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Apps für Immos: Casavi-Gründer Peter Schindlmeier im Interview

Der Geschäftsführer des App-Entwicklers über den Digitalisierungs-Trend in der Branche und die damit verbundenen Schwierigkeiten.

Peter Schindlmeier:
Peter Schindlmeier: "Künstliche Intelligenz bietet sich an" (Foto: Casavi)

Herr Schindlmeier, warum hinkt die Immobilienwirtschaft bei digitalen Neuerungen hinterher?
Peter Schindlmeier: Man muss schon unterscheiden. Bei Bestandsgebäuden tut sich die Branche tatsächlich noch schwer. Bei Neubauprojekten hingegen werden digitale Lösungen öfter bereits im Konzept mitverankert und lassen sich auch gut integrieren. Allerdings vergehen von der Planungsphase bis zum Einzug der Mieter und damit auch der Nutzung der digitalen Angebote meist drei, vier oder sogar fünf Jahre.

Für Software-Unternehmen eine Ewigkeit, oder?
Peter Schindlmeier: Absolut. Das ist für ein digitales Angebot für Konsumenten alles andere als eine typische Vorlaufzeit. Denn das Nutzerverhalten, die Anforderungen an eine App oder die Technik können sich von der Planungsphase bis zum Zeitpunkt der tatsächlichen Nutzung natürlich verändern.

An den langen Planungszeiten auf der einen und dem hohen Tempo digitaler Innovationen auf der anderen Seite wird sich kaum etwas ändern. Was ist die Lösung?
Peter Schindlmeier: Aus unserer Sicht wäre viel gewonnen, wenn Immobilienunternehmen digitale Konzepte nicht nur für einzelne Projekte einsetzen, sondern eine durchgängige Digitalstrategie für ihre kompletten Bestände entwickeln würden. Das ist bisher nur ansatzweise zu sehen, aber ich bin optimistisch, dass es soweit kommen wird. Und dazu trägt natürlich letztlich jedes Einzelprojekt und jede positive Erfahrung bei. Irgendwann planen die Immobilienunternehmen digitale Lösungen genauso normal ein wie heute einen Lift oder eine Tiefgarage.

Gibt es Länder, die als Vorbilder taugen?
Peter Schindlmeier: In den USA sind digitale Lösungen zumindest bei hochwertigen Condominiums ziemlich verbreitet. Allerdings hat Deutschland den Vorteil, dass es am Wohnungsmarkt einige sehr große Unternehmen gibt und wir generell eher ein Mieterland sind. Das würde die Einführung flächendeckender Lösungen eigentlich vereinfachen.

Welche Digitalisierungstrends beobachten Sie?
Peter Schindlmeier: Das Thema „Künstliche Intelligenz“ bietet sich für die Immobilienbranche an. Ein Beispiel: Wiederkehrende Fragen vieler Mieter an ihre Hausverwaltung kann ein intelligenter oder selbstlernender Algorithmus in Form eines sogenannten Chatbots erkennen, automatisch beantworten oder an die zuständige Person weiterleiten. Eine solche Innovation könnte für einen Wohnungsverwalter mit tausenden von Einheiten eine enorme Vereinfachung sein.

Interview: Markus Gerharz

Das Interview mit Peter Schindlmeier ist zuerst in der August-Ausgabe von immobilienmanager erschienen. Es ist Teil des Artikels über Apps für Stadtquartiere.

25.08.2016