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„Die Risikokosten werden entscheiden“

Die Deutsche Hypo hatte ein starkes erstes Halbjahr 2017. Der Vorstandsvorsitzende Andreas Pohl im Interview über Nischenfinanzierungen, Qualitätsimmobilien und Übernahmespekulationen.

Andreas Pohl (Foto: Deutsche Hypo)
Andreas Pohl (Foto: Deutsche Hypo)

Herr Pohl, was hat die Geschäftsentwicklung der Deutsche Hypo im ersten Halbjahr 2017 geprägt?
Andreas Pohl: Das war sicherlich die herausfordernde Wettbewerbssituation. Es gibt viele kaufwillige Investoren und etliche konkurrierende Immobilienfinanzierer. Aber auch die weltweiten politischen Unsicherheiten mit mehreren Wahlen zu Jahresbeginn und natürlich dem Brexit-Votum haben eine wichtige Rolle gespielt. Wir haben uns in diesem herausfordernden Umfeld gut behauptet.

Wie beeinflussen solche Trends die Arbeit eines Immobilienfinanzierers?
Andreas Pohl: Wir müssen antizipieren, wann und wie sich die Lage auf den für uns wichtigen Märkten durch solche Entwicklungen ändern könnte. Letztlich geht es um die Frage: Welche Finanzierung kann man noch machen und welche lässt man besser? Ich habe persönlich schon einige Zyklen mitgemacht und wenn ich eins daraus gelernt habe, dann, dass sich Qualität lohnt. Das mag wenig spektakulär klingen, ist aber so. Momentan findet fast jedes Projekt Käufer, Nutzer und auch Finanzierer. Erfolg oder Misserfolg zeigen sich allerdings erst, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Für Immobilienfinanzierer werden dann die Risikokosten entscheidend sein und nicht das vorher vielleicht hohe Neugeschäftsvolumen.

Welche europäischen Märkte haben Sie besonders stark im Blick?
Andreas Pohl: Wir sind eine deutsche Immobilienbank mit europäischer Ausprägung. Etwa ein Drittel unseres Geschäfts machen wir in den Kernmärkten UK, Benelux, Frankreich, Polen und mittlerweile auch wieder Spanien. In Großbritannien haben wir das Neugeschäft allerdings deutlich reduziert. Hier gilt es aus unserer Sicht erst einmal abzuwarten, wie sich der Brexit auf den Immobilienmarkt auswirken wird. Nichts desto trotz ist London der größte europäische Immobilienmarkt und das ändert sich auch nicht über Nacht.

Deutsche Hypo
Zahlen im ersten Halbjahr 2017

  • Ergebnis: 35,2 Millionen Euro
  • Neugeschäft gew. Finanzierungen: 2,116 Milliarden Euro
  • Refinanzierungen: 2,248 Milliarden Euro
  • Bilanzsumme: 24,443 Milliarden Euro
  • Eigenkapital: 1,307 Milliarden Euro
  • Cost-Income-Ratio: 46,0 Prozent
  • Return-on-Equity: 7,6 Prozent
  • Mitarbeiter: 404

Manche Immobilienfinanzierer weichen verstärkt auf Nischenprodukte wie Parkhäuser oder Pflegeimmobilien aus. Ihr Institut ist da zurückhaltender. Warum?
Andreas Pohl: Solche Finanzierungen können sich sicher lohnen. Allerdings muss man sich mit Nischenprodukten sehr genau auseinandersetzen und entsprechendes Know-how aufbauen. Wir haben für uns entschieden, dass sich dieser Aufwand für einige wenige Deals nicht lohnt.

Dann sind Wohnfinanzierungen also für die Deutsche Hypo keine Nische mehr. Schließlich haben Sie das Neugeschäft in diesem Segment annähernd verdoppelt.
Andreas Pohl: Das stimmt. Wir sind allerdings ausschließlich im Geschosswohnungsbau aktiv und nicht im Bauträgergeschäft. Und bei Wohnungsfinanzierungen dominiert bei uns das Ausland. Vor zwei Jahren haben wir zum Beispiel für einen Fonds von Patrizia einen Ankauf über 330 Millionen Euro in den Niederlanden finanziert. Auch in Großbritannien finanzieren wir selektiv im Wohnungssektor.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung des deutschen Immobilienmarktes ein?
Andreas Pohl: Wir gehen davon aus, dass der niedrige Zinssatz weiter Treiber des Marktes bleibt. Auch die Bundestagswahl wird meines Erachtens kurzfristig keine gravierenden Veränderungen für den deutschen Immobilienmarkt bedeuten.

Beeinflussen die Spekulationen um einen möglichen Verkauf Ihres Institutes durch die Nord/LB Ihre tägliche Arbeit?
Andreas Pohl: Auf unsere Arbeit hat das keinen Einfluss. Ich persönlich werde auch nicht häufig darauf angesprochen. Es ist ja auch noch nichts entschieden: Derzeit läuft im Nord/LB Konzern ein ergebnisoffenes Prüfverfahren aller Tochtergesellschaften und Beteiligungsunternehmen.

Das Interview führte Markus Gerharz .

31.08.2017