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Das können Immobilienunternehmen von Amazon lernen

Amazon ist eine Innovationsmaschine sondergleichen. Mit immer neuen Ideen und Produkten erobert der Internetriese neue Geschäftsfelder und treibt dort etablierte Player vor sich her. Immobilienunternehmen können sich einiges bei Amazon abschauen.

Jeff Bezos hat Amazon zum Weltkonzern und Innovationstreiber gemacht. Was können Immobilienunternehmen von ihm lernen? (Foto: Amazon)
Jeff Bezos hat Amazon zum Weltkonzern und Innovationstreiber gemacht. Was können Immobilienunternehmen von ihm lernen? (Foto: Amazon)

Keine Geschäftsentscheidung ohne adäquate Internal Rate of Return, All Risk Yield, Return on Investment oder ähnliche Metriken. In der Praxis, wie auch in der immobilienwirtschaftlichen Lehre, sind diese pekuniären Key Performance Indicators (KPIs) oftmals das oberste Entscheidungsmaß.

Auch bei Innovationen hat häufig der Chief Financial Officer (CFO) das letzte Wort, wenn es um die Bewilligung für den Etat eines IT- oder Digitalisierungsprojektes geht. Dies gilt ebenso für viele andere Veränderungen, seien sie nun prozess- oder lösungsfokussiert. Dieser Ansatz ist zu kurzfristig gedacht.

Amazon als Vorbild für Immobilienunternehmen
Unbestritten ist Amazon ein wahres Innovationswunder. Obgleich der Größe und globalen Ausdehnung in heterogene Märkte, ist der Konzern agil, setzt Trends, treibt technologische Entwicklungen voran und operiert hoch profitabel. Was kann also die Immobilienbranche von Unternehmen wie Amazon lernen? Im Folgenden werden Gedankenanstöße präsentiert, die durch den Brief von Jeff Bezos an alle Aktionäre von Amazon inspiriert sind:

Lektion 1: Erfolg und Stagnation
Amazon’s Gründer Jeff Bezos betrachtet jeden Tag als Tag 1. Wieso? Es ist das Mantra um sich stets neu zu definieren und niemals lethargisch die Lorbeeren des Erfolgs zu genießen. Gerade in Zeiten, in denen die Geschäfte gut laufen, muss man das Momentum sowie die freien Geldmittel nutzen, um zu innovieren und sich weiter zu entwickeln. Dies ist bei vielen Akteuren der Immobilienbranche eher gegensätzlich der Fall und muss sich ändern, um in einem globalisierten, digitalen und schnelllebigen Markt der Zukunft bestehen zu können.

Es sollte nicht so sein, dass man entweder zyklisch oder antizyklisch an kundenzentrierter Veränderung arbeitet, sondern dies ständig in das Geschäftsmodell einbettet. Auch wenn ein Experiment nicht das gewünschte Ziel erreicht, hat man schließlich einen wertvollen Lerneffekt.

Lektion 2: Kundenzentrierung vs. trügerische Metriken
Sehr häufig wird hinter vorgehaltener Hand gesagt, dass sich nur Innovation lohnt mit der man in absehbarer Zeit Geld verdienen kann. Auch spielt es nicht immer eine Rolle, ob ein neuer Service dem Endkunden etwas bringt oder aus Gründen der Nachhaltigkeit sinnvoll wäre. In Zeiten, in denen der Anlagedruck hoch ist, kommt man mit diesem Ansatz durch. Nicht jedoch in einer schwierigen Marktlage.

Aus diesem Grund sollten der Kunde, und dessen Zufriedenheit, welche sich beispielsweise durch algorithmische Sentiment-Analysen messen ließe, im Vordergrund stehen. Es sollte darum gehen die eigenen Produkte und Services, sei es als Konzern oder Start-up , iterativ zu verbessern. Dazu sollte versucht werden Kundenwünsche als erstes Unternehmen im Markt zu antizipieren, experimentierfreudig und fehlertolerant zu sein. Ebenso sollten Immobilienunternehmen Angebote fördern, die zu messbarer Kundenzufriedenheit führen.

Je größer das Unternehmen sowie die Palette an offerierten Lösungen und internen Prozessen, desto schwieriger wird die Messung von Kundenzufriedenheit. Hier müssen Unternehmen aller Größen aufpassen nicht Alternativmetriken wie Innovationsgeschwindigkeit, Anzahl neuer Produkte/Dienstleistungen und Profit zu messen, sondern stets nah am Kunden bleiben.

Lektion 3: Sich Trends zu Nutze machen
Diesem Credo hat Amazon den Erfolg mit seinen Web Services zu verdanken, welche nun skalierbare Lösungen im Hosting, Machine Learning und weiteren Bereichen anbieten. Felder, die wenig mit der Ur-Idee des Online-Bücherhandels zu tun haben.

Auch die Immobilienwirtschaft hat die Möglichkeit Trends wie Künstliche Intelligenz , Robotik oder Blockchain zu nutzen, um ihre Kunden glücklicher zu machen und langfristig zu wachsen. Die Immobilie an sich, ist für die meisten Unternehmen eine Blackbox, da wir nicht wissen was in und um sie herum passiert. Hier besteht enormes datengetriebenes Wertschöpfungspotential, selbst dann, wenn man die Anonymität der Nutzer wahrt oder zuerst die bereits existenten Datenschätze hebt.

Grundvoraussetzung ist ein Umdenken von Seiten der Immobilienunternehmen, die sich nicht als insulare Akteure an bestimmen Punkten des Lebenszyklus eines Objekts betrachten, sondern die Wertschöpfungskette gesamtheitlich denken sollten. Hierzu bedarf es kultureller Veränderungen, der Bildung von digitaler Kompetenz und der Anpassung weiterer Parameter.

Lektion 4: Entscheidungen brauchen nicht immer Weile
Es ist schön, wenn man sagen kann, dass man eine Idee von allen Seiten beleuchtet und durchdacht hat, jedoch ist es unwahrscheinlich, dass sie dann noch neu ist oder überhaupt umgesetzt wird. Vielmehr sollten Immobilienunternehmen gewillt sein Entscheidungen bei unvollständiger Information sehr schnell zu treffen und nicht jeden Innovationsprozess durch langwierige Entscheidungsprozesse in Gremien abzutöten.

Auch sollten die Abteilungen, die nah am Kunden sind (interne Abteilungen sollten ihre Mitarbeiter ebenfalls als Kunden betrachten) über gewisse Entscheidungsfreiräume verfügen, um agil zu sein. Das Management muss nicht immer hundertprozentig überzeugt sein, sondern auch einfach mal hinter der Entscheidung seiner kompetenten Mitarbeiter/innen stehen.

Im Zuge der digitalen Transformation und Technisierung der Immobilienbranche , die momentan recht populäre Themen sind, ist es unabdingbar auch die Unternehmensstruktur - sowie Kultur zu innovieren. Wäre doch schön, wenn unsere Branche etwas mehr Amazon und weniger Kodak wäre. Am Ende kommt bei zufriedenen Kunden und Innovationsführerschaft auch der monetäre Erfolg, das ist gewiss.

Autor: Viktor Weber ist Gründer des Future Real Estate Institute mit Sitz in München.

28.04.2017