Börse gebracht und sorgt seit 2004 bei Ista auf nationaler und internationaler Ebene dafür, dass das Unternehmen im Erfolgswasser schwimmt. Aktuell ist er mit der Neupositionierung von Ista beschäftigt: Der Energiedienstleister baut sein Produktportfolio aus und fokussiert sich auf Energiemanagement-Lösungen. Ganz neu ist das Thema jedoch für Schmidt und seine Ista nicht wirklich, schließlich ist das Unternehmen seit über 100 Jahren im Bereich Energie tätig, davon mehr als 50 auch in Deutschland.
Manfred Schmitz, Cofely Deutschland
Aus Axima wurde Cofely – der Kopf an der Spitze des Unternehmens hat sich jedoch nicht geändert. Manfred Schmitz ist weiterhin Geschäftsführer des Contracting-Anbieters, gebäudetechnischen Anlagenbauers, Anlagen- und Prozesstechnikers, Kältetechnikers, Facility und Energie Managers. Unter ihm sind rund 1.620 Mitarbeiter an 18 Standorten plus technischen Büros tätig. Sie erwirtschaften einen Umsatz von 420 Millionen Euro. Ende 2010 hat Schmitz mit der Cofely die Position des Unternehmens im Markt für Energiedienstleistungen gestärkt und das Angebot in der Energie-Erzeugung auf Basis erneuerbarer Energieträger erweitert. Auch das Geschäftsfeld Contracting stellt der Manager auf eine breitere Basis: Ende 2010 erwarb die Cofely Deutschland GmbH den Bochumer Contracting-Spezialisten Proenergy Contracting GmbH & Co. KG.
Philipp Schmitz-Morkramer, Quantum Immobilien AG
Er hat seinen unabhängigen Unternehmergeist unter Beweis gestellt: 1999 gründete Philipp Schmitz-Morkramer gemeinsam mit Frank Gerhardt Schmidt die Projektentwicklungsgesellschaft Quantum Immobilien in Hamburg. Ihre Philosophie: Hochwertige städtebauliche und architektonische Entwicklungen sollen zu profitablen Immobilieninvestments führen. 2003 überstieg das realisierte Projektvolumen die Marke von 500 Millionen Euro. Doch beim reinen Entwicklergeschäft will es Schmitz-Morkramer nicht belassen. Er baute Quantum innerhalb weniger Jahre zu einer der wenigen breit aufgestellten und unabhängigen deutschen Immobiliengruppen aus. 2005 wurde der Investmentbereich durch die Gründung einer eigenen Kapitalanlagegesellschaft gestärkt, die Spezialfonds für institutionelle Investoren anbietet. Mittlerweile bilden die vier Bereiche Entwicklung, Realisierung, Strukturierung und Investmentmanagement das Quantum-Fundament. Dass sich Schmitz-Morkramer nicht nur auf den deutschen Immobilienmarkt konzentriert, zeigt auch die Beteiligung an US Property Partners. Der Dienstleister bietet Investmentmanagement für europäische Investoren in gewerbliche Immobilien in den USA. Im Jahr 2010 erhielt Schmitz-Morkramer den ULI-Leadership-Award.
Dr. Wolf Schumacher, Aareal Bank AG
Die Aareal Bank ist ein Sonderfall, Dr. Wolf Schumacher ebenso. Zunächst zur Bank: Als mittlerweile einziger deutscher Immobilienfinanzierer ist die Aareal selbständig und nicht Teil eines Mutterkonzerns. Also etwas, was es nach Auffassung einiger Experten eigentlich gar nicht geben kann, weil eine wettbewerbsfähige Refinanzierung nur noch mit großen Instituten im Rücken möglich sei. Ist es aber doch. Und damit zu Schumacher. Ein kantiger Mann mit direkten Ansagen, bis hin zum Undiplomatischen, also kein typischer Bänker. Ein Mann, der hält, was er verspricht. Die Aareal hat selbst in den schlimmsten Zeiten der Krise schwarze Zahlen geschrieben. Das liegt auch daran, dass man bei der Areal weiß, wohin mangelndes Risikobewusstsein führen kann, nämlich ins Aus. Schumacher hat seinerzeit eine marode Bank übernommen und in ein Vorbild-Institut verwandelt. Vorbildlich auch sein Umgang mit der „Staatsknete“. Als erste Bank begann die Aareal mit der Rückzahlung von Soffin-Anleihen.
Dr. Steffen Sebastian, Institut für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg
Dr. Steffen Sebastian gibt dem Institut für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg ein Gesicht in der Branche. Als Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung an der IREBS International Real Estate Business School und Direktor am Center for Finance der Universität Regensburg ist er einer der wichtigsten Vertreter von Forschung und Lehre in der deutschen Immobilienwirtschaft. Mit zahlreichen Publikationen, Forschungsprojekten und Beiträgen auf Fachkongressen bietet er den wissenschaftlichen Unterbau für das tägliche Immobiliengeschäft. 2006 folgte er dem Ruf an die IREBS und half mit, das dortige Institut für Immobilienwirtschaft zu einem der größten und wichtigsten Kompetenzzentren der Immobilienwirtschaft in Europa zu machen. Seine Forschungsschwerpunkte sind indirekte Immobilienanlagen, Immobilienindizes, Immobilienderivate und Asset Allocation. Er ist Forschungsprofessor am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und Mitherausgeber des European Journal of Real Estate Research sowie des German Journal of Property Research.
Pino Sergio, WGF Westfälische Grundbesitz und Finanzverwaltung AG
Pino Sergio ist es gelungen, die Immobilienanleihe als Refinanzierungsinstrument salonfähig zu machen. Die einen feiern ihn als Innovator, die anderen trauen dem Braten noch nicht so ganz. Das mag vielleicht auch am Auftreten Sergios liegen. Denn Bescheidenheit ist seine Sache nicht. Schicke Villa, dickes Auto und die Blondine, die er sich sein ganzes Leben lang gewünscht hat – dem TV-Sender Pro 7 gewährte der umtriebige Immobilienmanager im vergangenen Jahr unmittelbaren Einblick in seine durchgestylte Privatsphäre. Nahezu jedes Detail der Sergio-Villa nahmen die Kameraleute unter die Linse. In wirtschaftlicher Hinsicht werfen ihm seine Kritiker mangelnde Transparenz vor. Doch diesen Vorwurf müssen auch weniger schillernde Branchenvertreter anhören. Nun hat die WGF selbst die Bafin eingeschaltet – wegen ungewöhnlich hoher Kurseinbußen bei den Immobilienanleihen der WGF.
Dr. Zsolt Sluitner, Siemens Real Estate
Er bekommt ein prächtiges neues Leittier in seine Herde. Dr. Zsolt Sluitner steuert als CEO und CFO die Siemens Real Estate, zu deren Portfolio künftig auch die neue Konzernzentrale in München zählt. Die SRE zählt zu den großen, aber eher stillen Immobilienplayern im Lande. Sie steuert ein Immobilienportfolio mit 18 Millionen Quadratmetern Gebäudefläche und 34 Millionen Quadratmetern Grundstücksfläche weltweit. Wenn SRE etwas kauft oder verkauft, dann geht es oft um dreistellige Millionensummen. Und wenn sie etwas Neues anpackt, dann betrifft es Tausende von Menschen. So ist das auch beim neuen konzernweiten Arbeitsplatzkonzept „Siemens Office“, bei dem die Mitarbeiter nicht mehr an einen festen Ort gebunden sind.
Ludwig Steinbauer, Strabag PFS
Vom dritten auf den zweiten Platz: In der diesjährigen Marktanalyse des Beratungs- und Marktforschungsinstitutes Lünendonk konnte sich Ludwig Steinbauers Strabag Property and Facility Services GmbH um einen Platz verbessern und liegt hinter dem erstplatzierten Bilfinger Berger Facility Services. 950 Millionen Euro erwirtschaftete sein Unternehmen 2010, davon 850 Millionen Euro mit Aufträgen im Inland, wo Strabag PFS mit 240 Standorten in sechs Regionen und zwei Störungsmanagement-Centern vertreten ist. Insgesamt arbeiten 8.700 Mitarbeiter unter seiner Regie. Er ist für rund 22 Millionen Quadratmeter Nettogrundfläche und 51.000 Objekte verantwortlich. Dazu gehören in erster Linie Bürogebäude und Rechenzentren, aber auch Einzelhandels- und Logistikobjekte, Hotels sowie in Deutschland 740.000 technische Anlagen und Einrichtungen und 28.500 Mobilfunktürme.
Hadi Teherani, BRT Architekten
Ein kleiner Mann mit einer großen Botschaft: Auf der Website des weltberühmten Architekten erscheint mitnichten ein imposanter Neubau, sondern ein E-Bike. Der nächste Klick führt zu einer Serie von Bürostühlen. Der 1954 geborene Iraner ist zwar einer der bedeutendsten Architekten unserer Zeit. Doch sein Gespür für Formen, Räume, Oberflächen und Proportionen wecken in ihm permanent den Wunsch, seine Art zu gestalten auch auf andere Bereiche des Designs zu übertragen. Auch für Produktdesigns wurde Teherani mehrfach ausgezeichnet. Dem Kölner Rheinufer gab er mit sogenannten Kranhäusern eine neue, faszinierende Silhouette.
Cornelia Thaler, Clifford Chance
Sie hat die Führung eines erfolgreichen Teams übernommen. Die Rechtsanwältin Cornelia Thaler leitet den Bereich Real Estate Deutschland bei der internationalen Sozietät Clifford Chance für die kommenden vier Jahre. Clifford Chance zählt, so die internationale Fachpublikation „Chambers“, im Bereich Real Estate zu den beiden wichtigsten Kanzleien in Deutschland (zusammen mit Freshfields). Cornelia Thaler selbst ist Spezialistin für Non Performing Loans und gilt als unermüdlich in ihrem Einsatz. In ihrer Branche ist sie gut vernetzt. Das trug ihr eine Nennung unter den Top-Wirtschaftsanwälten 2011 im Ranking des US-Verlags Best Lawyers ein.
Claus Thomas, LaSalle Investment Management
Menschen, die von großen Wirtschaftsmagazinen zu Themen aus ihrem Fachgebiet befragt werden, haben eines geschafft: Sie haben sich über ihr professionelles Umfeld hinaus als Experte etabliert. Zu diesen Menschen gehört Claus Thomas. Seine Karriere führt stetig nach oben, mittlerweile auf europäische Höhen. Der Gründer und Geschäftsführer der deutschen Niederlassung von LaSalle Investment ist seit 2009 zusätzlich verantwortlich für das europäische Client Services Team. Seit Januar 2010 ist er zudem Mitglied des European Management Board und seit März 2011 stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat der LaSalle Investment Kapitalanlagegesellschaft. Die Gründung dieser KAG hat er ebenfalls entscheidend mit vorangetrieben. Trotz all dieser großen Aufgaben ist Claus Thomas ein zurückhaltender, ruhiger Zeitgenosse geblieben. Nebenbei fand der ebs-Immobilienökonom auch noch Zeit, zuerst beim Aufbau der RICS in Deutschland und dann in der Schweiz mitzuhelfen.
Timo Tschammler, DTZ Deutschland
Bevor er sich um die Geschäfte der deutschen Niederlassung der DTZ kümmerte, machte Timo Tschammler erst einmal einen erfolgreichen Bogen über Paris und London. Doch dann holte die DTZ ihn aus dem Londoner Smog zurück in die Heimat: als Vorsitzender der Geschäftsführung der DTZ Deutschland Holding GmbH. Damit ist er nun Chef über 265 Mitarbeiter in sechs deutsche Niederlassungen. Auch um den Nachwuchs kümmert sich der DTZ-Deutschland-Chef, denn seit März ist sein Unternehmen neuer Stifter des EBS Real Estate Management Institute. Zudem ist er Mitglied im Europe Board von RICS.
Peter Tzeschlock, Drees & Sommer AG
Er reicht den Bauherren und Investoren von Großprojekten eine ordnende Hand: Peter Tzeschlock (51) steht zusammen mit Gabriele Walker-Rudolph und Dierk Mutschler dem Projektsteuerer Drees & Sommer vor, der immer wieder mit innovativen Verfahren sicherstellt, dass Großprojekte stringent und effizient ablaufen. Der aktuelle Fokus liegt auf Revitalisierungsprojekten – ein zukunftsträchtiger Markt und die Basis für weiteres Wachstum. In Deutschland kam jüngst ein neuer Dreso-Standort in Dresden hinzu, international ging die Expansion zuletzt Richtung Skandinavien mit der Eröffnung des neuen Büros in Kopenhagen. Tzeschlock ist im Vorstand unter anderem für überregionale Themen zuständig, für Engineering und Beratung im Immobiliensektor.
Christian Ulbrich, Jones Lang LaSalle
Ein waschechter Hanseat, und ein ebenso waschechter Europäer: Bevor Christian Ulbrich vor drei Jahren den Vorsitz der Geschäftsführung (CEO) von Jones Lang LaSalle (JLL) EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) übernahm war er für die deutschen Geschäfte des Immobilienberaters tätig. Als einer der größten Immobiliendienstleister ist JLL in Europa in 25 Ländern mit 58 Niederlassungen vertreten. Ulbrich ist Chef von etwa 4.000 Mitarbeitern, die für ihre Tätigkeit vor Ort mehr als 20 verschiedene Sprachen sprechen. Trotz des starken Wettbewerbs und hoher Kosten an den hiesigen Standorten erreichte Ulbrich kontinentalweit erfolgreich mit seiner Abteilung im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 729 Millionen US-Dollar – 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders gut schlugen sich Ulbrich und seine Mitarbeiter in den Bereichen Capital Markets und Hotels. In London, Paris und Moskau will der EMEA-CEO mit JLL in Zukunft besonders stark wachsen.
Christian Völkers, Engel & Völkers Immobilien
Er hat die Lizenz – zum Makeln. Unter Völkers Führung, mit dem Lizenzkonzept für selbstständige Makler und dem bewährten Namen Engel + Völkers ist das Unternehmen eine der erfolgreichsten Immobilienberatungsfirmen in Deutschland. Das belegt auch das Maklerranking von immobilienmanager regelmäßig. Ob Christian Völkers auch dieses Jahr stellvertretend für sein Unternehmen wieder auf dem Siegerpodest des brancheninternen Vergleichs stehen wird, werden wir allerdings erst in der kommenden Ausgabe sehen. Die veröffentlichten Zahlen zum ersten Halbjahr belegen jedenfalls den Erfolg seines Unternehmens auch wenn alle anderen über die Krise klagen: Der Markenumsatz stieg im ersten Halbjahr um 16 Prozent auf 92,4 Millionen Euro.
Dr. Marc Weinstock, Morgan Stanley Real Estate Investment
Er muss den Ausputzer geben: Als Dr. Marc Weinstock (44) im vergangenen Sommer zu Morgan Stanley wechselte, tat er das in der Hoffnung, den Problemfonds P 2 Value am Leben erhalten zu können. Doch daraus wurde nichts. Nun muss er sich mit der Auflösung befassen. Weinstock hat mit sinkenden Schiffen schon bei seinem früheren Arbeitgeber HSH Real Estate seine Erfahrungen gewonnen. Nun muss er große Summen bewegen: Der Wert der 34 Fondsimmobilien wurde zuletzt mit 852 Millionen Euro angegeben. Die 40.000 Anleger sollen ihr Geld in halbjährlichen Ausschüttungen erhalten. Bis Ende 2013 will der Fonds alles verkauft haben.
Otto-Kajetan Weixler, Bilfinger Berger
Von Holzmann über HSG zu Bilfinger Berger – Otto-Kajetan Weixler ging seinen Weg zielstrebing. Seit 2005 ist er Geschäftsführer der Bilfinger Berger Facility Services GmbH. Und da 2008 die HSG Technischer Service GmbH und M+W Zander GmbH zu einem Unternehmen vereint wurden, ist er auch Vorsitzender der Geschäftsführung der HSG Zander GmbH Schließlich war er ab 1992 alleiniger Geschäftsführer, ab 1999 Vorsitzender der Geschäftsführung der HSG Technischer Service GmbH. Zudem engagiert Weixler sich auch jenseits seines Unternehmens stark für die Branche und das Thema Facility Management. So wurde er im November vergangenen Jahres in seiner Position als Vorstandsvorsitzender der German Facility Management Association (GEFMA) für weitere drei Jahre bestätigt. Ein wichtiges Thema: die Initiative „FM – Die Möglichmacher“, die über FM-Branche informiert.
Dr. Joachim Wieland, Aurelis Real Estate
Er macht die Braut hübsch: Als Dr. Joachim Wieland im Dezember 2007 Sprecher der Geschäftsführung der ehemaligen Bahn-Tochter Aurelis wurde hatte er einen klaren Auftrag. Er sollte das Unternehmen neu ausrichten und fit machen für den Verkauf. So lautete das langfristige Ziel der neuen Eigentümer, des US-Investors Redwood und der Hochtief Projektentwicklung, bei der Wieland zuvor in der Geschäftsführung tätig war. Die Mission scheint ihm zu gelingen. Im Jahr 2010 stiegen die Erlöse aus Verkäufen von Grundstücken und Immobilien von 200 Millionen Euro auf 300 Millionen Euro an. Trotz dieses hohen Verkaufsvolumens blieben die Mieteinnahmen mit rund 90 Millionen Euro annähernd auf Vorjahresniveau. Aurelis verfügt aktuell noch über ein Grundstücksportfolio von 18,8 Millionen Quadratmetern – vor dem Einstieg von Hochtief und Redwood waren es noch mehr als 27 Millionen Quadratmeter gewesen. Ursprünglich hatten die Aurelis-Eigentümer den Verkauf des Unternehmens für 2013 geplant. Da man derzeit aber vor dem Zeitplan liegt könnte der Verkauf bereits 2012 über die Bühne gehen. Ein Komplettverkauf der Gesellschaft hat Priorität, aber auch ein Verkauf in Teilen oder eigenständiger Börsengang sind nicht ausgeschlossen.
Bernd-Uwe Willer, Savills Deutschland
Seit Juni vergangenen Jahres ist Bernd-Uwe Willer Head of Germany bei Savills. Ersten Makler-Lorbeer sammelte er beim Wettbewerber Atisreal – heute BNP Paribas. In seiner neuen Funktion hat er einiges zu tun, denn Savills ist zwar bereits seit 1973 mit Büros an mehreren deutschen Standorten vertreten, dennoch ist das Unternehmen in der Wahrnehmung und dem Marktanteil hinter vielen Wettbewerbern positioniert. Dies soll sich nun ändern – Willer bläst zum Angriff und will für Savills den Marktanteil in Deutschland deutlich erhöhen. Aktuelles Beispiel: eine Großvermietung im Düsseldorfer Medienhafen, in direkter Nachbarschaft zum dortigen Savills-Büro.
Wolfgang Wingendorf, Treureal
Alle Bälle in der Luft: Wolfgang Wingendorf steht als Geschäftsführer der Treureal einer der führenden Managern für Wohn- und Gewerbe-Immobilien in Deutschland vor. Der Rechtsanwalt steuert vom Firmensitz in Mannheim mit der Holding die Unternehmensgruppe. Und das mit guten Ergebnissen: Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010 konnte der Manager einen Umsatz von 41,3 Millionen Euro verkünden, ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zu 2009. Die im Asset- und Property Management betreuten Portfolios umfassen zurzeit über 75.000 Wohneinheiten und übersteigen einen Wert von sieben Milliarden Euro. Demnach bleibt Wingendorfs Unternehmensgruppe der einzige unabhängige deutschlandweit arbeitende Immobiliendienstleister. Außerhalb der strikt professionellen Tätigkeit unterstützt die Treureal den Baseballverein Mannheim Tornados mit Know-how bei der Entwicklung der Liegenschaften für den Trainings- und Spielbetrieb.
Michael Zahn, Deutsche Wohnen AG
Er hat sein Haus auf Kurs gebracht. Unter Michael Zahns Führung wies die Deutsche Wohnen AG im ersten Quartal 2011 einen deutlich höheren Gewinn aus als im Vorjahresquartal. Nun ist der Wohnungsinvestor auf Wachstum aus. Ziel ist es, den Bestand langfristig auf 100.000 Wohnungen zu erhöhen – ein mutiges Vorhaben, denn zurzeit hält man rund 48.000 Einheiten, und zukaufen wollen auch alle seine Wettbewerber. Interesse an den 24.000 LBBW-Wohnungen hat man angemeldet, aber der Bieterwettstreit wird hart. Warme Worte erntete Zahn vom neuen Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Clement: Die Deutsche Wohnen sei „eines der bestaufgestellten Unternehmen“ der deutschen Wohnungsbranche.
Kurt Zech, Zechbau Holding
Ein Bremer erneuert Düsseldorf: Eher aus dem Hintergrund agiert Kurt Zech, der mittelständische Baulöwe, dessen Großvater die Zech-Gruppe 1909 gründete und der heute in den Bereichen Bau, Projekt- und Hotelentwicklung weltweit 4.500 Mitarbeiter unter Vertrag hat. Zuletzt machte Zech aber vor allem als Kapitalgeber und Finanzpartner von sich reden. An der Düsseldorfer Entwicklungsfirma Die Developer hält der medienscheue Zech über die Deutsche Immobilien Holding AG 75 Prozent, die übrigen 25 Prozent hat Partner Stefan H. Mühling eingebracht, der nicht nur die Bauprojekte, sondern auch die Arbeit an der Medienfront steuert. Zwei Düsseldorfer Großprojekte wären ohne das Kapital von Zech nicht denkbar: der Kö-Bogen und der Vodafone Campus.
Thomas Zinnöcker, GSW Immobilien AG
Im Jahr 2004, als Thomas Zinnöcker den Vorsitz über die Geschäftsführung der GSW Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft Berlin übernahm, sinnierte und polemisierte man in Deutschland noch intensiv über das Wesen der Heuschrecke. So nannte man damals Private-Equity-Investoren angelsächsischer Provenienz. Und solche Heuschrecken hatten unter Führung von Cerberus und Whitehall das rund 75.000 Wohnungen starke Flaggschiff des Berliner kommunalen Wohnungsbestandes erworben. Was würden diese Menschen tun? Dank Thomas Zinnöcker wissen wir es: Nicht alle Heuschrecken sind von kurzfristigen Gewinnerwartungen getrieben. Zinnöcker, der von De Te Immobilien kam, betrieb und betreibt eine ruhige, auf langfristige Sicht angelegte Geschäftspolitik ohne heftige Mietsprünge oder Instandhaltungsstaus. Da unter Zinnöckers Führung im zweiten Anlauf auch der Börsengang geklappt hat, dürften auch die Eigentümer der GSW zufrieden sein. Zinnöckers bestimmtes Auftreten als Vizepräsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss kommt zudem der gesamten Branche zugute.
Dr. Rainer Zitelmann, Dr. Zitelmann PB
Wer sich von der Presse schlecht behandelt fühlt, ein neues Immobilienprodukt bekannt machen oder seinen Ruf in der Branche und darüber hinaus stärken will, der holt sich nicht selten Rat bei Dr. Rainer Zitelmann. Dabei landete der promovierte Historiker und Publizist eher zufällig beim Thema „Immobilie“ – als der Axel Springer Verlag Mitte der 1990er Jahre dem damaligen Leiter des Ressorts „Zeitgeschichte“ das Ressort „Immobilie“ übertrug. Das Rüstzeug für seinen heutigen Job als PR-Berater erhielt der 54-Jährige in seiner Zeit als Tageszeitungsjournalist. Was darf man Journalisten auf gar keinen Fall fragen? Die „20 Todsünden im Umgang mit der Presse“ gehören wie seine Buchtitel „Reich werden mit Immobilien“ und „Die Macht der Positionierung“ für viele seiner Kunden zur Pflichtlektüre. Zitelmanns Doktorarbeit über Hitler als sozialer Revolutionär löst ebenso wie seine politisch engagierten „Immobilien-News der Woche“ stets ein geteiltes Echo aus. Wegbegleiter sagen: Entweder man mag ihn oder man mag ihn nicht.
Ostdeutsche Städte | Daten und Fakten TLG-Marktbericht
Wohnungsmärkte Europa | Kommentar von Deutsche Bank Research
Techniktest Fitness | Bildergalerie vom Event in Berlin
München | Tabelle mit Wohnimmobilienprojekten
| Stadtteil | Name | Entwickler / Investor | Zahl der Wohnungen | Fertigstellung |
| Pasing, Paul-Gerhardt-Allee | Aurelis u.a. | 2.000 | 2015 | |
| Obergiesing | Parkviertel Giesing | Büschl Gruppe | 1.100 | Ende 2013 |
| Perlach, Hochäckerstraße | Bayerische Hausbau | 1.000 | k.A. | |
| Sendling, Drygalski-Allee | Accumulata | 1.000 | k.A. | |
| Allach, Georg-Reismüller-Straße | JK Wohnbau | rund 520 | k.A. | |
| Berg-am-Laim | Baumkirchen Mitte | CA Immo | 470 | k.A. |
| Aubing | Telekom-Areal | Corpus Sireo / Deutsche Telekom | 430 | k.A. |
| Neuaubing | Triebwerk | Aurelis | 350 | k.A. |
| Obersendling, Südseite | MUC Campus V | LSR Europe / Grundkontor Project | 346 | Herbst 2012 |
| Neuhausen | Hirschpark Terrassen | JK Wohnbau/Corpus Sireo | 310 | 2013 |
| Dreimühlenviertel | Rodenstockgarten | Baywobau | 300 | 2013 |
| Obersendling, Südseite | Isar Tower Süd | Terrafinanz / Baywobau | 290 | Ende 2012 |
| Moosach | Park Living | Evoreal | 265 | Ende 2012 |
| Schwanthalerhöhe | Donnersberger Höfe | STRABAG Real Estate / PDI Property Development Investors | 177 | Frühjahr 2012 |
| Obersendling, Südseite | Sternenhimmel | Klaus Wohnbau | 152 | 2013 |
| Giesing | Meinraum | Bauwens | 148 | Ende 2012 |
| Allach, Oertelplatz | Aurelis | 135 | k.A. | |
| Bogenhausen | JK Wohnbau | 130 | k.A. | |
| Obersendling, Südseite | Isar Quartier | Baywobau / Versicherungskammer Bayern | 110 | Frühjahr 2013 |
| Haidhausen | Welfenhöfe | GBW Gruppe | 106 | Herbst 2012 |
| Freimann | Bayerische Hausbau | 100 | 2013 | |
| Schwabing, Luitpoldpark | Bayerische Hausbau | 80 | k.A. | |
| Giesing | Neue Gärten Giesing | Demos/Induwo | 72 | Sommer 2013 |
| Schwabing, Olympiaberg | Fürstenberg | Bayerische Hausbau | 70 | k.A. |
| Obersendling, Südseite | Hubert Haupt Immobilien Holding | 70 | k.A. | |
| Obersendling, Südseite | GBW Gruppe | 70 | k.A. | |
| Innenstadt | Hofstatt | Hines / LBBW Immobilien | 69 | Frühjahr 2013 |
| Obersendling, Südseite | Isar Belle | Pandion / Stadtsparkasse | 68 | Sommer 2013 |
| Oberföhring | Bogenhauser Höfe | Concept Bau Premier | 62 | k.A. |
| Bogenhausen | ehem. Togal-Werk | Bayerische Hausbau | 60 | k.A. |
| Glockenbachviertel | The Seven | Alpha Invest / LBBW Immobilien | 56 | Ende 2012 |
| Maxvorstadt | Nymphenburger Höfe | GBW Gruppe | 50 | Herbst 2012 |
| Quelle: immobilienmanager |
Extra-Informationen zur Ausgabe 9-2011
1.) Maklerranking: Weitere Informationen und Tabellen für die Bereiche Gewerbe- und Wohimmobilien
2.) Code of Conduct: Wie lauten die neuen Verhaltensregeln zwischen Maklern und Immobilieneigentümern und welche Unternehmen wollen diese befolgen?
3.) E-Book: eine Leseprobe aus dem Praxishandbuch Customer Relationship Management für Immobilienunternehmen
Makler Ranking 2011 Gewerbe | weitere Daten und Tabellen
Makler Ranking 2011 Wohnen | weitere Daten und Tabellen
Code of Conduct | Verhaltensregeln zw. Maklern und Immobilieneigentümern
Wie lauten die neuen Verhaltensregeln zwischen Maklern und Immobilieneigentümern und welche Unternehmen wollen diese befolgen?
Code of conduct als pdf-Download (1,2 MB)
Customer Relationship Management | E-Book Leseprobe
E-Book Leseprobe
E-Book: eine Leseprobe aus dem Praxishandbuch Customer Relationship Management für Immobilienunternehmen
Leseprobe als pdf-Download (250 KB)
Weitere Informationen und die Möglichkeit, das E-Book zu beziehen, erhalten Sie hier.
Extra-Informationen zur Ausgabe 7/8-2011
1.) Blick ins Buch: Klimaschutz – Potenziale und Hindernisse. Ein Auszug aus dem Grundlagenwerk Immobilienwirtschaftslehre Band II "Ökonomie".
2.) Über die Zukunft der Innenstädte. Expertengespräch mit Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach, Teil I
3.) Über Stadtumbau. Expertengespräch mit Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach, Teil II
4. ) Über Einzelhandel in der Innenstadt. Expertengespräch mit Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach, Teil III
Blick ins Buch | Immobilienwirtschaftslehre Band II "Ökonomie"
Klimaschutz - Potenziale und Hindernisse Nachhaltigkeit
Welche Maßnahmen sind sinnvoll, um die Umwelt- und Klimaverträglichkeit von Immobilien zu verbessern?
Vor allem bei Bestandsimmobilien sind hohe Einsparungen möglich
Ein Auszug aus dem Grundlagenwerk Immobilienwirtschaftlehre Band II "Ökonomie"
Von Franz Fürst
Immobilien tragen in erheblichem Maße zum Klimawandel bei. Auch wenn die Spanne des prozentualen Anteils an allen Treibhausgasen in verschiedenen Studien je nach Definition von 30 bis über 50 Prozent reicht, darf es mittlerweile als gesicherte Erkenntnis gelten, dass es kaum einen anderen Bereich der Volkswirtschaft gibt, der ein ähnlich hohes Reduktionspotenzial besitzt. Die Internationale Energieagentur schätzt beispielsweise, dass allein durch die Umstellung auf Energiesparlampen in Gebäuden weltweit 470 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, was bereits über der Hälfte der im Kyoto-Protokoll vereinbarten Einsparungen entspräche.
Ob diese und weiter reichende Verbesserungen der Umwelt- und Klimaverträglichkeit von Immobilien am effektivsten durch einen rein marktwirtschaftlichen Ansatz oder durch gesetzliche Regelungen und verbindliche Standards erreicht werden kann, ist jedoch heftig umstritten. Trotz der großen Bedeutung des Problems und der weitreichenden Maßnahmen zu dessen Bekämpfung vermögen Ökonomen beim heutigen Stand der Forschung auch nicht annähernd zu beurteilen, in welcher Größenordnung Maßnahmen getroffen werden sollten. Diese Forschungslücke ist im Bereich der Immobilienwirtschaft besonders groß.
Internalisierung negativer externer Effekte
Ungeachtet der akademischen und politischen Debatten über Zertifikatehandel und CO2-Steuer, auf die in diesem Beitrag nicht näher eingegangen werden kann, lässt sich die Aufgabe für die Immobilienwirtschaft am einfachsten durch den Begriff "Internalisierung negativer Externalitäten" beschreiben. In einem Markt, der lediglich private, nicht jedoch soziale Produktionskosten berücksichtigt, haben letztere keinen Einfluss auf vorherrschende Gleichgewichtspreise und -mengen. Diese fundamentale Verzerrung der Kostenstrukturen führt zu Überproduktion und Überkonsumption des betreffenden Gutes. Auf den Immobilienmarkt angewandt bedeutet dies, dass negative externe Effekte, die durch die Emission von Treibhausgasen entstehen, traditionell nicht in den Marktpreisen von Immobilien berücksichtigt sind und somit ceteris paribus zu viel Fläche zu einem zu niedrigen Preis konsumiert wird. Produzenten, die (freiwillig oder durch gesetzliche Regelungen veranlasst) zusätzlich zu den privaten Kosten auch die sozialen Kosten der Produktion tragen müssen (Internalisierung negativer externer Effekte), stellen die Ware zu einem entsprechend höheren Preis her, was für den individuellen Produzenten einen erheblichen Wettbewerbsnachteil und im Aggregat geringere Nachfrage nach einem Produkt bedeutet. Dieses Axiom ist einer der Grundpfeiler der Umweltökonomie und somit nichts wesentlich Neues. Interessant ist allerdings aus Sicht der Forschung, wie Immobilien und ihr Beitrag zum Klimawandel in diesen theoretischen Rahmen passen.
Ein wesentlicher Punkt in der Debatte um nachhaltigere Immobilien besteht darin, dass den möglicherweise höheren Herstellungskosten beim Bau nachhaltiger Immobilien niedrigere Kosten im Betrieb sowie weitere finanzielle Vorteile gegenüberstehen. Noch ist die empirische Basis vorhandener Studien allerdings zu dünn, um die Kosten-Nutzen-Relationen verlässlich quantifizieren zu können.
Die Entwicklung der letzten Jahre im Bereich Green Buildings zeigt jedoch, dass ein Trend zu nachhaltigeren Gebäuden durch marktwirtschaftliche Kräfte ausgelöst werden kann. Ob die dadurch erzielten Einsparungen bei der Emission von Treibhausgasen ausreichen oder ob die Regierungen der westlichen Industrie- sowie möglicherweise auch der Schwellenländer zusätzlich auch regulierend in den Markt eingreifen sollten, ist wiederum aufgrund der Neuheit des Themas empirisch kaum erforscht. Während einige Studien die Ansicht vertreten, dass Zertifizierungsstandards die Privatisierung eines essenziell öffentlichen Gutes darstellen, weisen andere auf die große Bedeutung von Effizienzpotenzialen hin, für deren Hebung die Existenz staatlicher Regulierungen nicht zwingend erforderlich ist.
In der gegenwärtigen Situation stehen sich gesetzliche Normen wie etwa der Energieausweis nach Energieeinsparverordnung (EnEV) und freiwillige Zertifizierungssysteme wie Green Star (Australien), DGNB (Deutschland), LEED (USA), Energy Star (USA), Green Globes (USA) oder BREEAM (Großbritannien) gegenüber und es ist keineswegs eindeutig, welcher Ansatz im Ergebnis eine größere Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen bewirken wird. Die meisten Studien zur Nachhaltigkeit im Immobiliensektor stimmen darin überein, dass Preissignalen beim Wandel zu mehr Energieeffizienz und Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft eine eminent wichtige Bedeutung zukommt.
Aus der Perspektive des Immobilieninvestors hieße dies beispielsweise, dass eine höhere risikoadjustierte Rendite von nachhaltigen Immobilien zu einer erhöhten Nachfrage nach diesem Investmentprodukt bei direkten sowie indirekten Anlegern führt, was wiederum das Angebot an nachhaltigen Immobilien stimulieren würde. Für Mieter hingegen ist ausschlaggebend, ob die angebotenen Flächen in Green Buildings zu Vorteilen bei Kostenstrukturen, Marketing, Erreichen der Corporate-Responsibility-Zielsetzung und Arbeitsproduktivität/Wohlbefinden führen.
Obwohl "Nachhaltigkeit" mittlerweile weit oben auf der Agenda vieler Investoren und Mieter steht, ist nach wie vor nicht eindeutig geklärt, ob diese Vorteile zum heutigen Zeitpunkt tatsächlich im erwarteten Ausmaß vorhanden und adäquat in Marktpreisen reflektiert sind. Ein grundsätzliches Problem, besteht darin, dass die Wertermittlung auf eindeutige empirische Belege angewiesen ist, die es rechtfertigen, ein nachhaltiges Gebäude entsprechend höher zu bewerten. Diesen Aussagen folgend ist davon auszugehen, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis Studien zur Wertrelevanz von Nachhaltigkeitsmerkmalen sowie zu den Transmissionsmechanismen von physischer und bebauter Umwelt zu finanzieller Performance diesen Untersuchungsgegenstand genauer analysieren und somit verständlich machen. Generell lassen sich bei der Frage nach Mehrkosten bei Neubau und Sanierung nach Zertifizierungsstandards direkte und indirekte Kosten unterscheiden. Direkte Kosten umfassen die Gebühr für die Zertifizierungsleistung sowie interne Verwaltungskosten, die bei diesem Vorgang entstehen. Indirekte Kosten fallen durch potenziell höherwertige Baumaterialien, aufwendigere Planung, Beschaffung und Installation an.
Ob bei Neu- und Umbau von Gebäuden nach Zertifizierungsstandards tatsächlich höhere Kosten anfallen, ist in einer Reihe empirischer Studien in den USA untersucht worden. Der Anteil der durchschnittlichen zusätzlichen Kosten an den Gesamtkosten liegt bei den genannten Studien auf einem Niveau von etwa zwei Prozent. Die Bau-Consulting-Firma Davis Langdon (2006) führte eine der bedeutendsten Studien zu diesem Thema durch und verglich 83 Projekte, die LEED-Zertifizierung anstreben, mit 138 vergleichbaren, nicht zertifizierten Gebäuden und stellte im Durchschnitt keine höheren Kosten bei den LEED-Kandidaten fest.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie des britischen Building Research Establishments. Eine deutliche Kostenprämie war lediglich in den Kategorien "Very Good" und "Excellent" zu finden, da Zertifizierungen auf diesem Niveau in der Regel den Einsatz innovativer Technologien und Baustoffe erfordern. Den im Durchschnitt geringfügigen Mehrkosten zertifizierter Gebäude steht eine Reihe von Vorteilen gegenüber, unter anderem vergleichsweise höhere Mieten, geringere Leerstände, geringere Mieterfluktuation, niedrigere Betriebskosten, längerer Werterhalt und geringeres Regulationsrisiko durch etwaige künftige strengere Gesetzgebung und Standards. Ob diese hypothetischen Vorteile im Betrieb von Immobilien tatsächlich messbar sind, ist Gegenstand einiger empirischer Studien. So stellten Kats und Ecofys fest, dass schon die Einsparungen bei den Betriebskosten ausreichen, um die zusätzlichen Baukosten innerhalb eines überschaubaren Zeitrahmens zu rechtfertigen (je nach Maßnahme von zwei Monaten bis 15 Jahren).
Die daraus erwachsende Frage ist, inwieweit Mieter bereit sind, eine Mietprämie auf den Quadratmeter ökozertifizierter Fläche zu zahlen. Trotz der nachgewiesenen finanziellen und ökologischen Vorteile nachhaltigen Bauens übersteigt der Marktanteil zertifizierter Immobilien am Gesamtmarkt erst in wenigen Märkten die ein-Prozent-Marke. Einige Quellen führen diese relativ langsame Diffusion auf Informations- oder Rationalitätsdefizite auf dem Markt zurück. Während sich die empirischen Belege für die oben erwähnten Vorzüge nachhaltiger Gebäude in Einzelstudien im Zeitverlauf verdichten, ist jedoch nach wie vor nicht klar, wie diese einzelnen Bestandteile (Bau- und Investitionskosten, Miete, Betriebskosten, Verkaufspreise) den Wert einer Immobilie beeinflussen sollten (normativer Ansatz) beziehungsweise dies heute schon tun (positiver Ansatz).
Zahlt sich Nachhaltigkeit aus?
Besonderes Augenmerk kommt bei der Frage nach einer umfassenden Betrachtung von Nachhaltigkeit den institutionellen und vertragsrechtlichen Arrangements, etwa im Bereich der Mietverträge, zu. In der Literatur zur Relevanz dieser Faktoren werden jedoch zum Teil konträre Ansichten vertreten.
Einige Autoren sind der Ansicht, dass Investoren unabhängig von den jeweiligen Einzelheiten der Mietvertragsgestaltung eine mit dem Investitionsrisiko im Einklang stehende Rendite erwarten. Dieser Ansicht stehen andere empirische Studien gegenüber, die keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Mietvertragsbedingungen (zum Beispiel Laufzeit) und Transaktionspreisen feststellen konnten. Ob so genannte Green Leases ein effektives Instrument sind, um weiter gehende Investitionen in die Nachhaltigkeit von Immobilien anzuregen, ist somit nach wie vor zumindest in der akademischen Debatte umstritten.
Insgesamt kristallisieren sich aus den vorhandenen empirischen Studien drei potenzielle wirtschaftliche Merkmale von nachhaltigen Gebäuden heraus: höhere Mieten, geringere Betriebskosten und geringeres Risiko, insbesondere geringeres Vermarktungsrisiko, geringeres Kostenrisiko (zum Beispiel bei Nebenkosten unter volatilen Energiepreisen), geringeres regulatorisches Risiko (zum Beispiel bei Änderung der gesetzlichen Normen zur Anhebung von Mindeststandards), geringeres Marktrisiko (zum Beispiel durch Bindung von Mietern mit guter Bonität).
Antizipierte Preiseffekte
Da empirische Nachweise der Wirtschaftlichkeit von Investitionen in Nachhaltigkeit nach wie vor relativ spärlich gesät sind, liegt es nahe, erwartete Preiseffekte aus theoretischen Konzepten der Wirtschaftstheorie abzuleiten. Im folgenden Abschnitt wird daher der Frage nachgegangen, wie sich die Einführung eines "nachhaltigen Produkts", kenntlich gemacht etwa durch Zertifizierung, auf die Preisstruktur von Immobilienmärkten auswirkt.
Zu diesem Zweck ist es zunächst einmal erforderlich, die Zahlungsbereitschaft von Investoren und Mietern mit dem beobachteten Transaktionspreis in Verbindung zu bringen. Es ist davon auszugehen, dass Mieter mit Präferenz für nachhaltige bzw. zertifizierte Gebäude diese durch erhöhte Zahlungsbereitschaft zum Ausdruck bringen.
Zu beachten ist hierbei jedoch, dass die zusätzliche Zahlungsbereitschaft nicht dem Geldwert des zu erwartenden wirtschaftlichen Nutzens entsprechen muss. Befindet sich der Gleichgewichtspreis über dem hypothetischen Reservationspreis, also dem Betrag, den ein Käufer maximal zu zahlen bereit ist, fällt die Differenz dem Käufer als Nutzenüberschuss zu. Einige Konsumenten sind bereit, für nachhaltige Flächen einen höheren Preis zu zahlen, der tatsächlich erzielte Marktpreis liegt jedoch in der Regel nah am Gleichgewichtspreis, was den "Ökokonsumenten" erlaubt, eine Konsumentenrente zu erzielen.
Das Grundlagenwerk, Immobilienwirtschaftlehre Band II "Ökonomie", das im Dezember 2011 auf den Markt kommt,
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Die Zukunft der Innenstädte | Expertengespräch Teil I
Schmerzhafte Wunden
Über die Zukunft der Innenstädte - ein Expertengespräch mit Professor Dr.-Ing. Jürgen Erbach, Professor für Immobilienprojektentwicklung, HAWK Holzminden.
Teil 1 der Serie.
René Kustin: Welche Bedeutung nimmt die Innenstadt im Kontext der Gesamtstadt ein?
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach: Innenstädte sind Gesichter einer Bürgergesellschaft. Innenstädte spiegeln gesellschaftliche Entwicklungen wider. Schauen Sie sich heute unsere Städte an, und vergleichen Sie das, was Sie sehen, mit gesellschaftlichen Entwicklungen: Da ist Gleichgültigkeit, Austauschbarkeit und die Fokusierung auf Materielles. Was sehen Sie heute in unseren Innenstädten? Gleichgültigkeit, Austauschbarkeit und die Fokusierung auf Materielles. Gleichgültigkeit und Austauschbarkeit: Überall sind die gleichen Läden. Es ist egal, in welche Stadt Sie gehen. Sie treffen überall immer die gleichen Filialisten. Nur die Reihenfolge, also ob zuerst der „Deichmann“ und dann der „Kik“ kommt, ist in den verschiedenen Innenstädten anders. Die Innenstädte sind austauschbar geworden. Und: Innenstädte sind nur noch Einzelhandelszentren.
Das war einmal anders. Das Erfolgsmodell der europäischen Stadt basiert auf ihrer Multifunktionalität. Die mittelalterliche, europäische Stadt zeichnete sich zunächst durch die Stadtmauer aus, die Schutz nach außen und innen gewährte. Als Symbole für die kirchliche und die weltliche Macht standen die Kirche, als religiöses Zentrum, und das Rathaus, als Verwaltungszentrum. Das Erdgeschoss des Rathauses fungierte in vielen Fällen als Marktplatz und damit als Handelsplatz. Um das religiöse und das Verwaltungszentrum spielte sich das städtische Leben ab: Hier wohnte man, arbeitete, verweilte in Gasthäusern, erlebte Kultur oder ging zur Schule oder in einen Lehrbetrieb. Hier trafen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Bildung aufeinander. Menschen, die Bürger der Stadt waren und hier dauerhaft wohnten, oder Menschen auf der Durchreise.
Wenn wir eine Zeitreise unternehmen und uns die Innenstädte wie sie vor 10 oder 20 Jahren waren, anschauen, dann stellen wir fest, diese Multifunktionalität ist verloren gegangen. Und das ist der Zustand, in dem wir viele unserer Innenstädte heute vorfinden. Unsere Innenstädte sind nur noch Einzelhandelsorte: unten Läden, oben Lager, aber häufig genug Leerstände, während der Öffnungszeiten wuselige Betriebsamkeit, abends tot.
Was ist passiert? Das Rathaus in der Altstadt wurde mit Ausweitung der Verwaltung zu klein und zog in einen Neubau am Rand der Innenstadt. Ebenso erging es der Post oder den Banken. Aber das schien gar nicht so schlimm. Es gab einen Nutzer, der sich über diese frei gewordenen Flächen freute – das war der Einzelhandel. Und so war diese Entwicklung auf den ersten Blick unproblematisch.
Doch dann bekam der Handel Husten und die Innenstädte Keuchhusten. Erstmalig kam es zu Leerständen. Kaufhäuser, die einmal Magnet- oder Ankereinzelhändler in den Innenstädten waren, verloren ihre Bedeutung, um nur die offenkundigsten Merkmale dieses Wandels zu nennen. Und das scheint erst der Anfang einer Entwicklung zu sein. Der demographische Wandel lässt ahnen, dass unsere Innenstädte zukünftig noch heftig durchgeschüttelt werden.
Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Entwicklung und der Entwicklung unserer Innenstädte. Die Innenstadt ist dabei immer das Herz einer Stadt und verrät viel über die Bürgergesellschaft, die sie trägt. Innenstädte sind Spiegel des Zeitgeistes. Innenstädte stehen täglich vor der Herausforderung, sich selbst neu zu erfinden.
René Kustin: Welche Herausforderungen zum Thema Innenstadtentwicklung sehen Sie für die nächsten Jahre?
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach: Das große Thema der nächsten Dekade wird auf allen Ebenen das Thema Wettbewerb sein. Und das gilt auch für die Kommunen. Die verteilbare Masse wird kleiner und damit setzt ein Kampf darum ein. Es geht um Arbeitsplätze und damit um Menschen, die Kaufkraft und Leben in die Städte bringen.
Ich sprach den demographischen Wandel an. Wir werden weniger, wir werden älter und die, die älter werden, sind immer fiter. Soweit die deutlich verkürzte Analyse. Aber die Wahrheit ist, die meisten unserer Städte werden schrumpfen. In einigen Regionen werden die Bevölkerungszahlen deutlich einbrechen. Das hat Folgen für die Infrastruktur auf allen Ebenen: Von der Wasserversorgung bis zur Abwasserableitung (in Hamburg wird schon heute Trinkwasser in die Abwasserleitungen eingeleitet, um die Spülleistung der Leitungen gewährleisten zu können), von Kindergärten und Schulen bis hin zu Einzelhandelszentren, die angesichts abnehmender Besucherzahlen nicht mehr existieren können, um nur einige Beispiele zu nennen.
Viele Städte entwickeln in diesem interkommunalen Wettbewerb eine Vorwärtsstrategie, indem sie schneller und besser als die mit ihnen in Konkurrenz stehenden Städte sein wollen. Da kämpft man um jeden Arbeitsplatz, um jeden Bürger, um jeden Euro Steuereinnahme und auch um jeden namhaften Einzelhändler. Die Ansiedlung der vielen neuen Shoppingcenter gibt jedem eine Ahnung von diesem Windhundrennen. „The winner takes it all.“ Für die Verlierer geht es um alles oder nichts. Fressen oder gefressen werden. Das spricht aber keiner offen aus. Das ist Kannibalismus.
Man wird sich beim demographischen Wandel proaktiv darauf vorbereiten und den Stier bei den Hörnern packen müssen. Es geht darum, den Schrumpfungsprozess aktiv zu steuern und damit zu gestalten, statt sich jeden Tag aufs neue überraschen zu lassen, wer jetzt wo wieder geht, und damit Getriebene in einem Prozess zu sein, der nach heutigen Erkenntnissen unvermeidlich zu sein scheint. Wie sich eine Schnecke in ihr Haus zurückzieht, so müssen sich Städte auch auf ihre Kerne konzentrieren.
Funktionen, die man in die Peripherie verlagert hat, müssen jetzt wieder zurück in die Innenstädte geholt werden. Also die Volkshochschule oder die Ärzte, die in medizinischen Versorgungszentren an der Peripherie gewandert sind, müssen zurück in die Innenstädte geholt werden.
Wir brauchen in allen Stadtverwaltungen „task force“-Abteilungen, die jedes Projekt in der Stadt darauf hin untersuchen, ob und inwieweit ein Projekt auch in der Innenstadt sinnvoll angesiedelt werden kann, statt in der Peripherie. Die Schwierigkeiten in den Innenstädten sind unübersehbar, und immer noch werden fleißig Märkte auf der grünen Wiese genehmigt.
Die Schwäche unserer Innenstädte ist auch nicht nur eine Schwäche des Handels und damit der Erdgeschosse, die der Handel belegt oder auch nicht mehr belegt. Es ist auch eine Schwäche der Obergeschosse. Die Ärzte, die Notare oder die Rechtsanwälte und andere Dienstleister haben auch den Innenstädten den Rücken zugewandt. Häufig genug blieben leere Obergeschosse zurück. Man musste die Obergeschosse auch nicht vermieten. Der Einzelhandel zahlte so hohe Mieten, dass man lieber leer stehen lies. Dann hatte man auch keinen Ärger. Aber auch das waren Frequenzbringer, die den Innenstädten heute fehlen.
René Kustin: Was sind die Ursachen dafür, dass Ärzte, Rechtsanwälte oder ähnliche Frequenzbringer aus der Innenstadt ausgewandert und in die Peripherie gegangen sind? Liegt eine Ursache darin, dass die Mietpreise und Bodenpreise in der Innenstadt am höchsten sind und diese nur noch vom Einzelhandel getragen werden können?
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach: Am Beispiel des Rathauses habe ich schon versucht aufzuzeigen, dass die gesellschaftliche Weiterentwicklung auch ihren Tribut fordert. Eine Gesellschaft, die sich selbst immer mehr verwaltet, braucht größere und andere Flächen, die meistens in den Innenstädten nicht mehr unterzubringen waren.
Oder nehmen Sie die Entwicklung im Gesundheitswesen. Der klassische Arzt, der seine Praxis in einem Mehrfamilienhaus betreibt, ist out. Der Patient will zu Recht mehr. Er will eine ganzheitliche Diagnose, die nur dann zufriedenstellend in kurzer Zeit erstellt werden kann, wenn viele Ärzte mit vielen teueren medizinischen Geräten unter einem Dach zusammenarbeiten. Die dafür erforderlichen Flächen sind heute auch in den Innenstädten rar. Zudem suchen solche medizinischen Versorgungszentren die Nähe großer Krankenhäuser.
Am Beispiel „Wohnen“ oder „Gastronomie“ in der Innenstadt kann man sehen, dass Nutzungsthemen in den Innenstädten nicht immer miteinander verträglich sind. Die einen schätzen an der Innenstadt-Gastronomie das Flair, das sie verbreitet. Aber diejenigen, die in den Innenstädten wohnen, stören sich verständlicherweise am Lärm randalierender Gäste.
Dann gibt es natürlich – wie Sie ja richtig in Ihrer Frage schon andeuten – den Markt. Der Einzelhandel hat hohe Mieten gezahlt und auch damit andere Nutzungen verdrängt.
Die Herausforderungen sind vielfältig. Auch da spiegeln sich gesellschaftliche Trends wider. Es ist der Markt, es sind andere Flächenanforderungen, und es sind andere Organisationsformen von Nutzern, die dazu führen, dass Nutzer und Nutzungen, die früher in unseren Innenstädten verortet waren, in die Peripherie gezogen sind.
René Kustin: Ist es aber bei dem innerstädtischen Wohnen nicht auch so, dass die hohen Mieten und Grundstückspreise ein Hindernis für eine Entwicklung oder Anmietung darstellen? Es geht ja darum, junge Familien in die Städte beziehungsweise Innenstädte herein zu bekommen. Aber wie sollen diese dann die hohen Mieten zahlen?
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach: Ich sprach eines von vielen Problemen beim innerstädtischen Wohnen bereits an. Das ist der Lärm. Lärm, wie er beispielsweise von Gastronomiebesuchern ausgeht. Es ist aber viel mehr auch das Thema „Verkehrslärm“, der das innerstädtische Wohnen unattraktiv macht. Es gibt sehr viele weitere Einschränkungen beim innerstädtischen Wohnen gegenüber dem Wohnen auf der grünen Wiese, so dass die Altstadt- oder die Innenstadtwohnung noch zusätzlichen Charme entwickeln muss, um diese Nachteile zu kompensieren. Es geht um die Erreichbarkeit, um das Parken, um Balkone an den weniger sensiblen rückwärtigen Fassaden von historischen Altstadthäusern. Es geht also um so triviale Fragen: Wie komme ich überhaupt mit dem Auto an eine Wohnung, die in der Innenstadt oder in einer Fußgängerzone liegt? Wie ist die Parksituation? Oder: Wie schaffe ich eine Kiste Wasser in meine Wohnung? Das sind Fragen, die sich sonst so nicht stellen.
Wir leben in einer Zeit des Umbruches. Schauen wir uns Nebenlagen in Holzminden an. Den Häusern in der Halbmondstraße sehen Sie teilweise noch heute an, dass dort, wo heute leerstehende Ladenlokale sind, einmal Wohnungen waren. Mit hohem finanziellen Aufwand wurden aus den Wohnungen Läden. Es wurden hohe Mieten gezahlt; das rechnete sich. Jetzt ist genau in solchen peripheren Lagen zu beobachten, dass diese Flächen nicht mehr als Läden vermietbar sind. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass die Eigentümer oder die Erbengeneration wieder Geld in die Hand nehmen und die Läden in Wohnungen zurück bauen. Nur am Rande: Die Erbengeneration macht uns tatsächlich Probleme, weil sich der Erbe, der in München oder Düsseldorf lebt nicht für die Entwicklung in Holzminden so interessiert wie jemand, der vor Ort wohnt.
Die Entwicklungen, die wir derzeit erleben, sind normal. Es geht mal in die eine und dann wieder andere Richtung, die ihre Zeit brauchen. Zeit, die die Innenstadt eigentlich nicht hat. Denn in dem Maß, wie wir heute in der Umbruchsituation Leerstand erleben, sind das klaffende offene Wunden, die heftig schmerzlich sind.
Stadtumbau | Expertengespräch Teil II
Attraktiv bleiben
Über Stadtumbau - ein Expertengespräch mit Professor Dr.-Ing. Jürgen Erbach, Professor für Immobilienprojektentwicklung, HAWK Holzminden.
Teil 2 der Serie
René Kustin: Was für Maßnahmen müssen ergriffen werden, damit die Innenstädte auch in Zukunft attraktiv bleiben und diese sich im nationalen sowie internationalen Wettbewerb der Städte profilieren können?
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach: Den Schlüssel dazu haben die Bürger selbst in der Hand. Zum einen, weil es die Bürger sind, die entscheiden, wo sie einkaufen. Die großen Shoppingcenter sind die Tempel unserer Zeit: alles unter einem Dach, im Sommer schön klimatisiert, im Herbst und Winter vor Regen und Kälte geschützt. Die grüne Wiese lockt mit attraktiver Anfahrt, bequemen Parkplätzen fast neben der Kasse, und E-Commerce ist ein Handelsplatz, der zu jeder Tag- und Nachtzeit geöffnet ist und ungeheuere Markttransparenz bietet.
Da kann der Innenstadthändler nur noch mit seinem Service punkten. Darauf zu bauen, dass der Kunde das gleiche Produkt, das er im Shoppingcenter, auf der grünen Wiese oder im Netz billiger bekommt, bei seinem Innenstadthändler kauft, weil er damit die Innenstadt unterstützen will, ist Nonsens. Das Produkt muss unter Einbeziehung anderer Zusatzangebote, wie Service, am Ende preiswerter sein. In dieser, zugegebenen kleinen, Nische kann sich der klassische Einzelhandel noch tummeln.
Neben dem Einzelhandel muss es aber in der multifunktionalen Stadt noch viele andere attraktive Anziehungspunkte für den Innenstadtbesucher geben. Die Frage, was das ist, muss in jeder Stadt individuell beantwortet werden. Diese Antworten können die Bürger einer Stadt auch nur selbst geben.
Deshalb ist Bürgerbeteiligung unverzichtbar. Bürger müssen überhaupt erst einmal wieder begreifen, dass Innenstädte ein Teil von ihnen selbst sind. So wie jeder von uns sein eigenes Gesicht pflegt, so müssen die Bürger einer Stadt alle gemeinsam das Gesicht ihrer Stadt, also die Innenstadt, pflegen.
Aber, wenn wir die Stadt der Zukunft bauen, für wen? Für die heute Vierzigjährigen, Fünfzigjährigen? Ja, die haben auch noch etwas davon. Aber doch eigentlich für diejenigen, die noch nicht geboren sind oder heute noch in den Kindergarten gehen.
Man darf auch nicht ausblenden, dass sich die Menschen weiterentwickelt haben und auch zukünftig werden. So wie meine Generation Bus fuhr, so fliegen die jungen Menschen heute einmal um die Welt. Da sei die Frage erlaubt, welchen Bezug eine Generation, für die die Welt unendlich klein geworden ist, noch zu den Städten hat, in denen sie groß geworden ist? Gibt es noch eine Identifikation mit der Geburtsstadt, mit der Stadt in der man groß geworden ist oder in der man studiert hat? Oder ist es eine romantische (und damit vielleicht überholte) Vorstellung, dass Bürger Bindungen an Städte haben, sich für die Stadt, in der sie gerade wohnen, interessieren oder gar einsetzen? Zum Glück erleben wir gerade das Gegenteil. Bürger interessieren sich und mischen sich ein.
Den Schlüssel haben erst einmal immer die Bürger selbst. Es muss vielleicht eine gewisse Betroffenheitssituation in den einen oder anderen Fällen entstehen, um erst einmal wachgerüttelt zu werden. Stellen Sie sich vor, sie hätten Gäste, denen Sie Ihre Stadt zeigen wollen. Plötzlich geraten Sie in Verlegenheit. Ihre Gäste fragen: Okay, das muss ja früher einmal schön ausgesehen haben, aber heute?
Wenn Scham dazu führt, dass Bürger an ihrer Stadt arbeiten, dann ist diese Scham durchaus nützlich. So ist jeder Niedergang immer auch Chance!
René Kustin: Welche Rolle wird zukünftig der interkommunale sowie der internationale Wettbewerb der Städte spielen? Stichwort: Globalisierung. Heute wird dazu übergegangen Regionen oder Metropolregionen zu bilden, da eine Stadt alleine – sowohl im nationalen als auch internationalen Wettbewerb – nicht mehr bestehen kann?
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach: Den interkommunalen Wettbewerb können wir nicht aufhalten. Aber wir laufen Gefahr, dass dieser in einem ruinösem Wettbewerb endet. Das muss verhindert werden. Wenn schon Wettbewerb, dann ein Wettbewerb der kreativen Ideen. Wie identifizieren und definieren Städte ihre Alleinstellungsmerkmale und setzen diese dann auf prägnante Art und Weise um, das ist das Thema der Zukunft.
Wie viele „Goethestädte“ gibt es? Johann Wolfgang Goethe ist viel gereist. In Ermangelung anderer Alleinstellungsmerkmale schmücken sich heute eine Vielzahl von Städten als „Goethestädte“ und setzen das mehr oder weniger animierend für ihre Touristen um.
Viele Städte haben gerade die Brüder Grimm für sich entdeckt. Die beiden sind auch viel gereist. So rüsten sich heute Hanau, Bad Wildungen und Kassel, um nur drei Städte zu nennen, als Brüder-Grimm-Städte hoch.
Die Frage wird sein, wie es den Städten dann gelingt, in einem Land, das sich noch als das Land der Dichter und Denker bezeichnet, Goethe und die Gebrüder Grimm auf witzige und attraktive Art und Weise erlebbar zu machen. Eines ist sicher: das sich selbst überlassene Vitrinenmuseum, in dem man sich die Bücher der Brüder Grimm hinter Glasscheiben angucken kann, hat keine Chance. Da wird man sich wesentlich mehr einfallen lassen müssen, wenn man heute schon sieht, welchen Stellenwert das Lesen einnimmt.
Viele Städte alleine sind überfordert. Aus dieser Erkenntnis heraus entstehen Partnerschaften, die früher undenkbar waren. Denken Sie an den alten Streit zwischen Düsseldorf und Köln, der sicher auch Komponenten von Kult hat. Düsseldorf alleine im Wettbewerb gegen Amsterdam – keine Chance. Köln alleine im Wettbewerb gegen Amsterdam – ebenfalls keine Chance. Aber zusammen, eventuell auch unter Einbeziehung von Teilen des angrenzenden Ruhrgebietes, sieht das schon anders aus.
Metropolen schließen sich zu Metropolregionen zusammen, um gemeinsam stärker zu sein. Das ist vernünftig. Das ist auch ein gutes Modell für neue Partnerschaften auf anderen regionalen Ebenen. Vernunft vor alten Ressentiments!
René Kustin: Wenn Visionen und Ziele für eine Innenstadt gefunden wurden, wie kann eine Stadt dann den Umsetzungsprozess einleiten?
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach: Unsere Städte stehen vor großen strukturellen Herausforderungen Die Instrumente, die wir im Moment nutzen, um diesen Herausforderungen zu begegnen, sind wenig geeignet. Heute definieren wir Einzelprojekte. Dann werden Architekten- und Investorenwettbewerbe ausgeschrieben. Damit löst man vielleicht singuläre Probleme, aber nicht die strukturellen Herausforderungen. Es bedarf neuer Instrumente, die ganzheitliche und vernetzte Lösungen ermöglichen.
Im hessischen Hanau hat man mit dem wettbewerblichen Dialog neue Wege beschritten. Das scheint mir eine Lösung zu sein, wie man strukturell die Herausforderungen bewältigen kann. In Hanau wurden innerstädtische Schwachstellen und strategische Projekte identifiziert, alle Projekte wurden in einer Ausschreibung, dem wettbewerblichen Dialog, zusammengefasst. Die Bewerber haben dann ihre Konzepte für alle Projekte erarbeitet, der Stadt vorgelegt und mit ihr von Stufe zu Stufe weiterentwickelt. Von Stufe zu Stufe wurde dann immer ein Wettbewerbsteilnehmer mehr ausgeschlossen bis am Ende nur noch einer übrig blieb. So wurden für Immobilieninvestoren attraktive Projekte mit anderen aus Investorensicht eher uninteressanten Projekten zusammengefasst und für die Stadt Hanau ein interessantes Ergebnis erzielt. Übrigens wurden die Bürger in Hanau immer mit einbezogen. Die letzte Entscheidung wurde unter Einbeziehung von 140 Bürgern getroffen.
René Kustin: Welche Bedeutung wird zukünftig – gerade vor dem Hintergrund des demographischen Wandels, der Globalisierung und ähnliches – dem Stadtumbau zukommen? Sie haben vorhin auch schon etwas dazu gesagt, aber worauf ist dann speziell beim Stadtumbau zu achten?
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach: Drei Dinge: Erstens: die Bürger mitnehmen. Zweitens: die Bürger mitnehmen. Drittens: die Bürger mitnehmen.
Die Themen habe ich schon benannt: „back to the roots“, also zurück zum Erfolgsmodell der europäischen, der multifunktionale Stadt. Auf den Punkt gebracht: Holt die Nutzungsvielfalt zurück in die Innenstädte. Eine Grundvoraussetzung, die vorher erfüllt sein muss, ist, dass die Aufenthaltsqualität erhöht werden muss, und das heißt, dass es neuer Verkehrskonzepte bedarf. Vorrang für die Menschen.
Vor allen Dingen muss man in den Köpfen der potenziellen Bürger und den Gästen einer Stadt spazieren gehen. Man braucht die Bereitschaft und den Mut, neu und anders zu denken.
Wie die Stadt der Zukunft aussieht, das müssen die Bürger einer Stadt gemeinsam entwickeln. Das ist ein schwieriger und anstrengender Prozess. So ist das eben, wenn man möglichst viele mit auf dem Weg nach Morgen mitnehmen will. Aber, wenn der Stadtumbau die Dimensionen annehmen wird, von denen ich vermute, dass sie notwendig sein werden, dann braucht man eine breite Basis. Dann braucht man die Bürger!
Rene Kustin: Können Sie eine Idee geben, was die Stadt der Zukunft auszeichnet?
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach: Ich bin kein Zukunftsforscher. Aber, was wäre ein denkbares Innenstadtszenario? Wie könnten die Bedürfnisse zukünftiger Generationen aussehen?
Wir leben schon heute in einer Gesellschaft, in der zwar Kommunikation auf der einen Seite groß geschrieben wird, aber auf der anderen Seite eine deutliche Vereinsamung festzustellen ist. Die Facebook-Generation hatte noch nie so viele „Freunde“ wie heute und hatte noch nie so wenig „Freunde“ wie heute.
Da können Innenstädte Marktplätze sein. So verstanden sind das aber keine Marktplätze, wo es nur darum geht, Waren auszutauschen. So verstanden sind das Marktplätze, auf denen weit mehr als Warenaustausch stattfindet, das sind Kommunikationsforen.
Welche Glücksgefühle erlebe ich, wenn ich zu Hause vor dem noch so schönen Flachbildschirm sitze? Ein Fernseher redet nicht mit mir. Der Mensch ist aber nicht für die Einsamkeit geschaffen. Innenstädten öffnen sich da Chancen: wenn sie Angebote für Menschen haben, dann werden diese auch von erst einem, dann zwei und dann ganz vielen angenommen. Meistens sind es übrigens die Handelsangebote, die die Menschen anlocken. Man mag sich noch so sehr über Konsum und damit über den Einzelhandel aufregen, Menschen gefällt es, sich etwas gönnen zu können. Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Wenn man das Bedürfnis hat, andere zu treffen, dann kann man in die Innenstadt fahren, sich ins Café setzen und ein Gemeinschaftserlebnis haben. Diese Funktionen werden für die Städte zukünftig noch viel, viel mehr an Bedeutung gewinnen. Das ist eine großartige Chance! Und darauf sollten sich die Städte vorbereiten.
René Kustin: Sie hatten davon gesprochen, den Bürger mitzunehmen. Bedeutet das, dass seitens der Stadt auch offen gesagt werden muss, dass die bisherige Entwicklung nicht mehr in dem Ausmaß stattfinden kann und es auch zu infrastrukturellen Einschneidungen kommen wird bzw. muss, wie zum Beispiel dem Rückfahren der ÖPNV-Leistung und Ähnliches.
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach: Also ich glaube, dass die Bürger da weiter sind als die Politik. Dass der einzelne Bürger oder die Eltern dafür kämpfen werden, dass Schulen usw. nicht geschlossen werden, kann man verstehen. Aber da bedarf es auch intelligenter Konzepte. Die Bürger müssen und wollen auch bei schwierigen Entscheidungen mit einbezogen werden. Es gibt etliche Beispiele, die zeigen, dass Bürger kreativere Lösungen entwickeln als die Politik dazu in der Lage ist.
Eine zentrale Frage, die immanent im Raum und damit zwischen Politikern und Bürgern steht, ist die Frage: Wer ist Herr im Haus? Politiker berufen sich darauf, dass sie von ihren Bürgern mit einem Mandat ausgestattet sind, das Sie berechtigt, die Interessen der Bürger bis zur nächsten Wahl wahrzunehmen. Das ist das Grundprinzip der repräsentativen Demokratie.
Was aber, wenn der Souverän, der Bürger, nicht bis zur nächsten Wahl warten will, sondern schon in der Wahlperiode Entscheidungen an sich zieht? Das hat auch erst einmal gar nichts damit zu tun, dass quasi über Nacht die „Außerparlamentarische Opposition“ auferstanden ist. Wenn die Politik allerdings Bürgerbeteiligung nicht als Chance wertet, dann kann das Bürgerengagement auch zur Außerparlamentarischen Opposition werden.
Unverkennbar ist da Unzufriedenheit, die sich aufstaut und entlädt. Zum Erstaunen aller geht auch das bürgerliche Milieu auf die Straße. Vom Wutbürger ist da plötzlich die Rede.
Zwischen Politikern und Bürgern ist ein Spannungsfeld entstanden. Auch diejenigen, die auf der anderen Seite als Politiker stehen, sind wütend. Sie engagieren sich, ärgern sich, dass ihr Engagement kaum oder zu wenig Beachtung findet, obwohl sie von Stadtparlaments- zu Ausschusssitzungen hin und her wandern und sehr viel freie Zeit opfern. Tatsächlich ist die Grenze der Zumutbarkeit dessen, was man heute nebenberuflichen Mandatsträgern aufbürden kann, überschritten. Aber das ist eine andere große Herausforderung. Aus Sicht der Politik werden über lange Zeiträume Entscheidungen vorbereitet und dann, wenn die Entscheidungen getroffen werden, melden sich quasi aus dem Nichts Bürger und stellen alles wieder in Frage. Da ist Erstaunen darüber, wie viele Bürger plötzlich aus dem Nichts auf die Straße gehen. Da ist aber nicht nur Wut, da ist auch Angst, Angst vor den Bürgern.
Politiker denken heute zu häufig in Wahlperioden. Wie komme ich am besten durch die vor mir liegende Amtszeit mit der Chance auf Wiederwahl. Schauen Sie sich manche Dörfer an. Da gibt es in den Dorfkernen viele Baulücken. Trotz dieser Baulandreserven und trotz Blick auf den demographischen Wandel werden auch heute noch viele Neubaugebiete ausgewiesen. Dabei lernen schon heute viele Hausbesitzer, dass sie ihr Haus schon heute in manchen Gegenden gar nicht mehr oder nur unter großen Abschlägen verkaufen können. Das verringert dann auch die Spielräume, sich in Stadtzentren mit der Infrastruktur, die man im Alter braucht -so man sich das für diesen Lebensabschnitt erträumte- komfortabel „einzukaufen“ und einzurichten.
Wenn sich beide Seiten unversöhnlich und mit Skepsis begegnen, ist das keine Grundlage, um gemeinsam den besten Weg für seine Stadt zu finden.
Unterschiedlichste Bürger interessieren sich für ihre Stadt. – Das ist erst einmal sehr begrüßenswert. Alle eint ein Wunsch, sich für die eigene Stadt zu engagieren und Beiträge dazu zu leisten, dass sie wieder auf ihre Stadt stolz oder noch stolzer, als sie ohnehin schon auf ihre Stadt sind, sein können. Diese Bürger bringen einen großen Schatz ein: sie kennen ihre Stadt, und sie haben viele Ideen. Ideen, die auf den ersten Blick auf jemanden, der in seinen Denkstrukturen verhaftet ist, befremdlich wirken, die aber auf den zweiten Blick vielleicht nicht mehr so abstrus wirken.
Übrigens: In vielen Fällen wäre es einfach hilfreich, wenn Mandatsträger einmal zu Fuß in ihrer Stadt unterwegs wären und das Gespräch mit dem allseits bekannten „Mann auf der Straße“ suchen würden.
René Kustin: Ganz zum Schluss: Können Sie drei wichtige Faktoren für Städte nennen, um sich gut positionieren zu können?
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach: Wichtig sind die drei A`s. Das erste A steht für Arbeit. Die Menschen werden da leben, wo Arbeit ist. Und deshalb ist es für eine Kommune immer eine wichtige Frage, wie sie Arbeitsplätze erhält oder neu schafft, und damit geht es immer auch um die Erhaltung der Kaufkraft am Standort.
Das zweite A steht für Aufenthaltsqualität. Da geht es vordergründig um Stadtraumgestaltung von der Möblierung bis hin zur Beleuchtung und Raumbildung. Aber die Kernaussage ist: Lebendige Städte sind attraktive Städte. Da geht es aber nicht nur um viele Menschen in der Innenstadt, sondern auch darum, dass die Menschen in einer Stadt eine gute Kultur untereinander pflegen. Funktionierende Bürgerbeteiligung ist ein guter Indikator für eine lebendige Stadt.Das dritte A steht für ausgeglichene Altersstruktur. Wer will in einer Stadt leben, in der nur alte oder nur junge Menschen leben? In attraktiven Städten leben Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensentwürfen harmonisch miteinander. Attraktive Innenstädte sind die beste Wirtschaftsförderung, die man sich denken kann, weil sie Standorte für Spitzenkräfte und deren Familien im wahrsten Sinne des Wortes anziehend machen.
Einzelhandel in der Innenstadt | Expertengespräch Teil III
Handeln in der City
Über Einzelhandel in der Innenstadt - ein Expertengespräch mit Professor Dr.-Ing. Jürgen Erbach, Professor für Immobilienprojektentwicklung, HAWK Holzminden.
Teil 3 der Serie.
René Kustin: Wo sehen Sie gegenwärtig die größten Mängel bei den deutschen Innenstädten, und was sind die Ursachen für deren Bedeutungsverlust? Stichwort Austauschbarkeit haben Sie bereits angesprochen.
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach: Sie stellen die alles entscheidende Frage nach dem Warum? Eine saubere Analyse und Ursachenforschung ist die beste Grundlage, um Lösungen zu finden.
Unsere Innenstädte sind zu reinen Einzelhandelszentren verkommen. Diese Monostruktur erweist sich dann als Schwachpunkt, wenn der Einzelhandel selbst deutlich schwächelt. Dabei will ich trotzdem für den Handel, insbesondere den innerstädtischen Handel, eine Bresche schlagen: Handel kommt immer ohne Innenstadt aus, aber eine Innenstadt kommt nie ohne Handel aus. Das kann nicht darüber hinweg täuschen, dass Nebenlagen oder Obergeschosse, die in den Boom-Zeiten des Einzelhandels nachgefragt wurden, jetzt in Frage gestellt sind und auch „zurückgebaut“ werden müssen. Überhaupt: Rückbau darf für viele Kommunen kein Tabuthema sein. Aus Sicht der jetzigen Eigentümer werden da erhebliche Werte vernichtet.
Ein aus meiner Sicht erfolgversprechender Lösungsansatz besteht in der Strategie des „back to the roots“. Warum greifen wir das Erfolgskonzept der europäischen, der multifunktionalen Stadt nicht wieder aktiv auf?
René Kustin: Trifft das auch auf die Großstädte zu, oder beschränkt sich das eher auf die Klein- und Mittelstädte?
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach: Das Problem der Monostruktur ist sogar vor allem ein Thema der Großstädte. Sobald die Geschäfte schließen, werden die Innenstädte in Großstädten zu Geisterstädten. Gehen Sie durch großstädtische Fußgängerzonen und schauen Sie nach oben. Was Sie sehen, ist häufig nichts. Viele Obergeschosse sind ungenutzt. Angesichts hoher Erdgeschoss Mieten für Einzelhandelsflächen wurde so manches Treppenhaus zugunsten mehr Schaufenster und Mietfläche geopfert, so dass Obergeschosse auch gar nicht –außer durch den Laden- erreichbar sind.
In diesen Obergeschossen liegt ein großes Potenzial. Und das Potenzial besteht nicht nur in der Flächenreserve. Es ist vor allem Potenzial, welches darin besteht, wieder Nutzungsvielfalt und damit Leben in unsere Innenstädte zu holen.
Diese Obergeschosse, die wieder zu Wohnungen zurückgebaut werden können und müssen, bieten Raum für viele Menschen. Die niederländische Stadt Maastricht hat so in ihrer Innenstadt 30.000 Menschen angesiedelt. Diese 30.000 Menschen wohnen hier, sie kaufen hier ein, sie nehmen kulturelle Angebote wahr, sie arbeiten hier und vieles mehr. Solche lebendigen und bewohnten Innenstädte sind abends oder nach Geschäftsschluss auch nicht mehr tot. Dadurch, dass im Idealfall Wohnen und Arbeiten dicht beieinander liegen, müssen sie nicht mehr zur Arbeit fahren. Damit fallen viele Probleme des nicht mehr in dem Maße notwendigen Verkehrs und Parkens weg. Das löst auch einige Umweltprobleme.
Damit habe ich ein wichtiges Stichwort genannt, Verkehr. Um unsere Innenstädte wieder zu attraktiven Wohnstandorten zu machen, müssen wir uns erst über eine andere Fehlentwicklung im Klaren werden: Bauen wir Städte für Autos oder für Menschen?
Schauen Sie sich unsere Innenstädte heute an. Viele Plätze sind keine Plätze, sondern Verkehrsknoten. Es geht also um das Frage, ob und wieweit wir dem Auto Vorrang einräumen. Wenn wir über das Thema Verkehr reden, dann geht es um das Thema Aufenthaltsqualität. Die Schaffung höhere Aufenthaltsqualität in unseren Innenstädten ist die Vorraussetzung dafür, dass wir über die erfolgreiche Ansiedlung vielfältiger Nutzungen nachdenken können.
Da ist der fließende Verkehr, der durch die Innenstädte brettert – da erlebt man tagtäglich, was des Deutschen liebstes Kind ist und wie dieses Kind uns auf der Nase herum tanzt. Dann geht es aber auch um den „ruhenden“ Verkehr. Wir haben in unseren Städten prominente Plätze, die zu Autoparkplätzen degradiert werden. „Parkplatz mit Flussblick!“- Wer mit offenen Augen durch unsere Städte geht, stellt bedrückt fest, wie verschroben unsere Prioritäten sind.
Diese „Parkplätze mit Flussblick“ müssen sich die Bürger, die Bewohner, wieder zurückerobern!
Wenn wir zurück zur multifunktionalen Stadt kommen wollen, müssen wir zunächst das Thema „Verkehr“ lösen, damit neue Aufenthaltsqualität sowie eine neue Identität der Stadt geschaffen werden können.
René Kustin: Der Einzelhandel hat in der Vergangenheit eine Leitfunktion in der Innenstadt übernommen. Doch Handel ist Wandel. Welche Rolle wird der Einzelhandel bei der zukünftigen Innenstadtentwicklung spielen, und welche Funktionen sollten Ihrer Meinung nach wieder verstärkt in den Vordergrund rücken?
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach: Man kann das nicht oft genug wiederholen: der Handel braucht nicht die Innenstadt – aber die Innenstadt braucht den Handel. Die Innenstadt – auch gerade von zentralen Orten, ob Mittel- oder Oberzentren – ist der Marktplatz der Stadt oder der Region. Diese Marktplatzfunktion zieht die Menschen aus nah und fern in eine Stadt, in eine Innenstadt. Dem Handel kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Aber zukünftig wird auf den innerstädtischen Marktplätzen mehr als nur Warenaustausch stattfinden müssen; unsere Marktplätze müssen mehr und mehr wieder Orte der Kommunikation werden – Orte, an denen die Menschen Aug in Aug aufeinander treffen.
Es gibt viele schöne Altstädte in Deutschland. Einige, wenige Altstädte haben auch das Glück, dass sie noch nicht von den Filialisten erobert wurden. Historische Altstadtfassaden in Kombination mit den Einheitswerbeanlagen der einschlägigen Filialisten erhöhen die Attraktivität einer Altstadt nicht. Aber ohne Menschen ist die schönste Altstadt nur noch ein Museum, eine Bauausstellung. Erst Menschen geben auch solchen Altstädten ihr Flair, ihre Ausstrahlung und Attraktivität und damit Authentizität.
René Kustin: Wie beurteilen Sie die verstärkte Ansiedlung von Shoppingcentern in Innenstädten als Wunderwaffe der Innenstadtentwicklung? Glauben Sie, dass Shoppingcentern – vor dem Hintergrund des demographischen Wandels, dem E-Commerce oder den Verschiebungen der Konsumausgaben, also höhere Ausgaben für Energie, Benzin, private Altersvorsorge und weniger Ausgaben für den Einzelhandel – dasselbe Schicksal ereilt wie die Warenhäuser und somit die neuen Ruinen der Zukunft darstellen?
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach: Beim Thema Shoppingcenter scheiden sich die Geister. Die einen setzen auf Shopping-Center, um mehr Menschen in ihre Stadt zu holen. Für die anderen leiten Shoppingcenter das Ende der Innenstadt ein. Die Wahrheit liegt –wie so häufig- in der Mitte.
Shoppingcenter brauchen keine Innenstadtlagen. Wenn ein Center groß genug ist und an einem verkehrsorientierten Standort mit einem ausreichenden Einzugsgebiet liegt, dann kann ein solches Center quasi überall liegen. Je größer das Center, umso stabiler ist ein solches Center. Sehen Sie sich nur das Centro in Oberhausen an.
Gerade scheinen große Einkaufszentren das Allheilmittel, um sich für die Zukunft zu rüsten. ECE, MFI und Multi Developement kommen gar nicht nach, die Nachfrage zu befriedigen. Schauen Sie sich die Einzugsgebiete einmal an. Wenn Sie alle potentiellen Kunden aus den jeweiligen Einzugsgebieten aller gegenwärtigen und zukünftigen Shoppingcenter addieren, dann müsste die Bundesrepublik Deutschland nicht 82 Millionen Bewohner haben, sondern 300 oder gar 400 Millionen Menschen. Tatsächlich sprechen die Prognosen des demographischen Wandels eine andere Sprache. Diese Shoppingcenter sind auch nicht nur für zehn Jahre, sondern, wie alle Immobilien, für mehrere Dekaden gebaut. – Um dem ganzen noch etwas abzugewinnen: Wir produzieren uns gerade die Redevelopmentaufgaben der nächsten Jahre selbst.
Shoppingcenter-Entwickler haben ihre eigenen Interessen im Fokus. Deshalb bauen sie introvertierte Center, also kleine Mikrokosmen, die in sich autark funktionieren und nicht auf Verknüpfungen, wie zum Beispiel mit einer Innenstadt, angewiesen sind. Die Folge mag sein, dass die Zentralität einer Stadt hoch schnellt und gleichzeitig die Innenstadt unmittelbar vorm Einkaufszentrum verödet.
Shoppingcenter sind dann für eine Stadt gut und richtig, wenn sie sich in die Städte integrieren und öffnen. Jede Öffnung eines Shoppingcenters bedeutet aber auch einen Schwachpunkt aus Sicht des Centers.
René Kustin: Welche städtebaulichen Folgen hätte das dann für die Innenstadt, wenn Shoppingcenter zu Immobilienruinen würden?
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Erbach: Keine! Anders als die großen leerstehenden Kaufhäuser, die erkennbar große Lücken in die Innenstädte reißen, weil zum einen der Leerstand der Großimmobilie über mehrere hundert Meter toter Fassade wahrgenommen wird, zum anderen, weil mit dem Wegfall des Ankers das Umfeld „austrocknet“, ist ein leerstehendes Shoppingcenter doch gar nicht von einem funktionierenden Shoppingcenter zu unterscheiden. Okay, da hängt an dem einen keine Werbung mehr, vielleicht sind die wenigen Quadratmeter Vorplatz nicht mehr so gepflegt und belebt und das Parkhaus ist leer, was Sie von außen auch nicht sehen können. – Das ist dann der Vorteil des introvertierten Centers. Es steht wie ein Sarkophag in einer Innenstadt, nicht mehr und nicht weniger.
Extra-Informationen zur Ausgabe 6-2011
1.) Internationale Maklerhäuser im Fusionsfieber: Interview mit Andreas Quint, Jones Lang LaSalle
2.) Wie müssen Immobilienunternehmen heute kommunizieren? Interview mit Anné Schwarzkopf, Agentur Pálffy + Thöne
3.) Blick ins Buch: ein Auszug aus dem neuen Grundlagenwerk „Immobilienwirtschaftslehre Band I: Management“
4.) immobilienmanager.AWARD 2012: der Film zum Branchen-Event
5.) Real Estate Forum Asset Management: Bilder und Impressionen von der Veranstaltung
6.) Wohnungsmarkt Berlin: Projekte und Transaktionen des Jahres 2011
Fusionsfieber | Interview mit A. Quint, Jones Lang LaSalle
Interview mit Andreas Quint, Deutschland-Geschäftsführer von Jones Lang LaSalle
„Mit offenen Armen“
AKQUISITIONEN
Seit dem 1. Juni gehört King Sturge zu Jones Lang LaSalle. Christof Hardebusch sprach mit Andreas Quint über diese Akquisition. Andreas Quint ist Deutschland-Chef von Jones Lang LaSalle.
Warum war King Sturge für Jones Lang LaSalle so attraktiv?
Andreas Quint: Aus britischer und gesamteuropäischer Sicht ist diese Übernahme sehr sinnvoll. Jones Lang LaSalle wurde über Nacht zum Marktführer in Großbritannien. Die Zahl der Mitarbeiter dort hat sich von 1.300 auf 2.600 verdoppelt. Außerdem ist Jones Lang LaSalle Marktführer in Europa, unter anderem auch, weil King Sturge stark in Mittel- und Osteuropa und in Belgien vertreten war.
Was verändert sich in Deutschland?
Andreas Quint: In Deutschland haben wir rund 600 Mitarbeiter, King Sturge hat 25. Es gibt also kaum Überlappungen und keine Kollateralschäden. Die beiden deutschen King-Sturge-Büros in Berlin und Frankfurt am Main werden wohl in unsere dortigen Niederlassungen integriert. Die Partner und Mitarbeiter von King Sturge, die zu uns kommen wollen, empfangen wir mit offenen Armen. Aus Sicht von Jones Lang LaSalle Deutschland ist diese Übernahme alles in allem weder eine Last noch eine bedeutende Veränderung. Ähnliches gilt übrigens für Frankreich.
Ihr Unternehmen hat als letzte große Akquise den Einzelhandels-Spezialisten Kemper´s übernommen. Werden weitere Übernahmen in Deutschland folgen?
Andreas Quint: Wohl kaum. Wir haben hier rund 600 Mitarbeiter und sind sowohl räumlich als auch bezüglich der Nutzungsarten und Service-Angebote breit aufgestellt. Eine Steigerung auf beispielsweise 800 Mitarbeiter durch eine Übernahme würde nur wenig Sinn machen. Hier setzen wir auf organisches Wachtstum. Kemper´s war eine wertvolle strategische Ergänzung, weil wir im Retail-Bereich vorher eher schwach vertreten waren. Dieser Bereich hat sich sehr erfolgreich entwickelt. Weitere strategische Ergänzungen in Deutschland kann ich nicht erkennen. Das soll nicht ausschließen, dass wir möglicherweise kleinere Abrundungen unseres Angebots vornehmen, beispielsweise ein geeignetes Ingenieurbüro oder einen Property Manager, der an Standorten stark ist, an denen wir noch nicht präsent sind.
Gehört die Zukunft den großen internationalen Maklerhäusern?
Andreas Quint: Nur global aufgestellte Dienstleister haben Zugang zu internationalem Kapital. Selbst bei mittleren Investments wird man inzwischen gefragt, ob man Kontakte zu amerikanischen, asiatischen und arabischen Investoren hat. Im Vermietungsgeschäft ist es ebenso. Globale Unternehmen suchen Berater, die den Zugang zu ganzen Kontinenten verschaffen können. King Sturge konnte das nicht bieten, und das war für die Partner von King Sturge wohl ein wesentlicher Grund dafür, die Selbständigkeit aufzugeben.
Nun gibt es aber ohne Zweifel auch in den Topstandorten lokale Makler mit großem Marktanteil?
Andreas Quint: Man kann natürlich auch als lokal begrenzter Makler einen Standort in den Griff bekommen. Aber die großen Tickets im Investmentgeschäft wie in der Vermietung gehen an die globalen Player. Der Konzentrationsprozess läuft schon geraume Zeit und wird sicher noch lange dauern. Aber er wird voranschreiten.
Kommunikation | Interview mit A. Schwarzkopf, Pálffy + Thöne
Interview mit Anné Schwarzkopf, Geschäftsführerin der Kommunikationsagentur Pálffy + Thöne
„Konflikte sollten nicht ausgeblendet werden“
Die Anforderungen an die Kommunikationsarbeit von Immobilienunternehmen sind deutlich gestiegen. Darüber sprach immobilienmanager mit Anné Schwarzkopf, Geschäftsführerin der Kommunikationsagentur Pálffy + Thöne.
immobilienmanager: Frau Schwarzkopf, wie müssen Immobilienunternehmen heute kommunizieren?
Anné Schwarzkopf: Nicht nur für Großvorhaben wie Stuttgart 21 gilt: Geplante Bau- und Immobilienprojekte werfen stets eine Vielzahl an Fragen auf, sie sind in einem umfassenden Sinne erklärungsbedürftig. Ganz gleich, ob es um den Neubau einer U-Bahn geht, die Revitalisierung eines Industriegeländes oder den Abriss eines denkmalgeschützten Bauwerkes: Die Betroffenen, beispielsweise Investoren, Bauherren, Eigentümer, Mieter und Bürger, wollen mehr denn je gehört werden, mitreden und mitbestimmen. Hier muss die strategische Kommunikationsarbeit ansetzen – in allen Phasen eines Projekts, von der Planung bis zur Realisierung eines Vorhabens und darüber hinaus.
immobilienmanager: Werden an die Immobilienwirtschaft besondere Anforderungen gestellt?
Anné Schwarzkopf: Die Immobilienbranche ist Teil der Öffentlichkeit, jede ihrer Aktionen ist Teil einer öffentlichen Beziehung. Kommunikation hat einen erheblichen Einfluss darauf, wie die Branche wahrgenommen wird. Oft versteht die breite Bevölkerung die Ziele der Immobilienwirtschaft nicht oder betrachtet sie pauschal als fragwürdig – was selten an den Projekten selbst liegt. Vielmehr kommunizieren viele Protagonisten schlichtweg zu wenig oder zu ineffektiv und versäumen es so, für sich und ihre Anliegen zu werben.
immobilienmanager: Was muss sich also ändern?
Anné Schwarzkopf: Was sich bei vielen Akteuren der Immobilienbranche ändern sollte, ist die Denkweise: (Immobilien)Macher können es sich heute nicht mehr leisten, an der Öffentlichkeit vorbei zu agieren. Vielmehr kommt es darauf an, Transparenz zu schaffen und mit den Menschen einen Dialog zu führen – aktiv, kontinuierlich und glaubwürdig. Es geht immer auch um Nähe, man sollte die Menschen als Partner sehen und mit ihnen auf Augenhöhe kommunizieren, das heißt ihre Bedürfnisse und Ängste ernst nehmen.
Es geht um Kooperation statt Konfrontation. Würde sich dieses „neue“, offene und konstruktive Kommunikationsverhalten noch stärker als bisher in der Branche durchsetzen, wäre viel gewonnen. Dies gilt im Übrigen auch für die unternehmensinternen Kommunikationskulturen.
immobilienmanager: Tatsächlich hat man aber oft den Eindruck, dass nur die guten Nachrichten kommuniziert werden.
Anné Schwarzkopf: Konflikte sollten nicht ausgeblendet, ausgesessen oder gar verheimlicht werden. Es gilt, die Betroffenen auch dann zu informieren, wenn etwas nicht optimal läuft. Denn schnelle und professionelle Krisen- und Konfliktkommunikation wirkt Gerüchten und Spekulationen entgegen und kann bleibende Image-Schäden verhindern. Dabei gilt: PR ist keine Schönfärberei. Es geht nicht darum, mögliche Kritik zu unterdrücken, sondern mit möglicher Kritik offensiv und konstruktiv umzugehen.
immobilienmanager: Welche Bedeutung werden das Internet und Social Media für die Kommunikation von Immobilienunternehmen in Zukunft haben?
Anné Schwarzkopf: Der Immobilienwirtschaft wird oftmals nachgesagt, sie sei eine konservative Branche, gerade im Hinblick auf das Internet. Das kann man so nicht gelten lassen, denn Immobilienportale wie immobilienscout24 oder Immonet gehörten zu den ersten Plattformen, die sich erfolgreich im Internet positioniert haben. Durch Web 2.0 haben die Unternehmen nun wesentlich mehr Möglichkeiten, mit den Menschen zu kommunizieren und sogar in direkten, fast Echtzeit-Dialog zu treten.
Inwieweit sich eine Web 2.0-Strategie für die Immobilienwirtschaft eignet, muss je nach Unternehmen individuell entschieden werden. Klar ist: Im Web 2.0 gibt es unzählige Netzwerke, Plattformen und Blogs, die über kurz oder lang für viele Akteure der Branche kommunikative Chancen bieten, die es von Fall zu Fall auszuloten und zu nutzen gilt. Trotz Twitter, Facebook und Web 2.0 wird die Kommunikation über klassische Kanäle, etwa bewährte Print- und Onlinemedien, weiterhin eine zentrale Rolle spielen.
Für die Akteure der Immobilienwirtschaft wird es beispielsweise auch künftig wichtig sein, die Fachpresse als kompetenten Ansprechpartner einzubeziehen. Denn Entscheider schätzen diese Medien als Informationsquelle und beurteilen sie als wertvolles Instrument für die B-to-B-Kommunikation.
Auszug Fachbuch | Immobilienwirtschaftslehre Band I: Management
Beispielkalkulation aus „Immobilienwirtschaftslehre, Band I: Management.
Bei der vorgestellten Excel-Tabelle handelt es sich um Excel-Kalkulationen zu den zugehörigen Erläuterungen und Abbildungen des Kapitels E.5 Immobilien-Risikomanagement des Buches Immobilienwirtschaftslehre: 1 – Management.
In dem Excel-Sheet werden auf einem ersten Tabellenblatt zunächst die grundlegenden Annahmen der auf den folgenden Tabellenblättern durchgeführten Berechnungen dargestellt. Insbesondere in den Tabellenblättern zu den Abbildungen 10-11, 13, 14 und 16 wird dann auf die Durchführung von Risikomanagement-Analysen mit Hilfe von EXCEL eingegangen.
Als Basis wird ein fiktiver Cash Flow herangezogen und eine erstrangiges Darlehen in Höhe von 50% implementiert (Abb. 10-11). Anhand dieses Cash Flows und der zugehörigen Renditekennzahlen (inkl. der selbstprogrammierten Renditekennzahl XMIRR), werden dann verschiedene Risiko-Analysen in Form von Tonardo-Diagrammen (als Sensitivitätsanalyse (Abb. 13) und als Scenario-Sensitivitäts-Analyse (Abb. 14)) sowie einer Monte-Carlo-Simulation durchgeführt (Abb. 16).
Neben den offensichtlichen Kalkulationen werden hierfür auch Makros herangezogen, welche eine Automatisierung der Tabellenkalkulation und der graphischen Darstellung erlauben. Die Nutzer dieser Datei können mit Hilfe der in Orange dargestellten Annahmen Veränderungen an dem Modell vornehmen und dank der automatisierten Berechnung die Auswirkungen dieser Änderungen in den einzelnen Tabellenblättern nachvollziehen.“
Excel-Kalkulation als Download (.xls Dateigröße 700 KB)
Uneingeschränkte Kompatibilität können Sie sicherstellen, in dem Sie eine deutsche Version von Excel 2010, mit installierten Analysefunktionen verwenden. Obwohl alle Excel-Sheets auf verschiedenen Betriebssystemumgebungen getestet wurden, verbleiben einige wenige Excel-bedingte Kompatibilitätsprobleme.
Um auch diese zu beseitigen stellen Sie bitte sicher, dass Sie in Ihrer Excel-Version die Add-Ins „Analyse-Funktionen“ und „Analyse-Funktionen – VBA“ aktiviert haben. Sollten Sie darüber hinaus eine englische Version von Excel verwenden, kann es vorkommen, dass in Excel einige Funktionen wie z.B. EDATUM oder XKAPITALWERT nicht automatisch übersetzt werden. Diese müssen gegebenenfalls händisch nachgepflegt werden.
immobilienmanager.AWARD | Film zum Branchenevent
Real Estate Forum Asset Management | Impressionen
Wohnungsmarkt Berlin | Projekte und Transaktionen 2011
| Lage | Projekt-/ Portfolioname |
Entwickler/ Investor |
Wohn- einheiten |
gesamt m² | Preis m²/€ | IV/€ | Fertig |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Britz, Rudow | Corestate- Portfolio |
Zentral Boden Immobilien | 894 | 48.000 | 39 Mio. | ||
| Marzahn- Hellersdorf |
TAG Immobilien | 612 | 43.600 | ||||
| Neukölln | Caleus, Epsio | 500 | 70 Mio. | Herbst 2013 | |||
| Charlottenburg- Wilmersdorf |
Kaiserin-Auguste- Viktoria-Krankenhaus |
Comer | 500 | 65.000 | 3.000-5.000 | 100 Mio. | |
| Kreuzberg | Möckernkiez | Möckernkiez eG | 400 | ||||
| Prenzlauer Berg | Akelius | 323 | |||||
| Mitte | Akelius | 300 | |||||
| Köpenick | Glanzfilmfabrik | Estavis | 230 | Ø 3.200 | 65 Mio. | ||
| Mitte | Flottwell- promenade |
Vivico | 250 | ||||
| Charlottenburg- Wilmersdorf |
Haus Cumberland |
Thomas Bscher, Detlef Maruhn Profi Partner AG |
210 | 3.500-7.500 | 120 Mio. | Ende 2012 | |
| Charlottenburg- Wilmersdorf |
Rosengärten | Bauwert | 210 | 3.100-5.600 | |||
| Friedrichshain | Actienbrauerei | Estavis | 152 | 13.900 | Ø 3.100 | 43 Mio. | Frühjahr 2013 |
| Friedrichshain | Spreegold | Streletzki | 114 | 11.700 | 2.890-4.300 | Mitte 2013 | |
| Steglitz-Zehlendorf | Urban Village | Stofanel | 110 | ||||
| Weißensee | Kreuzpfuhl | Bayerische Hausbau | 101 | 2.600-3.400 | Mitte 2013 | ||
| Charlottenburg- Wilmersdorf |
Goslarer Ufer | Project Fonds | 99 | 9.959 | |||
| Mitte | Yoo Berlin | Peach Property | 87 | 83 Mio. | |||
| Prenzlauer Berg | Zwei Höfe | F&B Gruppe | 50 | 3.500 | Ende 2012 | ||
| Wilmersdorf | Lentzeallee | Klaus Groth | 50 | ||||
| Mitte | Opernlofts | Optima-Aegidius | 50 | 6.000 | Ende 2012 | ||
| Zehlendorf | Königsquartier | Diamona & Harnisch | 43 | 4.800 | 3.200-4.850 | Ende 2012 | |
| Schöneberg | Diplomatenpark | Klaus Groth | 40 | ||||
| Charlottenburg- Wilmersdorf |
Amisia Finest Living | Gädecke & Sons, KoHa & Knospe |
32 | 3.935-6.850 | 25 Mio. | 2. Hälfte 2012 | |
| Friedrichshain | Finow 17 | Dr. Wilke | 30 | 2.000-3.000 | Ende 2011 | ||
| Mitte | V 20 Wohnen am Park |
Natulis | 26 | 3.560 | 2.400-4.450 | 13 Mio. | |
| Charlottenburg- Wilmersdorf |
Ludwigkirch- palais |
Artprojekt | 17 | Ø 4.200 | 10 Mio. | Ende 2011 | |
| IV: Investitions- volumen |
Extra-Informationen zur Ausgabe 5-2011
1.) AIFM-Richtlinie: Die wichtigsten Punkte der Regulierung für Manager alternativer Investmentfonds.
2.) Immobilien-Aktiengesellschaften: Vergütungen der Aufsichtsräte 2010
3.) Airport Cities: Büromarkt der Airport City Frankfurt - Marktanalyse.
4.) Airport Cities: Interview mit Angelika Kunath, Fondshaus Hamburg.
5.) Interview: Senioren-Wohnanlagen; TSC strebt die Marktführerschaft an.
6.) Stuttgart: Interview mit der DG Hyp über ihre aktuelle Marktstudie.
7.) Stuttgart: Wohnimmobilienmarkt
8.) Vermietungslounges: Langfassung des Artikels mit zusätzlichen Informationen.
9) Studie: Alternative Immobilienfinanzierung.
AIFM-Richtlinie
AIFM: Eine Auswahl der wesentlichen Neuregelungen für Anbieter geschlossener Fonds durch die Richtlinie über die Verwalter Alternativer Investmentfonds (AIFMD)
Bei der Auflistung handelt es sich um eine Auswahl der Redaktion aus einer Übersicht des VGF Verband geschlossene Fonds (Stand: Mai 2011):
Von der Regelung werden grundsätzlich alle AIFM erfasst.
Ausnahmen:
- verwaltetes Fondsvolumen unter 100 Millionen Euro
- verwaltetes Fondsvolumen unter 500 Millionen Euro (nur EK-Fonds ohne Rückgaberechte in den ersten fünf Jahren)
- Ohne Zulassung keine Geschäftserlaubnis
- Nachweis der personellen und fachlichen Eignung der Geschäftsführung notwendig.
- Informationen über die Vergütungssysteme des Anbieters
- Nachweis ausreichender Eigenkapitaldeckung
- Kapitalanforderungen:
grundsätzlich 300 Tsd. Euro Anfangskapital, wenn der Fonds intern verwaltet wird (AIF=AIFM).
Ausnahme: 125 Tsd. Euro, wenn der Fonds extern verwaltet wird (AIFM=Anbieter, AIF= KG). Externe Verwaltung bei geschlossenen Fonds der Regelfall.
- Anbieter mit mehr als 250 Millionen Euro verwaltetem Fondsvolumen muss zusätzlich 0,02 Prozent Eigenkapital (des übersteigenden Betrages) nachweisen.
- Anbieter müssen Risikomanagementsysteme einrichten, die hierarchisch und funktional vom operativen Geschäft inklusive Portfoliomanagement getrennt sind.
- Nachweis der Risikomanagementsysteme durch regelmäßige, aktualisierte, dokumentierte Due Dilligence.
- Die korrekte Erfassung aller möglichen Risiken muss durch regelmäßige Stresstests überprüft werden.
- Anbieter müssen für jeden verwalteten Fonds Liquiditätsmanagementsysteme einrichten, die gewährleisten, dass sich das Liquiditätsprofil des AIF mit den zugrundeliegenden Verbindlichkeiten deckt (Ausnahme: geschlossene Fonds ohne Fremdkapital).
- Anbieter müssen dafür Sorge tragen, dass der Wert des Assets und der Wert der Fondsanteile regelmäßig ermittelt werden.
- Wert des Assets wird als Net-asset-value (NAV) berechnet.
- NAV muss den Anlegern veröffentlicht werden.
- Anbieter müssen unabhängige Verwahrstellen beauftragen
- Anbieter müssen binnen sechs Monaten Jahresberichte für jeden verwalteten Fonds vorlegen.
- Regelmäßige Informationen über den Markt und die Assets in den die/der Fonds investiert.
|
|---|
Immobilien-Aktiengesellschaften | Vergütungen der Aufsichtsräte 2010
Firme/Name | Funktion | Feste Vergütung 2010 | Variable | Feste Vergütung 2009 | Variable |
|---|---|---|---|---|---|
|
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|
Alstria |
|
|
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|
Alexander Stuhlmann | Vorsitzender | 60 |
| 60 |
|
John van Oost | Stellvertretender Vorsitzender | 50 |
| 57,5 |
|
Dr. Johannes Conradi | Mitglied | 55 |
| 55 |
|
Roger Lee | Mitglied | 50 |
| 36,6 |
|
Richard Mully | Mitglied | 40 |
| 40 |
|
Daniel Quai | Mitglied | 50 |
| 50 |
|
|
|
|
|
|
|
Colonia Real Estate |
|
|
|
|
|
Klaus Lennartz | Vorsitzender | 68 |
| 28,5 |
|
Stefan Lutz | Stellv. Vorsitz. | 56,5 |
| 36 |
|
Dr. Carsten Strohdeicher | Mitglied | 47,5 |
| 14,2 |
|
|
|
|
|
|
|
Deutsche Euroshop |
|
|
|
|
|
Manfred Zaß | Vorsitzender | 59,5 |
| 59,5 |
|
Dr. Michael Gellen | Stellv. Vorsitz. | 44,62 |
| 44,62 |
|
Thomas Armbrust | Mitglied | 29,75 |
| 29,75 |
|
Dr. Jörn Kreke | Mitglied | 29,75 |
| 29,75 |
|
Alexander Otto | Mitglied | 29,75 |
| 29,75 |
|
Dr. Bernd Thiemann | Mitglied | 29,75 |
| 29,75 |
|
|
|
|
|
|
|
Deutsche Immobilien Chancen Asset (DIC) |
|
|
|
|
|
Dr. Gerhard Schmidt | Vorsitzender | 32,5 | 25,56 | 32,5 | 25,56 |
Klaus-Jürgen Sontowski | Stellv. Vorsitz. | 15 | 12,78 | 15 | 12,78 |
Michael Bock | Mitglied | 20 | 12,78 | 20 | 12,78 |
Hellmar Hedder | Mitglied | 17,5 | 12,78 | 17,5 | 12,78 |
Russel C. Platt | Mitglied | 15 | 12,78 | 15 | 12,78 |
Bernd Wegener | Mitglied | 15 | 12,78 | 15 | 12,78 |
|
|
|
|
|
|
Deutsche Wohnen |
|
|
|
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|
Hermann T. Dambach | Vorsitzender | 40 |
| 40 |
|
Dr. Andreas Kretschmer | Stellv. Vorsitz. | 30 |
| 30 |
|
Dr. Jens Bernhardt | Mitglied | k.A. |
| 20 |
|
Dr. Michael Leinwand | Mitglied | k.A. |
|
|
|
Matthias Hünlein | Mitglied | 20 |
| 20 |
|
Dr. Florian Stetter | Mitglied | 20 |
| 20 |
|
Uwe E. Flach | Mitglied | 20 |
| 20 |
|
|
|
|
|
|
|
Gagfah S.A. *2 |
|
|
|
|
|
Dr. Jürgen Allerkamp | Mitglied | 25 |
| 25 |
|
Dieter H. Ristau | Mitglied | 25 |
| 25 |
|
Yves Wagner | Mitglied | 25 |
| 25 |
|
|
|
|
|
|
|
Hamborner REIT AG |
|
|
|
|
|
Dr. Eckart John von Freyend | Vorsitzender | 38 | 1 | 34 | 7 |
Dr. Marc Weinstock | Stellv. Vorsitz. (bis 31.7.10) | 17,7 | 0,4 | 29 | 5 |
Dr. David Mbonimana | Stellv. Vorsitz. (ab 3.8.10) | 11,5 | 0,3 |
|
|
Robert Schmidt | Mitglied | 19,9 | 0,5 | 19 | 4 |
Volker Lütgen | Mitglied | 17,9 | 0,5 | 17 | 4 |
Christel Kaufmann-Hocker | Mitglied | 8,9 | 0,3 |
|
|
Edith Dützer | Mitglied | 15,9 | 0,5 | 17 | 4 |
Mechthilde Dordel | Mitglied | 7,8 | 0,3 |
|
|
Hans Bernd Prior | Mitglied | 16,1 | 0,5 | 17 | 4 |
|
|
|
|
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|
IVG *0 |
|
|
|
|
|
Detlef Bierbaum | Vorsitzender | 51 | 19,54 | 45 | 0 |
Frank F. Beelitz | Stellv. Vorsitz. | 43,69 | 14,65 | 35 | 0 |
Dr. Hans Michael Gaul | Mitglied | 30,35 | 9,77 | 22,5 | 0 |
David C. Günther | Mitglied | 26,55 | 9,77 | 20 | 0 |
Wolfgang Herr | Mitglied | 21,78 | 8,1 |
|
|
Dr. Eckart John von Freyend | Mitglied | 5,69 | 1,24 | 20 | 0 |
Matthias Graf von Krockow | Mitglied | 6,58 | 1,44 | 20 | 0 |
Rudolf Lutz | Mitglied | 30,35 | 9,77 | 22,5 | 0 |
Friedrich Merz | Mitglied | 8,63 | 1,67 | 22,5 | 0 |
Klaus R. Müller | Mitglied | 18,93 | 8,1 |
|
|
Thomas Neußer-Eckhoff | Mitglied | 17,38 | 8,1 |
|
|
Claus Schäffauer | Mitglied | 8,63 | 1,67 | 22,5 | 0 |
Dr. Bernd Thiemann | Mitglied | 16,38 | 8,1 |
|
|
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|
|
|
|
|
Patrizia |
|
|
|
|
|
Dr. Theodor Seitz | Vorsitzender | 25 | 0 | 24,93 | 0 |
Harald Boberg | Mitglied | 18,75 | 0 | 18,75 | 0 |
Manfred J. Gottschaller | Mitglied | 18,75 | 0 | 18,75 | 0 |
|
|
|
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|
TAG *1 |
|
|
|
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|
Dr. Lutz Ristow | Vorsitzender | 30 |
| 15 |
|
Dr. Ronald Frohne | Stellvertretender Vorsitz. | 22,5 |
| 11,25 |
|
Rolf Hauschildt | Mitglied | 15 |
| 7,5 |
|
Andrés Cramer | Mitglied | 15 |
| 2,5 |
|
Andrea Mäckler | Mitglied | 10 |
|
|
|
Wencke Röckendorf | Mitglied | 10 |
|
|
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*0: Bei der variablen Vergütung ist der Zeitwert der Aktien angegeben
*1: Summe von fester und variabler Vergütung
*2: Verwaltungsrat
Quelle: Geschäftsberichte/immobilienmanager
Marktanalyse | Büromarkt der Airport City Frankfurt
Einen genauen Blick auf die Marktsituation in der Frankfurter Airport City wirft die aktuelle Analyse der IVG.
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Airport Cities | Interview mit A. Kunath, Fondshaus Hamburg
Fragen an Angelika Kunath, Geschäftsführerin FHH Fondshaus Hamburg Verwaltungsgesellschaft für Unternehmensbeteiligungen mbH
immobilienmanager: Das Fondshaus Hamburg investiert mit dem Beteiligungsangebot FHH Immobilien 6 selbst in ein Hotel im Flughafen-Quartier Gateway Gardens in Frankfurt am Main. Warum haben Sie sich für ein Investment in dieser Lage entschieden?
Angelika Kunath: Die Kombination aus Gateway Gardens und The Squaire lässt am Frankfurter Flughafen derzeit eine komplette Airport City entstehen. Die weltweite Entwicklung zu Airport Cities ist eine Reaktion auf die sich ändernde Lebens- und Arbeitsumwelt. Im Zuge einer immer stärker werdenden Vernetzung der Welt werden Aspekte wie schnelle Erreichbarkeit und der persönliche Kontakt zu den Geschäftspartnern immer wichtiger. Hierfür bieten Airport Cities eine optimale Grundlage. Vor Ort werden eine Vielzahl verschiedener Lösungen für die Anforderungen der modernen Arbeitswelt geboten.
Gleichzeitig gilt der Flughafen schon heute als einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Europas und wird durch den weiteren Ausbau sogar noch an Bedeutung gewinnen. Das Zusammenspiel von Flughafen, eigenem S-Bahn-Halt (ab 2016) sowie den Autobahnen A3 und A5 wird ab 2019 durch einen eigenen ICE-Anschluss für Gateway Gardens komplettiert. Derzeit steht bereits der ICE-Bahnhof am Flughafen zur Verfügung. Damit bietet der Standort optimale Erreichbarkeit mit den verschiedenen Verkehrsmitteln.
Der einzigartige Standort mit seinem überdurchschnittlichen Entwicklungs- und Wachstumspotenzial hat uns letztlich von den Chancen eines Hotelprojekts an dieser Stelle überzeugt.
immobilienmanager: Welche Vorteile bieten „Airport Cities“ aus Ihrer Sicht?
Angelika Kunath: Die direkte Anbindung verschiedener Verkehrsmittel, durch die sich eine Airport City idealer Weise auszeichnet, ermöglicht auch spontane und kurzfristige Treffen mit Kunden, Geschäftspartnern sowie Mitarbeitern aus anderen Regionen oder auch Ländern. Den Anforderungen der modernen Lebens- und Arbeitsumwelt in Bezug auf Schnelligkeit, Flexibilität aber auch persönliche Kontakte wird die Airport City in besonderem Maße gerecht.
Die Planung und Entwicklung eines ganzen Stadtviertels im Rahmen der Airport City bietet die Chance, moderne Anforderungen an Infrastruktur, Raumplanung und Bauweise von Anfang an umzusetzen. Da das Quartier auf zuvor nicht erschlossenem Land entsteht, sind Bauhindernisse wie Denkmalschutzanforderungen oder ähnliches hier nicht zu befürchten.
Für ein Hotel wie das Park Inn ist natürlich die zunehmende Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten an einem solchen Geschäfts- und Transitort besonders interessant.
immobilienmanager: Wo liegen die Risiken bei einem Investment innerhalb einer Airport City?
Angelika Kunath: Die Risiken liegen - wie auch die Chancen - in der Entwicklung eines in sich geschlossenen Quartiers. In der Entwicklungsphase steht der Mietermix noch nicht endgültig fest. Gerade bei einem frühen Engagement vor Ort besteht neben dem Vorteil der frühen Einnahmen und der Etablierung des Namens auch das Risiko, dass in der Nähe ein Wettbewerber das verfügbare Angebot erweitert. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Erweiterung des Flughafens und die Entwicklung der Airport City eine höhere Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten generieren werden als durch die bestehenden Angebote befriedigt werden kann. Die Zielgruppe des Hotels Park Inn umfasst darüber hinaus neben Geschäftsreisenden, privaten Reisenden und Airline Crews auch die Gäste und Mitarbeiter der in Gateway Gardens ansässigen Unternehmen.
Daneben bestehen grundsätzlich die üblichen mieterbezogenen Risiken eines jeden Immobilieninvestments.
immobilienmanager: Ergeben sich Besonderheiten am Frankfurter Flughafen?
Angelika Kunath: Speziell in Frankfurt macht die Lage an einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Europas kurzfristig anberaumte persönliche Meetings mit Kunden oder Mitarbeitern für ansässige Firmen möglich. Dank der Flughafennähe können beispielsweise Transitaufenthalte für Besprechungen genutzt werden und Konferenzteilnehmer noch am selben Tag nach Hause zurückkehren. Über den Flughafen, die S-Bahn, die Autobahnen A3 und A5 und den ICE-Bahnhof bietet der Standort optimale Erreichbarkeit mit den verschiedenen Verkehrsmitteln.
Der Frankfurter Flughafen ist heute bereits der wichtigste Nachfragetreiber für den Frankfurter Hotelmarkt. Der anstehende Ausbau des Flughafens wird die Bedeutung des Verkehrsknotenpunkts noch verstärken und die Zahl der Nutzer erhöhen. Bereits heute ist der Flughafen mit 50 Millionen Fluggästen im Jahr (Tendenz: steigend) und über 600 Direktflügen am Tag ein quirliges Zentrum in Mitteleuropa.
immobilienmanager: Kostet eine Hotelimmobilie wie die von Ihnen erworbene in Gateway Gardens mehr als ein vergleichbares Hotel in der Innenstadt? (und kann man auf der anderen Seite höhere Erlöse erzielen?)
Angelika Kunath: Die Kosten einer Hotelimmobilie in Gateway Gardens sind nicht höher aber auch nicht wirklich niedriger als ein vergleichbares Objekt in der Innenstadt. Es gibt in direkter Nähe des Flughafens und aufgrund des nahen Waldes besonders am Standort Gateway Gardens nur wenige geeignete Flächen. Insbesondere da es sich bei dem Grundstück des FHH Immobilien 6 um Realeigentum handelt und nicht um eine Erbpacht.
Höhere Einkünfte als in einer Innenstadtlage sind in der Airport City aufgrund der breiteren Zielgruppe und der geringen Saisonabhängigkeit möglich. Das Hotel Park Inn hat für sich vier unterschiedliche Zielgruppen identifiziert: Privatreisende, Geschäftsreisende, Crews der Airlines und schließlich Übernachtungsgäste im Zusammenhang mit den anderen in Gateway Gardens angesiedelten Firmen. Letztlich zeigen die Erfahrungen aus dem isländischen Vulkanausbruch und anderen Situationen, dass kurzfristige Störungen des Flugbetriebes insbesondere für nahe des Flughafens gelegene Hotels wirtschaftlich positive Auswirkungen auf den Hotelbetrieb haben können.
immobilienmanager: Welche Rendite- und Entwicklungspotenziale stecken in ihrem Hotel-Investment?
Angelika Kunath: Der Frankfurter Flughafen wird nach der Landebahnerweiterung und dem Neubau des dritten Terminals bis 2015 von einem der größten europäischen Flughäfen zu einem der größten Verkehrsflughäfen der Welt ausgebaut. Zusammen mit der Entwicklung der Airport City wird dies zu einer starken Zunahme der Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten an diesem Ort führen. Damit bietet das Hotel überdurchschnittliches Wertsteigerungspotenzial.
Ein hohes Chancenpotenzial bietet auch der investorfreundliche Pachtvertrag mit der Rezidor Hotel Group. Neben dem Sicherheitsaspekt des für zwanzig Jahre geschlossenen indexierten Pachtvertrages ist eine Umsatzbeteiligung am Hotelbetrieb vereinbart.
immobilienmanager: Mit Ihrem Projektentwicklungsfonds „Activ Select Deutschland“ finanzieren unter anderem das Berlin Brandenburg Airport Center am neuen Hauptstadtflughafen BBI. Wird es weitere Investments des FHH an Flughäfen geben? (national oder auch international)
Angelika Kunath: Wir können uns durchaus auch weitere Investments an Airport City Standorten vorstellen. Wenn unsere Investitionskriterien erfüllt sind, kommen dabei auch internationale Airport Cities in Frage. Derzeit planen wir jedoch kein konkretes Projekt in dieser Richtung.
immobilienmanager: Kämen für Sie auch Investments in andere Nutzungsarten als Hotels innerhalb einer Airport City infrage (und warum)?
Angelika Kunath: Auch Investments in andere Nutzungsarten innerhalb einer Airport City sind für uns denkbar. Dabei würden wir allerdings sehr selektiv vorgehen. Der Mieter und sein langfristiges Standortinteresse sind hier entscheidende Kriterien.
Senioren-Wohnanlagen | Interview F. Sparaco, Threestones Capital
“Germany is the largest European market for senior housing”
immobilienmanager sprach mit Francesco Sparaco, Geschäftsführer von Threestones Capital – auf Englisch.
immobilienmanager: Retirement homes in Germany compete with conventional homesupgraded for the needs of elderly people. Why is this sector attractive forinvestments?
Francesco Sparaco: German population is ageing rapidly and life expectancy is increasing. Consequently, patients with need of nursing care will rise by 30% by 2020, 50% by 2030 and 100% by 2050. More and more elderly are living in nursing homes (Inpatient care) or cared at home by professionals (Outpatient) while the number of elderly receiving care from relatives is declining for multiple reasons such as: increasing women’s job activity, an increasing number of senior citizens having no children, and, last but not least, children are no longer living in proximity of their parents:
immobilienmanager: Why do you invest in Germany?
Francesco Sparaco: I believe Germany is generally one of the most attractive Real Estate environments in Europe thanks to its economic stability and still relatively low prices.
With 800.000 beds, Germany is the largest European market for senior housing and it is by far the most efficiently regulated and Government supported one, thanks to its social system that still covers a significant portion of nursing care costs.
In addition, the sector is uncorrelated with GDP offering investors reasonable returns and very low volatility even during economic downturns. Historically, during the last years, not only the senior housing sector is growing faster than GDP, but also the correlation with GDP is practically zero.
immobilienmanager: Where does the equity of the TSC funds come from?
Francesco Sparaco: Our strategy is to create niche real estate products focused on stable risk-adjusted returns in order to offer our clients a good diversification for their investments. Our products attract a wide range of clients, from large institutional investors to HNWIs, who are more and more appreciating our focused and transparent investment strategy. Threestones Capital is still a small and young fund management company but it is growing rapidly and getting known in its market, especially amongst European investors.
immobilienmanager: Why did you chose a “Luxembourg construction” for the fund?
Francesco Sparaco: Luxembourg is an efficient and well-regulated environment for Private Equity funds and the European fund management industry is going towards European harmonization. Luxembourg is currently the most important place for funds in Europe and probably the 2nd one in the world and has a solid reputation for fund management. In addition ,Luxembourg is in Europe, where most of our clients come from and where we are currently focusing our Real Estate investments.
immobilienmanager: TSC wants to become market leader in the sector of retirementhomes and rest homes (Pflegeheime) in Germany. How would you describe the competitive environment?
Francesco Sparaco: The fund aims to create a quality and stable portfolio of German retirement home properties that performs reasonably. This is what our clients expect from us regardless of the size of the fund. Nevertheless, our target is to reach 20 selected properties by the end of 2012 if market conditions will still enable us to realize the investment strategy.
German senior housing market is still very fragmented with the largest 25 operators having less than 20% market share but it is moving to higher integration, consolidation, and privatization. In this complex environment, Real Estate institutional investors have to deal with the lack of large portfolios available in the market and face difficulties in investing sizeable amounts of equity in a reasonable period of time. Most of them are not focused on this particular and niche asset class; rather, they invest in “health care” real estate as a global real estate asset class, where retirement homes are typically only a small portion of their portfolios, and most of the time not only in Germany.
TSC German Property Income Fund does not compete with large scale institutional investors or other funds but rather positions itself a “niche” player investing only in retirement home properties and only in Germany. The fund is able to execute this strategy thanks to our experience and knowledge of this particular market where the total volume of real estate transactions in 2010 was estimated to only EUR 400 million.
immobilienmanager: TSC says all acquired objects in Germany are situated ineconomically successful and stable regions. Wetzlar for instance is notknown for being too successful in economic terms. Which criteria andbenchmarks guide your investments.
Francesco Sparaco: We look for properties that fulfill our investment criteria. We basically have 3 key investment indicators: quality of the building, operator (tenant), and location.
This starts from the size, quality, and age of the target property. According to our experience, a successful retirement home should not be too small neither too big. Thus, we select properties whose size ranges from 70 to 130 beds. In addition, we pay a lot of attention to the quality of the building. It must be relatively new or recently renovated and should fit the modern trends of the market, complying with the latest industry standards and the ever-changing tastes of patients. For example, residents are more and more willing to stay in single rooms rather than doubles.
However, the operator is what ultimately makes such a property a good or a bad Real Estate investment and strongly drives our investment choices. We select deals whose lease terms have a minimum duration of 20 years. Consequently, we pay a lot of attention to the quality of our tenants, who do not have to be necessarily of big size. Other than a minimum size, our target tenants have to show quality of facilities and services, financial solidity, very high occupancy rates, and positive expansion plans.
Location, of course, is also an important criterion guiding our investment strategy. We focus our investments on regions where the demand for nursing care is expected to grow and local competition is relatively lower than the one in other German regions. Of course, economic stability and private wealth are important factors too.
Wetzlar is part of the Lahn-Dill-district with 260.000 inhabitants, of which 5.3% are above the age of 80, higher than average in Germany (5.0%). Unemployment rate in the district is lower than national average. Last but not least, this property is leased for 25 years to a well-known and reliable German operator and is currently 100% occupied with waiting list.
Das Gespräch führte Markus Gerharz.
aktuelle Marktstudie Stuttgart | Interview H. Alber, DG HYP
„Kessellage ausdehnen“
Interview mit Harald Alber, Leiter Immobilienzentrum Stuttgart.
immobilienmanager: In Ihrer aktuellen Studie haben Sie den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg und die wichtigsten Büro- und Wohnungsmärkte der Region untersucht. In wieweit hat sich die Wirtschaft in der Region von der Finanzkrise erholt?
Harald Alber: Die wirtschaftliche Stärke Baden-Württembergs beruht auf der industriell geprägten und exportorientierten Wirtschaftsstruktur, aber auch auf Wissenschafts- und Technologiestandorten. Die Regionen mit einem hohen Anteil an produzierendem Gewerbe – wie dem Großraum Stuttgart als führendem Industrie und Innovationsstandort Deutschlands sowie der Stadt Ulm – haben überproportional unter der Finanzkrise gelitten und das Niveau von 2007 noch nicht wieder erreicht. Die dienstleistungsorientierten Regionen wie Heidelberg, Karlsruhe und Freiburg zeigten sich dagegen stabiler. Die IHK Stuttgart ist davon überzeugt, dass die Produktionsumsatz- und Exporthöchstmarken bald wieder erreicht und sogar übertroffen werden.
immobilienmanager: Welchen Standorten in Baden-Württemberg räumen Sie vor diesem Hintergrund die besten Entwicklungsperspektiven ein?
Harald Alber: In Baden-Württemberg gibt es aufgrund der historischen Entwicklung mehrere Regionen, die unterschiedliche Schwerpunkte abdecken. Die besten Perspektiven haben meines Erachtens die Regionen Stuttgart und Rhein-Neckar sowie die Stadt Karlsruhe. Als Innovationsstandort ist auch die Region Ulm stark im Kommen.
immobilienmanager: Und welche Städte und Landkreise hinken der wirtschaftlichen Entwicklung eher hinterher?
Harald Alber: Die Schwäbische Alb im Süden Baden-Württembergs und die Landkreise im Norden bzw. Nord-Osten tun sich im Vergleich schwerer, da die Kaufkraft dort wesentlich schwächer ist.
immobilienmanager: Wie hat sich in den vergangenen Jahren die Nachfrage an den wichtigsten Büromärkten der Region entwickelt?
Harald Alber: Die negativen Folgen für die Vermietung von Büroflächen sind in Baden-Württemberg sehr überschaubar geblieben. An den Standorten mit einem hohen Dienstleistungsanteil haben die Mieten in Top-Lagen während der Krise sogar zugelegt. Die Leerstandsquote ist durchweg stabil und niedrig, Veränderungen spielen sich hier in der Regel im Bereich der Nachkommastellen ab.
immobilienmanager: Die Mieten beispielsweise in Stuttgart haben kaum nachgegeben. Werden Sie 2011 steigen?
Harald Alber: Die Mieten haben nicht nur kaum nachgegeben, sie sind sogar schon seit einigen Jahren auf gleichbleibendem Niveau stabil. Nach dem starken Wirtschaftswachstum 2010 und den weiterhin günstigen Aussichten ist in Stuttgart für das laufende Jahr eine zunehmende Nachfrage nach Büroflächen und ein damit einhergehender Anstieg der Spitzenmiete um mehr als 1 Prozent zu erwarten.
immobilienmanager: Immobilieninvestoren beginnen aufgrund hoher Preise an den Top-Standorten vermehrt auf sogenannte Secondary Cities auszuweichen. Profitieren Städte wie Mannheim, Heidelberg oder Karlsruhe bereits vom knappen Immobilienangebot in Stuttgart?
Harald Alber: Dies trifft auf Stuttgart nicht so sehr zu wie auf die anderen Top-Standorte. Hier ist die Preisvolatilität nicht besonders hoch, denn der Markt ist stabiler. Die Mieten liegen auf einem vernünftigen Niveau, deutlich unter dem der anderen Top-Standorte. Insofern profitieren die von Ihnen genannten Städte nur sehr begrenzt.
immobilienmanager: Werden die Diskussionen um Stuttgart 21 Folgen für die Wirtschaft und den Immobilienmarkt haben?
Harald Alber: Wichtig ist hier zunächst, dass zeitnah eine Entscheidung von der neuen Landesregierung gefällt wird, damit Klarheit herrscht. Für die hiesige Wirtschaft ist dieses Projekt insbesondere wegen der vernünftigen Verkehrsanbindung, zum Beispiel an den Stuttgarter Flughafen, von hoher Bedeutung. Meines Erachtens bietet Stuttgart 21 der Landeshauptstadt eine große städtebauliche Chance. Durch das hohe Erweiterungspotenzial, das die Schaffung von Wohnraum, Büroimmobilien und Grünflächen bietet, kann sich die begrenzte Kessellage der Stuttgarter City ausdehnen.
immobilienmanager: Blicken wir auf den Wohnungsmarkt. Wird Baden-Württemberg hier weiter von der bundesweiten Bevölkerungsverschiebung in wirtschaftlich starke Gebiete profitieren?
Harald Alber: Ja, definitiv. Während sich die Bevölkerungsrate bundesweit rückläufig entwickelt hat, nimmt die Einwohnerzahl in Baden-Württemberg schon seit Jahren kontinuierlich zu. Verschiedenen Studien zufolge hält dieser Trend weiter an. Dementsprechend steigt die Anzahl der privaten Haushalte, sodass für einige Standorte ein erheblicher Bedarf an neu zu schaffendem Wohnraum besteht.
immobilienmanager: Aber auch hier wird es Unterschiede innerhalb der Region geben. Welches sind problematischere Standorte?
Harald Alber: Wirklich problematische Standorte gibt es an den in unserer Studie untersuchten Städten und Regionen nicht, rückläufige Entwicklungen sind nicht zu erwarten. Stagnieren dürfte die Flächennachfrage lediglich im Landkreis Neckar-Odenwald. Besonders profitieren werden hingegen die Region Stuttgart und die Städte Freiburg und Ulm.
immobilienmanager: Göppingen wird als einer der wenigen Landkreise in ihrer Studie keine positive Bevölkerungsprognose ausgestellt. Was sind die Ursachen und was die Folgen für die Immobilienwirtschaft?
Harald Alber: Einige Gemeinden im Landkreis Göppingen liegen am Rand der wirtschaftlichen Region und haben dadurch keine Verkehrsanbindung an die Region Stuttgart wie zum Beispiel durch einen S-Bahn-Anschluss. In diesen ländlichen Regionen ist die „Landflucht“ besonders hoch, dadurch sinken die Immobilienpreise. Zudem ist die Kaufkraft der Bevölkerung deutlich geringer.
immobilienmanager: An welchen Standorten wird es den größten Nachfrageschub nach Wohnraum geben?
Harald Alber: Das steht und fällt mit der Verkehrsinfrastruktur. Bei einer guten Anbindung sind durchaus auch Orte im Umland attraktiv, insbesondere für junge Familien. Insgesamt geht der Trend aufgrund attraktiver Freizeitangebote und der Nähe zum Job aber zurück in die Stadt oder das direkt angrenzende Umland. Den größten Nachfrageschub erwarte ich für die Städte Stuttgart und Ludwigsburg, den Raum Böblingen/Sindelfingen sowie das Fildergebiet.
immobilienmanager: Durch die Kessellage ist in der Stadt Stuttgart die Möglichkeit beschränkt, neuen Wohnraum zu schaffen. Profitieren die umliegenden Kommunen von einem Ausweicheffekt der Wohnungssuchenden?
Harald Alber: Ja, das ist eindeutig der Fall. Aufgrund des geringen Neubauvolumens der vergangenen Jahre trifft in Stuttgart eine hohe Nachfrage auf ein geringes Wohnungsangebot. Durch die steigende Einwohnerzahl weichen viele Wohnungssuchende auf das Umland aus.
immobilienmanager: Wie groß fallen die Mietanstiege in den Zentren Stuttgart, Freiburg, Karlsruhe, Heidelberg, Mannheim und Ulm aus?
Harald Alber: Mit weitem Abstand führend ist hier die Breisgaustadt Freiburg, die 2010 einen Zuwachs von 5,6 Prozent verzeichnen konnte, gefolgt von Karlsruhe mit 3,5 Prozent. Auch die Städte Stuttgart, Mannheim und Ulm liegen zum Teil deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 2 Prozent. Lediglich in Heidelberg haben die Wohnungsmieten stagniert. Für 2011 ist in allen Städten mit einem Zuwachs von rund 2 Prozent zu rechnen mit Ausnahme von Mannheim, wo die Steigerung mit voraussichtlich 1,5 Prozent etwas geringer ausfallen wird.
Weitere Informationen: Die DG Hyp analysiert in Zusammenarbeit mit dem DZ Bank Research regelmäßig die Entwicklung der Immobilienmärkte in ihren Geschäftsgebieten. Die aktuelle Studie über den „Immobilienstandort Baden-Württemberg 2011“ steht unter
www.dghyp.de zum Download bereit oder kann bei der DG Hyp angefordert werden.
Wohnimmobilienmarkt Stuttgart
Erhitzte Gemüter
WOHNUNGSMARKT
Wohnraum ist ein knappes Gut in Stuttgart. Das schlägt sich nicht nur in den Preisen nieder, sondern auch in den politischen Weichenstellungen.
Richtig turbulent geht es zurzeit in der Stuttgarter Immobilienbranche zu. Nicht nur wegen Stuttgart 21 erhitzen sich die Gemüter. Der zweite Aufreger heißt SIM – Stuttgarter Innenentwicklungs-Modell. Anfang April vom Gemeinderat mit knapper Mehrheit verabschiedet, legt es neue Spielregeln für Investitionen fest, wenn neues oder höherwertiges Baurecht geschaffen wird. Bei Wohnbauprojekten müssen mindestens 20 Prozent der Fläche für geförderten Wohnraum zur Verfügung gestellt werden. Damit mehr Wohnungen in der Stadt entstehen, verlangt die Stadt bei allen Bauvorhaben einen Wohnanteil von mindestens 20 Prozent. Ersatzstandorte sind innerhalb eines Radius von einem Kilometer möglich. In einer zweijährigen Pilotphase sollen nun Erfahrungen damit gesammelt werden.
In Stuttgart heißt es, dass als Reaktion auf die Verabschiedung von SIM bereits ein Investor ein angedachtes Vorhaben abgeblasen habe. Dr. Jürgen Büllesbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bayerischen Hausbau, kann das verstehen. „Das Risiko einer Immobilieninvestition liegt alleine beim Projektentwickler, und wenn das Entwicklungsdelta zu klein wird, dann rechnet sich das Vorhaben nicht.“ Die Stadt München praktiziert ein ähnliches Modell, das einen festen Anteil geförderten Wohnraums verlangt. Aber „es ist flexibler“ als das Stuttgarter, sagt Büllesbach. Außerdem lasse es sich in München besser umsetzen, da es mehr potenzielle Flächen gebe, das Wachstum stärker sei und die Bodenwerte höher liegen.
Konservativ und sparsam
Wer heute in Stuttgart Wohnungen bauen möchte, muss nicht nur solche Eigenheiten ins Kalkül einbeziehen. „Der“ Stuttgarter an und für sich – diese Verallgemeinerung sei erlaubt – zeichnet sich beim Wohnen durch eine konservative und sparsame Grundhaltung aus. Das hat auch die Bayerische Haubau bei der vorbereitenden Marktforschung für ihr Projekt Quartier am Mailänder Platz festgestellt. Erich Hildenbrandt, Inhaber des gleichnamigen Maklerhauses, beschreibt diese Haltung so: „Stuttgarter sind sehr kritisch.“ Sie springen nicht schnell auf neue Trends an, sondern lassen sich drei bis vier Jahre länger Zeit als die Menschen anderswo in Deutschland. Sei es Parkett statt Teppichboden, das zweite Bad in einer großen Wohnung oder das Bad, das nur durch eine Glaswand vom Schlafzimmer getrennt ist: All diese Trends wurden in Stuttgart relativ spät akzeptiert. Weniger Wohnflächen, weniger augenfälliger Luxus: So verkaufen sich Wohnungen in Stuttgart am besten.
Unter diesen Vorzeichen geben sich Stuttgarter Makler zurückhaltend, wenn man sie nach den Chancen für ein Wohnhochhaus am Pragsattel befragt. Hochhaus und gediegenes Wohnen, das geht in Deutschland bisher ohnehin nicht besonders gut zusammen – und dann in Stuttgart? Der Investor Horst Bülow hat dennoch angekündigt, einen 23-geschossigen Wohnturm errichten mit Quadratmeterpreisen zwischen 3.500 bis 8.500 Euro.
Platzhirsch hat abgedankt
Auswärtige Entwickler können die Mentalität weniger gut einschätzen als Bauträger aus dem Schwabenland, so heißt es in Maklerkreisen. Doch ein Ereignis des vergangenen Jahres spielt den Auswärtigen in die Karten: Ein großer Platzhirsch, die Häussler-Immobiliengruppe, hat Insolvenz angemeldet und hinterlässt nun eine Lücke, die Konkurrenten gerne füllen. Häussler-Projekte wie die Rohbauten des Seeparks in Stuttgart-Möhringen mit 500 Wohneinheiten und einem Investitionsvolumen von 175 Millionen Euro dämmern vor sich hin. Zu den Betroffenen zählt auch die Patrizia KAG, die den ersten Bauabschnitt mit 185 Wohneinheiten für einen Fonds erworben hat. Auf Eis liegen die Pläne für den Park der Villa Berg, wo 60 Nobelwohnungen geplant waren. Auch beim Bausparkassenareal in der Stadt Leonberg westlich von Stuttgart ist die Zukunft offen.
Und dabei würden Wohnungen in Stuttgart so dringend benötigt. Obwohl die Fertigstellungszahl im Jahr 2009 einen neuen Höchststand von 1.550 Einheiten erreicht hat und sich dieser Trend fortsetzt, lässt sich der Bedarf nicht decken. Einige früher anvisierte Baugebiete wie Teilflächen des alten Messegeländes sind seit dem Machtwechsel im Rathaus vor zwei Jahren ad acta gelegt worden. Innenentwicklung statt neuer Baulandausweisungen lautet die Devise, und die neue Landesregierung wird diesem Prinzip treu bleiben. Immerhin plant die Aurelis auf ihrer 25.000 Quadratmeter großen Fläche am S-Bahnhof Vaihingen eine Bebauung, zu der auch Wohnungen zählen.
Die Kaufpreise für Wohnungen und die Mieten sind im gesamten Jahr 2010 gestiegen, und es geht offenbar so weiter. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis im Neubau – guter Wohnwert, mittleres Preissegment – beträgt laut IVD gut 3.500 Euro. Am oberen Limit liegen die Kaufpreise auf dem Killesberger Messegelände. Dort werden 10.000 Euro pro Quadratmeter erreicht.
Die Mieten im Neubau liegen zwischen neun und 16 Euro. Der im Dezember 2010 neu aufgelegte städtische Mietspiegel verzeichnet ein mittleres Kaltmietenniveau von 7,39 Euro quer durch alle Baualtersklassen. Dabei liegen Stuttgart-Süd und Bad Cannstadt vorne: Jones Lang LaSalle hat Angebotsmieten von zehn Euro und darüber ermittelt. Den kräftigsten Anstieg der Mieten im zweiten Halbjahr 2010 weisen die nordöstlichen und östlichen Stadtteilen auf.
Erst weit draußen sinken die Preise
Die Baulandpreise sinken erst deutlich jenseits der Stadtgrenzen. Innerhalb Stuttgarts wird der Quadratmeter für Geschosswohnungsbau – guter Wohnwert, mittleres Preissegment – für rund 900 Euro gehandelt, so die Zahlen des IVD. Erst 30 bis 40 Kilometer außerhalb der Stadt unterschreiten die Preise die Marke von 700 Euro pro Quadratmeter.
Bei den Wohnungsgrößen erfreuen sich alle Segmente einer regen Nachfrage. „Sogar kleine Wohnungen mit 40 bis 60 Quadratmetern, die bisher nicht sehr gefragt waren, werden wieder gekauft“, hat Erich Hildenbrandt beobachtet. Was die Lagen angeht, so sind alle Stadtteile im Talkessel beliebt. Eine ansteigende Tendenz zeigt Bad Cannstadt, und auch Heslach bis zum Schwabtunnel verzeichnet eine wachsende Nachfrage.
Wenn Investoren nach Mehrfamilienhäusern in der Kernstadt suchen, dann haben sie es in Stuttgart noch schwerer als in den anderen deutschen Wachstumsstädten. Das hat mit der Stuttgarter Topografie zu tun. In der City sind die Grundstücke klein, die maximale Höhe der Gebäude beschränkt sich auf fünf bis sechs Stockwerke. „Häuser für vier bis sechs Millionen Euro gibt es nicht“, bescheidet Erich Hildenbrandt kurz und knapp. Die Preisskala endet bei zwei Millionen Euro – doch momentan ist auch dieser Markt leergefegt. Für Entwickler ist es ebenfalls schwierig. Daher wählt manch einer den Ausweg in die Peripherie, und die Endinvestoren gehen mit: So hat der Fondsinitator Hamburg Trust auf dem Flugfeld Sindelfingen/Böblingen ein Projekt mit 121 Wohnungen von Mörk Bau erworben.
Weniger Konkurrenz ohne Stuttgart 21
Einen neuen Anlauf auf dem Wachstumsmarkt Stuttgart wagt die Bayerische Hausbau, ein Unternehmen der Münchener Schörghuber-Gruppe. Vor rund zehn Jahren hatte der Entwickler bereits einmal die Fühler Richtung Schwabenhauptstadt ausgestreckt, dann aber die Finger von einem anvisierten Projekt im Stadtteil Feuerbach gelassen. An Standorten in der Peripherie hat man auch heute kein Interesse, die City dagegen findet Dr. Jürgen Büllesbach, Vorsitzender der Geschäftsführung, spannend: „In der zentralen Lage besteht ein absoluter Wohnungsmangel. Die Unterversorgung bleibt auch bestehen, wenn Stuttgart 21 mit all den neuen Projekten käme.“ In unmittelbarer Nähe zu den neuen Bauplätzen hinter dem Hauptbahnhof liegt das künftige Quartier mit Einzelhandel, Gastronomie, Büros, Hotel und innerstädtischem Wohnen. Zur Realisierung des 500-Millionen-Euro-Projektes haben sich drei Partner zusammengetan: Die Bayerische Hausbau ist für den Wohnungsbau, das Hotel und den Bürobau verantwortlich, die ECE ist Experte für den Einzelhandel und im Zusammenschluss mit der Strabag Real Estate für die Erstellung des Centers verantwortlich.
Für den Stuttgarter Wohnungsmarkt ist das Vorhaben mit seinen 450 Einheiten ein richtig dickes Ding. Der Baubeginn ist für Frühjahr 2012 geplant, im Jahr 2014/2015 soll dann das komplette Quartier vollendet sein. „Wir sind von dem Standort so überzeugt, dass wir die Immobilie in unser eigenes Portfolio nehmen wollen“, sagt Büllesbach. Das bedeutet, dass die Bayerische Hausbau im Wohnbauteil ausschließlich Mietwohnungen errichtet in allen Größenordnungen von der Ein- bis zur Fünfzimmer-Wohnung. Die Mieten sollen zwischen zehn und 15 Euro liegen.
Ebenfalls in unmittelbarer Nähe zu Stuttgart 21 investiert die Bayerische Versorgungskammer für die Versorgungsanstalt der deutschen Bühnen. In den Pariser Höfen entstehen 242 Wohnungen mit geplanten Mieten von rund 11,70 Euro pro Quadratmeter. Der Grundstein wurde im vergangenen Herbst gelegt.
Doch was ist, wenn Stuttgart 21 nicht kommt, und die Züge weiter vorbeirattern? Schließlich liegen die beiden Baugebiete sehr nahe an den Bahngleisen. Kein Problem, meint Büllesbach für sein Quartier am Mailänder Platz: „Beide Szenarien wären für uns machbar. Bliebe der Bahnhof oben, könnten wir das technisch lösen und den Schallschutz erhöhen.“ Im Gegenteil – ohne Stuttgart 21 würden auch weniger Wohnungen neu gebaut, und sein Projekt bekäme weniger Konkurrenz.
Von Roswitha Loibl
Vermietungslounges | Langfassung
Die Marketing-Lounge, ein Schlüssel zum Vermietungserfolg
von Wolfgang Range, Unternehmensberater, Mainz
Die Situation am Vermietungsmarkt
Für die gewerblichen Immobilienmärkte sind harte Zeiten angebrochen. Und wie es aussieht, wird dieses auch für einige Zeit so bleiben. Trotzdem sich an vielen Bürostandorten die Anzeichen für eine Belebung der Vermietungsmärkte mehren, verringern sich die Leerstände nicht spürbar. Das Vermietungsgeschäft insgesamt bleibt schwierig und ist wesentlich aufwendiger als früher. An manchem Bürostandort steigt das Angebot an Flächen durch die Fertigstellung neuer Objekte weiter an. Die Vermietung älterer Objekte erfordert einen besonderen Einsatz, weil der Fokus auf den moderneren Flächen liegt.
Trotz aller Sorge, es muß weiter vermietet werden. So lebte das alte Thema „Steigerung der Vermietungskompetenz” wieder auf. Damit war zunächst die Optimierung der Vermietungsorganisation gemeint. Der weitere Schritt betrifft das Büroobjekt selbst. Wenn es nicht gelingt, die Qualitäten des Objekts als Begründung für den geforderten Mietzins verständlich und akzeptabel zu vermitteln, dann verbleibt lediglich der Wettbewerb über den Preis.
Die Lounge als Marketingwerkzeug
Bürogebäude sind Gebrauchsgegenstände, deren wirtschaftliche, funktionale und emotionale Qualitäten erklärt werden müssen. Bei der Vermittlung dieser Qualitäten fällt der „Marketing-Lounge” im Objekt eine zentrale Rolle zu. Der Begriff „Marketing-Lounge” meint, was zuweilen auch „Musterbüro” genannt wird. In diesem Text wird vereinfachend von „Lounge” gesprochen.
Marketing-Lounges werden schon seit einigen Jahren mit Erfolg bei der Vermietung von Büroimmobilien eingesetzt. So hat sich einiges an Wissen und Erfahrung im Umgang damit angesammelt. Dieser Text ist ein Beitrag dazu, der sich auch an Unternehmen und deren Mitarbeiter wendet, die bisher keine oder nur wenig eigene Erfahrung mit diesem Werkzeug haben, sich jedoch einen Einsatz bei der Vermietung von Büroflächen vorstellen können.
Die Lounge dient als zentraler Ort im Objekt der Vermarktung der Mietflächen. Durch sie werden die folgenden Einsichten vermittelt:
- die Gebrauchstüchtigkeit
- ein positives, emotionales Erlebnis
- die Möglichkeiten der architektonischen Selbstdarstellung
- das Markenbild eines Objekts, Werbung für den Investor
- die Standortqualität
Die meisten Objekte verfügen über kein Alleinstellungsmerkmal, welches sie vom Wettbewerb am Standort deutlich abhebt. Um diesem Mangel zumindest temporär abzuhelfen, ist eine interessante Lounge mit einer starken emotionalen Präsenz wichtig, um den Mieter zu gewinnen.
Eine Lounge ist immer Teil eines Marketing-Konzepts, welches alle Maßnahmen im Zusammenhang beschreibt, die zu einer erfolgreichen Vermietung führen. Das Marketing-Konzept selbst entsteht in der Regel in Zusammenarbeit mit den beauftragten Maklern. Diese leisten durch ihre Erfahrung, ihr aktuelles Marktwissen und ihre Kontakte den wesentlichen Beitrag zum Vermietungserfolg. Mit der Lounge erhalten sie dazu eine wichtige Unterstützung und Motivation.
In den letzten Jahren hat das Internet für die Objektpräsentation eine große Bedeutung gewonnen. Die wesentlichen Daten des Objekts
lassen sich schnell und wenig aufwendig abrufen. Aus der Sicht des Mietinteressenten ersetzen diese und zukünftige Möglichkeiten des Online-Marketings allerdings nicht die Prüfung des realen Objekts vor Ort - im Gegenteil. Je ausgefeilter der Internet-Auftritt, desto mehr muß die Realität des Objekts der elektronischen Präsentation gewachsen sein und diese sogar durch die sinnliche Ansprache übertreffen.
Die Voraussetzungen für den Einsatz
Das Ziel für den Einsatz einer Lounge ist die deutliche Verkürzung der Vermarktungsdauer. Zunächst muß allerdings geklärt werden, ob sich die Installation einer Lounge im Einzelfall überhaupt lohnt:
- Ist genügend Nachfrage am Standort vorhanden?
- Wie agiert die Vermietungskonkurrenz?
- Muß der emotionale Auftritt verstärkt werden?
- Begründet die Größe des Leerstands einen Einsatz?
- Ist ein Budget verfügbar?
Durch die Antworten ergibt sich eine Einschätzung von Chancen und Risiken der Investition. Kann eine Installation nicht ausreichend begründet werden, so beginnen die Vermietungsbemühungen zunächst ohne eine Lounge. Stellt sich dann eine nicht befriedigende Vermietung ein, so läßt sich die Installation dann zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.
An hoffnungslosen Standorten oder bei chancenlosen Objekten verhilft auch die beste Lounge nicht zu einem Erfolg. An neuen Standorten oder an Standorten mit einem spürbaren Wettbewerb allerdings wird sich eine Lounge als ein entscheidender Vorteil herausstellen, weil die Qualitäten des Objekts intensiver, nachhaltiger und somit glaubwürdiger präsentiert werden.
Die Kosten
Die Kosten der Lounge sind Teil des Vermietungsbudgets. Die gegenwärtige Situation an den Vermietungsmärkten hat sich auch auf diese Budgets ausgewirkt. Heute gilt für die Konzeption von Lounges und deren Betrieb die Devise: „Konzentrierte Informationen + flexible Verwendung = wirtschaftliche Lösung”.
Aus einer groben Konzeption entsteht eine überschlägige Kostenschätzung, gegliedert z.B. in „Bauliche Maßnahmen” (Boden/Wand/Decke), „Mobiliar”, „Ausstattungen + Accessoires”, „IT” und „Planung”. Diese Kostenschätzung kann die Basis einer Entscheidung sein. Im weiteren Planungsverlauf werden die Kosten präziser erfaßt, optimiert und fortgeschrieben. Auf diese Werte wird dann das Budget eingestellt. Eine schnellere Vermarktung ergibt geringere Leerstandskosten, damit ließe sich beispielsweise ein Budget begründen. In anderen Fällen wird pauschal ein Budget aufgestellt, aus dem die Maßnahmen einer Installation abzudecken sind.
Lounges sind Unikate, weil sie die Unverwechselbarkeit des Objekts gegenüber Konkurrenzobjekten markieren müssen. Aus diesem Grunde kann die Anwendung überschlägiger Qm-Kosten nur ein grober Anhalt sein. Allgemein gesehen lassen sich komplett neu möblierte Installa-tionen (Typ A, ca.35 qm) und größere Lounges (Typ B, ca.100qm) zu Qm-Ansätzen von 250 - 350 € realisieren. Für eine aufwendigere Aus-führung wären etwa 400 - 500 €/qm zu veranschlagen, ohne die Verwendung von Glaswänden. Bei den größeren Typen C + D ist mit sechsstelligen Gesamtkosten zu rechnen.
Die Konzeption
Die wichtigsten Grundlagen für die Konzeption ergeben sich aus der Objektaufnahme und der Standortanalyse des Marketing-Konzepts:
- „Stärken-/Schwächen”-Profil
Jedes Objekt verfügt über Stärken und Schwächen. Daraus ergeben
sich Erkenntnisse über die Leistungsfähigkeit und die Wirtschaft-
lichkeit des Gebäudes, der einsetzbaren Büroformen, des Mieter-
ausbau (Standard/Sonder) und der haustechnischen Systeme, Anlagen
und Geräte. Das Motto dabei: „Betonung der Stärken, Relativierung
der Schwächen”
Sollten bestimmte Zielgruppen den Standort bevorzugen, so muß die
Lounge darauf eingehen. Sind spezifische Nutzer nicht zu erkennen,
so ist die Verwendung allgemein gefragter Büroformen zu zeigen
(z.B. Zellenbüro, Kombi-Büro, Gruppenbüro, Team-Büro) und/oder
deren wirtschaftliche Verwendung durch beispielhafte Belegungs-
pläne nachzuweisen. In den Vermietungsgesprächen läßt sich damit
auf die vermutlich benötigte Mietfläche schließen
- Größe des Leerstands / Miethöhe
Sowohl bei Objekten mit größerem Leerstand als auch mit höheren
Mieten wird von den Mietinteressenten ein gesteigerter Aufwand bei
der Vermarktung erwartet. Dieses muß sich nicht unbedingt auf die
Größe der Lounge beziehen, sondern kann sich auch durch eine
bessere Ausbauqualität, eine gehobene Ausstattung oder den Einsatz
aufwendiger Präsentationstechniken ausdrücken
- Image von Objekt, Standort, Entwickler/Investor
Eine Lounge ist auch ein Beitrag zum Image und zur Markenbildung
des Objektes, ob nun mit oder ohne Eigennamen oder Signet. Sollte
darüber hinaus noch für den Standort, den Investor geworben
werden, so wird auch dieses den Zuschnitt und die Ausstattung
beeinflussen
- Elektronische Präsentation
Zu der bereits erwähnten Objektpräsentation im Internet besteht
auch die Möglichkeit, die von den Mietinteressenten gewünschten
Belegungsvarianten durch CAD-Programme in der Lounge zu präsen-
tieren. Diese sehr eindrucksvolle Art der Präsentation hat aller-
dings ihren Preis. Zur Grundausstattung an Soft- und Hardware
addieren sich noch die Kosten für die organisatorischen Arbeiten.
Für eine gute Lösung werden schätzungsweise ca. 50.000 € aufzu-
wenden sein. Dieser Aufwand wohl nur bei sehr ambitionierten
Vermietungen größerer Flächen vorstellbar
Die Typologie
Nachdem im Grundsatz beschrieben wurde, was die Lounge im Objekt leisten soll, geht es im nächsten Schritt um die genaue Festlegung von Größe, Gliederung und Ausgestaltung. Dabei können einige wenige Grundtypen hilfreich sein, die je nach vorliegender Aufgabenstellung individuell abgewandelt und angepasst werden:
- Typ A
Dieses ist die kleinste Form, einfach und kostengünstig: Ein
einzelner Raum oder eine Fläche, möbliert mit einem Besprechungs-
tisch, sechs oder acht Stühlen, Sideboard, Flip-Chart/Pinwand,
Garderobenständer und einigen Accessoires
Dieser Typ stellt die Minimalforderung für nahezu jede Vermietung
dar. Bei einer Objektbesichtigung muß die Möglichkeit zu einem
ungestörten Gespräch an einem Tisch geboten werden. Der Typ A läßt
sich auch sehr gut mit Wartemobiliar kombinieren und so in einem
Empfangsbereich aufstellen
- Typ B
Eine mittlere Variante: Der Typ A wird durch ein oder mehrere
Beispiele von Arbeitsplatz-Möblierungen erweitert (z.B. Zellen-
büros, Kombi-Büros, Team-/Gruppenbüros, Office-Club etc.)
- Typ C
In größeren Objekten mit variierenden Grundrissen kann es sinnvoll
sein, die Nutzungsvarianten auch auf den unterschiedlichen Grund-
rissen zu zeigen. Sehr reizvoll dabei ist die Variante der
Gliederung in eine Haupt-Lounge und separater Neben-Lounges
- Typ D
Hier steht die architektonische Inszenierung, die beeindruckende
räumliche Geste im Vordergrund,um bei den Besuchern einen bleibend
positiven Eindruck zu hinterlassen. Üblicherweise kombiniert mit
dem Einsatz elektronischer Medien (Animationen, Renderings, CAD-
Programme). Meist erscheint dieser Typ jedoch ganz als „Showroom”,
ohne Bezug zu einer Büronutzung. Er eignet sich besonders für die
Markenbildung von Standort, Objekt und Investor
Die Positionierung im Objekt
Im nächsten Schritt wird der ausgewählte Typus in eine Leerstandsfläche eingepaßt und somit verändert. Besonders spektakuläre Flächen sollten als Standorte vermieden werden, da sonst die anderen Leerstandsflächen abgewertet würden (Ausnahme: Typ D).
Grundsätzlich sind gut erreichbare, großzügige Flächen mit einer guten Belichtung durch das Tageslicht auszuwählen. Ein erfreulicher Ausblick aus den Fenstern sollte den positiven Eindruck abrunden.
Häufig werden Lounges in einem noch zu renovierenden Objekt aufgebaut. Der Kontrast von renovierten und unrenovierten Flächen kann hierbei durchaus dramatisch und trotzdem reizvoll ausfallen.
Die Planung
Nachdem die Größe, die Gliederung und die Lage im Objekt beschrieben ist, werden nun die einzelnen Teile der Lounge detailliert geplant:
- Gestaltung / innenarchitektonischer Entwurf
Erhöhter Arbeitsdruck, effizientere Arbeitsabläufe durch IT-
Einsatz und sparsamere Verwendung der Bürofläche haben die persön-
lichen Spielräume der Mitarbeiter am Arbeitsplatz spürbar ein-
geschränkt. Dazu gesellt sich eine Architektur, die in ihrer
„minimalistischen” Kargheit den Eindruck der Rationalität und
Unpersönlichkeit noch verstärkt. Unsere Bürostandorte sind voller
neutral wirkender, technisch dominierter „Effizienz-Maschinen”.
Weiß-graue Gehäuse mit jeder Menge kühler Distanziertheit und
einem Mangel an Individualität und Emotion
Der Trend bei der Bürogestaltung bildet dazu ein Gegengewicht. Die
uniforme Raumorganisation löst sich auf, die starre Einteilung der
Büros verschwindet langsam; Flurwände werden verglast, teilweise
geöffnet oder ganz entfernt. Das ganze Büro erscheint offener, un-
gezwungener und aktiver. Mit Pausenzonen, die einen fast privaten
Charakter haben. Und dieses bei Verbesserung der Arbeitsabläufe
und Flächenwirtschaftlichkeit
Die Lounge, gleich welcher Größe, muß diese Entwicklung nutzen.
Gliederung, Farben, Mobiliar, Akustik, Licht, Accessoires und
Ausstattungen sollten zeigen, daß in diesem Trend eine gute
Möglichkeit zur Motivierung steckt. Letztlich ist die Lounge auch
eine Inszenierung, die durch ihre Gestaltung einen hohen
Erinnerungswert erreichen muß
- Funktionale Gliederung
Jede Lounge ist eine temporäre Installation. Änderungen des vor-
handenen raumbildenden Ausbaus sollten aus Kostengründen so gering
wie möglich ausfallen. Spezielle Aufmerksamkeit gilt den folgenden
Teilbereichen und Aspekten:
Der Eingangsbereich einer Lounge entspricht der Overtüre in der
Oper. Hier wird das emotionale Grundthema angeschlagen, hier
muß das Interesse geweckt werden. Beispielsweise mit einer plas-
tischen Wandgliederung, mit einer interessanten Farbgestaltung
oder mit Lichtakzenten
Der Besprechungsraum ist das wichtigste Teilstück einer jeden
Lounge. Eine Plazierung in der Nähe des Eingangsbereiches, mit
einer Teeküche in der Nähe, erleichtert die Abläufe bei den
Besichtigungen. Mindestens sechs, besser acht Stühle sollten
vorhanden sein, auf einer nicht zu knapp bemessenen Fläche
Unternehmen stehen heute unter einem ständigen Veränderungsdruck,
der sich auch auf die Art der Arbeitsplätze auswirkt. Dadurch
ergibt sich die Forderung nach flexibel organisierbaren und
wirtschaftlich nutzbaren Büroflächen, die auch unterschiedliche
Büroformen nebeneinander zulassen. Diese Flexibilität birgt gerade
für ältere Objekte einige Probleme. Trotzdem müssen dafür Lösungen
entwickelt und vorgestellt werden
Der Zustand der Teeküchen und der WC spielen bei der Anmietung
eine scheinbar untergeordnete Rolle. Die Erfahrung hat jedoch
gezeigt, daß der Charme altersschwacher Kühlschränke, löchriger
Fliesenwände, angeschlagener Sanitärobjekte und verschmutzter
Trennwände schon so manche Vermietung verhindert hat. Ist eine
schnelle Änderung nicht erreichbar, so sollten konkrete Aussagen
zur Verbesserung glaubhaft dargestellt werden (z.B. durch
Materialmuster, Animationen etc.)
- Farben von Oberflächen und Materialien
Eine der wichtigsten Entscheidung bei der Gestaltung einer Lounge
ist die Farbauswahl. Mit der Farbwahl kommt Emotion ins Spiel, sie
ist entscheidend für die Wirkung der gesamten Installation. Aus-
gehend von den vorhandenen Farben von Objekt und Umgebung, sollte
die Farbauswahl durchaus mutig ausfallen. Farbkombinationen, die
in herkömmlichen Büros keine Chance hätten, werden in einer Lounge
als durchaus anregend empfunden und positiv erinnert
- Mobiliar
Die Größe und Gliederung der Lounge in die Funktionsbereiche
bestimmen den Aufwand an Möblierungen. Sollte kein geeignetes
Bestandsmobiliar verfügbar sein, so wird neues Mobiliar notwendig.
Dieser Weg bietet sich besonders dann an,wenn Teile der Möblierung
auch im Objekt verbleiben, z.B. im Empfang, in der Wartezone oder
in einer Cafeteria
Wird auch eine konkrete Möblierung von Büroarbeitsplätzen vorge-
stellt, sollte sich das Mustermobiliar von den Arbeitsplätzen in
den Büros der durchschnittlichen Mietinteressenten unterscheiden.
Um für das Objekt ein gesteigertes Niveau anzuzeigen, sollte es
von einer leicht höheren Qualität sein. Auf besonders eindrucks-
volles oder gar luxuriöses Mobiliar ist zu verzichten. Die Miet-
interessenten könnten daraus schließen, es solle dadurch eine nur
mäßige Objektqualität verdeckt werden
Bei der Zusammenstellung der Mobiliarteile darf der Bestand nicht
wie „gestückelt” oder gar improvisiert aussehen. Der Miet-
interessent erwartet bei der Objektbesichtigung einen positiven
und anregenden Ausblick auf ein, hoffentlich sein neues Büro.
Auch wenn er sich im Falle einer Anmietung mit seinem Altmobiliar
einrichten sollte
Eine beliebte Lösungsmöglichkeit zur Mobiliarbeschaffung entfällt
gegenwärtig. Durch den Margenverfall im Büromöbelhandel sind
Händler oder Hersteller nicht bereit, eine kostenlose Muster-
möblierung zu stellen. Auch eine Miet- bzw. Leasinglösung ist im
Vergleich zum Kauf nicht wirklich lohnend
- Akustik
Heute befinden sich viele Arbeitsplätze in Gruppenräumen und
ähnlichen, offenen Raumstrukturen. Die dabei auftretenden
akustischen Phänomene erweisen sich als überaus störend, als
Dauerbelastung sind sie gesundheitsschädigend. Gelegentlich
lassen sich in einer Lounge Beispiele für einen wirkungsvollen
Schallschutz zeigen, großflächige Wandgestaltungen, die wie
eine moderne Graphik aus mehreren farbigen Schallschutz-Paneelen
zusammengesetzt sind. Weitere Anwendungsbeispiele zum Schallschutz
können Deckensegel, Mobiliaroberflächen etc. sein
- Beleuchtung
„Licht hilft verkaufen”, dieser Satz gilt auch hier. Bei der
Vermietung von Büroobjekten gibt es Bereiche, die besondere
Beachtung finden sollten
Bei Arbeitsplätzen und Verkehrswegen ist der Nachweis einer
Beleuchtung nach den vorgeschriebenen Leistungswerten wichtig.
Alte Leuchtmittel mit verringerter Leistung sind grundsätzlich
auszutauschen
Durch Punkt- oder Effektbeleuchtungen werden funktionale oder
gestalterische Besonderheiten besonders herausgestellt, beispiels-
weise im Empfangs- und Eingangsbereich, in Wartezonen, in der
Cafeteria etc.
Bei Objekten mit völligem Leerstand ist zu überlegen, ob durch
eine Beleuchtung der Außenanlage oder im Gebäude der Eindruck von
Aktivität gezeigt werden kann. Besonders für die dunkle Jahreszeit
ein wichtiger Aspekt
- Accessoires / Ausstattungen
Die Ausstattung der Lounge wird abgerundet durch eine Auswahl an
Accessoires und Ausstattungen. Maßstab für die Ausstattung ist die
Nutzung der Lounge. Genutzte Arbeitsplätze, Internet-Anschluß,
Bilder, Pflanzen, Bewirtung etc. spielen hierbei eine Rolle
Die Lounge wird eingesetzt
Eine Lounge sollte immer mit einer Veranstaltung eröffnet werden. Das Vermietungsteam präsentiert das Objekt mit seinen nun verbesserten Vermietungschancen erneut den interessierten Maklern, Meinungsbildnern und weiteren Kontaktpersonen aus der Branche. Danach wird die Lounge zum Ausgangspunkt des Besichtigungsablaufs.
Die Mietinteressenten erleben eine Besichtigung als Folge von mar-kanten Stationen, die als „Qualitätskette” bezeichnet werden kann. Neben den Merkmalen des Standortes zählen dazu die Anfahrt zum Objekt, das Parken, der äußere Eindruck des Gebäudes (Außenanlagen, Weg ins Objekt, Baukörper), die Eingangshalle, die Erschließung, die Beschilderung, die Liftkabinen und Liftlanding, der Zuschnitt der Mietbereiche, der Standard-Mieterausbau, die Teeküche und WC-Anlagen, die Leistungsfähigkeit der haustechnischen Systeme, Anlagen und Geräte.
Welche Stationen dabei intensiver geprüft werden, hängt von der Vorbereitung des Mietinteressenten, seiner Interessenlage und der Art
der Besichtigung ab. Bei einer Erstbesichtigung hat das Objekt nur eine kurze Gelegenheit, als geeignet wahrgenommen zu werden. In dieser Situation spielt der emotionale Aspekt eine wesentliche Rolle.
Es gilt, dem Objekt den Sprung in die nächste Prüfrunde zu ermöglichen. Bei den Folgebesichtigungen stehen dann mehr die rationalen Aspekte der Objektqualität in Relation zum Mietpreis im Vordergrund. Diese Einschätzung wird sehr stark vom qualitativ schwächsten Glied der „Kette” beeinflußt. Deutliche Qualitätsunterschiede bei einzelnen Gliedern sollten ausgeglichen werden.
Bedingt durch die längere Vorlaufzeit für die Lounge, sind erst nach deren Fertigstellung alle Aktivitäten des Marketing-Konzepts vollzählig. Nun müssen sie ihre Wirksamkeit in der Realität beweisen.
„Wie erreiche und überzeuge ich den Mietinteressenten?”; dieses ist die zentrale Frage bei jeder Vermietung. Mit einer überschaubaren Investition in eine intelligent gestaltete und emotional betonte Marketing-Lounge ist ein großer Schritt zum Vermietungserfolg getan.
Studie | Alternative Immobilienfinanzierung
Traditionell wird der Markt der Immobilienfinanzierungen von Banken dominiert.
Doch welche Alternativen zu diesem klassischen Weg gibt es, wenn die Institute – wie derzeit – nur sehr ausgewählt Kapital ausgeben?
Antworten darauf liefert eine aktuelle Studie des Real Estate Management Institute (REMI).
| Studie zur alternativen Immobilienfinanzierung |
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Extra-Informationen zur Ausgabe 4-2011
1.) Titelstory Fonds: Ein Interview mit Klaus Schmitt, Patrizia Immobilien AG, und ein Interview mit Michael Montebaur, APG Hanseatic Funds, sowie eine Fotostrecke kürzlich von offenen Fonds veräußerter Immobilien.
2.) Hochschule: Zwei Vorträge des zwölften EBS Immobilienkongresses sowie eine Videodokumentation und Fotos der Veranstaltung.
3.) Kommentar: Dr. Michael Voigtländer, IDW, schreibt über Investitionszyklen und Globalisierung.
Interview Klaus Schmitt
„Ein bis zwei neue Fonds pro Jahr“
ÜBERNAHME
Zum Jahreswechsel 2010 übernahm die Patrizia Immobilien AG die Immobilien-Kapitalanlagegesellschaft LB Immo Invest GmbH (LBI). Die ursprünglich von der HSH Nordbank gegründete Gesellschaft verwaltet in 13 Spezialfonds ein Immobilienvermögen von 2,4 Milliarden Euro. Zum Portfolio gehören überwiegend Büroimmobilien, aber auch Einzelhandels- und Hotelobjekte, Pflege- und Wohnimmobilien. immobilienmanager sprach mit Klaus Schmitt, COO der Patrizia Immobilien AG, über den Erwerb der LBI, die damit verbundenen Ziele und die Vorlieben der Investoren.
immobilienmanager: Herr Schmitt, warum kauft ein Wohnspezialist wie die Patrizia Immobilien AG einen auf Gewerbeimmobilien ausgerichteten Fondsmanager?
Klaus Schmitt: Patrizia hat seit ihrer Gründung 1984 Schritt für Schritt ihr Leistungsspektrum rund um die Wohnimmobilie erweitert. Umter anderem haben wir 2007 eine eigene auf Wohnimmobilien spezialisierte KAG gegründet. Der Erwerb der LB Immo Invest (LBI) ist ein logischer Schritt in der Weiterentwicklung des Unternehmens zum Immobilien-Investmenthaus. Wir können unseren Kunden nun eine noch breitere Produktpalette im In- und Ausland anbieten. Zudem haben wir ein profitables Unternehmen übernommen, das unsere Ertragskraft stärkt und zu einer Verstetigung unseres Gesamtergebnisses, welches durch das volatilere Handelsgeschäft geprägt ist, beiträgt. Wir hatten den Einstieg ins Geschäft mit Gewerbefonds bereits seit längerem auf der Agenda und haben uns verschiedene Unternehmen angeschaut.
immobilienmanager: Was hat letztlich den Ausschlag für die LB Immo Invest gegeben?
Klaus Schmitt: Uns war wichtig, dass das Unternehmen am Markt etabliert ist und über einen entsprechenden Track Record verfügt . Zudem sollte es möglichst wenige Überschneidungen mit unserem eigenen Geschäftsmodell geben. Und hier ist die LB Immo Invest der perfekte Partner für uns. Die LBI ist seit 2002 am Markt und heute bestens vernetzt. Etwa 90 Prozent des von ihr verwalteten Fondsvolumens ist in Gewerbeimmobilien investiert; lediglich ein Fonds ist auf Wohnimmobilien ausgerichtet.
immobilienmanager: Sie haben mögliche Überschneidungen angesprochen. Wie sieht es diesbezüglich auf der Investorenseite aus?
Klaus Schmitt: Mit der Patrizia KAG betreuen wir heute vor allem die Kunden, mit denen wir schon Jahrzehnte – sei es im Wege der Wohnungsprivatisierung, des Property oder des Asset Managements – zusammenarbeiten. Oftmals sind es die Großen in der Branche, die in Volumina zwischen 25 und 250 Millionen Euro denken. Mit der LBI erhalten wir nun Zugang zu einem Kundenkreis, der sich aufgrund seiner Investmenttätigkeit und Portfoliogröße in kleineren Losgrößen bewegt, aber trotzdem eine breite Allokation anstrebt. Ich denke hier vor allem an Sparkassen, kleinere Versorgungswerke und Stiftungen.
immobilienmanager: Worin unterscheiden sich die beiden Unternehmen sonst noch?
Klaus Schmitt: Die LB Immo Invest ist internationaler aufgestellt. Knapp 50 Prozent des Fondsvolumens sind im Ausland investiert, derzeit in acht Ländern. Bei den Fonds der Patrizia KAG liegt der Fokus auf Deutschland, auch wenn sie bereits in Finnland und Schweden investiert sind. Ich bin zuversichtlich, dass wir hier in Kürze ein weiteres westeuropäisches Land aufzählen können. Sie müssen ein komplettes Unternehmen in ihre bestehende Konzernstruktur integrieren.
immobilienmanager: Welches sind hierbei die größten Herausforderungen
Klaus Schmitt: Durch die Tatsache, dass es zwischen der Patrizia und der LBI nur wenige Überschneidungen gibt, fallen auch bei der Integration weniger Probleme an. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass die LBI nie komplett selbstständig war, sondern zuletzt zur HSH Real Estate AG gehörte, die für ihre 100-prozentige Tochtergesellschaft die Zentralfunktionen übernommen hatte. Die von der Hamburger Muttergesellschaft erbrachten Dienstleistungen werden nun von der Holding der Patrizia in Augsburg erbracht.
immobilienmanager: Welche Bereiche sind das?
Klaus Schmitt: Das sind die typischen Zentralfunktionen. Hierbei geht es beispielsweise um die Gesellschaftsbuchhaltung, die Pressearbeit, das Marketing oder auch die Investorenbetreuung.
immobilienmanager: Die LB Immo Invest behält ihren Namen. Warum erfolgte keine Umbenennung?
Klaus Schmitt: Zunächst einmal geht es darum, Objekte und Geschäftspartner der LBI im Detail kennenzulernen. Als Erstes einen neuen Namen einzuführen, halte ich für das falsche Signal. Entscheidend ist die Performance der Portfolios, egal wie das Unternehmen heißt. Wir werden uns diesem Thema sicherlich annehmen und zu gegebener Zeit entscheiden.
immobilienmanager: Übernahmen sind häufig mit Kosteneinsparungen und Personalabbau verbunden. Auch in diesem Fall?
Klaus Schmitt: Kosteneinsparungen stehen dort auf der Agenda, wo sie Sinn machen. An Personalabbau ist aber nicht gedacht, schließlich gibt es so gut wie keine Überschneidungen. Wir schaffen aber Synergien in dem Sinne, dass wir einen echten Mehrwert für unsere Kunden generieren. Durch den Zusammenschluss steht ihnen ein Ansprechpartner für alle Immobilieninvestments über alle Nutzungsarten hinweg zur Verfügung. Mit eigenen Mitarbeitern decken wir den kompletten Lebenszyklus einer Immobilie ab und bieten so sämtliche Dienstleistungen rund um die Immobilie aus einer Hand an. Damit schaffen wir neue Wachstumspotenziale, die sich auch in einer höheren Beschäftigung widerspiegeln. In diesen Tagen haben wir sechs neue Stellen in Hamburg genehmigt – das ist ein Personalzuwachs von über zehn Prozent.
immobilienmanager: Welche Erwartungen haben Sie an das Geschäft mit der LB Immo Invest?
Klaus Schmitt: 2011 wird ein Jahr der Bestandspflege und Konsolidierung. Wir sehen uns zunächst einmal die bestehenden Fonds genau an und besprechen die Fondsstrategie mit den Investoren. Ab 2012 soll es dann ein bis zwei neue Fonds pro Jahr geben.
immobilienmanager: Und wie sehen die Pläne im Wohnungsbereich für die Patrizia KAG aus?
Klaus Schmitt: Auch hier wollen wir ein bis zwei neue Fonds pro Jahr auflegen. Wir peilen dabei in der Regel 200 Millionen Euro Eigenkapital und 400 Millionen Euro Gesamtvolumen pro Fonds an. Generell ist es noch immer so, dass eine große Nachfrage nach Core-Produkten herrscht. Aber wir merken bereits, dass auch Value add und Opportunistic wieder gefragter wird, beispielsweise in Form von Projektentwicklungen oder Revitalisierungen.
immobilienmanager: Kaufen ihre Spezialfonds auch eigene Patrizia-Objekte?
Klaus Schmitt: Jeder Ankauf unserer Fonds wird von unseren Investoren im Vorfeld genehmigt. Falls die Patrizia über Objekte verfügt, die für einen bestandshaltenden Fonds interessant sein können, bieten wir diese zuerst unseren Fondszeichnern an. Erst wenn die Investoren auf diese Art des Vorkaufsrechts verzichten, bieten wir die Immobilien dem Markt an.
immobilienmanager: Im Gegensatz zu vielen anderen Spezialfondsanbietern beteiligt sich die Patrizia KAG nicht mit eigenem Geld an ihren Fonds. Warum?
Klaus Schmitt: Bei den Fonds der Patrizia KAG wurde das von den Investoren bislang nicht gewünscht. Diese Entwicklung sehen wir vor allem bei Investments internationaler Investoren, um die Parallelität der Interessen zwischen Kapitalgeber und Immobilienunternehmen herzustellen. Bei unserem Co-Investment Patroffice sind wir diesen Weg mit den beiden beteiligten Pensionskassen gemeinsam gegangen. Während beide zusammen mit einem Anteil von 93,75 Prozent beteiligt sind, hält die Patrizia einen Anteil von 6,25 Prozent. Von daher sind wir bei Patrizia für alle Wege offen. Die LBI ist übrigens an zwei ihrer eigenen Fonds beteiligt.
immobilienmanager: Worin unterscheiden sich die unterschiedlichen Anleger?
Klaus Schmitt: Unsere Erfahrung ist, dass größere Investoren, die zwischen 100 und 300 Millionen Euro Eigenkapital investieren, häufig für sie maßgeschneiderte Individuallösungen nachfragen. Hingegen fühlen sich mittelgroße Anleger mit 25 bis 75 Millionen Euro in Club Deals mit drei bis fünf Investoren sehr wohl. Hier sind natürlich die gleichgerichteten Interessen wieder sehr wichtig. Letzteres gilt übrigens auch für Investoren mit kleineren Losgrößen. Sie sind allerdings durchaus bereit, mit mehreren Anlegern in einen Fonds zu gehen und über verschiedene Bausteine eine individuelle Risiko-Rendite-Allokation zu erreichen.
immobilienmanager: Derzeit schwebt das Damokles-Schwert Solvency II über dem Immobilien-Spezialfondsmarkt. Experten befürchten, dass ohne weitere Änderungen die Versicherungen als Kapitalquellen versiegen könnten. Teilen Sie diese Befürchtung?
Klaus Schmitt: Die deutschen Versicherer halten bei einer Immobilienquote von im Schnitt lediglich drei bis vier Prozent insgesamt weniger als ein Prozent der deutschen Immobilienbestände. Selbst wenn sie alles verkaufen, würde das den Markt nicht „durcheinander bringen“. Ein solcher Schritt ist angesichts der Aussagen der Versicherungsvertreter aber sehr unwahrscheinlich. Schließlich bleibt die ökonomische Basisüberlegung von Solvency II unberührt. Geht es doch darum, Investments breit zu streuen und Risiken zu diversifizieren. Abseits dessen verfügt die Branche über weitaus mehr Eigenkapital als es die Zielvorgaben verlangen. So wird zumindest die Aufsichtsbehörde Eiopa zitiert. Außerdem ist das Grundgerüst von Solvency II noch nicht in Stein gemeißelt. Hier sehe ich durchaus noch Spielraum für Anpassungen.
immobilienmanager: Wie gehen Sie als Kapitalanlagegesellschaft damit um?
Klaus Schmitt: Als Anbieter von Spezialfonds sind wir gefordert, Versicherungen gegebenenfalls Alternativen anzubieten. Das könnten beispielsweise Verbriefungen oder Anleihen sein, aber das entwickelt sich alles noch. Ganz sicher ist nur, dass sich neben den Versicherungen mit Stiftungen, Pensionskassen und Versorgungswerke auch zukünftig zahlreiche Player auf der „Spielwiese Immobilienspezialfonds“ tummeln werden.
Das Interview führte Markus Gerharz.
Interview Michael Montebaur
Interview mit Michael Montebaur, APG Hanseatic Funds über Spezialfonds. Was bedeutet Solvency II für die Immobilien-Spezialfonds?
Michael Montebaur, Geschäftsführer der APG Hanseatic Funds Asset- und Fondsmanagement GmbH, im Gespräch mit immobilienmanager.
immobilienmanager: Führt Solvency II dazu, dass Immobilien-Spezialfonds als Anlagevehikel an Bedeutung verlieren?
Michael Montebaur: Nein, die Bedeutung der Immobilien-Spezialfonds für Versicherungsgesellschaften als attraktives Anlageinstrument für indirekte Immobilieninvestitionen wird durch Solvency II grundsätzlich nicht in Frage gestellt, zumal der Spezialfonds als Anlagevehikel durch die Novellierung des Investmentgesetzes gegenüber unregulierten, zum Beispiel luxemburger Strukturen, erheblich Boden gut gemacht hat. Jedoch verändert sich das bevorzugte Anlageprofil der Spezialfonds hin zu einer geringeren Fremdkapitalisierung und einer risikoaverseren Anlagepolitik.
immobilienmanager: Woher stammt Ihr Optimismus?
Michael Montebaur: Unter anderem wird das durch die aktuelle Feri-Umfrage belegt, in der 87 Prozent der befragten der Versicherungsunternehmen angegeben haben, dass das neue Regelwerk keine Auswirkungen auf die Immobilienanlagen haben wird. Eine knappe Mehrheit hat angegeben, ihre Immobilienquote in den kommenden zwölf Monaten unverändert zu lassen. 44 Prozent planen gar eine Erhöhung. Bei keinem der befragten Investoren, die insgesamt rund 220 Milliarden Euro Assets under Management repräsentieren, ist eine Senkung der Immobilienquote angedacht. Insbesondere Altersvorsorgeeinrichtungen und die Industrie wollen ihre Immobilienquote erhöhen, was bevorzugt über Spezialfonds oder Direktinvestments erfolgen soll.
immobilienmanager: Dennoch wird über Alternativen zum Spezialfonds nachgedacht. Wie könnten diese aussehen?
Michael Montebaur: Als Reaktion auf die Finanzmarktkrise ist im Juli 2010 die neue Anlageverordnung für Versicherungsunternehmen in Kraft getreten. Mit der neu eingeführten Möglichkeit einer Anlage in Immobilien in Form von Aktien an Immobiliengesellschaften und Anteilen an geschlossenen Fonds wollte der Gesetzgeber Versicherungsunternehmen Anlagealternativen ermöglichen, die sonst nur in Form von Beteiligungen erfasst wurden. Allerdings sind die damit verbundenen Restriktionen derart umfangreich, dass die Neuerungen bislang nicht zu einer entscheidenden Erweiterung des Spektrums für Anlageinstrumente geführt haben. Insbesondere die Anforderung einer niedrigen Fremdfinanzierungsquote lässt zahlreiche Anbieter geschlossener Fonds aus dem europäischen Ausland und unregulierte Immobilienfonds ausscheiden. Eine Möglichkeit der Entlastung der Beteiligungsquote zugunsten der Immobilienquote wäre ein eigenkapitalfinanzierter, regulierter und geschlossener EWR-Dachfonds, der unmittelbar in Immobiliengesellschaften gemäß der neuen Anlageverordnung investiert. Anlagevehikel mit einer über 60 Prozent hinausgehenden Fremdkapitalquote qualifizieren nur noch dann für die Immobilienquote, wenn sie konzernintern aufgelegt werden.
immobilienmanager: Sie sind skeptisch was die Bedeutung neuer Produkte betrifft?
Michael Montebaur: Es ist zu erwarten, dass Versicherungen weiterhin größtenteils über Direktinvestments oder Spezialfonds in Immobilien investieren werden. Geschlossene Fonds oder Publikumsfonds spielen als Vehikel eine untergeordnete Rolle, Investitionen in REITs haben keine der im Rahmen der vorgenannten Feri-Studie befragten Institutionellen auf der Agenda.
Das Interview führte Markus Gerharz
Fotostrecke|von offenen Fonds veräußerte Immobilien

- Der Degi International konnte das Bürogebäude 100 New Bridge Street für 110,17 Millionen Britischen Pfund leicht über Verkehrswert verkaufen, Foto: Aberdeen

- Der Verkauf dieses 6.700 Quadratmeter großen Bürogebäudes im Büroquartier Via Nizzoli in Mailand spülte 18,5 Millionen Euro in die Kassen des Axa Immoselect, Foto: AXA
EBS Immobilienkongress 2011
Kommentar Dr. Michael Voigtländer
Deutschland entzieht sich dem Gleichschritt
Können Investoren tatsächlich Preiszyklen durch globale Streuung ausgleichen?
Von Dr. Michael Voigtländer
Immobilienpreiszyklen sind für Investoren ein dominantes Thema. Steigt man zum richtigen Zeitpunkt ein, kann man allein aufgrund der typischen Auf- und Abschwünge hohe Renditen erzielen. Allerdings sind Preiszyklen unberechenbar. Konjunkturelle Einbrüche, steigende Zinsen oder steuerliche Veränderungen können einen Preisaufschwung plötzlich in einen Abschwung wandeln. Um dieses Risiko zu streuen, investieren Versicherungen, Pensionsfonds oder offene Immobilienfonds zunehmend international. Allein die deutschen offenen Immobilienfonds steigerten den Anteil ihrer ausländischen Liegenschaften zwischen Ende 2005 und Ende 2009 um zwölf Prozentpunkte auf 70 Prozent.
Wie eine aktuelle Studie des IW Köln zeigt, ist diese Strategie jedoch nur begrenzt Erfolg versprechend. Gerade im Büroimmobilienmarkt folgen die Märkte einem einheitlichen globalen Trend. Die Schwankung der Büromärkte in 19 Städten lässt sich zu 80 Prozent auf einen globalen Faktor zurückführen. Ursächlich hierfür ist die Integration der Weltwirtschaft. Über den Handel, die Kapitalströme und auch die Migration vereinheitlichen sich die makroökonomischen Rahmenbedingungen. Diese wiederum sind entscheidende Bestimmungsgrößen für die Immobilienpreise. Darüber hinaus tragen internationale Investoren selbst zur Nivellierung der Preise bei, da sie tendenziell unterbewertete Büroimmobilien kaufen und überbewertete verkaufen.
Wohnimmobilien, bei denen nicht Städte sondern Länder betrachtet wurden, sind im Vergleich zu Büroimmobilien bislang weniger im Fokus internationaler Investoren. Dies ist ein Grund, warum Wohnimmobilien etwas schwächer synchronisiert sind. Etwa 73 Prozent der Schwankung kann auf den globalen Faktor zurückgeführt werden. Darüber hinaus weisen Nachbarländer tendenziell ähnliche Zyklen auf. Nichtsdestotrotz ist auch bei Wohnimmobilien erkennbar, dass die Märkte zunehmend im Gleichschritt marschieren.
Zum Glück für Investoren gibt es aber auch Ausreißer. Brüssel zum Beispiel ragt bei den Büroimmobilien deutlich hervor. Aufgrund des politisch und behördlich geprägten Marktes scheinen konjunkturelle Einflüsse für Brüssel eine geringere Rolle zu spielen, so dass sich diese Stadt von anderen europäischen Metropolen abhebt. Aber auch die deutschen Städte Frankfurt, Berlin und Hamburg grenzen sich vom globalen Trend ab. Dies gilt umso mehr für den Wohnimmobilienmarkt. Deutschland hat sich hier, ebenso wie die Schweiz und Japan, vom internationalen Zyklus abgekoppelt.
Was folgt hieraus für Investoren? Durch die Berücksichtigung der Ausreißer in Immobilienportfolien können die Risiken aus Immobilienzyklen vermindert werden. Im Wohnimmobilienmarkt kann dies in weiten Teilen gelingen, im Büromarkt dagegen in geringerem Maße, da die Märkte bereits stärker integriert sind.
Wie bei jeder empirischen Untersuchung wurde auch hier die Vergangenheit betrachtet. Künftig können sich die Zyklen folglich anders entwickeln und sich andere Länder vom Gesamtmarkt abkoppeln. Gerade aktuell sieht es so aus, als ob sich die Immobilienmärkte sehr unterschiedlich von der Finanzkrise erholen würden. So steigen die Büropreise in London bereits wieder, während sie in Madrid weiter rückläufig sind. Die Kräfte der Globalisierung dürften jedoch zu stark sein, als dass die Zyklen wieder dauerhaft auseinander fallen könnten. Der Welthandel und die Auslandsinvestitionen ziehen bereits wieder an, so dass die Weltwirtschaft bald wieder im Normalmodus laufen wird. Ein weiteres Zusammenwachsen der Immobilienmärkte ist daher das wahrscheinlichste Szenario.
Einiges spricht darüber hinaus dafür, dass die hier identifizieren Ausreißer ihre Sonderrolle behalten werden. Betrachtet man einmal die Wohnimmobilienmärkte, so koppeln sich gerade die Länder ab, die eine niedrige Wohneigentumsquote aufweisen. Typisch für die Ländergruppe, zu der neben Deutschland zum Beispiel auch die Schweiz gehört, ist außerdem die ausgeprägte Langfristfinanzierung. Damit reagieren diese Länder grundsätzlich schwächer auf Zinsänderungen und weisen entsprechend eine geringere Volatilität auf. Weiterhin fällt auf, dass die Kapitalmarktorientierung – die etwa an der Bedeutung von Immobilienaktien festzumachen ist – in den betrachteten Ländern eher gering ist. Da diese Merkmale in der näheren Zukunft unverändert bleiben, erscheint eine längerfristige Entkopplung vom globalen Zyklus wahrscheinlich. Investoren sind daher gut beraten, verstärkt auf Länder mit besonderen strukturellen Eigenschaften zu achten.
Dr. Michael Voigtländer ist Leiter Forschungsstelle Immobilienökonomik beim Institut der deutschen Wirtschaft, Köln.
Zusatzinfo: Die Studie „Zur Synchronisation der Immobilienpreiszyklen – eine Faktoranalyse“ untersucht die Büro- und Wohnimmobilienmärkte in einer Vielzahl von OECD-Ländern und kann kostenlos unter
www.immobilienoekonomik.de abgerufen werden.
Extra-Informationen zur Ausgabe 3-2011
1.) Titelstory Frankreich: Ein Interview mit Torsten Knapmeyer, Geschäftsführer der Deka Immobilien und West Invest, und ein Interview mit Reinhard Mattern, Geschäftsführer von iii Investments, sowie eine Tabelle zu deutschen Investoren in Frankreich.
2.) Wohnungswirtschaft: Anhand einer ausführlichen Präsentation erhalten Sie einen Einblick in das Bestandsmanagement der Evonik Wohnen GmbH, inklusive eines Best-Practice-Beispiels zur Quartiersentwicklung in Essen.
3.) Immobilienmarkt USA: Der Transaktionsmarkt für Gewerbeimmobilien springt wieder an.
4.) immobilienmanager.AWARD 2011: In unserer Bilderstrecke können Sie die Verleihung des immobilienmanager.AWARD 2011 Revue passieren lassen.
5.) Klimaschutz: Die Meinung des Verbands BFW zum Energiekonzept der Bundesregierung und seine Vorschläge zur Erhöhung der Sanierungsquote.
6.) Offene Immobilienfonds: Professor Steffen Sebastian kommentiert die Regulierung.
7.) Quo Vadis Kongress: Ein Bericht von der Jahresauftaktveranstaltung.
Als Ergänzung zu unserer Edition Hamburg können Sie außerdem die komplette Unternehmerrunde Hamburg als pdf herunterladen.
Interview T. Knapmeyer | Deka Immobilien in Frankreich
Das Frankreich-Engagement der Deka Immobilien und West Invest
Torsten Knapmeyer, Geschäftsführer der Deka Immobilien und West Invest, antwortet auf die Fragen von immobilienmanager.
immobilienmanager: Wie viele Objekte mit welchem Wert besitzt Ihr Unternehmen in Frankreich?
Torsten Knapmeyer: Über alle Immobilien-Publikums- und Spezialfondsportfolien hinweg besitzt der DekaBank-Konzern 33 Objekte in Frankreich mit einem Volumen von insgesamt rund 3,1 Milliarden Euro.
immobilienmanager: Wurden im Jahr 2010 neue Objekte erworben oder verkauft? Welche, wieviele?
Torsten Knapmeyer: 2010 haben wir fünf Objekte angekauft:
- Retailobjekt „Rue Sainte-Catherine“ in Bordeaux,
Fonds: WestInvest InterSelect, Ankaufspreis: 68 Millionen Euro
- Büroobjekt “39/41 Rue Cambon” in Paris, Fonds: Deka-ImmobilienEuropa, Ankaufspreis: Stillschweigen vereinbart
- Hotelobjekt „Hotel Renaissance Arc de Triomphe“ in Paris, Fonds: Deka- ImmobilienEuropa, Ankaufspreis : rund 114 Millionen Euro
- Büroobjekt „Opéra Gramont“ in Paris, Fonds: WestInvest ImmoValue, Ankaufspreis: rund 75 Millionen Euro
- Büroobjekt „Le Patio“ in Marseille, Fonds: Immobilienspezialfonds, Ankaufspreis : rund 26 Millionen Euro
immobilienmanager: Wie sehen Sie Ihr künftiges Frankreich-Engagement?
Torsten Knapmeyer: „Frankreich gehört nach wie vor zu einem wichtigen Markt für uns. Die wirtschaftlichen, rechtlichen, aber auch steuerlichen Rahmendaten sind auch im Vergleich zu anderen Ländern positiv. Grundsätzlich investieren die Immobilienfonds des DekaBank- Konzerns in Top-Objekte in guten Lagen mit bonitätsstarken Mietern.
Für unsere Offenen Immobilien-Publikumsfonds suchen wir nach Objekten in einer Größenordnung bis zu 300 Millionen Euro, bei den Immobilienspezialfonds halten wir nach Objekten von einem Volumen zwischen 20 und 50 Millionen Euro Ausschau.
immobilienmanager: Welche Regionen des Landes und Teilmärkte der Ile de France liegen in Ihrem Fokus?
Torsten Knapmeyer: Unsere Offenen Immobilien-Publikumsfonds investieren vor allem in die Bürostandorte Paris und Ile-de-France. Für unsere Immobilienspezialfonds schauen wir auch in großen Regionalstädten wie beispielsweise Lyon, Bordeaux, Lille, Toulouse und Marseille nach attraktiven Ankaufsmöglichkeiten.
Die Regionalstandorte können in anderen Sektoren wie beispielsweise dem Logistikbereich aber auch einmal für ein Investment unserer Offenen Immobilien-Publikumsfonds interessant sein. Das zeigt beispielsweise der Ankauf des Retailobjekts „Rue Sainte-Catherine“ in Bordeaux für den Offenen Immobilien- Publikumsfonds WestInvest InterSelect.
immobilienmanager: Welche Nutzungsarten nehmen Sie ins Visier?
Torsten Knapmeyer: Unser Hauptaugenmerk liegt auf Büroimmobilien, aber auch die Sektoren Logistik, Handel und Hotel wollen wir aktuell weiter ausbauen.
immobilienmanager: Wo sehen Sie wichtige Besonderheiten des französischen Marktes im Vergleich zum deutschen?
Torsten Knapmeyer: In Frankreich gibt es auf dem Büroimmobilienmarkt eine deutliche Dominanz des Hauptstadtmarktes Paris, während die Regionalmetropolen aufgrund der Marktgröße in der Regel nur für Spezialfonds interessant sind. In Deutschland herrscht hingegen eine polyzentrische Struktur vor mit fünf großen Märkten (bzw. sieben mit Köln und Stuttgart). Paris ist daher aufgrund seiner Marktgröße lediglich mit London vergleichbar.
Dies gilt auch für die Liquidität des Marktes. Aufgrund der Vielzahl von Objekten in allen Größenklassen sind Markteintritte und -austritte kein Problem. Die Unterschiede zwischen Deutschland und dem Hauptstadtmarkt Paris zeigt auch das durchschnittliche Investitionsvolumen bei Bürogebäuden. In Paris lag dieses zwischen 2001 und 2009 bei sechs Milliarden Euro, in Frankfurt waren es in diesem Zeitraum beispielsweise lediglich 1,9 Milliarden Euro, in München sogar nur 1,4 Milliarden Euro.
immobilienmanager: Zum Asset Management Ihrer französischen Objekte: Wie und wo wird es erbracht?
Torsten Knapmeyer: Die Mitarbeiter der Deka Immobilien GmbH kümmern sich von unserer Repräsentanz in Paris, aber auch von unserer Konzernzentrale in Frankfurt aus um das Asset Management der französischen Objekte. Zudem setzen wir auf die bewährte Zusammenarbeit mit externen Property Managern.
immobilienmanager: Zu den rechtlichen Strukturen: Welche Bedeutung hat für Sie der OPCI? Spielen auch SIICs eine Rolle?
Torsten Knapmeyer: Wir prüfen derzeit, ob wir das OPCI-Konstrukt zukünftig nutzen wollen. Dieses Vehikel kann sich für Immobilienfonds und letztlich auch für den Anleger vorteilhaft in der Performance darstellen. SIICs hingegen sind derzeit kein Thema für uns. Sie passen nicht zum Risikoprofil unserer Immobilienfonds und zu unserer Produktpalette.
Das Interview führte Roswitha Loibl.
Interview R. Mattern | iii Investments in Frankreich
Das Frankreich-Engagement von iii-Investments
Geschäftsführer Reinhard Mattern antwortet auf die Fragen von immobilienmanager:
immobilienmanager: Wieviele Objekte mit welchem Wert besitzt Ihr Unternehmen in Frankreich?
Reinhard Mattern: Mit acht Spezialfonds sowie einer Luxemburger SICAV-FIS sind wir in Frankreich in 21 Objekte mit einem Gesamtwert von ca. 450 Millionen Euro investiert.
immobilienmanager: Wurden im Jahr 2010 neue Objekte erworben oder verkauft?
Reinhard Mattern: Insgesamt wurden für unsere Fonds in 2010 zwei Objekte (Paris, Lyon) verkauft sowie zwei Objekte (Paris) gekauft. Das letzte Investment wurde Ende des Jahres in Paris (Rue D’Antin, 9. Arrondissement) für einen neu aufgelegten Individualfonds eines berufsständischen Versorgungswerkes für 21 Millionen Euro getätigt.
immobilienmanager: Wie sehen Sie Ihr künftiges Frankreich-Engagement?
Reinhard Mattern: Aus volkswirtschaftlicher Sicht halten wir den französischen Immobilienmarkt weiterhin für attraktiv. Zukünftige Investments sind abhängig von den Ergebnissen unserer laufenden Rendite-Risiko-Analyse des französischen Investmentmarktes. Dabei setzen wir die jeweils aktuellen Anfangsrenditen in Relation zu den Renditen der Staatsanleihen, den von uns definierten Risikoprämien der Immobilienmärkte sowie den Mietsteigerungserwartungen.
immobilienmanager: Welche Größenordnungen streben Sie an?
Reinhard Mattern: Für unsere bestehenden Mandate sind wir auf der Suche nach Objekten mit einer Größenordnung von 20 bis 50 Millionen Euro.
immobilienmanager: Welche Regionen des Landes und Teilmärkte der Ile de France liegen in Ihrem Fokus?
Reinhard Mattern: Die Erfahrungen aus der Finanzkrise haben unsere Strategie der Konzentration auf erstklassige Standorte bestätigt. Unser Fokus liegt derzeit auf den Standorten: Paris CBD, Lyon Part Dieu, Marseille Euromed.
immobilienmanager: Welche Nutzungsarten?
Reinhard Mattern: Hier konzentrieren wir uns auf Core-Objekte mit den Nutzungsarten Büro und Einzelhandel.
immobilienmanager: Wo sehen Sie wichtige Besonderheiten des französischen Marktes im Vergleich zum deutschen?
Reinhard Mattern: Der französische Markt ist mit der Île-de-France als mit großem Abstand wichtigsten Immobilienmarkt in Frankreich weit mehr konzentriert als der deutsche Markt, wo sich die Flächenbestände ausgewogener verteilen. So haben die größten deutschen Büromärkte wie München, Frankfurt oder Berlin mit jeweils rund 15 Millionen Quadratmetern in etwa zusammen so viel Fläche wie die Île-de-France. Ein für uns weiterer wichtiger Unterschied ist die Volatilität der Märkte. So gehört der Pariser Büromarkt zusammen mit London zu den volatilsten Märkten in Europa während die deutschen Top 7-Standorte (mit Ausnahme von Frankfurt) weit weniger volatil sind. Bei der Transparenz sehen wir keine großen Unterschiede zwischen den Märkten.
immobilienmanager: Zum Asset Management Ihrer französischen Objekte: Wie und wo wird es erbracht?
Reinhard Mattern: Das Asset beziehungsweise Property Management unserer französischen Objekte wird durch langjährige lokale Partner vor Ort mit entsprechendem spezialisiertem Wissen und langjähriger Erfahrung erbracht und durch unsere Länderspezialisten aus München heraus gesteuert.
immobilienmanager: Zu den rechtlichen Strukturen: Welche Bedeutung hat für Sie der OPCI? Spielen auch SIICs eine Rolle?
Reinhard Mattern: Unser hauseigenes Research-Team beobachtet die Entwicklung der beiden Vehikel im Zuge des allgemeinen Monitorings des französischen Investmentmarktes laufend. Ein Investment in diese Vehikel kommt für uns bisher allerdings nicht in Frage. Derzeit investieren wir für unsere Fonds nach deutschem oder luxemburger Investmentrecht direkt in Immobilienvermögen.
Das Interview führte Roswitha Loibl.
Deutsche Investoren in Frankreich
Präsentation Bestandsmanagement der Evonik Wohnen GmbH
Die Evonik Wohnen GmbH ist mit rund 60.000 Einheiten eine der größten Wohnungsgesellschaften Deutschlands.
In einer ausführlichen Präsentation ist die Struktur des Bestandsmanagements dargestellt.
Darüber hinaus finden Sie in der pdf-Datei ein Best-Practice-Beispiel für eine Quartiersentwicklung in Essen-Altenessen.
| Präsentation als pdf-Download (3,8 MB) |
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US Finanzierungsmarkt | Banken und Investoren im Duett
Banken und Investoren im Duett
US FINANZIERUNGSMARKT
Der Transaktionsmarkt für Gewerbeimmobilien in den USA springt wieder an. Das bietet Chancen für Anleger.
Von Dr. Bernhard Funk
Die globale Finanzkrise hat die Märkte für die Bereitstellung von Eigen- und Fremdkapital in den Vereinigten Staaten von Amerika stark erschüttert. In zahlreichen gewerblichen Immobilienmärkten sind die Immobilienwerte seit 2007 um weit mehr als 40 Prozent gefallen. Das Kreditangebot schrumpfte, und die Beleihungspolitik wurde restriktiv. Zwischen 2007 und 2008 kollabierte der Markt für Commercial Mortgage Backed Securities (CMBS). Dies traf gewerbliche Investoren am USInvestmentmarkt hart, von denen einige bis zu 80 Prozent ihrer Finanzierungen über CMBS-Strukturen abwickelten. Doch wie stellt sich die Lage am US-Finanzierungsmarkt für Gewerbeimmobilien zu Jahresanfang 2011 dar?
Verbriefungsmarkt verspürt leichten Aufwind
Der Verbriefungsmarkt für CMBS erholte sich 2010 leicht. Das durch die Banken arrangierte Emissionsvolumen erreichte rund zwölf Milliarden US-Dollar. In Relation ist dies jedoch nur ein kleiner Lichtblick: Das Volumen von 2010 entspricht lediglich rund einem Zwanzigstel des Vergleichswertes von 2007. Marktteilnehmer sind optimistisch, dass 2011 eine weitere Erholung der Emissionstätigkeit im CMBS-Markt zeigen wird, keinesfalls jedoch auf dem Plateau der Boomjahre.
Dass die Spätfolgen der Marktverwerfungen auch hier noch nicht behoben sind, wird anhand der Entwicklung notleidender Gewerbedarlehen gemäß den Analysen von Trepp LLC deutlich: Der Prozentsatz gewerblicher Darlehen in CBMS-Strukturen, die Zahlungsrückstände beziehungsweise Zwangsvollstreckungsmaßnahmen aufweisen, stieg im Januar 2011 auf rund 9,3 Prozent – den höchsten Stand seit Beginn der Datenerhebung. Am stärksten sind Finanzierungen für Apartments und Hotels betroffen.
Bei Construction Loans dürfte der Prozentsatz problembehafteter Darlehen bei knapp 20 Prozent liegen. Die Krise am Verbriefungsmarkt, verbunden mit notleidenden gewerblichen Darlehen, sorgt für ein Fortbestehen der Belastungen des Bankensektors. In den USA sind allein im letzten Jahr 157 Banken geschlossen worden. Wie Trepp analysiert hat, liegen bei rund 50 Prozent aller in den Jahren 2011 bis 2015 fälligen Darlehen die Objektwerte niedriger als die Restvaluten der Darlehen.
Im Ergebnis führten die Analysten noch über 700 Institute auf ihrer Watch-List, die größeren – auch existenziellen – Risiken aufgrund von Darlehensausfällen im Kreditbuch ausgesetzt sein könnten. Ein weiteres Problem, vornehmlich für große Banken, sind Rückkäufe von Hypothekenanleihen. Viele Institute müssen Hypothekenanleihen zurückkaufen, weil die Käufer Rückgabeansprüche wegen mangelhaft er Anleihedokumentationen rechtlich durchsetzen konnten. Zum Jahresende 2010 musste die Bank of America daher einen Verlust ausweisen. Mit der Erholung der Investmentmärkte im Jahr 2010 sind auch die Zusagevolumina gewerblicher Immobilienfinanzierungen wieder angestiegen. Im Jahr 2010 hat sich das Transaktionsvolumen für gewerbliche US-Immobilien gegenüber dem Vorjahr nach Angaben von Real Capital Analytics (RCA) mehr als verdoppelt. In Relation gesetzt: Das Transaktionsvolumen für Büros entsprach 2010 ungefähr einem Fünftel des Transaktionsvolumens im Boomjahr 2007.
Im vierten Quartal 2010 kam es nach Berechnungen der Mortgage Bankers Association zu dem größten quartalsbezogenen Anstieg von Neuzusagen für gewerbliche Finanzierungen seit Mitte 2007. Die Zusagen für das Gesamtjahr 2010 lagen rund 35 Prozent über dem Vorjahr und entsprachen etwa einem Fünftel des Boomjahres 2007.
Versicherungen wichtige Darlehensgeber, Aktivität der Banken nimmt zu
Derzeit treten besonders US-Versicherungen als Darlehensgeber hervor. Sie konzentrieren sich bei ihren Beleihungsobjekten vorzugsweise auf Objekte in Primary Markets. Dagegen wurden CMBS-Finanzierungen stärker auch für Objekte in Secondary und Tertiary Markets bereitgestellt. Darlehensnehmer profitierten derzeit von verbesserten Konditionen und Margen für gewerbliche Finanzierungen, weil am CMBS-Anleihemarkt in den letzten Monaten die Preise für Anleihen stiegen. Weiterhin ist die Bereitschaft der Darlehensgeber gewachsen, überhaupt wieder im gewerblichen US-Markt aktiv zu werden.
Dies gilt auch für ausländische Adressen. Die Verfügbarkeit von Darlehen hängt unverändert von den damit verbundenen Risiken ab: Während es für Class-A-Core-Büros relativ einfach ist, eine Finanzierung zu finden, bleibt die Suche nach Darlehen für Hotelobjekte oder gar Projektentwicklungen deutlich schwieriger. Für einen Ausblick auf den Finanzierungsmarkt in seiner Verkettung mit dem US-Gewerbeinvestmentmarkt bleiben die langfristigen Zinsen eine wichtige Größe. Die Verzinsung von US-Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit ist zwischen Herbst 2010 und Februar 2011 über 100 Basispunkte gestiegen. Während die US-Notenbankpolitik mit der Politik des billigen Geldes zwar die kurzfristigen Zinsen noch niedrig halten mag, um Unternehmensinvestitionen und den Arbeitsmarkt zu stimulieren – dies führte mittelbar zu einer starken Nachfrage nach risikoarmen gewerblichen Objekten – ist für Immobilieninvestoren auch die Alternativverzinsung sicherer Anlagen wie Staatsanleihen auf längere Frist von Bedeutung.
Kosten für Refinanzierung könnten steigen
Es bestehen Risiken, dass sich mittelfristig auch die Refinanzierungskosten erhöhen könnten. Dazu könnten auch neue Bonitätseinschätzungen von Marktteilnehmern für die Schulden von Bund, US-Bundesstaaten und Kommunen beitragen. Die Kalkulation von Immobilieninvestments müsste dann vor neuen Parametern erfolgen. Bisher hatte die Notenbank allerdings wenig Grund, die Politik des billigen Geldes zu stoppen, um Inflationsrisiken zu bekämpfen: Lag doch die Kerninflationsrate mit 0,8 Prozent im Jahr 2010 so niedrig, dass hiermit die niedrigste Wachstumsrate seit Beginn der Aufzeichnungen verzeichnet wurde.
Welche Handlungskonsequenzen können aufgrund der Verfassung der US-Finanzierungsmarkt für gewerbliche Immobilieninvestitionen abgeleitet werden? Die aktuellen Daten sprechen deutlich für eine Fortsetzung der Zunahme der Transaktionstätigkeit auf dem gewerblichen Immobilieninvestmentmarkt auch im Jahr 2011. Nachdem im Jahr 2010 insbesondere Büros in besten Lagen und Standorten wie New York City und Washington DC sowie Apartments an verschiedenen Standorten als Investments bei den meistens risikoaversen Investoren gefragt waren, dürfte im Jahr 2011 die Nachfrage auch nach Einzelhandelsimmobilien und die generelle Investitionsbereitschaft für verschiedene Objektarten in Secondary Cities wachsen.
Banken nehmen Problemkredite von den Büchern
Auf der Einkaufsseite ermöglichen die weiterhin existenten beträchtlichen Schwierigkeiten von Bestandshaltern und Banken mit notleidenden Gewerbekrediten interessante Einstiegsmöglichkeiten, indem Investoren sich beispielsweise in bestehende Finanzierungen einkaufen.
Dass Banken zunehmend bereit sind, Problemkredite endgültig von den Büchern zu nehmen, signalisiert eine weitere Entwicklung: Etwa die Hälfte der Verkäufe von Distressed Properties im Jahr 2010 fanden nach RCA im vierten Quartal statt. Diese Bereitschaft hängt auch mit der steigenden Verwertungsquote der Banken für notleidende Gewerbekredite zusammen. Diese lagen zuletzt gemäß RCA bei rund 65 Prozent (siehe die untenstehende Grafik). Die Verwertungsquoten sind aktuell deutlich höher, als vormals weit pessimistischere Annahmen noch zum Höhepunkt der Finanzkrise erwarten ließen.
Je liquider die Transaktionsmärkte werden, desto besser die Verwertungschancen für die Banken. Verbesserte Verwertungsquoten sind auch mit einer Erholung der erzielbaren Marktpreise verbunden. Die Immobilienwerte sind wieder im Aufwind: Der bewertungsorientierte NCREIF-Property-Index, der die Wertentwicklung der Objekte institutioneller Bestandshalter abbildet, zeigte im Gesamtjahr 2010 über alle Objektarten hinweg nach Rückgängen im Vorjahr wieder positive Wertänderungsrenditen.
Der Total Return für Büros erreichte für das vergangene Jahr fast zwölf Prozent. Tatsächlich sind die Investmentmärkte noch nicht für alle Risiko-Klassen verschiedener Objektarten und Standorte wirklich liquide. Jedoch steigt die Investitions- und Finanzierungsbereitschaft im Zuge der wieder positiveren Konjunkturerwartungen. Zu Jahresbeginn 2011 berechnen Immobilieninvestoren und Kreditgeber folglich die Erholung der Konjunktur in ihre Kalkulationen ein und dürften quasi im „harmonischen Duett“ für einen deutlichen Anstieg der Transaktionstätigkeit im Jahr 2011 sorgen.
Dr. Bernhard Funk ist Professor für Immobilieninvestition und - finanzierung an der Hochschule HAWK.
Bilderstrecke immobilienmanager.AWARD 2011
Klimaschutz | Kommentar zum Energiekonzept
Ambitionierte Ziele brauchen ambitionierte Förderung
KLIMASCHUTZ Das Energiekonzept der Bundesregierung geht in die richtige Richtung. Doch um die Sanierungsquote bei Immobilien zu verdoppeln, fehlen noch die passenden steuerlichen Anreize und finanziellen Unterstützungen.
Von Ira von Cölln
Am 28. September 2010 hat sich die Bundesregierung auf ein neues Energiekonzept verständigt. Damit gibt es einen langfristigen Fahrplan und verlässliche Rahmenbedingungen für die Immobilienwirtschaft. Die Bundesregierung hat sich mit dem verabschiedeten überarbeiteten Energiekonzept dazu bekannt, keine Sanierungen durch Zwang umzusetzen. Die auf Freiwilligkeit basierenden Sanierungen sollen durch steuerliche Anreize unterstützt werden. In 2011 müssen die einzelnen Regelungen konkretisiert werden. Denn trotz der Änderungen, die zwischen der Entwurfsfassung und dem endgültigen Energiekonzept vorgenommen wurden, sind die vorgegebenen Ziele bis 2050 wesentlich ambitionierter als die bisherigen Überlegungen zu Förderung und Anreizschaffung.
Entscheidend ist, dass das im Energiekonzept fest verankerte Wirtschaftlichkeitsgebot zur Richtschnur der Energiepolitik gehört, damit nicht nur einzelne Leuchtturmprojekte geschaffen werden, sondern eine flächendeckende energetische Modernisierung erreicht werden kann.
Steuerliche Anreize statt Bonus-Malus-System
In der überarbeiteten Fassung des Energiekonzeptes wurden wichtige Vorschläge der Immobilien- und Wohnungswirtschaft berücksichtigt. So wurde beispielsweise der umstrittene Passus eines steuerlichen Bonus oder Malus, wenn Gebäude die auf einer Zeitschiene festgelegten Effizienzstandards über- beziehungsweise unterschreiten, gestrichen. Ein solches mit Zwang versehenes steuerliches Lenkungssystem, wie es im ersten Entwurf des Energiekonzeptes noch vorgesehen war, hätte nach Auffassung vieler Verfassungsrechtsexperten einen Verstoß gegen die Eigentumsgarantie des Artikels 14 Grundgesetz dargestellt und wäre einer teilweisen Zwangsenteignung gleichgekommen.
Ein solches System hätte jedoch weitaus verheerendere Folgen, denn die getroffenen energetischen Maßnahmen der Eigentümer wären überwiegend durch die Verhinderung eines steuerlichen Malus geprägt. Man kann davon ausgehen, dass die Investitionsentscheidungen nicht betriebswirtschaftlichen Zielvorgaben entsprochen hätten. Ein Gerüst, welches zum Austausch der Fenster angebracht wird, kann nun durch die Freiwilligkeit der energetischen Maßnahmen auch dazu genutzt werden, das Dach neu zu gestalten. Auf Zwang basierende Maßnahmen würden anerkanntermaßen nicht dazu führen, dass der Investor über die angeordnete Maßnahme hinaus etwas investiert. Vollkommen richtig wird im überarbeiteten und nun verabschiedeten Energiekonzept die besondere Wirksamkeit steuerlicher Anreize für die energetische Modernisierung eingeschätzt. Während eine Förderung bereits beschlossener Investitionen eine höhere energetische Qualität ergeben kann, führen steuerliche Anreize zu einem Anstieg der Investitionsentscheidungen. Daher ist es von besonderer Bedeutung, einen ausgewogenen Mix aus Anreizen und Förderung zu schaffen. Nur so kann das Ziel der Bundesregierung, die Sanierungsquote von jährlich ein auf zwei Prozent zu verdoppeln, erreicht werden.
Vorschläge für einen steuerlichen Maßnahmen-Dreiklang:
1.) Erhöhung der linearen Abschreibung
Seit 2007 können die Anschaffungs- und Herstellungskosten von vermieteten Wohngebäuden linear mit lediglich zwei Prozent über einen Zeitraum von 50 Jahren abgesetzt werden, wenn es sich um Bauwerke handelt, die nach 1925 errichtet wurden. Die Anzahl der erteilten Baugenehmigungen im Bereich Wohnungsneubau ging bereits seit 1995 durch Streichung weiterer steuerlicher Anreize wie höherer Abschreibungen im Mietwohnungsneubau stark zurück. Um dem bereits in Ballungsgebieten auftretenden Wohnungsmangel entgegenzuwirken, die Wohneigentumsquote zu steigern und die im Energiekonzept verankerten Klimaschutzziele, vor allem die Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden, zu erreichen, schlägt der BFW verschiedene Möglichkeiten der Schaffung von steuerlichen Anreizen vor, die die Investitionstätigkeit und die damit einhergehenden Steuermindereinnahmen kompensieren.
Eine erste Komponente für eine Durchsetzung der oben genannten Ziele wäre die Anpassung der linearen Abschreibung gemäß Paragraf 7 Absatz 4 Nummer 2a Einkommensteuergesetz (EstG). Die lineare Abschreibung beträgt heute zwei Prozent und eine Erhöhung auf mindestens drei bis vier Prozent würde den tatsächlichen Werteverzehr einer Immobilie realistischer abbilden. Laut einer Studie des Pestel-Instituts von Mai 2010 würde diese Maßnahme bereits bei einer Überschreitung der Neubautätigkeit von 4.600 Wohneinheiten zu staatlichen Mehreinnahmen führen, die die verursachten Steuermindereinnahmen durch Erhöhung der Abschreibungssätze übersteigen. Man muss natürlich konstatieren, dass es bis zu dieser Höhe auch Mitnahmeeffekte gibt, dass also Investoren, die die erhöhte lineare AfA in Anspruch nehmen, auch ohne die Erhöhung gebaut hätten. Dabei muss man jedoch berücksichtigen, dass die Verkürzung des Investitionszyklus durch die Abbildung des tatsächlichen Werteverzehrs der Immobilie dazu führt, dass der Investor früher wieder Investitionen in neue Gebäude erbringen kann.
2.) Einführung einer Klima-Abschreibung
Zusätzlich zur Anpassung der linearen Abschreibung für Wohngebäude schlägt der BFW die Einführung einer Klima-Abschreibung in Höhe von sechs bis acht Prozent in den ersten acht Jahren bei energetischer Vollsanierung einer Immobilie vor. Bayern hatte 2008 bereits einen Gesetzesantrag in den Bundesrat eingebracht, der unter anderem für Aufwendungen für die energetische Modernisierung eine erhöhte Abschreibung vorsah. In diesem Bereich sollten unbedingt auch Nichtwohngebäude einbezogen werden, da in Handels- und Industriegebäuden sowie in deutschen Büroimmobilien hohe energetische Einsparpotenziale liegen.
Gewerbeimmobilienunternehmen haben im Vergleich zu Wohnungsunternehmen nicht die Möglichkeit der Modernisierungsumlage und können daher nicht die Jahresmiete um elf Prozent der reinen Modernisierungsaufwendungen erhöhen. Mietverträge über Gewerbeimmobilien zeichnen sich oft durch lange Vertragslaufzeiten aus und ermöglichen eine Erhöhung der Miete aufgrund getätigter energetischer Sanierungsmaßnahmen erst beim Auszug des Mieters oder bei der Verlängerung des Mietvertrags.
3.) Wiedereinführung des Paragrafen 82a EstDV
Aktuell wurde für Selbstnutzer die Schaffung einer Regelung parallel zum alten Paragrafen 82a Einkommensteuer-Durchführungsverordnung (EstDV) diskutiert, der bestimmte Kosten der energetischen Sanierung zum Werbungskostenabzug zulässt. Danach hätte der private Eigentümer die Möglichkeit, innerhalb von zehn Jahren 90 Prozent seiner Investitionskosten als Werbungskosten steuerlich geltend zu machen.
Sinnvoller könnte hier allerdings eine Modifizierung des CO2-Gebäudesanierungsprogramms der KfW sein, um nicht zwei Förderbausteine gegeneinander laufen zu lassen. Die verstärkte Förderung von Einzelmaßnahmen, wie zum Beispiel dem Austausch der Heizung oder Fenster, um Privateigentümern mehr Handlungsspielraum einzuräumen, war bis zum 31. August 2010 ein wichtiger Baustein in den KfW-Förderprogrammen und soll zum 1. März 2011 wieder eingeführt werden.
Ersatz-Neubau als Variante der energetischen Modernisierung
Im Verlauf des Jahres 2011 soll der Ersatz-Neubau im Rahmen der KfW-Gebäudesanierungsprogramme gefördert werden. Dies ist ein wichtiger Ansatz, um Eigentümern eine Wahlfreiheit zwischen Teilmodernisierung, Vollsanierung oder Abriss und Ersatzneubau zu ermöglichen.
Die bislang alleinige Berücksichtigung von Sanierungen führt dazu, dass Unternehmen nicht in wirtschaftliche Überlegungen treten können, ob ein Abriss und Neubau wirtschaftlicher, energieeffizienter und auch unter demografischen Gesichtspunkten sinnvoller erscheint. Die Einführung eines Tilgungszuschusses könnte hier Abhilfe schaffen. Nach Berechnungen des BFW kann die angesprochene aktuelle Benachteiligung aufgrund fehlender Förderbausteine bei einer Investitionssumme von 60.000 Euro für Sanierung oder Abriss und Neubau einer 50 Quadratmeter großen Wohnung 4.841,18 Euro, also circa acht Prozent der Investitionssumme, ausmachen.
Klimaschutz ist eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben, die nicht nur von der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft alleine getragen werden kann. Unter dem Grundsatz „Nicht nur fordern, sondern auch fördern“ muss die Politik ihren Beitrag zu diesem Thema leisten. Ambitionierte Klimaschutzziele brauchen ambitionierte Anreize.
Diese Ziele 2011 umzusetzen, wird eine der zentralen politischen Herausforderungen des anstehenden Immobilienjahres.
Die Rechtsanwältin und Steuerberaterin Ira von Cölln, LL.M., ist Bundesgeschäftsführerin des BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V.
Kommentar zur Regulierung offener Immobilienfonds
Die ewig Unvollendete
Offene Immobilienfonds
Von Prof. Steffen Sebastian
Nach nunmehr zehn Monaten zäher Debatte wurden im Februar endlich die neuen Regelungen für offene Immobilienfonds verabschiedet. Private Anleger dürften mit dem Anlegerschutzgesetz mehrheitlich zufrieden sein. Durch die Begrenzung der Anteilsrückgabe auf jetzt 30.000 Euro pro Halbjahr und die darüber hinaus gehende einjährige Kündigungsfrist werden die Fonds stabiler – ohne dass die Fungibilität der Anlage verloren geht. Denn es ist einzelnen Anlegern nicht mehr möglich, überraschend größere Summen aus einem Fonds abzuziehen. Das wiederum hält vor allem kurzfristig orientierte institutionelle Investoren von den Fonds fern.
Allerdings ist damit zu rechnen, dass institutionelle Anleger grundsätzlich auf Vorrat kündigen, um sich weitreichende Flexibilität zu sichern. Das Plus an Stabilität kann somit schnell wieder verloren gehen. Es wäre besser, wenn auch institutionelle Anleger Ausgabeaufschläge zahlen müssten, die dann dem Fondsvermögen zufließen könnten. Denn der einzige wirksame Anreiz, langfristig in die offenen Immobilienfonds zu investieren, bleiben die fünf bis sechsprozentigen Ausgabeaufschläge.
Die Möglichkeit von Rücknahmeabschlägen wurde bei der Reform nicht berücksichtigt. Die offizielle Begründung lautet, dass die Attraktivität offener Immobilienfonds für Privatanleger erhalten bleiben sollte. Daher habe man sich auf eine Kündigungsfrist von einem Jahr und Mindesthaltefristen von zwei Jahren verständigt. Unverständlich, denn erstens werden offene Immobilienfonds durch Rücknahmeabschläge nicht automatisch unattraktiv und zweitens würden die Fonds durch Rücknahmeabschläge weit besser stabilisiert als durch Mindesthaltefristen. Denn diese laufen irgendwann aus und werden damit wirkungslos. Die Regierungsparteien haben offenbar übersehen, dass Rücknahmeabschläge sowie Teile der Ausgabeaufschläge auch dem Fondsvermögen zufließen könnten. Bei einer solchen Lösung, würden langfristig orientierte Anleger von Zu- und Abflüssen sogar profitieren. Allerdings würde der einflussreiche Vertrieb sicher nicht auf einen substantiellen Anteil am Ausgabeaufschlag verzichten.
Eine befriedigende Lösung wurde hingegen bei den Gutachtern gefunden. Bislang war es möglich, dass ein Sachverständiger zeitlich unbegrenzt für eine Fondsgesellschaft tätig war. Nun wird nach fünf Jahren eine zweijährige Zwangspause eingeführt. Das hat zur Folge, dass die enge wirtschaftliche Bindung zwischen Sachverständigen und Fonds gelockert wird. Ziel der Maßnahme ist es, das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Sachverständigen zu stärken. Dieser Zweck hätte zwar besser dadurch erreicht werden können, dass die Sachverständigen durch die BaFin statt durch die Fondsgesellschaften bestellt werden. Der Gesetzgeber fürchtete aber, dass der Staat für fehlerhafte Auswahl in die Haftung genommen werden könnte.
Dringend verbessert werden sollten aber weiterhin die Regelungen für Fonds, die Anteilsrücknahme aussetzen mussten. Das Gesetz sieht vor, dass die Fonds ein Jahr nach Rücknahmestopp Immobilien auch mit zehn Prozent Abschlag verkaufen müssen. Nach weiteren sechs Monaten dürfen es bis zu 20 Prozent sein. Das setzt die Fonds unter einen erheblichen Verkaufs- und Preisdruck. Denn die prekäre Situation eines Fonds ist den Marktteilnehmern bekannt und kein Kaufinteressent wird in einer Notlage einen Preis in der Nähe des ermittelten Immobilienwertes zahlen. Zusätzlich kann der Anleger nun auch noch 30 Monate nach der Aussetzung die Rücknahme verlangen. Dies wird dann in einigen Fällen nur mit Notverkäufen möglich sein. In Summe destabilisieren diese Regelungen die angeschlagenen Fonds zusätzlich. Es besteht jedoch Hoffnung, dass auch hierfür noch eine vernünftige Lösung gefunden werden kann. Schließlich treten die Regelungen erst 2013 in Kraft – und es wäre nicht das erste Gesetz, das geändert werden müsste, bevor es in Kraft tritt.
Professor Steffen Sebastian ist Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung an der IRE|BS International Real Estate Business School und Direktor am Center for Finance der Universität Regensburg sowie Forschungsprofessor am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim.
QUO VADIS | Gelungener Jahresauftakt
Gelungener Jahresauftakt
QUO VADIS | Die Jahresauftaktveranstaltung von Heuer Dialog in Berlin erzielte zwar keinen neuen Besucherrekord, konnte dafür aber mit einem spannenden Programm überzeugen.
Vom 8. bis zum 10. Februar fanden sich für den 21. Quo Vadis 270 Teilnehmer im Berliner Scandic-Hotel ein. Und erlebten gleich zum Auftakt des ersten Kongresstages einen optimistischen Professor Dr. Wolfgang Wiegard. „Deutschland wird zum Konjunkturmotor Europas“, konstatierte das Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die deutsche Wirtschaft wird seiner Meinung nach 2011 um 2,2 und 2012 um zwei Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit wird weiter zurückgehen.
Wiegard verwies allerdings auch auf die Risiken. Die Finanzkrise sei noch nicht ausgestanden, die Gefahr einer Schuldenkrise nicht abgewendet. Längerfristige Inflationsgefahren hingegen seien trotz des aktuellen Anstiegs der Preise „nicht in Sicht“, ebenso wenig eine Kreditklemme oder ein signifikanter Zinsanstieg.
Für den deutschen Bürosektor geht es nicht so eindeutig aufwärts wie für die Gesamtwirtschaft. Das führte Andreas Schulten von Bulwien Gesa aus. Teilweise guten Vermietungserfolgen in neuen Objekten stehen hartnäckige Leerstände in alten Häusern gegenüber. In die Jahre gekommene Bürostandorte wie Frankfurt Niederrad können wenn überhaupt dann nur mit Hilfe aller Beteiligter „gedreht“ werden.
Eitel Sonnenschein breitet sich indes über den deutschen Wohnungsmarkt aus. Darauf verwies Dr. Harald Simons von Empirica. Die Neuvertragsmieten seien im westdeutschen Mittel seit 2004 real um 2,4 Prozent gestiegen. Die Kaufpreise blieben in diesem Zeitraum trotz der Weltfinanzkrise konstant. Seit 2005 habe die Zahl der Haushalte um 800.000 zugenommen, ohne dass die Neubautätigkeit damit habe Schritt halten können. 2011 erwartet Simons erstmals seit langem auch wieder einen realen Anstieg der Kaufpreise. Da die Neubautätigkeit zunehme – die Zahl der Baugenehmigungen ist um acht Prozent gestiegen – komme es allerdings ab 2013 oder 2014 zu einem Abflauen des Preisanstiegs.
Welcher „Machtkampf“ im Investmentmarkt derzeit um Core-Immobilien tobt, beschrieb Timo Tschammler, Deutschland-Chef von DTZ. Core werde zwar weiterhin im Fokus der Investoren bleiben, aber der Zwang zu Engagements außerhalb dieses Segments nehme zu. Für 2011 prognostizierte Tschammler ein Transaktionsvolumen „bis 24 Milliarden Euro“ sowie einen Trend zu größeren Einzeltransaktionen.
Einen Blick in die Online-Zukunft der Immobilienmärkte vermittelte das Panel mit Marc Stilke, CEO der Immobilien Scout GmbH, und Klaus Raps, Vorstand der Bilfinger Berger SE. Moderator der Runde war Christof Hardebusch, Chefredakteur von immobilienmanager.
Fazit: Die Standardisierung von Immobilienangeboten auch im Gewerbebereich sowie die Transparenz bis hin zur Offenlegung der kalten und warmen Nebenkosten ist nicht aufzuhalten. Vermieter, Property Manager und Makler werden sich auf die neuen Rahmenbedingungen einstellen müssen.
Unternehmerrunde Hamburg 2011
Konzentration auf Hochwertiges
Im besonderen Ambiente des Chilehauses brachte immobilienmanager Vertreter der wichtigsten Hamburger Immobilienunternehmen an einen Tisch, um über den Standort zu diskutieren.
Als Ergänzung zur Kurzfassung in unserer Edition Hamburg (Ausgabe 3-2011) können Sie hier die komplette Unternehmerrunde in aller Ausführlichkeit nachlesen.
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Mit immobilienmanager diskutierten in diesem Jahr:
Dr. Frank Billand, Mitglied des Vorstandes von Union Investment Real Estate
Andreas Wärner, Leiter Niederlassung Hamburg der Eurohypo
Wilfried Jastrembski, Leiter Immobilienkunden der Hamburger Sparkasse
Peter Jorzick, Geschäftsführer Hamburg Team Gesellschaft für Projektentwicklung
Michael Montebaur, Managing Director APG Hanseatic Funds Asset- und Fondsmanagement
Hans-Joachim Lehmann, Leiter Immobilientransaktionen der HIH Hamburgische Immobilien Handlung
Andreas Wende, Niederlassungsleiter Jones Lang LaSalle Hamburg
Matthias Tscheu, Niederlassungsleiter Hochtief Projektentwicklung Hamburg
Christoph Ringleben, Geschäftsführer Grossmann & Berger
Extra-Informationen zur Ausgabe 1/2-2011
Passend zur Titelstory Zukunft der Projektentwicklung Interviews mit den Flächenentwicklern Dr. Joachim Wieland (Aurelis) und Bernhard H. Hansen (Vivico) sowie dem Projektentwickler Rainer Eichholz (Hochtief Projektentwicklung). Außerdem erläutert Peter Knopp (WestImmo) die Erwartungen eines Immobilienfinanziers an Projektentwickler und Dr. Stefan Best (HIH) äußert sich im Gespräch zu möglichen Kooperationen von Entwicklern und Kapitalpartnern.
Neben Impressionen von der Holzmindener Immobiliendebatte finden Sie als pdf-Download außerdem den Impulsvortrag von Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin des GdW zum Thema „Energie gespart und trotzdem pleite?“
Als Ergänzung zu unserer Edition Frankfurt/Rhein-Main können Sie außerdem die komplette Unternehmerrunde Frankfurt als pdf downloaden.
Interview Peter Knopp
Interview mit Peter Knopp, Westdeutsche Immobilienbank
PROJEKTFINANZIERUNG Über Erwartungen finanzierender Banken an Projektentwickler sprach Christof Hardebusch mit Peter Knopp, dem Vorstandsvorsitzenden der Westdeutschen Immobilienbank.
Ist bei der Einzahlung der EK-Tranche upfront eine Ihrer Bedingungen?
Peter Knopp: Banken müssen grundsätzlich bei Projektfinanzierungen auf die Tragfähigkeit der Finanzierungsstruktur beziehungsweise auf die Sicherstellung der Gesamtfinanzierung achten. Die Einzahlung der EK-Tranche upfront ist die von Banken am häufigsten genutzte Möglichkeit, die Tragfähigkeit der Gesamtfinanzierung sicherzustellen.
Wie wird eine werthaltige Kostenüberschreitungsabsicherung in der Regel ausgestaltet?
Peter Knopp: Grundsätzlich sollte die Bonität des Kreditnehmers Kostenüberschreitungen abfedern können. Sollte dies nicht gegeben sein, ist die Tragfähigkeit der Finanzierung nicht sichergestellt. Wenn der Kreditnehmer beispielsweise eine Einzweckgesellschaft (SPV) ist, erwartet die Bank, dass der dahinter stehende Sponsor diese Kostenüberschreitungsgarantie abgibt, das heißt alle Kosten übernimmt, die die kalkulierten Gesamtkosten überschreiten.
Bieten Sie weiterhin Mezzaninetranchen für Projektentwicklungen an?
Peter Knopp: Im Produktportfolio der WestImmo sind auch weiterhin Mezzaninefinanzierungen beziehungsweise Joint-Venture-Finanzierungen für Projektentwicklungen enthalten. Allerdings sind hier aber die Anforderungen derzeit noch höher als bei klassischen Krediten.
Registrieren Sie derzeit eine steigende Nachfrage nach diesem Angebot?
Peter Knopp: Ja, es gibt derzeit eine steigende Nachfrage nach Mezzaninefinanzierungen, da mit dem konjunkturellen Aufschwung in Deutschland auch wieder verstärkt Projektentwicklungen initiiert werden. Realisierungschancen haben aber nur diejenigen, die zusätzlich zu entsprechendem Entwicklungs- und Umsetzungs-Know-how auch eine entsprechende Bonität und einen angemessenen Eigenkapitalanteil in die Projektfinanzierung einbringen.
Christof Hardebusch, Chefredakteur von immobilienmanager, führte das Gespräch im Januar 2011.
Dr. Stefan Best über Partnerschaftsmodelle
Dr. Stefan Best über Partnerschaftsmodelle
PROJEKTENTWICKLUNG Viele Wege führen zum Erfolg.
Dr. Stefan Best, Geschäftsführer der HIH Hamburgische Immobilienhandlung, schildert zwei mögliche Varianten für Kooperationen zwischen Developern und Kapitalpartnern.
Von Dr. Stefan Best
Die Zahl der Modelle der Zusammenarbeit und der Vergütung zwischen Projektentwickler und Eigenkapitalgeber ist so wie die unterschiedlichen Bauvorhaben selbst.
Ein Beispiel: Ein Projektentwickler hat ein Grundstück angeboten bekommen und hat eine erste grobe Nutzungsvorstellung. Der Projektentwickler geht aber bereits schon den nächsten Arbeitsschritt nicht selbständig, sondern heuert sofort einen Kapitalgeber an. Gemeinsam werden Baurecht, Nutzung, Konzept, Zeitplan, Architektur, Projektpartner, Vermarktung und Wirtschaftlichkeit durchdacht. Der Kapitalgeber übernimmt von Anfang an wirtschaftliche Lasten und unterstützt themenbezogen in unterschiedlichen Tiefengraden von Anfang an mit seinem vorhandenen Know-how. Der Projektentwickler stellt kein Kapital zur Verfügung.
Gemeinsam wird die Grundstücksakquisition unter Einbezug von Gedanken zur Wirtschaftlichkeit, zur Optionierung oder auch zu Rücktrittsrechten besprochen. Es wird abgestimmt, unter welchen Bedingungen der Kapitalgeber bereit ist, die erste große Investition - nämlich die Bezahlung des Grundstückes - zu tätigen. Auch das elementar wichtige Fremdfinanzierungsthema bedarf einer Klärung, die in diesem Beispiel federführend durch den Kapitalgeber erbracht wird. Auf dieser Grundlage ist ein Gebührenmodell sinnvoll, welches die vom Projektentwickler an den Kapitalgeber gegebene Information über die Möglichkeit zum Grundstücksankauf und zur Projektentwicklung berücksichtigt, welches auch die nach Abstimmung eines Leistungsbildes laufend zu erbringende Tätigkeit des Projektentwicklers honoriert und darüber hinaus auch zur Sicherstellung gleichgearteter Interessenslagen eine Beteiligungskomponente am Gewinn in einstelligen oder sehr niedriger zweistelliger Prozentzahl einbezieht.
Ein weiteres Beispiel zur Kooperation zwischen einem Projektentwickler und einem Eigenkapitalgeber, in dem viele Arbeitsschritte bereits getätigt wurden und sich schon ein klares Bild der Projektentwicklung abzeichnet: Der Projektentwickler beteiligt sich mit einem Anteil am notwendigen Kapital und haftet auch. Das Grundstück wurde bereits vom Projektentwickler gesichert. Das Baurecht wurde bereits geschaffen und auch Konzept und Architektur sind bereits vom Projektentwickler erarbeitet worden. Der Projektentwickler kann neben einer Vermarktungsanalyse eine nachvollziehbare und auch bereits mit wesentlichen Angeboten hinterlegte Wirtschaftlichkeitsberechnung vorlegen. Die Rolle des Kapitalgebers ist im Wesentlichen als Finanzinvestor definiert, so dass die operativen Projektentwicklungstätigkeiten überwiegend bis ausschließlich vom Projektentwickler durchgeführt werden.
Für dieses Beispiel können sich die beiden Parteien für ein Gebührenmodell entscheiden, welches die vom Projektentwickler bis zum Einstieg des Kapitalgebers erbrachten Leistungen berücksichtigt und welches auch die laufend zu erbringende Tätigkeit des Projektentwicklers honoriert. Das eingebrachte Eigenkapital erhält aus dem resultierenden Gewinn eine bevorzugte Verzinsung zwischen 8 und 15%. Der verbleibende Gewinn wird zugunsten des Projektentwicklers aufgeteilt. Stimmrechte, Haftung, Bürgschaften und Verlustaufteilung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle und bestimmen das individuelle Gebührenmodell.
Holzmindener Immobiliendebatte
Unternehmerrunde Frankfurt/Rhein-Main 2011
"Wir werden ein Flächenproblem bekommen."
Der Mangel an neuen Projekten, der Sanierungsstau etlicher Bürogebäude und der Wohnungsmarkt standen in diesem Jahr im Mittelpunkt der Frankfurter Diskussionsrunde. Als Ergänzung zur Kurzfassung in unserer Edition Frankfurt/Rhein-Main (Ausgabe 1/2-2011) können Sie hier die komplette Unternehmerrunde in aller Ausführlichkeit nachlesen.
Mit immobilienmanager diskutierten in diesem Jahr:
Bernd-Uwe Willer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Savills Deutschland
Thomas Dilger, Geschäftsführer der Nassauischen Heimstätte
Karl Greiner, Leiter der Niederlassung Frankfurt von Corpus Sireo Makler
Ivo Iven, Geschäftsführer von Aurelis Real Estate
Roland Fischer, Leiter der Niederlassung Frankfurt der Eurohypo AG
Markus Brod, Leiter der Niederlassung Rhein-Main bei Hochtief Projektentwicklung
Stefan Blümm, Geschäftsführer Projektentwicklung DIC Deutsche Immobilien Chancen
Marco Mallucci, Leiter der Niederlassung Frankfurt von Savills
Unternehmerrunde als pdf-Dokument
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