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Best Practise: Wie Firmen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen

Sechs Immobilienunternehmen zeigen, dass soziales Engagement mehr sein kann als ein gut dotierter Scheck zum Fototermin. Außerdem: Checkliste für erfolgreiches Engagement aus dem CSR-Leitfaden der Initiative Corporate Governance.

Ein mögliches Feld auf dem Immobilienunternehmen soziales Engagement zeigen können: die Kinder- und Jugendbildung (Foto: B.Bernat/DKJS)
Ein mögliches Feld auf dem Immobilienunternehmen soziales Engagement zeigen können: die Kinder- und Jugendbildung (Foto: B.Bernat/DKJS)

Mit einem besonderen Projekt hat in jedem Jahr die Initiative Corporate Governance einen immobilienmanagerAward in der Kategorie Social Responsibility  gewonnen. Sie hat einen Leitfaden herausgebracht, der Immobilienunternehmen bei sozialem Engagement unterstützen soll. Darin zeigen Best-Practise-Beispiele wie die Unternehmen einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten können.

An sechs unterschiedlichen Beispielen aus dem Leitfaden zeigen wir exemplarisch, welche Immobilienunternehmen mehr tun als bloß reden:

1. RAG Montan Immobilien: „Unterstützung Kindernotaufnahme Spatzennest“
Die Kindernotaufnahme Spatzennest des Deutschen Kinderschutzbundes bietet bis zu 20 Kindern Schutz und Sicherheit in Krisensituationen. Die Aufnahmegründe sind sehr unterschiedlich. Die RAG Montan Immobilien initiiert und organisiert seit über fünf Jahren Aktionen, um die Kinder im Spatzennest durch Sach- und Geldspenden zu unterstützen. Die Erlöse des Tannenbaumverkaufs oder ähnlicher Aktionen fließen direkt an das Spatzennest. Halbjährlich sammeln die Mitarbeitenden Saisonkleidung und Spielzeug. Jeder erlaufene Kilometer des „Lauftreffens Zollverein“ wandelt die Unternehmensleitung in eine Geldspende um. Auch ausgezeichnete Mitarbeitergruppen spendeten ihre Teamprämie dem Spatzennest. Besonders beachtenswert: Vertrauensleute, Mitarbeitende und Unternehmensleitung fühlen sich gleichermaßen dem Spatzennest seit Jahren verbunden. Sie nutzen eine Vielzahl von Formaten, um Geld- und Sachspenden zu erhalten, die so zielgerichtet mit einem klaren lokalen Bezug vergeben werden. Die hohe Spendenkontinuität bedeutet für das Spatzennetz Planbarkeit und Verlässlichkeit. Zudem entstanden die beiden Häuser der Kindernotaufnahme auf einem ehemaligen Grundstück der RAG.

2. Gegenbauer Holding: Sommercamp „futOur“
Das Programm „futOur“ hat Gegenbauer gemeinsam mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport im Jahr 2005 ins Leben gerufen und agiert dabei in einem starken trisektoralen Bündnis aus Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft. „FutOur“ vereint berufsorientierende Angebote, Praxisprojekte sowie Freizeitaktivitäten in Sommercamps, in denen Siebt- bis Neuntklässler/innen aus benachteiligten Umfeldern zwei Jahre lang individuelle Begleitung zur Berufsorientierung bekommen. Die Partizipation aller relevanten Stakeholder – von Lehrkräften über Eltern bis hin zu Betrieben – ist dabei von zentraler Bedeutung.

3. Generali Real Estate: Nachhaltigkeitsscoring GRE
Die Generali Real Estate hat als eines der ersten Unternehmen in Deutschland ein Inhouse-Nachhaltigkeitsscoring als digitales Messinstrument des Immobilienbestandes implementiert. Dabei wird einmal pro Jahr das Immobilienportfolio einem Scoring-Prozess unterzogen und so die eigenen Investitionen nach Nachhaltigkeitskriterien bewertet. Besonders beachtenswert: Mit dem Scoring-Prozess integriert die Generali die Nachhaltigkeitskriterien über Kennzahlen in die Steuerung ihrer Kerngeschäftsprozesse (Investitionen). Damit soll die Unternehmenskultur positiv beeinflusst werden. Diese Methode ist ein gutes Beispiel für wirkungsorientierte Steuerung.

4. Corpus Sireo: Cornelius Stiftung
Die Stiftung von Corpus Sireo engagiert sich für Kinder von suchterkrankten Eltern und ihre Mütter. Durch die Bereitstellung von Immobilien und Therapieangeboten sowie die punktuelle Einbindung von Mitarbeitern in die Stiftungsarbeit ist das gesellschaftliche Engagement mit dem Kerngeschäft verbunden und in der Unternehmenskultur verankert.

5. René Reif Consulting: Ghettokids University
Mit dem Programm „Ghettokids university“  unterstützt die René Reif Consulting GmbH durch die fachliche Expertise ihrer Mitarbeiter und durch die Bereitstellung von Infrastruktur die Ghettokids. Der Verein setzt sich für benachteiligte Kinder und Jugendliche in München ein. Das Programm ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie ein kleines Unternehmen sich im Rahmen seiner Kernkompetenzen nachhaltig sozial und gesellschaftlich engagieren kann.

6. Arcadis NV: „Shelter Program Myanmar“
Um die Lebensqualität in schnell wachsenden Städten weltweit zu verbessern, arbeitet das niederländische Unternehmen Arcadis mit der internationalen Organisation UN-Habitat zusammen und bindet dabei jeweils lokal öffentliche Verwaltungsbehörden ein. Arcadis unterstützt das „Shelter Program Myanmar“, indem die Expertise von Mitarbeitenden über Pro-bono-Projekte zur Verfügung gestellt wird. Über 120 Arcadis-Experten aus verschiedenen Abteilungen haben bereits aktiv am Programm mitgewirkt, indem sie ihr Know-how, Fähigkeiten und Kapazitäten bereitgestellt haben.   

Die genannten Beispiele stammen aus dem Leitfaden der CSR-Initiative , der sich sowohl an Unternehmen, die sich bereits seit Jahren sozial-gesellschaftlich engagieren, wie auch an Firmen, die noch am Anfang entsprechender Aktivitäten stehen, richtet. Er bietet umfassende Informationen zu konkreten Ansatzpunkten und Erfolgsfaktoren für soziales-gesellschaftliches Engagement und praktische Tipps.   

Die CSR-Initiave gibt zehn Tipps für erfolgreiches soziales und gesellschaftliches Engagement in der Immobilienwirtschaft:

Checkliste für erfolgreiches soziales und gesellschaftliches Engagement

1. Verantwortung im Kerngeschäft: Bieten unsere Unternehmenskultur und unsere Haltung im Kerngeschäft eine gute Basis für soziales und gesellschaftliches Engagement?

2. Mehrwert für Unternehmen und Gesellschaft: Haben wir klare Ziele für unser Engagement definiert? Berücksichtigen wir dabei sowohl den Business Case als auch den Social Case?

3. Passende Handlungsfelder: Haben wir unser Engagement auf eine passende Anzahl von Handlungsfeldern fokussiert? Ist dieser Schwerpunkt für (externe) Stakeholder erkennbar und passt er zu unserem Unternehmen (Geschäftsfeld, Wertschöpfungskette, Eigentümerstruktur, Größe, Verortung)?

4. Wirkungsorientierte Steuerung: Treffen wir Entscheidungen bezüglich unseres Engagements auf Basis der Wirkung für die Gesellschaft und für unseres Unternehmens? Nutzen wir in allen Phasen geeignete Monitoring- und Reflexionsinstrumente, um ein kontinuierliches Lernen und Verbessern zu ermöglichen?

5. Transparente Kommunikation nach innen und außen: Kommunizieren wir unser Engagement und seine Wirkung transparent an alle relevanten internen und externen Stakeholder?

6. Verbindung zur Geschäftsstrategie und Unterstützung der Führungsebene: Ist unser Engagement in unserer Unternehmensstrategie verankert? Haben unsere Führungskräfte einen starken Bezug zum Engagement

7. Nutzung von Kernkompetenzen und -ressourcen: Setzen wir in unserem Engagement gezielt Ressourcen und Expertise aus unserem Kerngeschäft ein? Nutzen wir in unserem Engagement die besonderen Stärken und Kompetenzen unserer Mitarbeiter?

8. Partizipation: Binden wir unsere Mitarbeitenden (und gegebenenfalls auch Kunden/innen oder weitere Stakeholder) frühzeitig in die Ausrichtung, Entwicklung und Umsetzung unseres Engagements ein?

9. Austausch und Netzwerke: Tauschen wir uns zu unserem Engagement mit anderen Unternehmen (unserer oder auch anderer Branchen) sowie gemeinnützigen Akteuren/innen aus, um Feedback zu unserem Engagement zu erhalten, Wissen zu teilen und praxisnahes gemeinsames Lernen zu ermöglichen?

10. Partnerschaft: Engagement in Partnerschaft mit anderen bietet enormes Wirkungspotenzial. Kooperieren wir in unserem Engagement mit anderen Akteuren aus der Branche oder anderen Sektoren? 

01.03.2017