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Frauen in Immobilienunternehmen

Die Frauenpower in den Führungspositionen bei Immobilienunternehmen ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Das gilt auch für börsennotierte AGs und SEs. Wir haben genau hingeschaut.

In Führungspositionen sind Frauen in Immobilienunternehmen selten (Foto: Tim Gouw/unsplash.com)
In Führungspositionen sitzen Frauen in Immobilienunternehmen selten (Foto: Tim Gouw/unsplash.com)

Frauen in Führungspositionen – das Bewusstsein dafür ist in den Immobilien-Aktiengesellschaften, die im Dax, MDax und SDax gelistet sind, unterschiedlich ausgeprägt. Viele geben in ihren Geschäftsberichten und Corporate-Governance-Erklärungen genaue Quoten an, andere klammern das Thema weitgehend aus. Dies hat vor allem damit zu tun, ob ein Unternehmen unter die Regelungen des „Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen“ fällt. Wir haben die entsprechenden Berichte ausgewertet.

Ado Properties SA: Der Bericht des luxemburgischen Unternehmens, in dessen Vorstand nur Männer sitzen, spart das Thema Frauen komplett aus.

Adler Real Estate AG: Fachliche Qualifikation vor Geschlecht: So lautet die Leitlinie des Unternehmens, das jedoch versichert: „Im Rahmen von neu zu besetzenden Mandaten im Vorstand und im Aufsichtsrat wird der Aufsichtsrat stets die entsprechenden Vorgaben des (Corporate Governance) Kodex bei der Auswahl von geeigneten Kandidaten und Kandidatinnen in Erwägung ziehen.“ Momentan sitzt weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat eine Frau.

Alstria Office REIT AG: In der ersten Führungsebene unterhalb des Vorstands sollen mindestens 27,3 Prozent Frauen sitzen. Die Quote für den Aufsichtsrat liegt bei 30 Prozent und wird erfüllt. Der Vorstand ist frauenfrei.

DIC Asset AG: Die Vorgabe, die es bis zum 30. Juni 2017 zu erfüllen gilt, lautet: Ein Sechstel Frauen im Aufsichtsrat, ein Viertel im Vorstand. Der Vorstand hat diese Quote erreicht, eines von drei Vorstandsmitgliedern ist weiblich (Sonja Wärntges). Beim Aufsichtsrat dagegen hatte sich bis Ende April 2017 noch nichts getan. Für die Führungsebene unterhalb des Vorstands gilt  eine Zielgröße von 20 Prozent, die ebenfalls bis 30. Juni erreicht werden soll. Der Anteil lag im September 2015, als die Quote festgelegt wurde, bei rund elf Prozent. Neuere Zahlen nennt der Geschäftsbericht nicht.

Deutsche Wohnen AG: Im Aufsichtsrat soll „auf Unabhängigkeit und hinreichende Geschlechterdiversität geachtet werden, gleichwohl bei der Festlegung der Zielgröße des Frauenanteils diese zunächst beim derzeitigen Status quo belassen wurde“. Das bedeutet momentan: null Prozent. Auch im Vorstand sind die Männer unter sich. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen (außer im Vorstand) wird für das Jahr 2016 mit 45,9 Prozent angegeben. Im Jahr 2015 lag er allerdings noch bei 51,7 Prozent.

Hamborner REIT AG: Der Aufsichtsrat hat seine Zielquote von 30 Prozent Frauen bereits erreicht. Auch für den Vorstand gilt diese Prozentzahl mit der Anmerkung, dass die Umsetzung dieser Vorgabe „bis zum 30. Juni 2017 angestrebt wird“. Momentan besteht der Vorstand aus zwei (männlichen) Mitgliedern. Für die zwei auf den Vorstand folgenden Führungsebenen gilt eine Geschlechterquote von jeweils 20 Prozent.

LEG Immobilien AG: Das Unternehmen setzt sich sehr ausführlich mit dem Thema auseinander. Im Aufsichtsrat sitzt eine Frau, und dies entspricht auch dem angestrebten Wert. Für den Vorstand gilt der Status Quo als Ziel, der da lautet: drei Herren, keine Damen.

Für die beiden Ebenen darunter räumen die Verfasser des Geschäftsberichts ein: „Das Ziel, in der ersten Ebene unterhalb des Vorstands einen Frauenanteil von zumindest 30 Prozent zu erreichen, konnte nicht erreicht werden.“ Ende 2016 lag er bei 17 Prozent. Der Zielwert von 30 Prozent gilt auch für die zweite Führungsebene, und dort betrug der Wert Ende 2016 immerhin 33 Prozent. Die LEG führt auch eine Begründung für die Unterschreitung der Quote in der ersten Ebene an: „Zwei Frauen in der ersten Führungsebene haben das Unternehmen verlassen, und aufgrund von Umstrukturierungen wurden die Positionen nicht nachbesetzt.“ Nun hat man sich eine Frist bis zum 31. Dezember 2021 gesetzt, um den Zielwert zu erreichen.

Patrizia Immobilien AG: Bei Frauen gibt es Fehlanzeigen in Aufsichtsrat und Vorstand. In der Führungsebene darunter liegt der Anteil bei sieben Prozent, „in der zweiten Führungsebene unterhalb des Vorstands beträgt er seit vielen Jahren bereits über 30 Prozent.“ Diese Quote möchte man auch in der Ebene darüber erreichen. Allerdings nicht so bald. Bis zum Stichtag 30. Juni 2017 soll erst einmal alles beim Alten bleiben.

TAG Immobilien AG: Eine Frau im Vorstand (Claudia Hoyer) – damit ist die 30-Prozent-Quote erfüllt. Anders sieht es im Aufsichtsrat aus. Die Begründung lautet: „Da bei den in 2015 durchgeführten Wahlen von Arbeitnehmervertretern zum Aufsichtsrat die weiblichen Bewerberinnen nicht die erforderlichen Mehrheiten erreichten und Aktionäre in den Vorjahren nur Herren als Vertreter der Anteilseigner in den Aufsichtsrat gewählt hatten, lässt sich bis zur Neuwahl, die im Jahre 2018 ansteht, der Frauenanteil im Aufsichtsrat nicht erhöhen.“  Auf der ersten und zweiten Führungsebene liegt der Frauenanteil in der gesamten Unternehmensgruppe bei rund 53 beziehungsweise 52 Prozent.

TLG Immobilien AG: Keine Frau im Vorstand, eine Frau im Aufsichtsrat: Damit hat das Unternehmen seine Zielgrößen erreicht. Für die erste Führungsebene unterhalb des Vorstandes liegt die Zielquote bei 11,11 Prozent, in der zweiten Führungsebene bei mindestens 30 Prozent.

Vonovia SE: Null Prozent Frauen im Vorstand, aber 33 Prozent im Aufsichtsrat. Im Kontrollgremium wurde damit die erwünschte Mindestquote von 25 Prozent sogar übertroffen, im Vorstand soll alles so bleiben wie bisher. Für die Führungsebene unterhalb des Vorstands möchte man bald einen Wert von 25 Prozent erreichen, aber das wird wohl nicht gelingen: „Aufgrund von organisatorischen Änderungen und einer Verkleinerung der Führungsebene unterhalb des Vorstandes wird die Frauenquote zum 30. Juni 2017 voraussichtlich bei rund 19 Prozent liegen.“

Autorin: Roswitha Loibl

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Mai-Ausgabe von immobilienmanager , die online und in Print am 11. Mai 2017 erscheint.

25.04.2017

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