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Woran IT-Projekte scheitern

Zu viele IT -Projekte scheitern oder bleiben hinter den Erwartungen zurück. Die Ursache liegt regelmäßig an einem Zuviel an Technokratie und einen Zuwenig an aktivem Management.

Viele IT-Projekte in der Immobilienwirtschaft scheitern (Foto: Simson Petrol/unsplash.com)
Viele IT-Projekte in der Immobilienwirtschaft scheitern (Foto: Simson Petrol/unsplash.com)

München macht gerade eine wirklich bittere IT-Erfahrung: Zehn Jahre lang mühte sich die Stadtverwaltung mit der Umstellung auf das Open-Sorce-Betriebssystem Linux. Nun, nach nur drei Jahren Anwendung, kehrt die Bürokratie der bayerischen Landeshauptstadt zu Windows zurück.

Ein gigantischer Fehlschlag, sicherlich, aber keine Ausnahme. Und nicht nur die öffentliche Hand, auch die Wirtschaft setzt so manches in den digitalen Sand. Eine Studie der Universität St. Gallen schätzt die Kosten für ganz oder teilweise gescheiterte IT-Projekte in der Europäischen Union auf jährlich 142 Milliarden Euro.

Nicht nur die Technik ist entscheidend
Auch in der Immobilienwirtschaft laufen viele IT-Projekte auf Grund. Dies stellt die aktuelle Marktstudie PMRE Monitor des Competence Centers Process Management Real Estate (CC PMRE) fest. „Oft werden solche Transformationsprojekte rein mit einem IT-technischen Fokus geführt“, bemerkt Mitautorin Professor Dr. Marion Peyinghaus. „Wesentlich für den Erfolg ist aber neben dem technischen Aspekt vor allem auch das Projektmanagement.“

IT-Projekte in der Immobilienwirtschaft und ihr Grad der Zielerreichung (Quelle: CC PMRE-Monitor/mmobilienmanager)
IT-Projekte in der Immobilienwirtschaft und ihr Grad der Zielerreichung (Quelle: CC PMRE-Monitor/mmobilienmanager)

Bei der Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie gelte es, die immobilienwirtschaftlichen Prozesse optimal zu unterstützen. Das aber ist keine reine Frage der Effizienz: Auch Aspekte des Marketings oder der Geschäftsentwicklung müssen bei einem Investitionsentscheid berücksichtigt werden.

Wer den digitalen Wandel den Technokraten überlässt, wird demnach vermutlich scheitern. „Die digitale Transformation erfordert eine integrierte Perspektive: IT-Kräfte und Immobilien-Experten müssen Hand in Hand arbeiten“, so Peyinghaus. Die Projekte müssen zahlreiche Perspektiven integrieren. Eine IT-Abteilung kann das nicht leisten.

Klare und erreichbare Ziele setzen
Wenn diese Abteilung in der Unternehmensstruktur dann auch noch zu tief aufgehängt ist – als ausgelagerte Stabsstelle oder als Zusatzaufgabe des CTO beispielsweise – nimmt das Risiko noch einmal zu. Denn im Kern geht es nicht um die Technik, sondern um das, was die Menschen mit ihr anstellen. Das Management muss klare und erreichbare Ziele setzen und die Mitarbeiter für Transformationsprozesse motivieren.

Das geschieht laut PMRE Monitor nicht immer: Bei der Mobilisierung der Mitarbeiter wird mehr Potenzial verschenkt als in jedem anderen Handlungsfeld. Vor allem aber, das zeigt die Studie der Universität St. Gallen, geht vielen Unternehmen im Prozessverlauf die Puste aus. Anfangs fließen viele Energien und Ressourcen in Technik und Schulungen, aber dann sinkt das Energielevel. Regelmäßig unterschätzen Unternehmen den Aufwand, den der Betrieb neuer IT-Landschaften erzeugt, und befassen sich zu wenig mit IT-Folgekosten.

Kaum Stellenabbau
Natürlich gelingt auch einiges: ganz vorne weg die Steigerung der Daten- und Prozessqualität sowie die Reduktion von Risiken. Viele Unternehmen stoßen IT-Projekte auch an, um Personal zu sparen. Diese Erwartung – und das ist der wahrscheinlich überraschendste Befund des PMRE Monitors – wird regelmäßig enttäuscht. Offenbar rächt sich hier die mangelnde Beachtung der Folge- und Anwenderkosten. Digitale Tools optimieren Prozesse und schaffen neue Möglichkeiten, machen aber offenbar nicht weniger Arbeit.

Autor: Christof Hardebusch

Dieser Beitrag ist zuerst als Teil der Titelstory "Digitalisierung" in der März-Ausgabe von immobilienmanager erschienen.

08.03.2017