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5 Technologien, die die Immobilienwirtschaft 2016 verändern (können)

Trends gibt es viele, auch in der Immobilienwirtschaft. Aber welche haben noch in diesem Jahr Einfluss auf die Branche? Dr. Thomas Beyerle und Viktor Weber haben ein Ranking erstellt.

Drohnen kommen auch in der Immobilienwirtschaft zum Einsatz: Zu den fünf wichtigsten Technlogietrends der Immobilienwirtschaft 2016 gehören sie jedoch nicht (Foto: Matt Pritchard/unsplash.com)
Drohnen kommen auch in der Immobilienwirtschaft zum Einsatz: Zu den fünf wichtigsten Technlogietrends der Immobilienwirtschaft 2016 gehören sie jedoch nicht (Foto: Matt Pritchard/unsplash.com)

Langsam kommt Bewegung in die Immobilienbranche. Immer mehr Entscheider und vorausschauende Akademiker fragen sich, welche Technologien wie und wann unsere Branche revolutionieren könnten.

Die Makrotrends sind eindeutig. Mehr Automatisierung durch offline sowie online Technologien. Alteingesessene Branchen wie das Bankenwesen werden bereits von jungen Fintechs gezwungen umzudenken. Emporschießende Proptechs beginnen den selben Einfluss auf die Immobilienwirtschaft auszuüben. Fakt ist, dass wir innovativer denken und agieren müssen.

Zeit für ein Technologieranking
Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen ein Technologieranking vorzustellen. Dabei berücksichtigen wir vor allem die immanenten, direkten Einflüsse auf sämtliche Akteure der Branche. Indirekte Einflüsse, wie ein steigendes Lebensalter durch medizinische Fortschritte, demographischer Wandel und Automatisierungseinflüsse auf Beschäftigung und somit Flächenbedarf bleiben dabei außen vor. Denn im Betrachtungszeitraum 2016 schätzen wir ihre Einflüsse relativ gering ein. Dies ist auf die branchentypische langsame Innovationsadaptionsrate zurückzuführen.

Diese fünf Schlüsseltechnologien werden sich nun (hoffentlich) merklich auf die Branche auswirken:

Trend 5: Building Informationen Modelling
BIM ist ein Dauerbrenner, wenn es um Innovation in der Immobilienbranche geht. Das Thema ist auf jedem Kongress vertreten, jedoch lässt die flächendeckende Implementierung noch auf sich warten . Durch das Forcieren der Debatte um Innovation ist dies der am einfachsten zu nehmende und zu verstehende Technologietrend. Eine Level drei Implementierung, welche den gesamten Lebenszyklus der Immobilie von Planung bis Abriss, begleitet, wäre darüber hinaus eine notwendige Datenquelle für Big Data Analytics und Künstliche Intelligenz.

Trend 4: Smarte Quartiere
Die Smartness jedweder Applikation steht und fällt mit ihrer Datengrundlage, den verwendeten mathematischen Modellen, der Bedienbarkeit des Systems und den Sensoren, die die Daten sammeln sollen. Bis dato konnten Smart Homes konzipiert werden, jedoch können wir weit mehr als per App Teile der Gebäudetechnik zu steuern. Da sich aber flächendeckende Projekte vielerorts nur schwer durchsetzen konnten, gehen wir davon aus, dass in Deutschland erst ein smartes Quartier entwickelt werden müsse, deren Anwohner den Nutzen von Smart Traffic Systemen, automatisiertem Energiemanagement und einer automatisierten Müllentsorgung sowie weiteren Technologien erleben können.

Ein solches Quartier könnte zum einen von staatlicher Förderung profitieren, wertvolle Daten für Forschung sowie Praxis sammeln und von technologie-affinen Early Adoptern bewohnt werden, sodass Inferenzen auf weitere Standorte geschlossen werden könnten.

Trend 3: Augmented Reality
Bis zum Jahr 2016 war Augmented Reality ein Schlagwort mit wenig Gehalt, doch durch den Launch von Pokemon Go, einer Mobile Gaming App, konnten von heute auf morgen mehrere Million Dollar Umsatz am Tag generiert werden. Diese App schaffte es eine gute Brücke zwischen offline und online Welt zu schlagen.

Gerade Maklerhäuser, sowohl im privaten als auch institutionellen Sektor, könnten diese Technologie nutzen, um Kennzahlen, BIM-Entwürfe und weitere, relevante Daten während einer Besichtigung in einem Augmented Reality Exposé zu kommunizieren. Auch diese Applikationen wäre leicht zu verstehen und ein nachvollziehbarer Schritt zu einer innovativen Branche.

Trend 2: Big Data Analytics
Auf Grundlage der gewonnene Daten aus der möglichen BIM-Implementierung, internationalen Datenstandards, durch die möglichen Früchte des International Real Estate Data Exchange Council, eine vermehrte Digitalisierung in den Unternehmen und Informationen, gewonnen durch Smarte Applikationen, würden die charakteristischen Merkmale von Big Data erfüllt werden und somit typische Analyseverfahren ermöglichen.

Die Kosteneinsparungen, bessere Informationsgrundlagen und Forschungsergebnisse werden den Einzug von Big Data, sprich die Sammlung, Speicherung und Analyse, weiter vorantreiben. Unternehmen die diesen Trend verschlafen, gerade im Investmentbereich oder in der Forschung, gefährden ihre Existenzgrundlage.

Trend 1: Künstliche Intelligenz assistierte Trendprognosen und Investments
Einen Schritt weiter möchten wir mit der Nennung von Künstlicher Intelligenz gehen, die im Übrigen auch für Big Data Analysen verwendet werden kann. Durch den Einzug von semantischer Textanalyse im Bereich der Legal und Financial Due Diligence konnte die Überlegenheit von künstlicher Intelligenz demonstriert werden. Deshalb prognostizieren wir, dass vorausschauende Unternehmen neue interdisziplinäre Abteilungen ins Leben rufen werden, die eigene Modelle nach hausinternen Parametern erstellen sollten.

Künstliche Intelligenz kann durch die angestauten internen Daten gefüttert werden, um Bewertungsprozesse zu unterstützen oder Trends zu prognostizieren. Ebenso könnten Prozesse innerhalb des Unternehmens optimiert werden. Durch die Kombination mit Open Data, weiteren internen Datenerhebungen und dem denkbaren Datenaustausch zwischen verschiedenen Akteuren, können noch komplexere Modelle entwickelt werden.

Auch hier prognostizieren wir, dass das Verständnis über das technisch Mögliche sowie Sinnvolle innerhalb der Branche zunehmen wird. Vor allem gehen wir aber davon aus, dass die Branche technologie-affiner werden und sich mehr in Richtung Modellentwicklung bewegen wird.

Konklusion : Wozu das Ganze?
Dieses Ranking soll zum Sinnieren sogar Fantasieren anregen, denn Kreativität ist im Kontext von Innovation und dem berüchtigten "Thinking outside of the Box" unabdingbar. In fortfolgenden Publikationen werden wir dezidiert auf die einzelnen Technologien mit ihren immobilienwirtschlichen Implikationen eingehen.

Auf dem Horizont sind bereits weitere Technologien zu sehen, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten ihre Wirkung entfalten werden. Dazu zählen wir die Sensorik, Robotik, das Internet der Dinge, den 3D-Druck, die Synthetische Biologie, Blockchain-Technologien, Cloud Computing und auch Virtual Reality.

Diese Technologien befinden sich auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen und werden die Branche indirekt sowie direkt verändern, jedoch denken wir nicht, dass sie ihre volle Wirkung im Jahr 2016 entfalten werden.

Autoren: Dr. Thomas Beyerle, Managing Director der Catella Property Valuation GmbH und Viktor Weber, Gründer des Future Real Estate Institute , haben dieses immobilienspezifisches Technologieranking 2016 konzipiert. Es soll als Diskussionsgrundlage innerhalb der Branche fungieren.

02.09.2016